Baldrian und Hopfen: Natürliche Hilfe bei Nervenschmerzen und Schlafstörungen

Viele Menschen suchen nach natürlichen Wegen, um Nervenschmerzen, innere Unruhe und Schlafstörungen zu lindern. Baldrian und Hopfen sind zwei traditionelle Heilpflanzen, die oft in Kombination verwendet werden, um diese Beschwerden zu behandeln. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungen, Anwendungsgebiete und wichtigen Hinweise zu Baldrian und Hopfen.

Was ist Baldrian?

Baldrian (Valeriana officinalis) ist eine Pflanze, die zur Familie der Baldriangewächse (Valerianaceae) gehört. Als Arzneipflanze wird der sogenannte Echte Baldrian verwendet. Die unterirdisch wachsenden Teile der Pflanze, insbesondere die Wurzeln, werden für Arzneien genutzt, um Extrakte oder Baldrianöl zu gewinnen. Baldrianpräparate gibt es in verschiedenen Anwendungsformen, beispielsweise zur äußeren Anwendung als Badezusatz oder zur Einnahme.

Traditionelle Anwendung und Wirkung

Traditionell werden dem Baldrian beruhigende Effekte zugeschrieben. Wie Baldrian genau wirkt, ist noch nicht vollständig bekannt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Inhaltsstoffe aus der Baldrianwurzel das Gehirn beeinflussen und dadurch entspannend und schläfrig machen können. Baldrianpräparate werden daher vor allem bei leichter innerer Unruhe und Schlafstörungen eingesetzt.

Anwendungsgebiete von Baldrian

  • Schlafprobleme: Bestimmte Baldrianpräparate sollen helfen, das Einschlafen zu erleichtern und die Schlafqualität zu verbessern. Baldrian wird auch als Kombinationspräparat mit weiteren Heilkräutern angeboten, die schlafunterstützend wirken sollen, wie Hopfen, Melisse oder Passionsblume.
  • Nervöse Unruhe: Bestimmte Baldrianpräparate sollen leichte nervöse Anspannung lindern. Menschen, die beispielsweise in Stresssituationen unter nervöser Unruhe leiden, können nach Absprache mit ihrem Arzt auf ein Baldrianpräparat zurückgreifen.

Es ist wichtig zu wissen, dass Baldrian den Schlaf nicht unbedingt nach der ersten Einnahme verbessert. Oft sind mindestens zwei Wochen nötig, bis sich die Effekte bemerkbar machen.

Wissenschaftliche Belege zur Wirkung von Baldrian

Baldrian gibt es in vielen Formen und Kombinationen. Pflanzliche Präparate zählen oft zu den sogenannten traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln. Sie werden zwar schon lange angewendet, ihre Wirkung ist aber in der Regel nur indirekt belegt. Es gibt jedoch auch pflanzliche Arzneimittel, deren Wirksamkeit - etwa bei nervös bedingten Schlafstörungen - in Studien genauer untersucht wurde. Fachleute wünschen sich noch mehr Daten aus großen wissenschaftlichen Studien, die den Nutzen der Pflanzenmedizin eindeutig belegen.

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Generell gilt: Hinter Schlafproblemen oder innerer Unruhe können viele Ursachen stecken. Wer darunter leidet, sollte sich ärztlich untersuchen lassen. Der Arzt berät zur jeweils passenden Behandlung.

Was ist Hopfen?

Hopfenzapfen stammen vom Hopfen (Humulus lupulus). Bei Hopfenzapfen handelt es sich um die ganzen weiblichen Blütenstände, die als arzneilicher Wirkstoff verwendet werden. Sie enthalten ätherische Öle und Bitterstoffe. Hopfenzapfen wirkt nicht nur mild beruhigend, sondern durch seine Bitterstoffe auch appetitanregend. Das Hanfgewächs ist außerdem reich an Phytohormonen und wurde früher als "Anti-Aphrodisiakum" verwendet.

Baldrian und Hopfen in Kombination

Die Wirkstoffkombination aus Baldrianwurzel und Hopfenzapfen hat einen beruhigenden Effekt. Die Wirkstoffe werden abends bei nervös bedingten Schlafstörungen, insbesondere bei Einschlafproblemen, eingesetzt. Im Gegensatz zu vielen chemischen Schlafmitteln können die Wirkstoffe auch längere Zeit eingenommen werden, da sie den Schlafrhythmus nicht stören und nicht abhängig machen.

Wirkungsweise der Kombination

Die Wirkstoffkombination aus Baldrianwurzel und Hopfenzapfen gehört zu den pflanzlichen Schlafmitteln. Sie macht den Körper schlafbereit, indem sie ihn entspannt sowie Unruhe und Nervosität beseitigt, die einem gesunden Schlaf im Wege stehen. Der schlaffördernde Effekt tritt aber oft erst nach einigen Tagen ein.

Baldrianwurzeln sind die arzneilich verwendeten Teile der Pflanze. Hier befinden sich die wichtigsten Inhaltsstoffe des Baldrians, die so genannten Valepotriate. Ferner enthält Baldrianwurzel Alkaloide sowie Gerb- und Schleimstoffe, Stärke und Zucker. Baldrianwurzel wirkt beruhigend, einschlaf- und durchschlaffördernd, krampflösend und muskelentspannend. Außerdem hat er einen psychisch leicht anregenden Effekt. Durch diese Wirkungen vermag der Wirkstoff, Nervosität, innere Ruhe, Angst und Spannung zu beeinflussen, einen Zustand der Ausgeglichenheit hervorzurufen und Schlafstörungen zu lindern.

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Die einschlaffördernde Wirkung sowie die Verbesserung der Schlafqualität nach innerlicher Einnahme von Baldrianpräparaten sind in Studien belegt. Als Grund für diese Wirkungen vermutet man Effekte auf Botenstoffe (Neurotransmitter) im Gehirn, wie sie auch bei den meisten chemischen Psychopharmaka vorhanden sind. Besonders der Botenstoff Gamma-Amino-Buttersäure (GABA), der im Gehirn dämpfend wirkt und an dessen Bindungsstellen auch die beruhigenden Benzodiazepine angreifen, scheint durch Baldrianwurzel in seiner Wirkung verstärkt zu werden. Neuerdings werden aber auch andere Wirkmechanismen diskutiert.

Gegenanzeigen und Warnhinweise

Bei Überempfindlichkeit gegen Baldrianwurzel und/oder Hopfenzapfen darf die Wirkstoffkombination nicht angewendet werden. Da keine ausreichenden Untersuchungen vorliegen, wird die Anwendung dieser Wirkstoffkombination in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen. Bisher sind allerdings keine Hinweise auf eine Schädigung des Kindes bekannt.

Die Reaktionsfähigkeit kann durch das Medikament so weit beeinträchtigt sein, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen vermindert ist. Dies gilt besonders im Zusammenwirken mit Alkohol.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Nebenwirkungen können vorkommen, beispielsweise Magen-Darm-Probleme wie Übelkeit und Bauchkrämpfe. Seltene Nebenwirkungen sind leichte Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen. Sehr seltene Nebenwirkungen sind allergische Hautreaktionen wie Rötungen, Juckreiz. Bei Anzeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion darf die Wirkstoffkombination nicht nochmals eingenommen werden.

Durch den Kombinationsbestandteil Baldrianwurzel kann die Wirkung von Beruhigungs- oder Schlafmitteln verstärkt werden. Dies gilt besonders in Verbindung mit Alkohol. Ist eine Narkose geplant, sollte der Kombinationsbestandteil Baldrianwurzel vorher abgesetzt werden, weil sich durch den Wirkstoff möglicherweise auch die Wirkung von Narkosemitteln verstärken kann.

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Wer Baldrianpräparate und andere Arzneimittel zeitgleich oder kurz hintereinander anwenden möchte, sollte sich dazu vorsichtshalber in der Apotheke oder in der Arztpraxis informieren. Bei der Anwendung mehrerer Wirkstoffe können Wechselwirkungen auftreten - zum Beispiel bei der Kombination verschiedener beruhigender Arzneien. Die Wirkungen und Nebenwirkungen der Präparate können sich dann unter Umständen verstärken oder verändern.

Dosierung und Anwendung

Um Baldrian tagsüber gegen nervöse Anspannung zu nehmen, wird eine Dosierung von bis zu dreimal täglich 400 bis 600 Milligramm Baldrianextrakt empfohlen. Gegen Schlafstörungen ist eine Dosis von 400 bis 600 Milligramm circa 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafengehen empfehlenswert, falls nötig auch eine Dosis während des früheren Abends. Die volle Wirkung wird bei regelmäßiger Einnahme erst nach etwa zwei bis vier Wochen erreicht.

Baldriantee aus der getrockneten und geschnitten Wurzel schmeckt etwas bitter und viele mögen ihn daher nicht. Angenehmer sind Teemischungen in Kombination mit Melisse, Hopfen und Passionsblume. Man nimmt pro Tasse circa einen Teelöffel Baldrianwurzel oder Kräutermischung und lässt den Aufguss zehn Minuten zugedeckt ziehen.

Wer sich selbst Vollbäder mit Baldrian zubereiten möchte, beginnt damit am besten etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen. Man nimmt 100 Gramm zerkleinerte Wurzeln des Baldrians, gießt sie mit kochendem Wasser auf und lässt den Aufguss zehn Minuten lang ziehen. Dann gibt man ihn ins warme Badewasser und badet darin etwa 15 bis 20 Minuten. Einfacher ist es, Baldriantropfen oder Baldrianöl hinzuzufügen.

Weitere wichtige Hinweise

  • Schwangere und Stillende sollten Baldrian vorsorglich nicht anwenden, da es noch keine sicheren Erkenntnisse gibt, ob die Einnahme für sie unbedenklich ist.
  • Kinder unter 12 Jahren sollten Baldrian vorsorglich nicht anwenden. Manche Baldrianpräparate sollten erst ab 18 Jahren zum Einsatz kommen. Informieren Sie sich in der Apotheke oder in der Arztpraxis, welche Produkte individuell geeignet sind.
  • Baldrian sollte nicht mit anderen Beruhigungs- oder Schlafmitteln kombiniert werden - es sei denn, es wurde mit der Ärztin oder dem Arzt abgestimmt.
  • Wer Baldrian anwendet, sollte keinen Alkohol trinken.
  • Baldrianpräparate können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Betroffene sollten nicht Auto fahren oder Maschinen bedienen.

Weitere pflanzliche Alternativen

Neben Baldrian und Hopfen gibt es noch weitere pflanzliche Mittel, die bei Nervosität und Schlafstörungen eingesetzt werden können:

  • Melisse: Melisse wirkt vor allem Verspannungen lösend und fördert die Konzentration.
  • Kamille: Kamille wirkt entspannend und entzündungshemmend.
  • Lavendel: Lavendelöl wirkt ebenfalls entspannend und beruhigend. Hierbei spielt auch der Geruch eine große Rolle, der beruhigend auf das Nervensystem wirkt.
  • Johanniskraut: Johanniskraut wirkt beruhigend und stimmungsaufhellend, kann aber auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben und die Lichtempfindlichkeit erhöhen.
  • Passionsblume: Passionsblume wirkt allgemein ausgleichend und harmonisierend und wird häufig mit Baldrian kombiniert.

Weitere Tipps für Entspannung und besseren Schlaf

Neben pflanzlichen Mitteln können auch andere Maßnahmen helfen, Nervosität und Schlafstörungen zu reduzieren:

  • Magnesium: Magnesium kann die Nerven beruhigen und Muskelkrämpfe vermeiden.
  • L-Theanin: L-Theanin, eine Aminosäure, die vor allem in grünem Tee vorkommt, hilft nachweislich bei der Beruhigung angespannter Nerven.
  • Aromatherapie: Düfte wie Lavendel, Bergamotte, Kamille oder Ylang-Ylang können das Nervensystem positiv beeinflussen und Stresshormone wie Cortisol reduzieren.
  • CBD (Cannabidiol): CBD unterstützt das Endocannabinoid-System, reduziert Nervosität und Unruhe und sorgt für sanfte Entspannung ohne schläfrig zu machen.

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