Propranolol zur Migräneprophylaxe: Dosierung, Wirkung und Anwendung

Die Migräne ist eine primäre Kopfschmerzerkrankung, die durch wiederkehrende, pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) haben Leitlinien zur Akuttherapie und Prävention der Migräne publiziert. Ein wichtiger Aspekt der Migränebehandlung ist die Prophylaxe, bei der Medikamente eingesetzt werden, um die Häufigkeit, Intensität und Dauer von Migräneattacken zu reduzieren. Propranolol, ein Betablocker, ist eines der am besten untersuchten und am häufigsten eingesetzten Medikamente zur Migräneprophylaxe.

Was ist Propranolol?

Propranolol gehört zur Gruppe der Betablocker und wurde in den 1960er Jahren entwickelt. Ursprünglich wurde es zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Es wirkt, indem es die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin an den Beta-Rezeptoren blockiert, wodurch die Herzfrequenz gesenkt und der Blutdruck reduziert wird. Im Gegensatz zu neueren kardioselektiven Betablockern ist Propranolol ein nicht-selektiver Betablocker, der sowohl Beta-1- als auch Beta-2-Rezeptoren beeinflusst.

Wie wirkt Propranolol bei Migräne?

Obwohl der genaue Wirkmechanismus von Propranolol bei Migräne nicht vollständig geklärt ist, wird angenommen, dass es mehrere Mechanismen gibt, die zur Wirksamkeit beitragen:

  • Blockade von Beta-Rezeptoren: Propranolol blockiert Beta-Rezeptoren im Gehirn und in den Blutgefäßen, was dazu beitragen kann, die Reizschwelle für Migräneattacken zu erhöhen.
  • Senkung des Blutdrucks: Durch die Senkung des Blutdrucks kann Propranolol dazu beitragen, die Blutgefäße im Gehirn zu stabilisieren und so Migräneattacken vorzubeugen.
  • Einfluss auf Neurotransmitter: Propranolol kann die Freisetzung von Neurotransmittern wie Serotonin beeinflussen, die eine Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen.

Dosierung von Propranolol bei Migräne

Die Dosierung von Propranolol zur Migräneprophylaxe variiert je nach Patient und Schweregrad der Migräne. In der Regel wird mit einer niedrigen Dosis begonnen, die dann schrittweise erhöht wird, bis die gewünschte Wirkung erzielt wird. Die übliche Anfangsdosis beträgt 40 mg zwei- bis dreimal täglich. Diese kann auf bis zu 160-240 mg pro Tag erhöht werden, verteilt auf zwei bis drei Einzeldosen. Einige Patienten benötigen möglicherweise höhere Dosen, während andere mit niedrigeren Dosen gut zurechtkommen. Es ist wichtig, die Dosierung individuell anzupassen und die Reaktion des Patienten sorgfältig zu überwachen.

Die aktuelle „S1-Leitlinie Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ empfiehlt eine Dosis von 80 bis 120 mg, verteilt auf zwei bis drei Einzeldosen pro Tag. Die konkrete Dosierung hängt neben der Indikation auch von Alter und Gesundheitszustand des Patienten ab.

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Anwendung von Propranolol

Propranolol ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter Tabletten, Retardtabletten und Lösungen. Die Tabletten sollten vor den Mahlzeiten eingenommen werden, während die Retardtabletten morgens unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden sollten. Es ist wichtig, Propranolol regelmäßig einzunehmen, um eine optimale Wirkung zu erzielen. Die Behandlung sollte nicht abrupt abgebrochen werden, da dies zu Entzugserscheinungen führen kann. Stattdessen sollte die Dosis langsam reduziert werden, um den Körper an die Veränderung zu gewöhnen.

Wann ist eine Prophylaxe mit Propranolol sinnvoll?

Die Leitlinie empfiehlt eine Prophylaxe, wenn pro Monat drei oder mehr Migräneattacken auftreten, eine einzelne Migräneattacke regelmäßig länger als 72 Stunden anhält, die Attackenfrequenz und die Einnahme von Schmerz- und Migränemitteln an mehr als zehn Tagen im Monat erfolgt oder die Attacken von lang anhaltenden Auren begleitet werden. Aber letztendlich ergibt sich die Notwendigkeit aus dem individuellen Leidensdruck und der Einschränkung der Lebensqualität.

Nebenwirkungen von Propranolol

Wie alle Medikamente kann auch Propranolol Nebenwirkungen verursachen. Häufige Nebenwirkungen sind:

  • Müdigkeit
  • Schwindel
  • Kalte Hände und Füße
  • Übelkeit
  • Durchfall oder Verstopfung
  • Schlafstörungen
  • Bradykardie (verlangsamter Herzschlag)

Seltenere, aber schwerwiegendere Nebenwirkungen sind:

  • Hypotonie (niedriger Blutdruck)
  • Herzinsuffizienz (Verschlechterung einer bestehenden Herzschwäche)
  • Bronchospasmus (Verengung der Atemwege)
  • Depressionen

Es ist wichtig, den Arzt über alle Nebenwirkungen zu informieren, insbesondere wenn sie schwerwiegend sind oder nicht verschwinden.

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Gegenanzeigen von Propranolol

Propranolol sollte in folgenden Fällen nicht eingenommen werden:

  • Überempfindlichkeit gegen Propranolol oder andere Betablocker
  • Asthma bronchiale oder andere obstruktive Atemwegserkrankungen
  • Herzinsuffizienz
  • Bradykardie (Ruhepuls < 50 Schläge/Minute)
  • Hypotonie (niedriger Blutdruck)
  • AV-Block II. oder III. Grades
  • Sick-Sinus-Syndrom
  • Gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern
  • Akut dekompensierte Herzinsuffizienz
  • Schock
  • Gleichzeitige intravenöse Gabe von Calciumantagonisten vom Verapamil- oder Diltiazemtyp

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Propranolol kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen. Zu diesen gehören:

  • Herzglykoside: Verstärkung der Wirkung auf Herz und Kreislauf
  • Narkosemittel: Verstärkung der blutdrucksenkenden Wirkung
  • Phenothiazine: Erhöhung der Blutkonzentration von Propranolol
  • Blutdruckmedikamente: Verstärkung der blutdrucksenkenden Wirkung
  • Rizatriptan: Erhöhung der Blutkonzentration von Rizatriptan
  • Rifampicin: Verringerung der Wirkung von Propranolol
  • Warfarin: Beeinflussung der Blutgerinnung
  • Theophyllin: Beeinflussung der Wirkung von Theophyllin

Es ist wichtig, den Arzt über alle Medikamente zu informieren, die eingenommen werden, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.

Propranolol in Schwangerschaft und Stillzeit

Propranolol sollte in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn es unbedingt erforderlich ist, da es die Plazenta passieren und fetale Nebenwirkungen wie Wachstumsverzögerung oder Bradykardie verursachen kann. In der Stillzeit geht Propranolol in die Muttermilch über. Obwohl die mit der Muttermilch aufgenommene Wirkstoffmenge gering ist, sollten Säuglinge überwacht werden.

Alternativen zu Propranolol

Es gibt verschiedene Alternativen zu Propranolol zur Migräneprophylaxe. Dazu gehören:

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  • Metoprolol: Ein weiterer Betablocker mit ähnlicher Wirksamkeit wie Propranolol.
  • Flunarizin: Ein Kalziumkanalblocker, der ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt wird.
  • Amitriptylin: Ein trizyklisches Antidepressivum, das bei Migräne wirksam sein kann.
  • Topiramat: Ein Antikonvulsivum, das zur Prophylaxe von Migräne eingesetzt wird.
  • OnabotulinumtoxinA (Botox): Wird zur Behandlung der chronischen Migräne eingesetzt.
  • CGRP-Antikörper: Eine neue Klasse von Medikamenten, die gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) oder dessen Rezeptor gerichtet sind.

Die Wahl des geeigneten Medikaments hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die individuellen Bedürfnisse des Patienten, Begleiterkrankungen und mögliche Nebenwirkungen.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Migräneprophylaxe

Neben Medikamenten gibt es auch eine Reihe von nicht-medikamentösen Maßnahmen, die zur Migräneprophylaxe beitragen können:

  • Regelmäßiger aerober Ausdauersport: Kann die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren.
  • Verfahren der Verhaltenstherapie: Entspannungsverfahren, kognitive Verhaltenstherapie und Biofeedback können helfen, Stress abzubauen und die Schmerzwahrnehmung zu verändern.
  • Akupunktur: Kann bei der Prophylaxe der Migräne wirksam sein.
  • Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung und das Vermeiden von Trigger-Nahrungsmitteln können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Stressmanagement: Techniken zur Stressbewältigung können helfen, die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Ein gleichmäßiger Schlafrhythmus ist wichtig, um Migräneattacken vorzubeugen.

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