Barium carbonicum, auch bekannt als Baryta carbonica oder Bariumcarbonat, ist ein mineralisches Arzneimittel in der Homöopathie. Es handelt sich um eine Verbindung der Elemente Barium (ein Leichtmetall) und Kohlenstoff mit der chemischen Formel BaCo3. In der Homöopathie wird es als sogenanntes Polychrest verwendet, was bedeutet, dass es vielfältige Wirkungen hat. Es wird oft bei Kindern und älteren Menschen eingesetzt, kann aber auch bei Erwachsenen indiziert sein.
Zusammensetzung und Eigenschaften
Barium carbonicum ist die häufigste Verbindung von Barium. Als homöopathisches Mittel zeigt es oft eine langsame Wirkung und häufige Gaben werden benötigt.
Anwendungsgebiete
Kinder
Barium carbonicum ist ein wichtiges Mittel für Kinder. Sie haben häufig vergrößerte Drüsen, die Lymphknoten sind geschwollen und verhärtet und sie neigen zu ständigen Infekten. Die Infekte treten häufig in Form von wiederkehrenden eitrigen Entzündungen der Gaumenmandeln (Tonsillitis) auf. An Barium kann gedacht werden bei Kindern mit Entwicklungsverzögerung oder geistiger Behinderung.
Bei Kindern zeigt sich eine ausgeprägte Erkältungsneigung. Die Lymphknoten sind geschwollen und verhärtet (lymphatische Konstitution) und es treten wiederholt Halsentzündungen (Pharyngitis) auf. Rachen- und Gaumenmandeln sind vergrößert (adenoide Vegetationen). Barium carbonicum ist ein wichtiges Mittel für Kinder, deren körperliche oder geistige Entwicklung verzögert ist. Auch Behinderungen sind möglich. An der Haut finden sich bei den Säuglingen häufig Milchschorf am Kopf sowie weitere trockene Ekzeme. Die Kinder sind oft minderwüchsig und dick.
Geistige und emotionale Aspekte bei Kindern
Bei den Kindern zeigen sich geistige Defizite im Sinne einer Beeinträchtigung der intellektuellen Fähigkeiten. Die Patienten sind unsicher, unentschlossen und sehr abhängig von den Eltern. Das Anlehnungs- und Schutzbedürfnis ist besonders stark. Die Kinder lernen erst spät sprechen und laufen. Es bestehen viele Ängste: Angst vor Menschen, Angst ausgelacht zu werden, Angst vor Neuem. In der Schule treten Lernschwierigkeiten auf. Die Kinder haben kein Selbstvertrauen, sind sehr schüchtern und leiden unter einem starken Minderwertigkeitsgefühl. Sie möchten am liebsten zuhause bleiben, nur dort fühlen sie sich sicher und geborgen. Fremde werden als bedrohlich und furchteinflößend empfunden. Aus Nervosität und Ängstlichkeit kauen sie häufig an den Fingernägeln. In der Schule haben sie Probleme sich zu konzentrieren. Sie haben ein schlechtes Gedächtnis und können sich beispielsweise nicht erinnern, was soeben gesagt wurde. Sie zeigen keinen Ehrgeiz irgendwelche Leistungen zu erbringen und versinken in Passivität. Barium carbonicum kann auch indiziert sein bei Kindern mit Autismus. Neben der geistigen Retardierung kann auch emotionale Unreife vorhanden sein. Barium carbonicum-Kinder sind sehr beeinflussbar. Selber Entscheidungen treffen fällt ihnen ausgesprochen schwer. Viele Symptome entwickeln sich nach der Geburt eines Geschwisterchens.
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Ältere Menschen
Im Alter finden sich degenerative Veränderungen des Gehirns (Zerebralsklerose) mit Durchblutungsstörungen auf Grund von Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose). Häufig ist eine körperliche Schwäche vorhanden. Auch geistige Verlangsamung und Beeinträchtigung sind möglich, zum Beispiel in Form einer senilen Demenz. Im Alter treten Symptome einer Verdauungsschwäche auf und die Haut ist häufig von einem unerträglichen Juckreiz befallen (Pruritis senilis).
Auch im Alter kann an Barium carbonicum gedacht werden, die geistigen Fähigkeiten lassen nach und die Betroffenen fallen in eine Kindlichkeit zurück. Dies ist häufig der Fall bei der senilen Demenz. Sie sind passiv, reizbar und menschenscheu.
Weitere körperliche Symptome
Die Haare können schon frühzeitig ausfallen, häufig schon bei jungen Männern. Die Kopfhaut ist sehr empfindlich, es finden sich Ekzeme (Milchschorf bei den Kindern) und Juckreiz. Es sind vergrößerte und verhärtete Lymphknoten zu tasten, vor allem am Hinterkopf. Auch Gaumen- und Rachenmandeln (Tonsillen) sowie die Ohrspeicheldrüse sind vergrößert, geschwollen und verhärtet. Dies kann das Schlucken erschweren. Es treten wiederholte Entzündungen im Halsbereich auf. Bei den Kindern sind häufig Schulkopfschmerzen vorhanden. Bei alten Menschen tritt besonders nachts Schwindel auf. Es besteht eine Lichtscheu (Photophobie) und das Gefühl, als ob ein Schleier vor den Augen hänge. Die Drüsen vor den Ohren sind geschwollen und es tritt ein häufiges Knacken im Ohr auf. Die Nase ist trocken und es treten Borken um die Nasenflügel herum auf. Der Gesichtsausdruck ist häufig dümmlich, der Mund ist meist offen und die Patienten atmen hauptsächlich durch den Mund. Es tritt vermehrter Speichelfluß auf, auch im Schlaf. Der Mund ist trocken, vor allem nach dem Schlafen und die Betroffenen haben Durst. Am Morgen tritt einen fauligen Mundgeruch auf. Die Patienten sehen meistens jünger aus als sie sind. Bei alten Menschen ist oft eine Lähmung der Zunge nach einem Schlaganfall (Apoplex) zu beobachten. Auch eine halbseitige Lähmung des Gesichts (Facialisparese) ist möglich. Das Gesicht ist meist blaß und aufgedunsen. Es treten häufige Erkältungen (grippaler Infekt, österreichisch Verkühlung) auf, die Gaumen- und Rachenmandeln sind schmerzhaft geschwollen. Es werden hauptsächlich stechende Schmerzen berichtet, sie sind schlimmer beim Leerschlucken, besser beim Trinken. Durch eine Schwäche der Stimmbänder kann es zu erschwertem Sprechen kommen. Ältere Menschen leiden häufig an eine chronische Bronchitis, der Schleim kann auf Grund der allgemeinen Schwäche nur schwer abgehustet werden und es treten Atemprobleme (Dyspnoe) auf. Es besteht ein Verlangen nach Eiern und salzigen Speisen sowie eine Abneigung gegen Obst, besonders gegen Bananen und Pflaumen. Die Verdauung ist allgemein schwach und kann gestört sein. Trotz Hunger lehnt der Patient Essen ab. Es treten Schmerzen und Schweregefühl gleich nach der Mahlzeit auf. Barium carbonicum ist ein wichtiges Mittel bei Bettnässen (Enuresis) bei Kindern. Das Kind kann schon mal trocken gewesen sein und hat eventuell durch Unsicherheit wieder angefangen einzunässen. Bei alten Leuten tritt häufiges Wasserlassen (Polyurie) auf. Die Geschlechtsorgane sind verkleinert. Bei kleinen Jungen findet sich häufig ein Hodenhochstand. Der sexuelle Antrieb ist gemindert, es kann eine Abneigung gegen Geschlechtsverkehr vorhanden sein. Bei Frauen können Gebärmutter, Brüste und Eierstöcke verkleinert sein. Es treten Steifigkeit des Nackens und des unteren Rückenbereichs auf. Die Haut juckt unerträglich, es brennt oder kribbelt. Die Haut ist schorfig und trocken, die Fingerspitzen sind rissig. Es besteht allgemein eine schlechte Wundheilungstendenz. Warzen und Hühneraugen sind möglich. Der Schweiß ist übelriechend und tritt vermehrt an den Füßen auf. Die Füße sind dabei kalt und feucht. Auch ein halbseitiger Schweiß, vermehrt in einer Körperhälfte auftretend, ist möglich. Barium carbonicum-Patienten schlafen häufig in Seitenlage. Es tritt vermehrt Speichelfluß während des Schlafens auf. Kinder sprechen oder wimmern im Schlaf und wachen mehrmals in der Nacht auf.
Homöopathische Anwendung
Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 - D12. Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit.
Einnahme und Dosierung
Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können.
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- Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen.
- Ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.
- Größere Kinder bekommen 3 Globuli.
Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen.
Dauer der Behandlung
Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern.
Wirkprinzip
Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren.
Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vis Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert.
Erstverschlimmerung und Spätverschlimmerung
Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung).
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Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt.
Abgrenzung zu anderen Mitteln
Calcium carbonicum hahnemanni
Calcium carbonicum hahnemanni (Austernkalk) gehört ebenfalls zu den am häufigsten verschriebenen Arzneien für Kinder. Es wird hergestellt aus dem Kalk einer Austernschale. Es finden sich viele Verdauungsstörungen und wiederkehrende Infekte. Die Nase ist chronisch verstopft und Polypen sind vorhanden. Auch bei Calcarea carbonica-Kindern sind die Drüsen vergrößert. Der Körperbau ist eher dick und die Kinder bewegen sich ungerne. Ebenso kann eine geistige Entwicklungsverzögerung auftreten. Sie schwitzen häufig am Hinterkopf und im Nacken, auch im Schlaf und an den Füßen tritt ein übelriechender Schweiß auf. Sie lieben Eier und Süßigkeiten. Bei den Säuglingen und Kleinkindern tritt am Kopf häufig Milchschorf auf und es zeigen sich viele Probleme mit der Haut: Ekzeme, Einrisse und Warzen. Auch Allergien treten vermehrt auf. Bei Erwachsenen kann Calcium carbonicum hahnemanni indiziert sein, sie sind oft fettleibig, haben ein rundes, weiches und blasses Gesicht. Es tritt Stuhlverstopfung (Obstipation) auf, der Patient empfindet hierdurch aber keine Probleme. Bei den Frauen finden sich Gebärmuttermyome und Probleme mit der Menstruation.
Pulsatilla pratensis
Pulsatilla pratensis (Wiesenküchenschelle) ist ein wichtiges Mittel für Kinder. Sie sind sehr anhänglich,abhängig von der Mutter und weinen schnell. Dabei sind sie sehr trostbedürftig und Trost verbessert die Beschwerden. Es tritt ein häufiger Wechsel der Beschwerden auf und auch das Gemüt ist sehr beeindruckbar mit wechselhaften Launen. Wie Barium carbonicum-Patienten können sie eine starke Passivität zeigen und sind leicht beeinflussbar. Sie sind von häufigen Infekten geplagt, es zeigen sich hier wiederkehrende Mittelohrentzündungen (Otitis media). Auch Augenbindehautentzündungen (Konjunktivitis) treten häufig auf. Es besteht ein Verlangen nach Süßigkeiten und Eiern. Der Verdauungstrakt ist anfällig und der Magen ist verstimmt, weil zu viele Speisen durcheinander gegessen wurden. Fett wird meist nicht gut vertragen.
Silicea
Silicea (Kieselsäure) spielt eine wichtige Rolle im Körper: Es sorgt für stabile Knochen und ein festes Bindegewebe. Bei Mangel zeigen sich brüchige Haare und Nägel, schlechte Zähne (Karies) und eine schlechte Heilung der Haut. Silicea-Patienten leiden häufig unter einem schlechten Selbstwertgefühl, sie haben Angst zu versagen (viele Prüfungsängste) und fühlen sich unfähig. Sie sind unsicher, auch was ihre Leistungen angeht. Sie sind sehr schüchtern und haben Angst vor Publikum zu sprechen. Silicea-Kinder sind infektanfällig, immer wieder treten Schnupfen (Rhinitis), Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) sowie Mittelohr (Otitis)- und Halsentzündungen (Pharyngitis) auf. Die Lymphknoten sind vergrößert. Sie gedeihen schlecht, nehmen nicht an Gewicht zu und sind abgemagert. Es finden sich Entwicklungsstörungen.
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