Einführung
Die Kognitive Triade, entwickelt von Aaron T. Beck, ist ein zentrales Konzept in der kognitiven Therapie und spielt eine wichtige Rolle im Verständnis und der Behandlung affektiver Störungen, insbesondere Depressionen. Diese Theorie besagt, dass die Art und Weise, wie wir Ereignisse interpretieren und bewerten, einen entscheidenden Einfluss auf unser emotionales Wohlbefinden hat. Dieser Artikel beleuchtet die Kognitive Triade im Detail und zeigt ihre Bedeutung für die psychische Gesundheit auf.
Grundlagen der Kognitiven Therapie nach Beck
Aaron T. Beck entwickelte ein psychotherapeutisches Verfahren zur Behandlung affektiver Störungen, das insbesondere auf die kognitive Re- bzw. Umstrukturierung dysfunktionaler Kognitionen abzielt. Die grundlegenden Schritte dieser Therapie umfassen:
- Identifikation dysfunktionaler automatischer Gedanken: Hierbei werden negative Gedanken, die im Alltag automatisch auftreten, bewusst gemacht. Methoden hierfür sind beispielsweise die Thematisierung von Stimmungsänderungen in der Therapie, Imagination, Rollenspiele, Tagesprotokolle zur Selbstbeobachtung negativer Gedanken und die Reflexion von Bedeutungszuschreibungen.
- Identifikation verzerrter Wahrnehmungen, fehlerhafter Denkweisen und dysfunktionaler Einstellungen: In diesem Schritt werden die zugrunde liegenden Denkmuster analysiert, die zu den negativen Gedanken führen. Dies geschieht beispielsweise durch den Sokratischen Dialog, die Prüfung der logischen Struktur (logische Analyse), die Analyse von Konsequenzen (pragmatische Analyse) und Realitätsvergleiche (empirische Analyse).
- Erarbeitung alternativer, «funktionaler» Kognitionen und Denkgewohnheiten: Ziel ist es, neue, hilfreichere Gedanken und Einstellungen zu entwickeln. Hierbei kommen Methoden wie kognitives Neubenennen und Realitätstesten zum Einsatz.
- Anwendung der alternativen Kognitionen und Denkgewohnheiten im Alltag: Die neuen Denkweisen werden im täglichen Leben erprobt und gefestigt.
Die Kognitive Triade im Detail
Die Kognitive Triade beschreibt ein Muster negativer Gedanken, das bei depressiven Menschen häufig zu finden ist. Sie besteht aus drei miteinander verbundenen Komponenten:
1. Negatives Bild von sich selbst
Betroffene haben ein negativ geprägtes Bild von sich selbst. Sie fühlen sich wertlos, sehen sich als Versager und glauben, dass sie aufgrund ihrer „Mängel“ unerwünscht sind. Negative Erfahrungen führen sie auf sich selbst zurück. Sie internalisieren Misserfolge und schreiben sich negative Eigenschaften zu. Dies führt zu einem geringen Selbstwertgefühl und einem Gefühl der Inkompetenz.
2. Negative Sicht auf die Umwelt
Betroffene fühlen sich darüber hinaus von ihrer Umwelt nicht verstanden. Sie empfinden die Welt mit ihren Aufgaben und Verpflichtungen als fordernd und ungerecht. Sie sehen Hindernisse und Schwierigkeiten überall und haben das Gefühl, dass die Welt gegen sie arbeitet. Dies kann zu sozialem Rückzug und Isolation führen.
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3. Negative Erwartungen an die Zukunft
Das Gefühl, dass sich nichts ändern wird und auch in Zukunft dieselben Hürden bestehen bleiben, demotiviert die Betroffenen zusätzlich. Sie sehen kein Licht am Ende des Tunnels und blicken somit hoffnungslos und frustriert in die Zukunft. Diese Hoffnungslosigkeit verstärkt die Depression und kann zu einem Gefühl der Ausweglosigkeit führen.
Die "negative Brille" und ihre Auswirkungen
Das Problematische an diesen negativen Gedankeninhalten ist, dass die Betroffenen häufig selbst nicht in der Lage sind zu erkennen, dass ihre Gedanken teilweise verzerrt sind. Sie blicken sozusagen dauerhaft durch die „negativ getönte Brille“. Jeder Misserfolg bzw. jedes unangenehme Ereignis bestätigt diese Überzeugungen vermeintlich. Diese verzerrte Wahrnehmung führt zu einem Teufelskreis, in dem negative Gedanken negative Gefühle und Verhaltensweisen verstärken.
Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass ein negatives Weltbild allein noch keine Depression bedeutet. Die Dauer und Intensität dieser negativen Sichtweise sowie die Fähigkeit, diese auch einmal abzusetzen, spielen eine entscheidende Rolle.
Kognitive Verzerrungen
Die Grundlage der depressiven Entwicklung ist eine kognitive Störung. Das Denken der Betroffenen ist dabei durch logische Fehler wie z.B. selektive Wahrnehmung, willkürliche Schlussfolgerungen, Übertreibungen etc. gekennzeichnet. Diese Denkfehler verstärken die negative Sichtweise und tragen zur Aufrechterhaltung der Depression bei.
Die Rolle der Selbstbeobachtung
Die Strategie, sich im Alltag genau zu beobachten, dabei Notizen zu machen, daraus Schlüsse zu ziehen und Neues auszuprobieren, ist eines der Grundprinzipien der Verhaltenstherapie. Selbstbeobachtung, Fine-Tuning in der Selbstwahrnehmung ist hier der Trick. In der Kognitiven Verhaltenstherapie geht es um das Erkennen von Gedanken, die uns krank machen. Aaron T. Beck sprach von „dysfunktionalen“ Gedanken, also Sätze, die keine sinnbringende Funktion haben. Gut möglich, dass Sie in einer akuten Situation aus der Vergangenheit Trost- oder und Erklärungsfunktion hatten. In der psychologischen Therapie nimmt man nun die Lupe zur Hand und betrachtet sich im Alltag genau. Wann habe ich welche Gedanken? Welche Sätze machen mich „fertig“? Dann geht’s los: Wir haben nun unsre Killerphrasen identifiziert. Nun gilt es sie auszuhebeln. Mit neuen Sätzen, die wir in unseren Kopf pflanzen. Realistische Gedanken, die angstbesetzte Fantasien korrigieren. Und als Gegenpol zu den obigen drei Annahmen: “ Ich darf Schritt für Schritt vorangehen.
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Ziel der Kognitiven Therapie
Als Ziel der kognitiven Therapie ergibt sich nach diesem Modell die Veränderung von dysfunktionalen Kognitionen (Gedanken und Einstellungen). Diese soll u.a. das Überprüfen eigener Ziele und Normen (zu hoch? unrealistisch?) beinhalten. Das Ziel einer Psychotherapie ist es, diese Gedankenketten zu durchbrechen und neue Sichtweisen zu entwickeln, die den Selbstwert stärken. Bei verhaltenstherapeutischen Ansätzen werden negative Bewertungen Schritt für Schritt in Frage gestellt.
Methoden zur Veränderung dysfunktionaler Gedanken
Es gibt verschiedene Methoden, um dysfunktionale Gedanken zu verändern:
- Sokratischer Dialog: Durch gezielte Fragen werden die Betroffenen dazu angeregt, ihre eigenen Gedanken zu hinterfragen und alternative Perspektiven zu entwickeln.
- Realitätstesten: Die Betroffenen werden ermutigt, ihre negativen Gedanken anhand von konkreten Erfahrungen zu überprüfen.
- Kognitives Neubenennen: Negative Ereignisse werden in einem neuen, positiveren Licht betrachtet.
- Verhaltens Experimente: Die Betroffenen führen kleine Experimente durch, um ihre negativen Erwartungen zu widerlegen.
Abgrenzung zu anderen Therapieformen
Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) nach Beck gehört zu drei Hauptströmungen der Kognitiven Therapie. Die anderen Hauptströmungen sind Rational Emotive Therapie nach Albert Ellis und das Stressimpfungstraining nach Donald Meichenbaum. Die KVT beschäftigt sich mit aktuellen Problemen und es wird nach Lösungen gesucht. Das Verhalten, Gedanken und Gefühle werden reflektiert, auf Angemessenheit überprüft und danach Alternativen gesucht. Die KVT ist transparent.
Die Kognitive Triade im Alltag und im Mentaltraining
Seit den 60er Jahren hat sich in diesem Bereich sehr viel getan. Die Arbeit mit Gedanken wird nicht nur in der Therapie genutzt, wo es um krankheitswertige Symptome wie Depression, Zwangs- und Angststörungen geht. Im Mentaltraining beispielsweise arbeitet man - bevorzugt im Sport - mit bunten Aspekten von Gedanken und Verstärker-Sätzen, sogenannten Affirmationen: Motivations-Sätze, die unsere Gefühle („Ich fühle mich stark und gesund!“, unsere Technik („Ich halte meinen Arm gestreckt!“) und unsere Motivation betreffen („Ich schaffe das!“).
Wenn kognitive "Tricks" nicht funktionieren
Bei manchen Menschen ist es möglich, dass auch der beste positive Satz keinen Erfolg zeigt. Dass kognitive „Tricks“ einfach keinen Erfolg bringen. Das geschieht, wenn er bei uns emotional nicht im Inneren ankommt. Der Kopf versteht, aber das Herz/der Bauch spürt es nicht. Hier ist die Devise, mehr ins Fühlen zu gehen. Sie können ein Gefühlstagebuch starten. Tagebuch „deluxe“ sozusagen. Welche Gedanken machen sich breit? Was fühle ich gerade? Wann hatte ich das Gefühl zum ersten Mal? Was macht das mit meinem Körper - wo spüre ich das? Wenn Sie kein Freund von Listen und Protokollen sind - gehen Sie in Beratung oder Therapie. Methoden und Therapierichtungen die körper- und erlebnisorientiert sind, bringen Sie wieder mehr ins Spüren und weg von den mentalen Verknotungen. Überall wo gut begleitete Selbsterfahrung möglich ist, lernen wir uns ein Stück besser verstehen. Im Alltag sind es beispielweise achtsamer Sport, asiatische Bewegungslehren, Entspannungsverfahren, Musiktherapie und Naturerlebnisse die uns unserem ganzheitlichen Selbst-Erleben wieder näherbringen.
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