Die Bedeutung einer gesunden Ernährung für unser Wohlbefinden wird immer deutlicher, insbesondere wenn es um die Behandlung von Krankheiten wie Multipler Sklerose (MS) geht. Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Nervensystems, bei der das Immunsystem die schützende Myelinschicht der Nervenfasern angreift. Bei Multipler Sklerose (MS) spielt nicht nur die medizinische Behandlung eine zentrale Rolle - auch die Ernährung hat einen erheblichen Einfluss auf das körperliche und seelische Wohlbefinden. Die richtige Ernährung unterstützt nicht nur die Versorgung mit wichtigen Nährstoffen, sondern wirkt auch auf tieferer Ebene - sie kann Entzündungsprozesse im Körper beeinflussen, die Darmgesundheit fördern und den Energiehaushalt stabilisieren.
Was ist Multiple Sklerose?
Deutschlandweit gibt es etwa 250.000 Betroffene der Nervenkrankheit Multiple Sklerose (MS). Bei dieser Krankheit greift das Immunsystem den eigenen Körper an. Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, das heißt, dass das eigene Immunsystem den Körper angreift. Bei MS werden durch Entzündungen die Nervenfasern beschädigt, sodass Informationen zwischen den Nerven nicht mehr einwandfrei übertragen werden können. Die Folgen können Missempfindungen, Gehstörungen aber auch kognitive Störungen sein. Zwar ist die chronische Krankheit nicht heilbar, es gibt allerdings verschiedene verlaufsmodifizierende Behandlungen, die das Immunsystem regulieren können.
Die Rolle der Ernährung in der MS-Therapie
Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist für jeden Menschen wichtig, aber insbesondere Menschen mit MS können davon profitieren. Sie wirkt sich sowohl positiv auf das Immunsystem als auch die Darmflora aus. Beides hat vermutlich Auswirkungen auf die Entstehung und das Fortschreiten der Krankheit. Es deutet vieles darauf hin, dass eine gesunde Ernährung Schübe reduzieren kann.
Basische Ernährung: Ein Überblick
Eine basische Ernährung fokussiert sich auf Lebensmittel, die im Körper basisch verstoffwechselt werden. Ziel ist es, den Säure-Basen-Haushalt zu harmonisieren und eine Übersäuerung zu vermeiden. Hierbei stehen vor allem pflanzliche und unverarbeitete Lebensmittel im Vordergrund. Unsere moderne Ernährung enthält oft viele säurebildende Lebensmittel wie Fleisch, Zucker und industriell verarbeitete Produkte. Diese können den Säure-Basen-Haushalt des Körpers belasten und Entzündungsprozesse begünstigen.
Grundlagen der basischen Ernährung
Die basische Ernährung erfreut sich immer größerer Beliebtheit, da sie viele gesundheitliche Vorteile verspricht. Doch was genau steckt dahinter? Wie kann man sie in den Alltag integrieren und welche Auswirkungen hat sie auf unseren Körper?
Lesen Sie auch: Ketogene Ernährung: Ein möglicher Therapieansatz für Demenz?
Lebensmittel im Fokus
Die Ernährung sollte vor allem aus Gemüse, Pilzen, Nüssen und Samen bestehen. Betroffene sollten darauf achten, weniger Fleisch und mehr pflanzliche Lebensmittel zu konsumieren.
Empfehlenswerte basische Lebensmittel:
- Avocado: Reich an gesunden Fetten, einfach aufschneiden, auslöffeln oder aufs Brot streichen.
- Beeren: Ob Heidelbeeren, Himbeeren oder Erdbeeren - voller Antioxidantien und sekundärer Pflanzenstoffe.
- Brokkoli: Frisch oder kurz blanchiert - liefert Eisen, Folsäure und Chlorophyll.
- Nüsse: Eine kleine Handvoll pro Tag versorgt dich mit Omega-3-Fettsäuren, Magnesium und Eiweiß.
- Haferflocken: Ballaststoffreich, gut für Darm und Energie.
- Eier: Eiweißreich, sättigend und entzündungshemmend.
- Joghurt: Fördert eine gesunde Darmflora.
- Tomaten: Roh oder leicht erwärmt - Lycopin wirkt antioxidativ.
- Olivenöl: Wertvolle Omega-3- und -9-Fettsäuren.
- Vitamin D: Sehr empfehlenswert, wenn wenig Sonnenlicht verfügbar ist.
- Grüner Tee: Enthält Catechine, die Nervenzellen schützen können.
- Kurkuma: Immer mit etwas schwarzem Pfeffer und Fett kombinieren.
- Ingwer
Zu vermeidende Lebensmittel
Unbedingt einzuschränken ist der Fleischkonsum, denn insbesondere rotes Fleisch und Wurst enthalten viele entzündungsfördernde Stoffe. Auch ein hoher Zuckerkonsum begünstigt Entzündungen im Körper und sollte vermieden werden. Bestimmte Lebensmittel wie rotes Fleisch und Wurst enthalten entzündungsfördernde Stoffe. Auch ein hoher Zuckerkonsum begünstigt Entzündungen im Körper und sollte vermieden werden. Außerdem sollte von einem übermäßigen Konsum von Alkohol abgesehen werden. Wie bei allem gilt aber: Die Dosis macht das Gift. Erkrankte können hin und wieder auch Ausnahmen machen und sich bestimmte Lebensmittel wie zum Beispiel ein Stück Kuchen gönnen.
Entzündungshemmende Ernährung bei MS
Eine entzündungshemmende Ernährung kann helfen, den Verlauf von Multipler Sklerose zu verlangsamen und die Lebensqualität zu erhalten. MS, eine chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems, ist bislang nicht heilbar. Aber sie ist behandelbar. Für Betroffene geht es darum, den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität bestmöglich zu erhalten. Da Multiple Sklerose durch Entzündungen entsteht, empfehle ich, unbedingt eine entzündungshemmende Ernährung einzuhalten.
Omega-3-Fettsäuren
Positiv wirken sich dagegen die entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren aus. Um ausreichend Omega-3-Fettsäuren zu sich zu nehmen, empfehle ich Fisch sowie verschiedene Nüsse und Samen. Omega-3-Fettsäuren finden sich in Leinöl oder sogenanntem Algenöl, außerdem in fettreichem Fisch wie Lachs, Hering und Makrele. Eine Ernährung mit ausreichenden Omega-3-Fettsäuren ist sinnvoll. Insbesondere bei einer vegetarischen oder veganen Ernährung können diese zusätzlich eingenommen werden.
Zucker und Autoimmunerkrankungen
Zucker hat einen großen Einfluss auf das chronische Entzündungsgeschehen und auf den Darm. Ein Forscherteam von der Uni Würzburg fand erst kürzlich heraus, dass ein übermäßiger Konsum von Zucker und einfachen Kohlenhydraten die Gefahr, an Autoimmunerkrankungen, wie beispielsweise Multiple Sklerose, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, oder einer chronischen Entzündung der Schilddrüse (Hashimoto) zu erkranken, erhöht. Diese Studie verdeutlichte, dass ein erhöhter Verzehr von einfachen Kohlenhydraten direkten Einfluss auf die krank machenden Funktionen bestimmter Immunzellen hat. Die immer wieder auftretenden Blutzuckerspitzen nach dem Verzehr von Zucker und einfachen Kohlenhydraten können zudem zu erhöhten Entzündungswerten führen und damit chronische Entzündungen weiter antreiben. Eine zuckerarme Ernährung kann bei Multipler Sklerose in jedem Fall sinnvoll sein.
Lesen Sie auch: Morbus Parkinson: Richtige Ernährung
Alternativen zu Zucker
Wer jetzt allerdings auf Süßungsmittel und Zuckerersatzstoffe zurückgreift, wird seinen Süßhunger nicht reduzieren können. Es ist wichtiger, sich gegenüber Süßem zu sensibilisieren. Machen Sie sich beim Einkaufen mit den Zutatenlisten vertraut und achten Sie auf versteckten Zucker. Rotkohl, saure Gurken, Ketchup, Brotaufstriche und Backwaren sind wahre Zuckerfallen. Starten Sie eine Zuckerfrei-Challenge - suchen Sie sich Gleichgesinnte und legen Sie los. Zehn Tage ohne Zucker! Probieren Sie es gerne einmal aus. Versuchen Sie, mit reifem Obst oder Mark zu süßen. Trockenfrüchte wie Datteln, Aprikosen, Feigen und Rosinen sind eine sehr gute Alternative. Sie eignen sich zum Herstellen von eigenen Süßigkeiten wie Butter Cups, Energy Balls und Müsliriegeln oder auch als Snack zwischendurch. Aromen wie pures Kakaopulver, Kardamom, Tonkabohne, Vanille, Zimt, Zitronen-, Limetten- oder Orangenabrieb.
Darmgesundheit und MS
Ein weiterer Ansatz ist, für mehr gute Darmbakterien zu sorgen: und zwar mit Pro- und Präbiotika. Denn aus ballaststoffreichen Lebensmitteln stellen Darmbakterien wertvolle kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat und Propionat her. Sie werden zur Reparatur der Nervenzellen gebraucht. Propionsäure kann offenbar das Immunsystem stärken: In einer internationalen Studie reduzierte die Gabe zusätzlich zu MS-Medikamenten langfristig die Schubrate.
Gluten und Milchprodukte
Forschende haben Hinweise darauf, dass Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) häufiger zusammen mit anderen Autoimmunerkrankungen wie etwa MS auftritt. Der Zusammenhang ist jedoch nicht klar und noch nicht ausreichend erforscht. Einzelnen Betroffenen kann ein Glutenverzicht Linderung verschaffen, dasselbe gilt für einen Verzicht auf Milchprodukte: Forschende haben gezeigt, dass Casein (Kuhmilcheiweiß) in Mäusen eine Autoimmunreaktion triggern kann, die die Nervenzellen schädigt. Bei der Umstellung auf eine entzündungshemmende Ernährung und insbesondere beim Weglassen/Wiedereinführen von Gluten und Casein sollten MS-Betroffene am besten Ernährungs- und Symptomtagebuch führen.
Vitamin D und MS
Verschiedene Studien zeigen auch, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Spiegel und der Multiplen Sklerose gibt. Es gibt Hinweise darauf, dass ausreichend Vitamin D die Schubrate, aber auch die herdförmige Zerstörung der Markscheiden im Gehirn reduzieren könnte. Im Normalfall sind die nötigen Nährstoffe allerdings mit einer abwechslungsreichen Ernährung bereits abgedeckt, eine Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte immer mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Weitere Ernährungsempfehlungen
- Weniger Fleisch, mehr Pflanzen: Betroffene sollten darauf achten, weniger Fleisch und mehr pflanzliche Lebensmittel zu konsumieren.
- Ausreichend Trinken: Zusätzlich muss auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. So können Harnwegsinfektionen sowie Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten entgegengewirkt werden.
- Smoothie aus Knoblauch, Ingwer und Kurkuma: Diese Lebensmittel sind entzündungshemmend, was bei der MS-Therapie von großem Vorteil ist.
Ernährungsumstellung im Alltag
Als meine Mutter sich mit ihrer MS abgefunden hatte, kam sie auf die Idee, sich mit der Krankheit genauer auseinanderzusetzen. Sie fand heraus, dass eine gesunde Ernährung auch einen großen Einfluss auf den Verlauf der MS nehmen kann. Wir beschlossen also, unseren Gewohnheiten zu widerstehen und unsere Ernährung der MS anzupassen. Unsere Umstellung begann damit, dass wir uns spontan zu einem Basenfastenkurs angemeldet hatten. Wir wurden durch die Tageszeitung auf diesen Kurs aufmerksam und wollten diesen als Chance nutzen, unseren Körper von allen Giftstoffen zu befreien. Am Ende des Kurses waren wir uns einig: Wir waren froh, es nicht auf eigene Faust probiert zu haben. Es war eine unglaubliche Erfahrung. Meine Mutter war deutlich fitter und meine Haut um einiges reiner. So schwer Basenfasten am Anfang auch sein mag, ich kann es jedem empfehlen. Das Interesse am Thema „Ernährung“ war nun vollständig geweckt. Deshalb tauschten wir auch mit Freunden und Bekannten unser Wissen aus, bis meine Mutter in einer MS-Klinik eine nette Dame traf, die ihr das Buch des Ernährungswissenschaftlers Dr. Terry Whals schenkte. Er hat die Paleo-Diät auf MS-Patienten angepasst. Paleo bedeutet, sich so ursprünglich wie möglich zu ernähren, also im Grunde so zu essen wie die Steinzeitmenschen. Wir versuchen etwa drei Tassen Salat am Tag zu essen, da dieser (nicht nur) für MS-Patienten sehr wichtige Vitamine enthält. Für eine gute Durchblutung sind schwefelhaltige Lebensmittel wie Pilze, Zwiebeln, Knoblauch und Kohlgemüse besonders förderlich. Bei der Wahl von Obst und Gemüse kann man darauf achten, möglichst viel und möglichst bunt zu essen wie zum Beispiel Mandarinen, rote Bete und Karotten. Wir versuchen diese Tipps und die basischen Mahlzeiten nun so oft es geht zuzubereiten.
Lesen Sie auch: Ketogene Ernährung bei Anfällen
Wichtiger Hinweis
Eine angepasste Ernährung reicht aber leider nicht aus. Inzwischen weiß man, dass man die MS möglichst früh möglichst effektiv behandeln sollte. Eine frühzeitige und passgenaue Therapie ist essenziell, jede Krankheitsphase kann anders behandelt werden. Eine optimale Therapie besteht aber nicht nur aus Medikamenten: Wir arbeiten eng mit Physio- oder Ergotherapeuten zusammen. Früher wurde meist davon abgeraten, mit Multiple Sklerose Sport zu treiben. Neue Studien zeigen aber, dass Bewegung, die der eigenen Belastungsgrenze angepasst ist, hauptsächlich positive Auswirkungen hat. Während eines akuten Schubs sollte die Aktivität aber bitte zunächst zurückgeschraubt werden.