Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Schmerzen können von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein. Die Behandlung von Migräne umfasst sowohl die Akuttherapie zur Linderung der Symptome während einer Attacke als auch die Prophylaxe zur Reduzierung der Häufigkeit, Intensität und Dauer von Migräneanfällen. Propranolol, ein Betablocker, ist ein häufig verwendetes Medikament zur Migräneprophylaxe. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit Propranolol bei Migräne, seine Wirkungsweise, mögliche Nebenwirkungen und alternative Behandlungsoptionen.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine wiederkehrende Form von Kopfschmerzen, die mäßige bis starke, pochende oder pulsierende Schmerzen verursacht. Die Schmerzen treten häufig auf einer Seite des Kopfes auf und können von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein. Rund 10-15 % der Menschen weltweit sind von Migräne betroffen.
Prophylaktische Behandlung von Migräne
Das Ziel der Migräneprophylaxe ist es, die Häufigkeit, Intensität und Dauer der Migräneattacken zu reduzieren. Eine medikamentöse Migräneprophylaxe gilt laut Leitlinie als wirksam, wenn bei episodischer Migräne die Anfallshäufigkeit um 50 % oder mehr und bei chronischer Migräne um 30 % oder mehr reduziert wird.
Medikamentöse Prophylaxe
Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden können. Dazu gehören:
- Betablocker: Propranolol und Metoprolol haben eine hohe Evidenz für ihre Wirksamkeit in der Migräneprophylaxe.
- Kalziumkanalblocker: Flunarizin ist der einzige Kalziumkanalblocker mit nachgewiesener Wirkung.
- Antidepressiva: Amitriptylin hat sich als wirksam erwiesen, um die Häufigkeit und Schwere von Migräneattacken zu reduzieren.
- OnabotulinumtoxinA (Botox): Ist für die Therapie der chronischen Migräne zugelassen.
- Antikonvulsiva: Topiramat hat sich als wirksam in der Prophylaxe der episodischen als auch der chronischen Migräne erwiesen.
- CGRP-Antikörper: Eptinezumab, Fremanezumab, Galcanezumab und Erenumab sind monoklonale Antikörper gegen Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) oder dessen Rezeptor und sind in der prophylaktischen Therapie der episodischen und chronischen Migräne einer Behandlung mit Placebo überlegen.
Nicht-medikamentöse Prophylaxe
Neben Medikamenten gibt es auch nicht-medikamentöse Ansätze zur Migräneprophylaxe, wie z.B.:
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- Entspannungsverfahren: Autogenes Training, Achtsamkeit, progressive Muskelrelaxation oder Hypnose können die Migränehäufigkeit senken.
- Regelmäßiger Ausdauersport: Kann positive Effekte haben und das allgemeine Lebens- und Körpergefühl verbessern.
- Nahrungsergänzungsmittel: Magnesium, Coenzym Q10 und Riboflavin haben in Studien positive Effekte auf Migräne gezeigt.
- Ernährung: Ketogene und niedrig-glykämische Ernährungsweisen werden als diätetische Ansätze zur Migränebehandlung diskutiert.
- Digitale Anwendungen: Apps und Telemedizin können die Diagnostik und Therapie der Migräne unterstützen.
Propranolol: Ein Betablocker zur Migräneprophylaxe
Propranolol gehört zur Gruppe der sogenannten Betablocker. Es wurde in den 1960er Jahren entwickelt und kam 1964 auf den Markt. Der Wirkstoff kann den Blutdruck senken und den Herzrhythmus normalisieren. Ursprünglich wurde Propranolol hauptsächlich zur Behandlung von Bluthochdruck und verschiedenen Herzerkrankungen eingesetzt. Inzwischen wird es jedoch auch häufig zur Migräneprophylaxe verwendet.
Wirkungsweise von Propranolol
Propranolol wirkt, indem es die beta-adrenerge vermittelte zerebrale Vasodilatation blockiert. Es konkurriert mit Adrenalin um die Beta-Rezeptoren und verdrängt den Botenstoff letztendlich. Somit kann Adrenalin nicht mehr seine herzschlagsteigerde Wirkung entfalten - mit der Folge, dass der Herzschlag sich verlangsamt und der Blutdruck sinkt. Ein wichtiger Effekt dabei ist auch, dass der Sauerstoffverbrauch des Herzens verringert wird.
Anwendung von Propranolol bei Migräne
Propranolol wird in der Regel als Tablette eingenommen. Die Dosierung wird individuell vom Arzt festgelegt. Es ist wichtig, mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und diese langsam zu erhöhen, um Nebenwirkungen zu minimieren. Bis sich die Anfallshäufigkeit spürbar verringert, kann es einige Wochen dauern. Patienten brauchen also etwas Geduld. Die S1-Leitlinie »Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne« aus 2022 empfiehlt Propranolol (40 - 240 mg/Tag) zur Prophylaxe der chronischen Migräne.
Erfahrungen mit Propranolol bei Migräne
Studien haben gezeigt, dass Propranolol die Häufigkeit und Schwere von Migräneanfällen verringern kann. Eine systematische Analyse und Metastudie der European Headache Federation (EHF) aus 2024 ergab, dass Propranolol die monatlichen Migränetage im Vergleich zu Placebo um durchschnittlich 1,27 Tage reduzierte und 65 Prozent mehr Patienten eine Reduktion von ≥50 Prozent ihrer monatlichen Migränetage erreichten.
Ein Vorteil von Propranolol ist sein akzeptables Sicherheitsprofil, die lange Anwendungshistorie, globale Verfügbarkeit und die niedrigen Kosten.
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Nebenwirkungen von Propranolol
Wie alle Medikamente kann auch Propranolol Nebenwirkungen haben. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:
- Müdigkeit
- Depression
- Übelkeit
- Schwindel
- Schlaflosigkeit
- Arterielle Hypotonie (niedriger Blutdruck)
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Schwitzen
- Schlafstörungen
- Taubheits- und Kältegefühl in den Gliedmaßen
- Magen-Darm-Beschwerden
- Abfallen der Herzfrequenz
Kontraindikationen
Propranolol sollte in folgenden Fällen nicht eingenommen werden:
- Niedriger Blutdruck (Hypotension)
- Herzmuskelschwäche verbunden mit Wasseransammlungen im Gewebe und Atemnot (akut dekompensierte Herzinsuffizienz)
- Schock
- Störungen in der Erregungsbildung- oder Erregungsweiterleitung im Herzen (wie AV-Block Grad II oder III)
- Gleichzeitige Einnahme von Calciumantagonisten vom Verapamil- oder Diltiazemtyp
- Gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern
- Asthma bronchiale
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Einige Arzneistoffe können die Wirkung von Propranolol auf Herz und Kreislauf verstärken oder sogar negativ beeinflussen und sollten daher nicht gleichzeitig eingenommen werden. Dazu gehören unter anderem:
- Herzglykoside
- Narkosemittel
- Phenothiazine
- Blutdruckmedikamente
- Rizatriptan (Dosierung sollte höchstens 5 Milligramm betragen)
- Rifampicin
- Warfarin
- Theophyllin
Propranolol in der Schwangerschaft und Stillzeit
Der Betablocker darf in der Schwangerschaft angewendet werden, wenn es notwendig ist. Eine Überwachung des Ungeborenen beziehungsweise Neugeborenen kann in der Folge erforderlich sein. Der Einsatz von Propranolol in der Stillzeit ist ebenfalls möglich.
Alternativen zu Propranolol bei Migräne
Wenn Propranolol nicht wirksam ist oder unerwünschte Nebenwirkungen verursacht, gibt es verschiedene alternative Behandlungsoptionen zur Migräneprophylaxe. Dazu gehören:
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- Metoprolol: Ein weiterer Betablocker, der ähnlich wie Propranolol wirkt.
- Flunarizin: Ein Kalziumkanalblocker, der die Kopfschmerzhäufigkeit reduzieren kann.
- Amitriptylin: Ein Antidepressivum, das sich als wirksam bei der Reduzierung von Migräneattacken erwiesen hat.
- Topiramat: Ein Antikonvulsivum, das sowohl bei episodischer als auch bei chronischer Migräne wirksam ist.
- CGRP-Antikörper: Eine neuere Klasse von Medikamenten, die gezielt gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) oder dessen Rezeptor wirken.
- Nicht-medikamentöse Therapien: Entspannungsverfahren, Sport, Ernährungsumstellung und Akupunktur können ebenfalls zur Migräneprophylaxe beitragen.
Weitere Aspekte der Migränebehandlung
Neben der medikamentösen und nicht-medikamentösen Prophylaxe gibt es weitere Aspekte, die bei der Behandlung von Migräne berücksichtigt werden sollten:
- Akuttherapie: Bei einer Migräneattacke können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Triptane zur Linderung der Symptome eingesetzt werden.
- Auslöser vermeiden: Es ist wichtig, individuelle Auslöser für Migräneattacken zu identifizieren und zu vermeiden.
- Stressmanagement: Stress kann ein wichtiger Auslöser für Migräne sein. Entspannungstechniken und Stressbewältigungsstrategien können helfen, die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
- Regelmäßiger Lebensstil: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeitszufuhr können ebenfalls zur Migräneprophylaxe beitragen.
- Kopfschmerztagebuch: Das Führen eines Kopfschmerztagebuchs kann helfen, die Häufigkeit, Intensität und Dauer von Migräneattacken zu dokumentieren und mögliche Auslöser zu identifizieren.
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