Stechende oder dumpfe Schmerzen im Bereich zwischen Unterleib, Hüfte und Oberschenkel können vielfältige Ursachen haben. Leistenschmerzen können mitunter sehr stark und unangenehm sein und sowohl Männer als auch Frauen betreffen. Oft wird ein Ziehen in der Leiste jedoch unterschätzt. Sind die Schmerzen auf eine Leistenhernie oder eine eingeklemmte Hernie zurückzuführen, ist es wichtig, schnell zu handeln. Deshalb sollten Sie schon bei einem leisen Verdacht einen Arzt aufsuchen, um die Ursache für Ihren Leistenschmerz herauszufinden.
Häufige Ursachen von Leistenschmerzen
Verschiedene Faktoren können Leistenschmerzen verursachen. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:
- Muskelzerrung: Eine Muskelzerrung in der Leistengegend kann Schmerzen verursachen, insbesondere bei sportlich aktiven Menschen.
- Sportverletzungen: Leistenschmerzen können auch durch Sportverletzungen verursacht werden, insbesondere bei bestimmten Sportarten wie Fußball, Eishockey, Tennis und Rugby. Eine Sportlerleiste ist eine schmerzhafte Verletzung im Leistenbereich, die vor allem bei Sportarten mit schnellen Richtungswechseln oder Sprints auftritt. Ursache sind meist Überlastungen oder kleine Risse in Muskeln, Sehnen oder Bändern rund um die Schambeinfuge.
- Hohe muskulär-fasziale Spannungen und Verkrampfungen: In den meisten Fällen liegen die Ursachen von Leistenschmerzen in zu hohen muskulär-faszialen Spannungen und Verkrampfungen im Rumpfbereich.
- Hüftprobleme: Verschiedene Erkrankungen des Hüftgelenks wie Hüftarthrose, Hüftkopfnekrose oder Hüftimpingement können zu Leistenschmerzen führen. Beim Impingement der Hüfte passen Hüftkopf und Hüftpfanne nicht richtig zusammen. Deshalb verschleißt das Gelenk vorzeitig.
- Leistenhernie: Grund für teils starke Leistenschmerzen können sog. Leistenhernien sein. Der Leistenkanal ist eine natürliche Schwachstelle in der Bauchwand. Bei einer Leistenhernie treten plötzlich Vorwölbungen der Bauchhaut neben dem Schambeinhöcker auf. Diese sind zunächst oft schmerzlos und teilweise nur im Stehen oder beim Pressen vorhanden. Es handelt sich hierbei um eine Ausstülpung von Baucheingeweiden durch eine Lücke in der Bauchwand. Diese Ausstülpung kann sich einklemmen, was dann zu starken Schmerzen führt.
- Spermaticus-Neuralgie: Bei der Spermaticus-Neuralgie handelt es sich um attackenartige und starke Schmerzen im Bereich des geschädigten Nervs.
- Andere Ursachen: Es gibt viele weitere mögliche Ursachen für Leistenschmerzen, wie degenerative Veränderungen der Lendenwirbelsäule, Probleme mit der Muskelkette der unteren Extremität, Infektionen, Lymphknotenschwellungen und mehr.
Diagnostik von Leistenschmerzen
Bei der Diagnose von Leistenschmerzen kommen verschiedene Methoden zum Einsatz. Hier sind einige gängige Diagnostikmethoden:
- Anamnese: Der Arzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese durchführen, um Informationen über die Art, Dauer und Intensität der Schmerzen zu erhalten. Auch Informationen über mögliche auslösende Faktoren oder vorangegangene Verletzungen sind wichtig.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird eine gründliche körperliche Untersuchung durchführen, um den Bereich des Schmerzes zu lokalisieren und mögliche Auslöser zu identifizieren. Dabei kann er bestimmte Bewegungen oder Drucktests durchführen, um die Schmerzquelle genauer zu bestimmen. Bei der Inspektion untersucht der Arzt den Körper auf Schonhaltungen und Fehlstellungen der Wirbelsäule oder des Beckens. Zudem schaut er, ob Ihr rechtes und linkes Bein gleich lang sind. Bei der Palpation tastet der Arzt Muskelpartien, Sehnen und Bänder ab und prüft dabei, ob eine Stelle druckempfindlich ist. Er begutachtet vor allem die Hinterwand des Leistenkanals und beim Mann die Hoden, um mögliche Brüche zu erfühlen. Dazu testet der Arzt Ihre körperliche Beweglichkeit, in der Regel im Stehen, in Rücken-, Seit- und Bauchlage. Auch eine neurologische Untersuchung gehört dazu. Sie deckt zum Beispiel Nerven-Entzündungen als Ursache der Leistenschmerzen auf.
- Bildgebende Verfahren: Je nach Verdachtsdiagnose können bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall, Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) eingesetzt werden, um die genaue Ursache der Leistenschmerzen zu identifizieren. Diese Verfahren können helfen, Verletzungen, Entzündungen, Hernien oder andere strukturelle Probleme im Bereich der Leiste zu erkennen. Ein Ultraschall eignet sich ideal, um oberflächennahe, weiche Strukturen darzustellen und so die Ursachen von Beschwerden in der Leistenregion oder im Oberschenkel zu untersuchen. Im Röntgenbild lassen sich besonders dichte Strukturen wie Knochen und verkalkte Sehnen, aber auch Schwellungen und Hämatome darstellen. Ein MRT der Leiste ist notwendig, wenn vorherige Untersuchungen keine Ursache der Beschwerden ergeben haben oder die Schmerzen trotz Behandlung bestehen bleiben oder zunehmen. Auch nach Unfällen mit anhaltenden Schmerzen in der Leisten- und Oberschenkelregion kann ein MRT wertvolle Hinweise zur Schmerzursache liefern.
- Laboruntersuchungen: In einigen Fällen können Laboruntersuchungen wie Bluttests oder Urinuntersuchungen durchgeführt werden, um entzündliche Prozesse oder Infektionen auszuschließen oder bestimmte Erkrankungen zu diagnostizieren.
- Spezielle Tests: Je nach Verdachtsdiagnose können spezielle Tests durchgeführt werden, um bestimmte Erkrankungen auszuschließen oder zu bestätigen. Dies kann beispielsweise eine Laufanalyse bei sportbedingten Leistenschmerzen sein.
Leistenschmerzen bei Frauen: Besondere Ursachen
Bei Frauen können Leistenschmerzen auch gynäkologische Ursachen haben. Dazu gehören:
- Eierstockzysten:
- Endometriose:
- Entzündungen im Beckenbereich: Diese Schmerzen sind oft zyklusabhängig oder treten in bestimmten Phasen verstärkt auf.
- Eileiterschwangerschaft: Selten nistet sich der Embryo statt in der Gebärmutter im Eileiter ein. So eine Eileiterschwangerschaft muss rasch behandelt werden. Denn sollte der Eileiter reißen, kommt es womöglich zu inneren Blutungen bis hin zum lebensgefährlichen Kreislaufschock. Mögliche Symptome sind Schmierblutungen zwischen der 6. und 9. Schwangerschaftswoche sowie meist einseitige Schmerzen im Unterbauch, die in die Leiste ausstrahlen können.
- Beckenringlockerung in der Schwangerschaft: Unter dem hormonellen Einfluss der Schwangerschaft lockert sich das Bindegewebe und damit auch die normalerweise sehr feste Bandkonstruktion des Beckens. Besonders in der Zeit vor und nach der Geburt verursacht die Beckenringlockerung unter Umständen Leistenschmerzen.
- Weitere Ursachen: Weitere Ursachen sind zum Beispiel die Entzündung von Eileiter oder Eierstock.
Behandlung von Leistenschmerzen
Die Behandlung von Leistenschmerzen hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Hier sind einige gängige Behandlungsansätze:
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- Konservative Behandlung:
- Schmerzmittel: Akute Beschwerden werden oft zunächst durch medikamentöse Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen oder Diclofenac) behandelt, die gleichzeitig entzündungshemmend wirken.
- Kälteanwendungen: Ergänzend können Kälteanwendungen in den ersten Tagen helfen, Schwellungen zu reduzieren.
- Physiotherapie: Ein zentraler Bestandteil der medizinischen Behandlung ist häufig die Physiotherapie.
- Schonung: Bei akuten Beschwerden, zum Beispiel nach dem Sport oder einer ungewohnten Bewegung, ist zunächst Schonung angesagt. In dieser Phase sollten Sie Aktivitäten vermeiden, die den Schmerz auslösen oder verstärken. Besser ist schmerzfreie, sanfte Bewegung, um die Durchblutung zu fördern und den Heilungsprozess zu unterstützen.
- Wärme: Ab dem dritten oder vierten Tag kann Wärme angewendet werden.
- Pflanzliche Salben: Arnika-, Beinwell- oder Pfefferminzsalben werden traditionell zur Unterstützung der Heilung eingesetzt.
- Operative Behandlung:
- Leistenbruch: Leistenbrüche werden in der Regel operativ behandelt. Eine Leistenhernie kann nur durch eine Operation behoben werden. Wann diese Operation erfolgen sollte, hängt von den Beschwerden, der Größe der Hernie und ihrer Einklemmungstendenz ab. Wartet man zu lange, kann eine Notfalloperation nötig werden, die in der Regel nicht so optimale Erfolgsaussichten hat, wie ein geplanter Eingriff.
- Gelenkprobleme: Bei Hüftarthrose oder Labrumverletzungen können gelenkerhaltende Eingriffe, Injektionen (z. B.
- Weitere Behandlungsansätze:
- Ganganalyse: Ein häufiger Grund für Leisten- und Oberschenkelschmerzen können auch Fehlbelastungen sein, die oft erst nach längerer Zeit Beschwerden verursachen. Eine Ganganalyse kann solche Fehlbelastungen erkennen.
- Übungen: Je nach Ursache der Beschwerden können gezielte Übungen helfen, die regelmäßig durchgeführt werden sollten. Bei Leisten- und Oberschenkelschmerzen helfen oft muskeldehnende Übungen, da Fehl- oder Überbelastungen die Muskeln in diesen Bereichen verkürzen und verhärten können. Regelmäßiges Dehnen, wie der Ausfallschritt, kann dabei helfen. Auch eine seitliche Dehnung auf dem Boden, bei der ein Bein gestreckt und das andere darüber gelegt wird, kann Linderung bringen. Zusätzlich sind Faszienübungen sinnvoll, um Verklebungen in den bindegewebigen Strukturen zu lösen.
Vorbeugung von Leistenschmerzen
Je nach Ursache gibt es Übungen, die vorbeugend gegen Leistenschmerzen anwendbar sind. Am besten lassen Sie sich von einem Experten wie zum Beispiel einem Physiotherapeuten (Krankengymnasten) passende Übungen zeigen. Beispiele für vorbeugende Übungen bei Leistenschmerzen sind:
- Breite Kniebeuge: Richtig durchgeführt, kräftigen sie die Innenseiten der Oberschenkel und die Bauchmuskulatur.
- Seitlicher Ausfallschritt: Diese Übung kräftigt die vordere Oberschenkelmuskulatur.
- Diagonaler Ausfallschritt: Der diagonale Ausfallschritt trainiert die vordere Oberschenkelmuskulatur, die Gesäßmuskeln und die Muskeln an der Innenseite der Oberschenkel (Adduktoren).
- Dehnen: Hierfür eignet sich beispielsweise der sogenannte Prinzenstand, bei dem sie die Leistenregion und die Oberschenkelmuskeln dehnen.
Weitere vorbeugende Maßnahmen sind:
- Ernährung und Körpergewicht: Übergewicht bedeutet eine zusätzliche Belastung für Gelenke und Muskeln, auch für die Bauchmuskulatur. Aus diesem Grund begünstigt Übergewicht unter anderem einen Leistenbruch. Deshalb ist neben Bewegung auch eine ausgewogene, gesunde Ernährung sehr wichtig. Achten Sie darauf, ausreichend Flüssigkeit zu trinken und viel Obst, Gemüse und Vollkornwaren zu essen. Eine fleischarme Kost senkt das Risiko Harnsäuresteine (Nierensteine) zu entwickeln - die unter Umständen ebenso zu Leistenschmerzen führen.
- Stabile Gelenke: Versuchen Sie Ihre Gelenke zu schonen, da auch Probleme an den Gelenken manchmal Leistenschmerzen verursachen. Folgende Tipps helfen, die Gelenke zu schonen: Tragen Sie gutes Schuhwerk und gegebenenfalls Einlagen, um Fehlstellungen der Füße und der Beinachse zu korrigieren. Strapazieren Sie Ihre Gelenke nicht übermäßig beim Sport. Achten Sie auf eine gleichmäßig von den Muskeln geführte Bewegung und führen Sie zur Vorbereitung intensiver Belastungen ein allgemeines und spezielles Krafttraining durch. Nutzen Sie für schwere Lasten die richtige Hebetechnik. Beugen Sie zum Beispiel beim Anheben des Gegenstands zunächst die Knie und achten Sie beim langsamen Aufrichten auf einen geraden Rücken. Vermeiden Sie unbedingt ruckartige Bewegungen. Versuchen Sie Hebehilfen, Tragegurte oder Hubkarren, die einen Teil der Last übernehmen, zu verwenden.
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