Depression, Suizid und Epilepsie: Eine komplexe Beziehung

Die Verbindung zwischen Depression, Suizid und Epilepsie ist ein komplexes und vielschichtiges Thema, das sowohl medizinische als auch psychosoziale Aspekte umfasst. Epilepsie ist nicht nur eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist, sondern sie kann auch das Risiko für psychiatrische Komorbiditäten, insbesondere Depressionen, erhöhen. Depressionen wiederum sind ein bekannter Risikofaktor für Suizid. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen diesen drei Zuständen, wobei auf aktuelle Forschungsergebnisse und klinische Erkenntnisse eingegangen wird.

Epilepsie und psychiatrische Erkrankungen

Patienten mit psychiatrischen Störungen, insbesondere mit affektiven Störungen, haben ein höheres Suizidrisiko im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung. Das Risiko für einen Suizid ist noch stärker erhöht, wenn zusätzlich eine Epilepsie vorliegt. Zudem ist Epilepsie ein Risikofaktor für die Entwicklung einer psychiatrischen Erkrankung, wobei Depressionen bei Epileptikern besonders häufig vorkommen. Auch bei Epileptikern ohne komorbide psychiatrische Erkrankung kann das Suizidrisiko erhöht sein.

Eine retrospektive Kohortenstudie, die Daten von über fünf Millionen Patienten aus Allgemeinarztpraxen in Großbritannien auswertete, fand keinen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Antiepileptika und suizidalen Handlungen bei Epilepsie-Patienten.

Antiepileptika und Suizidalität: Eine Metaanalyse

Im Januar ordnete die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) an, dass Hersteller von Antiepileptika vor einem erhöhten Risiko suizidaler Gedanken und Handlungen unter der Therapie warnen müssen. Vorausgegangen war eine Metaanalyse von Plazebo-kontrollierten Studien zu elf Antiepileptika: Patienten, die mit Antiepileptika behandelt wurden, hatten in diesen Studien ein fast doppelt so hohes Risiko für suizidale Ereignisse wie Patienten, die ein Plazebo erhielten. Das Risiko stieg dabei kurz nach Beginn der Therapie und blieb unabhängig vom Typ des Antiepileptikums und der Indikation erhöht. Die absolute Zahl suizidaler Ereignisse war in diesen Studien allerdings sehr gering, weshalb zwischen den einzelnen Wirkstoffen und den zugrunde liegenden Erkrankungen kein Unterschied festgestellt wurde.

Kohortenstudie zum Zusammenhang von Antiepileptika und Suizidalität

Eine Kohortenstudie untersuchte den Zusammenhang zwischen der Anwendung von Antiepileptika und suizidalen Ereignissen (Suizide, versuchte Suizide) bei Patienten mit Epilepsie, Depression oder bipolaren Störungen. Hierfür wurden Daten der THIN(The health improvement network)-Datenbank ausgewertet, die für die Allgemeinbevölkerung in Großbritannien repräsentativ sind.

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Im ersten Teil der Studie wurden Patienten mit Epilepsie, Depression oder bipolaren Störungen identifiziert und die Inzidenz suizidaler Ereignisse in diesen Patientengruppen unabhängig von der Medikation bestimmt. Anschließend wurde der Zusammenhang zwischen der Einnahme beziehungsweise Nicht-Einnahme von Antiepileptika und suizidalen Ereignissen analysiert. Als Referenz diente ein Patientenkollektiv, das weder an Epilepsie, Depressionen oder bipolaren Störungen litt noch Antiepileptika einnahm. Personen mit suizidalen Ereignissen in der Vorgeschichte oder einer familiären Prädisposition wurden von der Analyse ausgeschlossen.

Charakteristika der Patienten

Die Studienkohorte umfasste insgesamt 5.130.795 Patienten mit einer Nachbeobachtungszeit von 31.527.585 Patientenjahren. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 6,2 ± 5,2 Jahre. 48,6 % der Patienten waren Männer, und das mittlere Alter lag bei 33,7 ± 23,1 Jahren.

Insgesamt waren 66.925 Patienten Epileptiker, von denen 16.120 Patienten keine Depression oder bipolare Störung hatten und keine Antiepileptika erhielten. Auch 435.790 Patienten, die nur an einer Depression litten, und 3.814 Patienten, die nur eine bipolare Störung hatten, wurden nicht mit Antiepileptika behandelt.

77.319 Patienten bekamen Antiepileptika, hatten aber weder Epilepsie noch eine Depression oder bipolare Störung. Die Indikationen für den Einsatz von Antiepileptika bei diesem Personenkreis waren nicht bekannt, aber in den Krankenberichten von 18,7 % dieser Patienten waren Schmerzen und damit verbundene Diagnosen dokumentiert.

Suizidale Ereignisse und Studienergebnisse

Insgesamt unternahmen 8.212 Personen einen Suizidversuch, 464 Personen davon begingen Suizid. Dabei korrelierte die zugrunde liegende Erkrankung stärker mit der Häufigkeit suizidaler Ereignisse als die Frage, ob die Patienten Antiepileptika erhielten oder nicht.

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In einer Reihe von Analysen wurden die einzelnen Studienkohorten getrennt betrachtet und einflussnehmende Parameter wie Alter, Krankheitsdauer, vorangegangene Therapien mit Antiepileptika, Lithium, Antipsychotika oder Antidepressiva, Alkoholabusus, mentale Störungen sowie chronische Krankheiten berücksichtigt.

Bei Patienten, die Antiepileptika erhielten, ohne dass sie an Epilepsie, Depression oder bipolarer Störung erkrankt waren, war das Risiko für suizidale Ereignisse gegenüber der Referenzgruppe erhöht (Odds-Ratio 2,57; 95%-Konfidenzintervall 1,78-3,71). Auch bei Patienten, die an einer oder mehreren dieser Erkrankungen litten, war das Risiko gegenüber der Referenzgruppe erhöht. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Einnahme von Antiepileptika und einem erhöhten Risiko für suizidale Ereignisse bestand allerdings nur bei Patienten mit Depression (ohne Epilepsie oder bipolare Störung). Bei Patienten mit Epilepsie sowie bei Patienten mit bipolarer Störung war die Anwendung von Antiepileptika nicht mit einem signifikant erhöhten Suizidrisiko verbunden.

Fazit der Kohortenstudie

Die Analyse von Daten aus Allgemeinarztpraxen in Großbritannien bestätigt das erhöhte Risiko für suizidale Ereignisse bei Patienten mit Epilepsie, Depression und bipolarer Störung. Bei Epilepsie-Patienten wurde jedoch kein Zusammenhang zwischen der Anwendung von Antiepileptika und einem erhöhten Suizidrisiko gefunden. Dagegen wurde bei Patienten mit Depression und bei Patienten ohne Epilepsie, Depression oder bipolare Störung eine Verbindung zwischen der Einnahme von antiepileptischen Wirkstoffen und dem Auftreten suizidaler Ereignisse beobachtet.

Angesichts des geringen absoluten Risikos besteht jedoch kein Anlass, aus Angst vor Suizidalität ganz auf die Einnahme von Antiepileptika zu verzichten. Vielmehr sollten der Nutzen und die Risiken wie bei anderen medikamentösen Therapien sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Depressionen bei Epilepsiepatienten

Patienten mit Epilepsie leiden häufiger unter depressiven Symptomen als Gesunde. In vielen Fällen liegt die Ursache hierfür in der Erkrankung des Gehirns (neurobiologische Ursache) selbst. Die Funktionsstörung bedingt also nicht nur die epileptischen Anfälle, sondern kann auch erheblich zu psychischen Symptomen beitragen. Nicht alle Epilepsieformen tragen das gleiche Risiko für die Entwicklung depressiver Symptome.

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Mögliche therapeutische Maßnahmen sind:

  • Körperliche Aktivität, die sich positiv auf die Stimmung auswirken kann.
  • Der Wechsel von Antiepileptika, die ein höheres Risiko für das Aufkommen depressiver Symptome haben, hin zu solchen, die sich stabilisierend oder positiv auf die Stimmung auswirken.

SUDEP und Suizidrate bei Epilepsie

Der SUDEP (Sudden Unexpected Death in Epilepsy) ist immer noch eine der häufigsten Todesursachen von Epilepsiepatienten. Die Mortalität von Menschen mit Epilepsie ist im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöht. Bei den unter 50-Jährigen steigt sie sogar um fast das Vierfache an.

Die Suizidrate ist deutlich erhöht bei Menschen mit Epilepsie, insbesondere bei der Schläfenlappenepilepsie (TLE). Bei einer Erkrankung des Schläfenlappens können Anfälle, aber auch kognitive und affektive Störungen, wie Depressionen, auftreten.

Epilepsie und depressive Störungen: Gemeinsame neurobiologische Merkmale

Epilepsien und depressive Störungen zeigen eine hohe Komorbiditätsrate und einige gemeinsame neurobiologische Merkmale. Bei Patienten mit Epilepsie sollte eine Depression früh und verlässlich erkannt werden, da die erfolgreiche Behandlung Einfluss auf die Prognose, die Lebensqualität und das erhöhte Suizidrisiko der Erkrankten hat. Eine antidepressive Therapie mit noradrenergen spezifisch serotonergen Antidepressiva (NaSSA) oder selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRI) hat im therapeutischen Dosisbereich kein klinisch relevantes epileptogenes Potenzial. Sie steigert jedoch häufig die Lebensqualität und könnte zudem antikonvulsive Effekte bei Patienten mit Epilepsie zu haben.

Studie zu psychopathologischen Merkmalen und Suizidrisiko bei TLE-Patienten

Epilepsie-Patienten, besonders jene mit Temporallappenepilepsie (TLE), begehen dreimal so häufig einen Suizid wie die Bevölkerung. Psychopathologische Merkmale können das Suizidrisiko bei TLE-Patienten offenbar beeinflussen.

In einer Studie wurden aktuelle und frühere psychiatrische Achse-I-Störungen sowie Suizidrisiko und -versuche bei 66 TLE-Patienten erfasst. Zusätzlich wurden die Impulsivität, Angst, Depression und die allgemeine Psychopathologie bestimmt.

Eine aktuelle psychiatrische Achse-I-Diagnose wurde bei 56,1 % der Probanden festgestellt. Darunter waren vor allem affektive Störungen wie unipolare Depression, bipolare Erkrankung und Angststörungen. Eine aktuelle Suizidgefahr bestand bei 28,8 % der Patienten, 21,2 % hatten in der Vergangenheit bereits versucht, sich das Leben zu nehmen.

Depression: Eine der häufigsten Erkrankungen

Die Depression ist eine der häufigsten Erkrankungen. In Deutschland leiden derzeit ca. 4 Millionen Menschen unter einer Depression. 10 Millionen Menschen, also etwa jeder 8. Einwohner Deutschlands, durchlebt zumindest einmalig in seinem Leben eine depressive Phase.

Ursachen und Entstehung einer Depression

Die Ursachen depressiver Erkrankungen sind vielfältig und nur unvollständig erforscht. Es ist von einem Zusammenwirken mehrerer Ursachen auszugehen. Neben Erbfaktoren spielen biologische Faktoren und Umwelteinflüsse eine Rolle. Die Depression im Gehirn entsteht, nach derzeitigem Stand der Erkenntnisse, am ehesten durch einen Mangel oder ein Ungleichgewicht an Überträgerstoffen zwischen den einzelnen Nervenzellen des Gehirns. Bekannt ist, dass beispielsweise ein Mangel oder Ungleichgewicht der Überträgerstoffe Serotonin, Dopamin, Melatonin oder Noradrenalin eine Depression auslösen oder unterhalten kann. Eine Depression kann auch Teil einer anderen Gehirnerkrankung, wie zum Beispiel eines Schlaganfalls, einer Epilepsie oder einer Gehirnverletzung sein. Die Depression kommt in einigen Familien gehäuft vor.

Eine Depression kann durch ein einschneidendes negatives Erlebnis, wie den Verlust einer nahestehenden Person, einen Unfall mit schwerwiegenden Folgen oder einen Arbeitsplatzverlust aber auch durch eine chronische Konfliktsituation und Überforderung ausgelöst oder in ihrer Entstehung begünstigt werden. Dies ist aber nicht immer der Fall. Oft entsteht eine Depression auch ohne äußeren Anlass.

Eine Depression kann überdies als Nebenwirkung eines Medikamentes vorkommen. Dies ist immer zu beachten und gegebenenfalls das auslösende Medikament abzusetzen.

Symptome einer Depression

Die auffälligsten Symptome einer Depression sind über Wochen und Monate, teilweise Jahre anhaltende Traurigkeit, Antriebsarmut und Energielosigkeit. Die Fähigkeit zur Freude oder Trauer ist eingeengt. Es entsteht eine innere Leere. Die Symptome sind häufig in den frühen Morgenstunden und vormittags am Schlimmsten und bessern sich im Laufe des Tages - das sogenannte Morgentief.

Daneben ist die Depression jedoch durch eine Fülle weiterer psychischer und körperlicher Symptome charakterisiert. Die wichtigsten Symptome der Depression im Einzelnen sind:

  • Traurigkeit
  • Verlust von Lebensfreude
  • Pessimismus
  • Energieverlust
  • Ermüdung und Erschöpfung
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Interessenverlust
  • Versagensgefühle
  • Schuldgefühle
  • Selbstvorwürfe
  • Mangel an Selbstvertrauen
  • Gefühl der Wertlosigkeit
  • Entschlussunfähigkeit
  • Bestrafungsgefühle
  • Weinen
  • Innere Unruhe
  • Vermehrte Reizbarkeit
  • Veränderter Appetit
  • Schlafstörungen
  • Reduziertes sexuelles Interesse
  • Todes- und Selbstmordgedanken
  • Angst
  • Körperliche Symptome

Verlauf einer Depression

Der Verlauf einer Depression kann sehr verschieden sein. Neben depressiven Phasen von wenigen Tagen kann die Depression bei manchen Patienten über viele Monate und zum Teil Jahre anhalten. Dann spricht man von einer chronischen Depression. Mit entsprechender Behandlung ist es meistens möglich eine Depression nach 3-9 Monaten zu überwinden. Bei etwa einem Drittel der Patienten bleibt es bei einer depressiven Episode im Leben. Bei einem weiteren Drittel kommt es immer wieder zu Phasen der Verschlechterung mit erneut auftretender Depression. Bei jedem dritten Patienten ist die Depression therapieresistent und chronisch.

Eine Sonderform ist die bipolare Störung. Hier treten neben depressiven Phasen auch manische Phasen auf, bei denen der Patient krankhaft und unkontrolliert euphorisch (himmelhoch jauchzend) und überaktiv ist.

Während der Depression neigen einige Patienten zu verstärktem Nikotin- und Alkoholkonsum, was die Problematik weiter verschlechtert.

Diagnose und Behandlung von Depressionen

Am wichtigsten sind die vom Patienten selber und seinen Begleitpersonen geschilderten Symptome (Eigenanamnese und Fremdanamnese). Darüber hinaus gibt es formelle Testbögen, die eine Einschätzung des Ausmaßes der Depression erleichtern. Eine Depression aufgrund einer anderen Erkrankung, wie z.B. Schilddrüsenfehlfunktion, Vitaminmangel, Hirntumoren muss schon initial durch geeignete neurologische Diagnostik inkl. einer laborchemischen Abklärung (Blutuntersuchungen), neuro-psychometrischer Diagnostik (Testungen der Hirnleistungen durch einen Psychologen) und bildgebenden Verfahren (Computertomographie oder Kernspintomographie des Kopfes) ausgeschlossen oder nachgewiesen werden.

Die Behandlung der Depression erfolgt mit Psychotherapie, antidepressiven Medikamenten und körperlichem Training sowie Entspannungstraining. Zusätzlich können ergänzend eine Neural-Akupunktur und eine magneto-elektrische Stimulation angewendet werden. Insgesamt empfiehlt sich die Behandlung integriert und multimodal, das heißt unter Ausschöpfung aller Behandlungsmöglichkeiten zu gestalten.

Psychotherapeutische Behandlung

Die Psychotherapie ist eine effektive Methode zur Behandlung der Depression. Die Psychotherapie bei Depressionen wird durch qualifizierte Ärzte oder psychologische Psychotherapeuten durchgeführt. Man unterscheidet Verhaltenspsychotherapie und analytische Psychotherapie. Für die Depression wird man überwiegend die Verhaltenspsychotherapie anwenden. Hierbei werden die verschiedenen Lebensbereiche im Hinblick auf Krankheit-auslösende oder Krankheit-unterstützende Faktoren analysiert, erörtert und Möglichkeiten der Konfliktlösung aufgezeigt. Im optimalen Fall führt dies zu einer Verhaltensänderung des Patienten, die für ihn vorteilhaft ist und zur Ausheilung der Depression beiträgt.

Medikamentöse Therapie

Ziel der medikamentösen Therapie der Depression ist es Störungen im Stoffwechsel der Überträgerstoffe zwischen den Nervenzellen im Gehirn zu verbessern. Wichtige Überträgerstoffe hierfür sind Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und Melatonin. Es stehen etwa 10 Substanzen der 1. Wahl zur Verfügung. Die Frage, welches Medikament, in welcher Dosierung, über welchen Zeitraum eingesetzt werden soll, wird durch den Facharzt (Psychiater oder Neurologen) in enger Abstimmung mit dem Patienten festgelegt. Wichtig ist zu wissen, dass viele antidepressive Medikamente ihre Wirksamkeit erst nach Ablauf von 2 Wochen entfalten und sich diese danach, auch bei gleichbleibender Dosierung, noch steigern kann. Die Medikamente machen nicht abhängig und können jederzeit (ausschleichend) wieder abgesetzt werden. Gegebenenfalls können zusätzlich weitere Medikamente zur Beruhigung oder Verbesserung des Nachtschlafes angewendet werden. Insgesamt sind zwar viele Nebenwirkungen bekannt, sie betreffen jedoch nur etwa 10 % der Patienten in relevantem Umfang. Dann muss das Medikament in seiner Dosis reduziert oder gänzlich abgesetzt werden.

Körperliches Training und Entspannungstraining

Die körperliche Therapie der Depression wird oft vernachlässigt. Ratsam sind 30-60 min Ausdauertraining mehrfach wöchentlich. Durch körperliches Training werden die Gehirnzellen aktiviert und Stammzellen im Gehirn zur Teilung angeregt. Schon nach kurzer Zeit können Stimmung und Lebensfreude steigen, Antrieb und Selbstvertrauen sich normalisieren, Schlafstörungen behoben sein.

Eine Sonderform des körperlichen Trainings ist das Entspannungstraining. Dieses wird unter Anleitung durch spezifisch geschulte Physiotherapeuten oder Sportlehrer vermittelt und kann danach in eigener Regie praktiziert werden.

Neural-Akupunktur

Hypothetisches Ziel der Neural-Akupunktur ist es, durch Stimulation an den Nervenaustrittspunkten die Freisetzung der körpereigenen Endorphine herbeizuführen. Die, landläufig auch als Glückshormone bezeichneten, Endorphine haben eine schmerz-lösende, ausgleichende und Stimmungs-aufhellende Wirkung. Nach eigener Erfahrung ist die Neural-Akupunktur zur Behandlung der Depression sehr wirksam. Sie hat als neues Verfahren gleichwohl bisher nicht die Anerkennung im Bereich der sogenannten medizinischen Leitlinien zur Behandlung der Depression gefunden.

Magneto-elektrische Stimulation

Mit einer direkt über den Kopf gehaltenen Magnetspule wird im Bereich des Gehirns schwacher elektrischer Strom ausgelöst, der das Gehirn aktiviert. Weltweit existieren mehr als 50 Studien, die eine Wirksamkeit der Methode beobachteten. Die Methode ist harmlos und nebenwirkungsfrei.

Bei der Gleichstrombehandlung des Gehirns zur Therapie der Depression handelt es sich um ein gut verträgliches Verfahren. Das Gehirn wird über 20 min elektrisch stimuliert.

Erhöhte Mortalität bei Epilepsiepatienten und Suizid

Viele Menschen mit Epilepsie sterben frühzeitig eines nicht natürlichen Todes. Suizide gehörten in einer Fall-Kontrollstudie zu den auffällig häufigen Todesursachen, vor allem bei Patienten mit einer bekannten psychischen Morbidität.

Es war bekannt, dass viele Menschen mit Epilepsie unter mentalen Störungen leiden. Das Ausmaß der Gefährdung wurde jedoch möglicherweise unterschätzt, wie die Untersuchung von Seena Fazel, Universität Oxford, und Mitarbeitern zeigt. Der forensische Psychiater konnte mit Kollegen des Karolinska Instituts in Stockholm die Daten von 69.995 Schweden mit Epilepsie der Jahrgänge 1954 bis 2009 auswerten.

Bis zum 55. Lebensjahr waren 6.155 Patienten oder 8,8 Prozent gestorben. Die Mortalität war gegenüber einer bevölkerungsbasierten Kontrollgruppe erhöht. Der Vergleich mit einer Kontrollgruppe aus den nicht an Epilepsie erkrankten Geschwistern ermittelt eine fast identische Steigerung (Odds Ratio 1,4), was eine genetische Ursache der hohen psychiatrischen Mortalität ausschließt.

Bei den Epilepsie-Patienten hatte jeder sechste Todesfall (15,8 Prozent) eine nicht natürliche Ursache. Darunter waren nur wenige Verkehrsunfälle, die Folge eines Krampfanfalls am Steuer sein können. Das Risiko von tödlichen Autounfällen war zwar erhöht (wobei offen bleibt, ob sie tatsächlich Folge des Anfallsleidens waren oder absichtlich herbeigeführt wurden). Für einen mentalen Hintergrund vieler Unfalltodesfälle spricht, dass ein großer Teil der tödlich Verunglückten wegen einer psychiatrischen Erkrankung in Behandlung war.

Suizide wurden auf den Sterbeurkunden insgesamt häufiger als Todesursache angegeben als in der Allgemeinbevölkerung.

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