Bandscheibenvorfall LWS: Nerv eingeklemmt – Behandlungsmöglichkeiten und was Sie wissen sollten

Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) mit eingeklemmtem Nerv kann sehr schmerzhaft sein und den Alltag erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten eines solchen Bandscheibenvorfalls, um Betroffenen ein umfassendes Verständnis der Erkrankung zu ermöglichen.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Ein Bandscheibenvorfall (Diskushernie) entsteht, wenn die Bandscheibe nicht mehr widerstandsfähig genug ist. Dabei wölbt sich der äußere Rand der Bandscheibe vor (Bandscheibenprotrusion) oder ein Stück der Bandscheibe löst sich und dringt in den Nervenkanal ein.

Insgesamt 23 Bandscheiben dienen in der Wirbelsäule als Puffer und federn die Bewegungen der Wirbelkörper ab. Erst die Bandscheiben ermöglichen die enorme Beweglichkeit der Wirbelsäule und verteilen den Druck, der auf der Wirbelsäule lastet, gleichmäßig. Die Bandscheibe ist etwa 1,2 Zentimeter hoch und liegt zwischen den knöchernen Wirbelkörpern. Sie besteht aus der zähen bindegewebigen Hülle (Anulus fibrosus) und dem flüssigen Kern (Nucleus pulposus). Die Bandscheibe federt Stöße ab und ermöglicht als Gleitschicht zwischen den knöchernen Wirbelkörpern die Beweglichkeit der Wirbelsäule.

Bereits ab etwa dem 20. Lebensjahr werden unsere Bandscheiben zusehends schlechter mit Nährstoffen versorgt und der äußere Faserring (Anulus fibrosus) bildet immer mehr kleine Risse. Damit wird die Hülle anfälliger für Verletzungen. Der Gallertkern der Bandscheibe (Nucleus pulposus) dringt bei Belastung in die feinen Risse des Faserrings ein. Hierdurch kann es zu einer Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) bis hin zu einem kompletten Riss (Ruptur) des Faserrings kommen.

Schematische Darstellung einer Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) und eines Bandscheibenvorfalls (Bandscheiben- oder Diskusprolaps): Der Gallertkern der Bandscheibe wölbt sich bei einer Bandscheibenprotrusion in den Wirbelkanal vor. Der feste Faserring ist noch intakt. Bei einem Bandscheibenvorfall durchbricht der Gallertkern der Bandscheibe den festen Faserring und tritt nach außen. Wenn ein Nerv oder das Rückenmark eingeengt wird, hat der Bandscheibenvorfall ernste Folgen: Schmerzen, Lähmungen und dauerhafte Ausfälle sind möglich.

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Die paarweise auf beiden Seiten der Wirbelsäule austretenden Nervenwurzeln leiten Signale aus dem Gehirn in den Körper. Diese Zuordnung der Nervenwurzeln zu bestimmten Körpersegmenten ist für die klinische Untersuchung des Bandscheibenvorfalls sehr wichtig.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen eines Bandscheibenvorfalls (Diskusprolaps) liegen meist in verschleißbedingten (degenerativen) Prozessen. Nur selten ist ein Unfall (Trauma) für einen Bandscheibenvorfall verantwortlich. Normale Alterungsprozesse, Bewegungsmangel und sitzende berufliche Tätigkeiten wirken sich negativ auf die Gesundheit der Bandscheibe aus. Ihre Versorgung mit Nährstoffen und Wasser ist herabgesetzt und sie verliert an Höhe und Elastizität. Haltungsfehler und Fehlstellungen der Wirbelsäule können ebenfalls eine Rolle spielen.

Meist geht dem Riss des Faserknorpels ein längerer, degenerativer Prozess voraus. Die Bandscheibendegeneration ist ein Rückgang der normalen Bandscheibenfunktion, meist aufgrund einer Störung im Stoffwechsel. Eine Degeneration der Bandscheibe betrifft bereits 30 Prozent der 30- bis 35-Jährigen, dabei sind die meisten in diesem Alter noch beschwerdefrei. Die Bandscheibendegeneration verläuft in mehreren Stadien. Bei der intakten Bandscheibe ist der flüssige Bandscheibenkern (Nucleus pulposus) von dem zähen Anulus fibrosus umgeben. Gibt diese zähe Bandscheibenhülle unter dem Druck des Gallertkernes nach, liegt eine Bandscheibenprotrusion vor: Die Bandscheibe wölbt sich vor. Erst wenn das gallertartige Innere der Bandscheibe nach außen tritt, spricht man von einem Bandscheibenvorfall. Im letzten Stadium bildet sich ein Sequester. Der Nucleus pulposus hat sich dann vollständig aus dem Inneren der Bandscheibe gelöst.

Ein Bandscheibenvorfall tritt vor allem dann auf, wenn die Bandscheibe vorne komprimiert wird. Dies ist zum Beispiel beim Hochheben einer Last aus gebeugter Haltung der Fall.

Symptome eines Bandscheibenvorfalls in der LWS

Typische Beschwerden eines Bandscheibenvorfalls sind Schmerzen im Kreuz, die oft in ein Bein ausstrahlen und durch Husten oder Niesen verstärkt werden. Seltener treten Schmerzen in beiden Beinen auf. Diese Schmerzen betreffen nicht das gesamte Bein, sondern nur den Bereich, der von der eingeklemmten Nervenwurzel versorgt wird. Häufig geht dem Schmerz ein Kribbeln oder ein unangenehmes Gefühl von Ameisenlaufen voraus. In schweren Fällen können die Schmerzen so intensiv sein, dass sie zu einer Fehlhaltung des Körpers und zu Hinken führen. Wenn die Nervenwurzel stärker eingeklemmt ist, kann dies zu einem Verlust von Gefühl oder Kraft im Bein oder Fuß führen.

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Bandscheibenvorfälle der Lendenwirbelsäule stellen die häufigsten Fälle dar. Bei einem LWS-Bandscheibenvorfall treten typischerweise stechende Schmerzen auf, die auf den Rücken begrenzt sein können oder bis in die Beine und Füße ausstrahlen. Die Patienten nehmen Schonhaltungen ein und vermeiden starkes Pressen oder Husten, wodurch der Schmerz häufig noch verstärkt wird. Ist das Rückenmark tangiert, können auch hier Kribbeln, Taubheitsgefühle und Muskelschwächen bis hin zu Lähmungserscheinungen in den Beinen auftreten. Auch die Schließmuskulatur von Blase und Darm kann betroffen sein. Die drastischste Folge einer Bandscheibenruptur ist das Cauda-equina-Syndrom.

Die Cauda equina ("Pferdeschweif") ist ein Bündel von Nervenwurzeln, die zwischen dem Lendenwirbelsegment L1 und dem Kreuzbein im Wirbelkanal verlaufen. Eine massive Quetschung der Cauda equina durch einen Bandscheibenvorfall gilt als medizinischer Notfall und erfordert eine operative Dekompression innerhalb der nächsten 72 Stunden. Das Querschnittssyndrom führt zu schlaffen Lähmungen der unteren Extremitäten. Meist leiden Betroffene auch unter Sensibilitätsstörungen in den versorgten Bereichen. Taubheit und Kribbeln sind die Folge.

Schmerzen und Empfindungsstörungen nach Bandscheibenvorfall können - je nach betroffenem Segment der Wirbelsäule - unterschiedlich lokalisiert sein. Der Orthopäde kann vom Hautareal mit Empfindungsstörungen, dem sogenannten Dermatom, auf den zugehörigen geschädigten Spinalnerven schließen.

Es gibt Patienten, die einen Bandscheibenvorfall haben und dabei keinerlei Schmerzen empfinden. Offensichtlich treten Schmerzen nur auf, wenn die Nervenwurzel bereits vorher eine Empfindlichkeit (Sensibilisierung) für den Bandscheibenvorfall entwickelt hat. In diesen Fällen wurde bei feingeweblichen Untersuchungen die Ausbildung von Schmerzfühlern im Bereich der Nervenwurzel und der Bandscheiben beobachtet. Die Nervenwurzeln versorgen im Bereich der Lendenwirbelsäule die Beinmuskeln mit Befehlen zur Bewegung. Sie sind auch für die Übermittlung der Schmerzsignale aus dem Körper an das Gehirn zuständig. Wenn etwas auf diese Nervenwurzeln drückt, kommt es typischerweise zu Schmerzempfindungen in den Gliedmaßen, die sie versorgen. Wenn die Nervenwurzeln aus dem Bereich der Sakralwirbel 3 bis 5 (S3-S5) betroffen sind, leidet der Patient an einer sogenannten Reithosenanästhesie.

Diagnose

Zunächst erfolgt eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung durch einen Neurologen oder Orthopäden. Eine wichtige Methode ist auch zu messen, wie leitfähig der betroffene Nerv ist.

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Das Röntgen- oder MRT-Bild der Wirbelsäule und das Befinden des Patienten sind nicht immer eindeutig miteinander in Verbindung zu bringen. Nicht jeder radiologisch sichtbare Befund führt tatsächlich zu starken Beschwerden. Viele Vorfälle sehen im Bild drastisch aus, verlaufen klinisch aber unauffällig. Andererseits gibt es Beschwerden, die ein Röntgen- oder MRT-Bild nicht erklären kann.

MRT-Aufnahme eines massiven Bandscheibenvorfalls der unteren Wirbelsäule (L5/S1) im Querschnitt. Das hervorgetretene Bandscheibengewebe (gelber Kreis) drückt in der Abbildung deutlich sichtbar auf den Duralsack (weiße Struktur), der im Rückenmarkskanal das Rückenmark enthält.

Provokationstests wie das Hoffmann-Tinel-Zeichen oder der Phalen-Test helfen dabei, einen eingeklemmten Nerv zu diagnostizieren. Durch gezielte Bewegungen oder leichten Druck auf den betroffenen Bereich können typische Symptome wie Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle ausgelöst oder verstärkt werden.

Konservative Behandlungsmöglichkeiten

Viele orthopädische Erkrankungen können konservativ behandelt werden. Besonders, wenn Patienten frühzeitig in unsere Praxis kommen, sind operative Therapien zunächst meist nicht notwendig. Den Wirbelsäulen-Spezialisten der Gelenk-Klinik steht ein breites Spektrum an therapeutischen Möglichkeiten zur Verfügung, Patienten mit einem Bandscheibenvorfall wieder zu weitgehender Schmerzfreiheit und Mobilität zu verhelfen.

Wenn ein Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich Beschwerden verursacht, reicht meist eine konservative Behandlung aus. Dazu gehören vor allem Bewegung, Entspannung und Entlastung, schmerzstillende Medikamente als Tabletten oder Spritzen sowie manuelle und physikalische Therapien. Bei den meisten Menschen lassen die Beschwerden innerhalb von sechs Wochen von allein nach.

Früher war es üblich, Menschen mit einem Bandscheibenvorfall 1 bis 2 Wochen Bettruhe zu verordnen. Heute wird jedoch dazu geraten, aktiv zu bleiben. Denn durch längeres Liegen werden Muskeln und Knochen schwächer, was zu weiteren Problemen führen kann. Daher ist es sinnvoll, den normalen Tätigkeiten nachzugehen, soweit es die Schmerzen erlauben. Bewegung hilft zudem, fit zu bleiben und die Rumpfmuskulatur zu kräftigen. Nicht zuletzt wirkt sie sich meist positiv auf die Stimmung aus.

Zu den konservativen Behandlungsansätzen gehören:

  • Schmerztherapie:

    • Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR): Aus dieser Medikamentengruppe kommen zum Beispiel Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen infrage. Sie wirken schmerzstillend und entzündungshemmend.
    • Paracetamol: Dieses Schmerzmittel kann für Menschen infrage kommen, die NSAR nicht vertragen - etwa weil sie Magenprobleme oder Asthma haben.
    • Opioide: Das sind starke Schmerzmittel, die nur unter ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden dürfen.
    • Kortikoide („Kortison“): Dies sind entzündungshemmende und schmerzlindernde Mittel, die als Tabletten, Infusionen oder Spritzen in den Muskel eingesetzt werden können.
    • Muskelrelaxantien: Das sind Beruhigungsmittel, die auch die Muskeln entspannen.
    • Antiepileptika: Diese Mittel werden normalerweise bei Epilepsie angewendet, einige sind aber auch zur Behandlung von Nervenschmerzen (Neuralgien) zugelassen.
    • Antidepressiva: Sie werden normalerweise gegen Depressionen eingenommen. Einige dieser Mittel sind auch zur Behandlung von chronischen Schmerzen zugelassen.
  • Physiotherapie: Regelmäßige, angepasste Bewegung ist ein wesentlicher und zentraler Behandlungsbaustein bei bandscheibenbedingten Beschwerden. Eine geeignete Bewegungstherapie mit speziellen Übungen kann die Nervenschmerzen lindern, Verspannungen lösen und Schonhaltungen korrigieren. Zur Behandlung von Schmerzen nach einem Bandscheibenvorfall kommen Bewegungsübungen im Rahmen einer Physiotherapie infrage. Auch manuelle und physikalische Therapien können Teil einer Physiotherapie sein. Zu den manuellen Behandlungen gehören Massagen und bestimmte Handgriffe, mit denen verspannte Muskeln oder blockierte Gelenke gelockert werden sollen. Physikalische Therapien nutzen Wärme, Kälte oder Zugkraft, um Schmerzen zu lindern.

    • Massagen: Verschiedene Massagetechniken werden genutzt, um die Muskeln zu lockern und Verspannungen zu lösen.
    • Wärme- und Kälteanwendungen: Hierzu gehören zum Beispiel Wärmepflaster oder -packungen, ein heißes Bad, ein Saunagang oder eine Infrarot-Bestrahlung. Wärme kann bei verspannten Muskeln guttun. Bei Nervenreizungen werden auch Kältepackungen eingesetzt, wie kalte Umschläge oder Gelkissen.
    • Ultraschalltherapie: Hierbei wird der untere Rücken mit Schallwellen behandelt, die durch feine Vibrationen Wärme erzeugen und so das Gewebe lockern sollen.
  • Ergotherapie: In einer Ergotherapie geht es darum, zu lernen, im Alltag mit Einschränkungen zurechtzukommen. Dabei werden zum Beispiel neue Bewegungsabläufe geübt oder Strategien zur Schmerzlinderung entwickelt.

  • Alternative Behandlungsmethoden:

    • Akupunktur: Bei der Akupunktur sticht die Therapeutin oder der Therapeut feine Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers. Das soll Schmerzen lindern.
    • Reiki: Reiki ist eine aus Japan stammende Behandlung, bei der Schmerzen durch Handauflegen gelindert werden sollen.
    • Moxibustion: Bei dieser Methode werden bestimmte Körperstellen (sogenannte Therapiepunkte) gezielt erwärmt, zum Beispiel indem glimmende Stangen aus getrocknetem Beifuß („Moxa“) oder erhitzte Nadeln nah an die Therapiepunkte gebracht werden.
  • Injektionsbehandlung: Bei der sogenannten Injektionsbehandlung werden meist örtliche Betäubungsmittel und / oder entzündungshemmende Medikamente wie Kortikoide unmittelbar neben die gereizte Nervenwurzel gespritzt, auch als periradikuläre Therapie (PRT) bezeichnet. Bei der lumbalen Spinalnervenanalgesie (LSPA), auch Wurzelblockade genannt, wird das Medikament direkt an die Austrittsstelle der Nervenwurzel aus dem Wirbelkanal gespritzt. Dadurch wird die Nervenwurzel betäubt. Bei der lumbalen Periduralanalgesie werden die Medikamente in den sogenannten Periduralraum gespritzt („peridurale Injektion“). Der Periduralraum umgibt das Rückenmark und die Rückenmarksflüssigkeit im Wirbelkanal. Hier liegen auch die Nervenwurzeln.

    • Periradikuläre Therapie (PRT): Die sogenannte Periradikuläre Therapie (im Volksmund „PRT-Spritze“ genannt) dient dazu, hartnäckige Rückenschmerzen zu lindern. Diese Therapie dient zur Behandlung von Schmerzen, die durch eine Reizung von Nervenwurzeln an der Wirbelsäule bedingt sind. Die PRT-Spritze wird am häufigsten an der Halswirbelsäule (HWS) und an der Lendenwirbelsäule (LWS) eingesetzt. Viele Patienten und Patientinnen stellen bereits nach der ersten PRT-Behandlung fest, dass die Beschwerden nachlassen. Allerdings reicht eine Injektion alleine meist nicht aus. Deshalb führen wir in der Regel 3 Behandlungen jeweils im Abstand von einer Woche durch. Eine Studie aus dem Jahr 2021 kommt zu einem ähnlichen Urteil. Bei 74 Prozent der Patienten und Patientinnen, die eine PRT-Spritze erhielten, zeigte sich eine gute Beschwerdebesserung. Durch die PRT kann in vielen Fällen eine Operation vermieden werden. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen doch eine operative Entlastung der geschädigten Nervenwurzel notwendig ist. Grundsätzlich treten nur selten Komplikationen und Nebenwirkungen auf. Am häufigsten sind Unbehagen und Schmerzen direkt nach der Injektion. Gelegentlich kann es nach der PRT-Behandlung auch zu einem Taubheitsgefühl und einer Schwäche in den Beinen kommen, die meist nach 2 bis 5 Stunden wieder verschwinden. Besonders bei gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern können außerdem blaue Flecken entstehen.

      • Ablauf der PRT: Am Tag der PRT-Behandlung werden die Medikamente über eine dünne Kanüle verabreicht. Während Sie auf dem Bauch liegen, desinfizieren wir die Haut und markieren die Einstichstelle. Unter Röntgenkontrolle finden wir heraus, wo sich die richtige Injektionsstelle befindet. Die dünne Nadel wird dann unter wiederholter Bildkontrolle bis an die zu behandelnde Nervenwurzel herangebracht, damit sich das Betäubungsmittel und das Cortison um die Nervenwurzel herum verteilen können. Sie erhalten vor der Periradikulären Therapie eine Kryotherapie (Vereisung), damit die Haut und das darunter liegende Gewebe weniger schmerzempfindlich ist. Aufgrund der Vereisung und der dünnen Nadel (nur 0,7 mm Durchmesser) ist der Einstich für die meisten schmerzarm. Medikamente sorgen dafür, dass die Entzündungen und Schwellungen zurückgehen. So hat die Nervenwurzel wieder mehr Raum und reagiert nicht mehr so gereizt. Die Folge: Die Durchblutung nimmt zu und die Schmerzen lassen nach. Nach der Injektion sitzen Sie noch rund 15 bis 20 Minuten in unserer Praxis zur weiteren Beobachtung eventueller Nebenwirkungen. Danach können Sie in der Regel nach Hause. Am Behandlungstag sollten Sie sich schonen, sportliche Aktivitäten und das Heben schwerer Lasten vermeiden und nicht selbst Auto fahren. Da das Schmerzmittel direkt an den betroffenen Nerv injiziert wird, tritt die erwünschte Wirkung häufig schnell ein. Meist lässt der Schmerz rasch nach. Allerdings sind in der Regel mehrere Sitzungen erforderlich, um den erwünschten Grad der Schmerzlinderung zu erreichen. Wann Sie nach der PRT-Spritze wieder arbeiten können, hängt von Ihrem Beruf ab. Lasten von mehr als 5 Kilo sollten Sie während des gesamten Therapiezeitraums nicht tragen. Im Falle einer Büro-Tätigkeit ist es sogar möglich, dass Sie gar nicht zu Hause bleiben müssen. Dies hängt aber von Ihren Symptomen ab. Prinzipiell ist es möglich, dass die Cortisonspritze sensible Strukturen wie die Nervenwurzel direkt trifft. Dann kann es sein, dass der Betroffene nach der PRT-Spritze mehr Schmerzen hat als vorher und es zu einer Verschlechterung der Beschwerden kommt. Durch die Bildkontrolle soll dieses Szenario allerdings verhindert werden.
  • Psychologische Unterstützung: Wenn bisher gewählte Behandlungsansätze die Beschwerden nicht ausreichend gelindert haben, kann es sinnvoll sein, den eigenen Umgang mit Schmerzen in den Blick zu nehmen. Denn wie man Schmerzen empfindet und wie gut es gelingt, mit Schmerzen zurechtzukommen, wird auch von der Psyche beeinflusst. Daher kann es hilfreich sein, sich schädliche Gedanken oder Verhaltensweisen bewusst zu machen und diese zu verändern. Eine Verhaltenstherapie kann bei länger anhaltenden Schmerzen einen Versuch wert sein und auch mit anderen Behandlungen kombiniert werden.

Verhalten im Alltag

Auch Entspannungsübungen, wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, können bei Rückenschmerzen einen Versuch wert sein. Bei starken Schmerzen bleibt allerdings manchmal keine andere Möglichkeit, als sich erst einmal kurz in einer möglichst entlastenden Haltung hinzulegen.

  • Ergonomie am Arbeitsplatz: Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes hilft, eingeklemmten Nerven vorzubeugen. Bei sitzenden Tätigkeiten im Büro sind eine aufrechte Haltung, passende Stühle und Tische sowie Hilfsmittel wie Handauflagen sinnvoll. Wer überwiegend steht, profitiert von gut gedämpften Schuhen und regelmäßigen Pausen zur Entlastung der Gelenke. Beim Heben schwerer Lasten sollte die Kraft aus den Beinen kommen, um den Rücken zu schonen.
  • Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität beugt Verspannungen vor und stärkt die Muskulatur.
  • Stressmanagement: Muskelverspannungen können durch Stress begünstigt werden.
  • Übergewicht reduzieren: Ein gesundes Körpergewicht entlastet die Wirbelsäule und verhindert zusätzlichen Druck auf Nerven.

Operative Behandlungsmöglichkeiten

Wenn die Beschwerden länger andauern, den Alltag erheblich einschränken und konservative Behandlungen die Beschwerden nicht ausreichend lindern, kann eine Operation infrage kommen, um den betroffenen Nerv zu entlasten. Ob eine Bandscheiben-Operation die Beschwerden auf Dauer tatsächlich besser lindert als eine konservative Behandlung, ist aber nicht immer sicher vorherzusagen. Wenn die Ärztin oder der Arzt zu einer Operation rät, kann es daher sinnvoll sein, sich eine Zweitmeinung einzuholen und erst danach die Entscheidung zu treffen.

Eine Operation ist sofort nötig, wenn die Nerven so stark beeinträchtigt sind, dass Lähmungserscheinungen beispielsweise an den Beinen auftreten, oder wenn die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren. Letzteres sind Zeichen eines sogenannten Kauda-Syndroms.

Heute stehen mehrere minimalinvasive Operationstechniken zur Verfügung, die alle das Ziel haben, die gequetschte Nervenwurzel durch die Befreiung von vorgefallenem Bandscheibengewebe zu entlasten.

  • Mikrochirurgische Entfernung: Über einen kleinen Hautschnitt kann der Bandscheibenvorfall mikrochirurgisch entfernt werden. Die meisten Bandscheibenvorfälle treten im lumbalen Spinalkanal auf, wo sie die Nervenwurzel zur Mitte oder zur Seite verdrängen (mediolaterale Diskushernie). Durch einen kleinen, etwa 3 cm langen Schnitt im Lendenbereich wird der Wirbelbogen freigelegt. Liegt der Bandscheibenvorfall seitlich (lateral) zum Spinalkanal, wird die Diskushernie von der Seite entfernt, oft ohne Öffnung des Spinalkanals. Die Nervenwurzel wird vorsichtig von jeglichem Druck befreit, wobei unter Umständen auch Einengungen durch Knochen beseitigt werden.

  • Endoskopische Operation: Bei dem endoskopischen Eingriff wird ein sehr schmales Rohr (Arbeitskanal) von der Seite in den Körper eingebracht, durch das man dann mittels sehr feiner Instrumente operiert. Hierfür ist nur ein sehr kleiner Hautschnitt von nur 7 - 10 mm erforderlich. Der wesentliche Vorteil ist, dass auf dem Weg durch Muskulatur Knochen und im Wirbelkanal nur sehr weinig Gewebe zerstört wird, so dass Vernarbungen deutlich geringer ausfallen. Der Eintrittspunkt des Endoskopes an der Wirbelsäule befindet sich im sogenannten Foramen intervertebrale, dem Austrittsloch durch welches die Nerven die Wirbelsäule verlassen. Es besteht auch die Möglichkeit endoskopisch von hinten, ähnlich wie bei der mikrochirurgischen Operation, über einen Hautschnitt von 15 - 18 mm zu operieren.

  • Laser-Discus-Dekompression: Sowohl bei der endoskopischen als auch bei der offenen mikrochirurgischen Operation kann auch der Laser zum Einsatz kommen. Man spricht dann von „perkutaner Laser-Discus-Dekompression“. Vorfälle und Vorwölbungen der Bandscheiben können mittels Laserenergie geschrumpft werden („Shrinking-Effekt“) und die Lücke, durch die das Bandscheibengewebe durchgetreten ist, mit dem Laser wieder verschweißt werden. Bei der endoskopischen Operation können mit dem Laser Bandscheibenstücke (Sequester) verdampft werden, die mit den feinen Fasszangen nicht erreichbar und entfernbar sind.

Nach der Operation

Der Patient kann in der Regel wenige Tage nach der Operation das Krankenhaus verlassen. In den ersten vier Wochen ist Schonung wichtig, damit die Bandscheibe heilen kann, wobei das Gehen als besonders förderlich angesehen wird. Während des Krankenhausaufenthalts wird der Patient von einem Physiotherapeuten in ein spezielles Übungsprogramm eingeführt, das isometrische Spannungsübungen beinhaltet, um die stabilisierenden Muskeln des Rumpfes zu stärken. Dieses Programm sollte der Patient zu Hause mehrmals täglich bis zur ersten Arztkontrolle fortführen.

Da der Druck auf die Bandscheiben im Sitzen und gebückter Haltung am größten ist, sollten Sie diese Körperpositionen für etwa zwei Wochen vermeiden. Ihre Mahlzeiten sollten Sie daher liegend oder im Stehen einnehmen. Die ersten Tage sollten Sie noch viel liegen, nicht lange stehen und mehrmals am Tag kurz herumlaufen. Dies können am ersten Tag z.B. 10 x 10 Minuten sein, danach steigern Sie Tag für Tag Dauer und Häufigkeit. Dabei sollten Sie auf Ihre Körpersignale hören, d.h. Das selbstständige Auto Fahren ist je nach Heilungsverlauf nach etwa 2 - 3 Wochen wieder erlaubt.

Vorbeugung

Die Übungen können dir dabei helfen, wichtige Muskelgruppen zu entspannen und verklebte Faszien wieder geschmeidig zu machen. Da die Übungen deine Wirbelsäule in alle Richtungen neigen und drehen, sind sie wichtig für die Bandscheiben: Die Bandscheiben bekommen vielseitigen Druck und Entlastung. Dadurch können sie sich mit frischer Nährstoffflüssigkeit vollsaugen. Deine Wirbelsäule muss so oft wie möglich in alle Richtungen bewegt werden. Hierfür solltest du dir sechsmal in der Woche Zeit nehmen.

  • Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität beugt Verspannungen vor und stärkt die Muskulatur.
  • Ergonomie am Arbeitsplatz: Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes hilft, eingeklemmten Nerven vorzubeugen.
  • Stressmanagement: Muskelverspannungen können durch Stress begünstigt werden.
  • Gesundes Körpergewicht: Ein gesundes Körpergewicht entlastet die Wirbelsäule und verhindert zusätzlichen Druck auf Nerven.

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