Akuter ischämischer Schlaganfall (AIS) in der Neurologie: Aktuelle Erkenntnisse und Behandlungsstrategien

Die Neurologie steht bei der Behandlung des akuten ischämischen Schlaganfalls (AIS) vor ständigen Herausforderungen. Die rasche Weiterentwicklung von Diagnostik und Therapie erfordert eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit neuen Erkenntnissen. Dieser Artikel fasst aktuelle Forschungsergebnisse und Behandlungsansätze zusammen, um einen Überblick über den aktuellen Stand der Versorgung von AIS-Patienten zu geben.

Zunehmende Inzidenz bei jüngeren Erwachsenen

Ein besorgniserregender Trend ist der Anstieg von Schlaganfällen bei jungen Erwachsenen unter 50 Jahren. Die Zahl der Betroffenen steigt weltweit. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und präventive Maßnahmen zu ergreifen.

Suboptimale Sekundärprävention nach Schlaganfall

Nahezu jeder zweite Schlaganfallpatient im Alter zwischen 18 und 50 Jahren erleidet ein erneutes vaskuläres Ereignis. Obwohl in etwa einem Drittel der Fälle die Ursache unklar bleibt, spielt Atherosklerose in den übrigen zwei Dritteln oft eine entscheidende Rolle. Dies bietet Ansatzpunkte für die Sekundärprävention.

Eine Studie von Van Dongen et al. (FUTURE Study) untersuchte die Verordnung von Medikamenten zur Sekundärprävention bei jungen Erwachsenen nach einem Schlaganfall. Die Analyse von 656 Patienten im Alter von 18 bis 50 Jahren mit ischämischem Schlaganfall oder transienter ischämischer Attacke (TIA) zeigte, dass die Behandlung mit Statinen zwischen 2000 und 2010 auf 51,8 % anstieg. Auch die Einnahme von Antihypertensiva (von 16,1 % auf 29,2 %) und Thrombozytenaggregationshemmern (von 63,6 % auf 80,1 %) nahm zu. Dennoch erhielten weiterhin vier von fünf jungen Schlaganfallpatienten keine adäquate Sekundärprävention. Hier besteht erhebliches Potential zur Reduktion von rezidivierenden vaskulären Ereignissen.

Thrombolyse und Thrombektomie bei Kindern mit AIS

Bei Erwachsenen mit akutem ischämischem Schlaganfall (AIS) sind intravenöse Thrombolyse (IVT) und/oder endovaskuläre Therapie (ET) evidenzbasierte Behandlungsoptionen. Für Kinder liegen jedoch keine randomisierten kontrollierten Studien vor. Eine Schweizer Studie untersuchte die Durchführbarkeit, Sicherheit und Ergebnisse von IVT und ET bei Kindern mit AIS.

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In dieser retrospektiven Studie (2000-2015) wurde eine multizentrische, prospektive Kohorte von Patienten im Alter von einem Monat bis 16 Jahren analysiert, bei denen ein AIS innerhalb von zwölf Stunden nach Symptombeginn diagnostiziert wurde. Die klinischen und radiologischen Daten von Patienten, die IVT oder ET erhielten, wurden mit denen verglichen, die eine Standardversorgung (SOC) erhielten. Die Ergebnisse wurden sechs Monate nach dem Schlaganfall anhand des Paediatric Stroke Outcome Measure (PSOM) beurteilt.

Von 216 pädiatrischen AIS-Patienten wurden 81 innerhalb von 12 Stunden nach Symptombeginn diagnostiziert. Vier (5 %) Patienten erhielten IVT und elf (14 %) ET. Patienten, die IVT/ET erhielten, waren älter (mittleres Alter 11,4 vs. 7,5 Jahre; p=0,01) und stärker betroffen (medianer pedNIHSS-Wert 13,0 vs. 7,0; p<0,001). Todesfälle und Blutungskomplikationen unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Gruppen. Allerdings traten bei Patienten, die IVT/ET erhielten, häufiger schlaganfallbezogene Komplikationen auf (p=0,017). Die medianen PSOM-Werte 6 Monate nach dem AIS lagen in der IVT/ET-Kohorte bei 2,0 (1-3,4) und in der SOC-Kohorte bei 1,0 (0-1,75) (p=0,034). Die Studienautoren schlussfolgerten, dass IVT und ET durchführbare und sichere Behandlungsoptionen für schwer betroffene pädiatrische AIS-Patienten darstellen.

Kortikosteroidbehandlung verbessert Ergebnis nach FCA

Die fokale zerebrale Arteriopathie (FCA) ist bei Kindern für bis zu 35 % der arteriellen ischämischen Schlaganfälle verantwortlich und ein wichtiger Prädiktor für Schlaganfallrezidive. Forscher aus Bern und Melbourne verglichen Kinder mit FCA, die entweder mit einer Kombination aus Kortikosteroiden und antithrombotischer Therapie (CAT) oder mit einer antithrombotischen Behandlung (AT) allein behandelt wurden.

Diese multizentrische retrospektive Kohortenstudie analysierte Kinder im Alter von einem Monat bis 18 Jahren, die zwischen 1999 und 2014 mit einem ersten AIS aufgrund einer FCA vorstellig wurden. Das primäre Ergebnis waren bleibende neurologische Defizite 6 Monate nach dem AIS, sekundäre Ergebnisse umfassten die Auflösung von Stenosen und rezidivierende Schlaganfallereignisse.

Insgesamt wurden 73 Kinder (51 % männlich) identifiziert, von denen 21 (29 %) CAT erhielten. Das mittlere Alter zum Zeitpunkt des Schlaganfalls betrug 7,9 Jahre (SD 4,7). Der mediane pedNIHSS-Wert lag bei 3 (IQR 2,0-8,0) in der CAT-Gruppe und bei 5 (IQR 3,0-9,0) in der AT-Gruppe (p=0,098). Der mediane PSOM-Wert 6 Monate nach AIS lag bei 0,5 (IQR 0-1,5) in der CAT-Gruppe, verglichen mit 1,0 (IQR 0,5-2,0) in der AT-Gruppe (p=0,035). Eine vollständige Auflösung der Stenose bei der letzten MRT wurde bei 17 Patienten (81 %) in der CAT-Gruppe und bei 24 Patienten (59 %) in der AT-Gruppe festgestellt (p=0,197). Wiederkehrende Schlaganfallereignisse wurden in jeder Gruppe bei einem Patienten verzeichnet. Die Studienautoren kamen zu dem Schluss, dass eine zusätzliche Kortikosteroidbehandlung im Vergleich zur isolierten antithrombotischen Behandlung zu einer Verbesserung des neurologischen Ergebnisses bei juvenilen AIS aufgrund einer FCA führt.

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Kognitive Dysfunktion bei jungen Schlaganfallpatienten

Die Prävalenz von Schlaganfällen bei jungen Patienten (55 Jahre und jünger) nimmt weltweit zu. Studien zur Prävalenz kognitiver Defizite nach einem Schlaganfall bei jungen Patienten sind jedoch selten. Pinter et al. analysierten die Prävalenz und den Verlauf der kognitiven Dysfunktion in einer Stichprobe von jungen Schlaganfallpatienten bei der Krankenhausaufnahme (Baseline, BL) und beim 3-Monats-Follow-up (FU).

Von Februar bis November 2016 wurden 54 junge Patienten (59 % Männer, mittleres Alter 44,7 +/- 8,2 Jahre) mit einem ischämischen (90,7 %) oder hämorrhagischen Schlaganfall (9,3 %) untersucht. In diesem Zeitraum nahmen 27 Patienten an der FU-Bewertung teil. Bei BL wurden Defizite (definiert durch 1,5 Standardabweichungen unterhalb des standardisierten Mittels) in der allgemeinen kognitiven Funktion (56,6 %), der Verarbeitungsgeschwindigkeit (61,5 %), der Aufmerksamkeit (42,3 %), der Exekutivfunktion (44,2 %) und der Wortflüssigkeit (33,3 %) festgestellt. In den meisten Bereichen blieb die kognitive Leistungsfähigkeit bis zum FU stabil, mit Ausnahme der Verbesserungen der allgemeinen kognitiven Funktion, der Verarbeitungsgeschwindigkeit und der Aufmerksamkeit. Bei etwa einem Drittel der Patienten waren auch drei Monate nach dem Schlaganfall noch beträchtliche kognitive Defizite vorhanden (allgemeine kognitive Funktion: 29,6 %, Exekutivfunktion: 33,3 %, Wortfluss: 30,2 %).

Die hohe Prävalenz und die in der Regel fehlende Verbesserung der kognitiven Defizite bis zu einem kurzfristigen FU bei jungen Schlaganfallpatienten unterstreichen die Bedeutung der kognitiven Bewertung in der Zeit nach dem Schlaganfall. Mögliche Implikationen dieser Defizite (z.B. Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit) sollten berücksichtigt werden.

Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls: Ein interdisziplinärer Ansatz

Die akute Behandlung des ischämischen Schlaganfalls hat sich in den letzten Jahren revolutioniert. Früher schien die medizinische Intervention drei Stunden nach dem Ereignis begrenzt, heute sind die Möglichkeiten vielfältiger denn je. Dieser Abschnitt richtet sich an alle, die interdisziplinär in dieser Prozesskette eine Rolle spielen, einschließlich Hausärzten, Neurologen, Notärzten, Rettungsdiensten, Ärzten und Pflegekräften in Notaufnahmen, Stroke Units und Intensivstationen.

Wissenschaftlich fundierte Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten wie Gefäß- und Durchblutungsdarstellung sowie die erweiterte Anwendbarkeit von Rekanalisierung durch Thrombolytika und/oder Katheter ermöglichen es, bei schnellem und richtigem Handeln neurologische Defizite zu minimieren oder sogar vollständig zu beseitigen.

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Begriffe, Definitionen und Ursachen

Der ischämische Schlaganfall (AIS) wird durch plötzliche neurologische Ausfallerscheinungen aufgrund einer regionalen Minderdurchblutung des Gehirns definiert. Synonyme Begriffe sind Hirninfarkt, Apoplex und Hirnschlag. Der Überbegriff "Schlaganfall" umfasst alle akuten gefäßbedingten Hirnprozesse, einschließlich Ischämien (über 80 % der Fälle) und spontane Blutungen.

Eine transitorische ischämische Attacke (TIA) liegt vor, wenn neurologische oder okuläre Defizite, die durch eine Minderdurchblutung bedingt sind, nicht länger als 24 Stunden andauern. Dem AIS liegt der Verschluss eines Hirngefäßes zugrunde, der zu einer territorialen Minderversorgung des Gehirns führt. Die Ursachen für einen solchen Verschluss können vielfältig sein, darunter lokale thrombotische Verschlüsse, embolische Verschlüsse (z.B. ausgehend von Halsgefäßen oder dem Herzen) und mikroangiopathische Verschlüsse infolge von Bluthochdruck, Diabetes und Nikotinkonsum. Zu den häufigsten Ursachen gehören Karotisstenose, Vorhofflimmern und mikroangiopathische Hirngefäßverschlüsse.

Erkennung und Graduierung des Hirninfarkts

Die klinischen Auswirkungen eines AIS können je nach betroffener Hirnregion, Ausdehnung der Ischämie und individueller Kollateralversorgung stark variieren. Typisch ist der plötzliche Beginn der Symptomatik. Seltenere Schlaganfalltypen wie die Basilaristhrombose oder Hirnvenen- und Sinusthrombose können jedoch auch eine schleichende oder schwankende Symptomatik aufweisen. Prinzipiell kann der AIS jede Art akuter neurologischer Ausfälle hervorrufen, besonders häufig sind jedoch Extremitäten- oder Gesichtslähmungen, Sprach- oder Sprechstörungen, Sehstörungen und Gefühlsstörungen.

Trotz Bemühungen, den Schlaganfall als Notfall zu etablieren, ist das Wissen über Anzeichen eines AIS in der Bevölkerung immer noch gering. Der Face-Arm-Speech-Time (FAST)-Test ist ein einfaches und treffsicheres Screening-Instrument für den Rettungsdienst. Darüber hinaus gibt es verschiedene vereinfachte Scores, die es ermöglichen, einen Schlaganfall als besonders schwer zu graduieren. Dies ist wichtig, da solche AIS oft durch den Verschluss großer Hirngefäße (Large Vessel Occlusion, LVO) verursacht werden, die einer katheterbasierten Therapie (Thrombektomie) zugeführt werden sollten.

Die Erkennung eines Schlaganfalls oder der Verdacht darauf müssen den sofortigen Transport des Patienten in ein Klinikum zur Folge haben.

Sofortmaßnahmen vor Ort

Bei Verdacht auf AIS oder TIA sollte keine unnötige Zeit vor dem Transport verschwendet werden. Bei schweren Schlaganfällen, insbesondere im hinteren Hirnkreislauf, müssen die Vitalfunktionen überprüft und ggf. stabilisiert werden. Bei einer Sauerstoffsättigung von < 95 % sollte Sauerstoff verabreicht werden. Der Blutdruck sollte in den meisten Fällen nicht beeinflusst werden, allenfalls bei Werten von > 220 mmHg systolisch und > 120 mmHg diastolisch kann er vorsichtig gesenkt werden, wobei ein Abfall > 25 % vermieden werden sollte. Für den Transport sollten ein intravenöser Zugang gelegt und ein EKG angelegt werden. In manchen Regionen sind Rettungsfahrzeuge für Schlaganfallpatienten speziell ausgestattet (Mobile Stroke Units, MSU), die erweiterte Sofortlabormöglichkeiten und einen Computertomographen (CT) bieten.

Zuweisung und Transport zur Akuttherapie

Mit der Etablierung der Katheterbehandlung (Thrombektomie) von durch LVO verursachten AIS haben sich die Anforderungen an die Transportwege des Patienten verändert. Ziel ist es, den Patienten schnellstmöglich in das am besten für seine individuelle Rekanalisierung geeignete Krankenhaus zu bringen. Dies kann je nach Situation das nächstgelegene lysefähige Krankenhaus mit CT sein, ein an ein thrombektomiefähiges Schlaganfallzentrum angeschlossenes Primärkrankenhaus (Drip-and-Ship) oder direkt das Schlaganfallzentrum selbst (Mothership). Regional und international haben sich unterschiedliche Schlaganfallnetzwerke entwickelt.

In Deutschland gibt es telemedizinische Netzwerke zur optimalen Zuweisung von Schlaganfallpatienten. In manchen Regionen kommt auch der interventionelle Neuroradiologe per Fahrzeug in ein Primärkrankenhaus, um dort die Rekanalisierung vorzunehmen (Drip-and-Drive). Die Wahl des geeigneten Transportkonzepts hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Transportzeit und der Verfügbarkeit von Schlaganfallzentren. Vermutlich ist es in Ballungsgebieten bei einer Transportzeit von unter 30 bis 45 Minuten vorteilhaft, den Patienten direkt ins thrombektomiefähige Schlaganfallzentrum zu bringen (Mothership), während bei längerer Transportzeit der Patient zunächst in ein CT- und lysefähiges Primärkrankenhaus gebracht werden sollte (Drip-and-Ship).

Akutbehandlung in der Notaufnahme

Parallel zur neurologischen Untersuchung und der Organisation von Diagnostik und ggf. Rekanalisierung wird der Patient in der Notaufnahme monitoriert und stabilisiert. Zum Monitoring gehören EKG, Messung der Sauerstoffsättigung, Blutdruck, Blutzucker und Temperatur. Vordringlich ist die Sicherung der Vitalfunktionen. Der Blutdruck sollte nur bei Werten über 220/120 mmHg vorsichtig gesenkt werden. Vor und während einer systemischen Thrombolyse sollte der Blutdruck auf < 180/105 mmHg gesenkt werden, danach ist ein Zielblutdruck von 140-160 mmHg systolisch vermutlich günstig. Der Blutzucker sollte überwacht und eine Hyperglykämie (> 180 mg/dl) behandelt werden. Eine Hypoglykämie (< 60 mg/dl) sollte vermieden werden. Die Temperatur sollte alle vier Stunden gemessen werden und bei Erhöhung (> 37,5°C) die Ursache gesucht und behoben werden.

Bildgebende Diagnostik

Ein Patient mit Verdacht auf Schlaganfall muss unverzüglich einer zerebralen Bildgebung zugeführt werden, um einen ischämischen sicher von einem hämorrhagischen Schlaganfall zu unterscheiden, den Grad des Hirngewebeschadens festzustellen und die Gefäßsituation zu klären. Am weitesten verbreitet ist die kraniale CT, ggf. erweitert durch Kontrastmittelgabe zur CT-Perfusion oder CT-Angiografie. Die kraniale Magnetresonanztomografie (MRT) kann diese Fragen ebenfalls beantworten, ist jedoch aufwendiger und weniger verfügbar. Die Bildgebung sollte frühestmöglich nach Symptombeginn erfolgen. Alle AIS-Patienten, die prinzipiell für eine Thrombektomie in Frage kommen, sollen unmittelbar nach der Gewebediagnostik auch eine nicht-invasive Gefäßdiagnostik erhalten, die die Gefäße vom Aortenbogen bis zum Vertex darstellt. Im Zeitfenster jenseits von viereinhalb Stunden sollte eine erweiterte multimodale Bildgebung (CT- oder MR-Perfusion) erfolgen, wenn gemäß klinischer Situation eine Indikation zur Rekanalisierung bestehen könnte.

Weitere neurologische Aspekte

Neben den genannten Schwerpunkten wurden auf dem 90. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) weitere wichtige Themen behandelt, die für die Behandlung von neurologischen Erkrankungen relevant sind:

  • MicroRNAs bei Schlaganfällen: Ein Review beleuchtete, wie microRNAs einen neuen Behandlungsansatz bei Schlaganfällen darstellen könnten.
  • Epilepsie nach pädiatrischem AIS: Untersucht wurde, wie häufig es nach einem arteriellen ischämischen Schlaganfall (AIS) pädiatrischer Patienten zu epileptischen Anfällen bzw. zu einer Epilepsie-Erkrankung kommt.
  • Dissektion zervikaler Arterien (CAD): CAD ist eine wichtige Ursache für Schlaganfälle bei jungen Erwachsenen.
  • Sekundärprophylaktische Behandlung nach TIA/Schlaganfall: Eine Langzeitstudie untersuchte die Wirksamkeit der sekundärprophylaktischen Behandlung nach transitorisch ischämischer Attacke (TIA) bzw. Schlaganfall und damit die Langzeitprognose der Patienten.
  • Robotik in der Rehabilitation: Der Einsatz von robotischen Therapiegeräten im klinischen Alltag und die Erforschung der Mensch-Maschine-Interaktion sind Gegenstand aktueller Forschung. Ein Projekt soll dazu beitragen, ein System - bestehend aus künstlicher Intelligenz (KI) und der zugehörigen Mensch-Maschine-Interaktion (MMI) - zu entwickeln und zu erforschen, um den Erholungsverlauf nach Schlaganfall vorherzusagen.
  • Dysphagie nach Schlaganfall: Die Zerkleinerung der Tabletten erleichtert Schlaganfallpatienten mit Schluckstörungen die Einnahme nicht.

Intensivmedizinisch relevante Aspekte

Intensivmedizinisch relevante Erkrankungen des Gehirns, Rückenmarks und des übrigen Nervensystems sind oft von schwerster Behinderung und nicht selten dem Tod bedroht. Die DIVI-Sektion "Neuromedizin - Studien und Standards" beschäftigt sich mit allen relevanten Themen der neurologischen und neurochirurgische Intensiv- und Notfallmedizin.

Zu den Schwerpunkten gehören:

  • Leitlinienadhärenz bei zerebrovaskulären Erkrankungen: Eine Umfragestudie untersucht, inwieweit auf deutschen (Neuro-) Intensivstationen Leitlinien zur Behandlung von akutem ischämischem Schlaganfall (AIS), intrazerebraler Blutung (ICB) und Subarachnoidalblutung (SAB) Anwendung finden.
  • Care Bundles in der Neurointensivmedizin: In einer Umfragestudie wird untersucht, inwieweit auf deutschen (Neuro-) Intensivstationen bestimmte physiologische Zielwerte wie Blutdruck, Temperatur oder Glukose angestrebt werden. In einem späteren Schritt soll prospektiv ein Care Bundle auf Sicherheit, Machbarkeit und Wirksamkeit untersucht werden.
  • Behandlung der aneurismatischen Subarachnoidalblutung (SAB): Eine Umfragestudie untersucht, inwieweit auf deutschen (Neuro-) Intensivstationen Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Behandlung der SAB existieren, ob es also hierfür "Standards" gibt.
  • Ischämisch-hypoxische Enzephalopathie (IHE): Diese Studie sammelt Patienten, bei denen trotz schlechter Prognosemarker eine Fortführung Ihrer Intensiv- und Rehabilitationstherapie erhalten bzw. einer Langzeitbeatmung zugeführt werden und untersucht deren klinischen Verlauf.
  • Dysphagiemanagement auf der Intensivstation: In diesem Projekt soll untersucht werden, inwieweit auf den Intensivstationen bei der Dysphagie standardisierte Verfahren zur Detektion und Therapie etabliert sind. In einem späteren Schritt soll prospektiv die Etablierung solcher im interdisziplinären Setting evaluiert werden.

Querschnittlähmung: Formen und Definitionen

Bei einer Querschnittlähmung sind Nervenbahnen im Rückenmark unterbrochen, die für die Bewegung (motorische Nerven) oder für Sinneswahrnehmungen (sensible Nerven) zuständig sind. Die Ausprägung einer Querschnittlähmung hängt davon ab, in welcher Höhe und in welchem Ausmaß das Rückenmark geschädigt ist.

  1. Die Wirbelsäule ist aus einzelnen Wirbeln zusammengesetzt, das darin liegende Rückenmark unterteilt sich in etwa ebenso viele neurologische Segmente. Aus jedem dieser Rückenmarkssegmente entspringen jeweils links und rechts Spinalnerven, die für Sensibilität und Bewegungsfähigkeit zuständig sind. Von entscheidender Bedeutung für die Schwere der Verletzung und die funktionellen Einschränkungen ist die Höhe der Verletzung (Läsion) der Wirbelsäule bzw. des Rückenmarks. Bei einer Paraplegie ist das Rückenmark auf Höhe der Brust oder Lendenwirbelsäule geschädigt. Untere Extremitäten und Anteile des Rumpfs sind von der Lähmung betroffen. Bei einer Tetraplegie liegt die Verletzung im obersten thorakalen Segment (Th 1) und höher. Arme, Beine und der Rumpf sind betroffen.
  2. Wer verschiedene Formen der Querschnittlähmung definieren will, kann den Fokus auch auf qualitative Merkmale legen. Anhand des sogenannten ASIA Impairment Scale (AIS) der American Spinal Injury Association (ASIA) werden 5 Schädigungsgrade der Querschnittlähmung (A-E) unterschieden. Dabei wird häufig Bezug auf das „neurologische Niveau“ genommen.
  3. Ob ein Mensch komplett oder inkomplett gelähmt ist, wird durch Sensibilität und Muskelfunktion am Anus definiert. Spüren Betroffene Berührungen in diesem Körperbereich oder können dort willentlich den Schließmuskel bewegen, gelten sie als inkomplett gelähmt. Dementsprechend gelten Menschen mit einer tiefen Rückenmarksverletzung, die eigenständig gehen, aber weder die Blase noch den Enddarm kontrollieren können und denen jegliche Sensibilität im Anus-Bereich fehlt, als komplett gelähmt. Andererseits gibt es Menschen mit hoher Tetraplegie, die praktisch vollständig auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sind, jedoch aus oben genannten Gründen als inkomplett gelähmt gelten. Sie haben z. B. Bei einer kompletten motorischen Lähmung (Plegie) und vollständiger Durchtrennung der Nerven an einer bestimmten Stelle des Rückenmarks fehlen Muskelkraft und Empfindungsvermögen von dieser Stelle an fußwärts.
  4. Eine weitere Möglichkeit, Formen der Querschnittlähmung zu definieren, ergibt sich durch die Unterscheidung zwischen schlaffer und spastischer Lähmung. Ausschlaggebend ist, welche Motoneurone geschädigt sind, die oberen oder die unteren. Die Motoneurone innervieren die Muskulatur und ermöglichen alle willkürlichen Bewegungen des menschlichen Körpers durch deren Aktivierung. Obere Motoneurone (engl. Untere Motoneurone (engl. lower motor neuron, LMN), sitzen im Rückenmark. Eine Schädigung des ersten Motoneurons oder dessen Axons führt zu einer spastischen Lähmung, die als Upper Motor Neuron Lesion (UMNL) bezeichnet wird. Beim querschnittgelähmten Menschen zeigt sich die UMNL u.a. in Form von gesteigerten, ungebremsten Reflexen und erhöhtem Muskeltonus, d.h. einer erhöhten Grundspannung der gelähmten Muskulatur sowie Muskelkrämpfen (Koch, Geng, 2021). Ist das Rückenmark in einem oder mehreren Segmenten zerstört (und damit auch die dort liegenden zweiten motorischen Neuronen), spricht man von einer Lower Motor Neuron Lesion (LMNL). Diese hat eine schlaffe Lähmung zur Folge. Betroffenen begegnen die Fachbegriffe LMNL sowie UMNL hauptsächlich im Zusammenhang mit neurogenen Blasenfunktionsstörungen. Bei einer LMNL ist die Nervenverbindung zwischen Blase, bzw. Darm, und dem Miktionszentrum unterbrochen oder das Miktionszentrum ist zerstört. Die Folge: Blase bzw. Darm füllen sich, bleiben aber schlaff und müssen manuell oder mit Hilfsmitteln entleert werden (siehe auch Lower Motor Neuron Lesion (LMNL). Bei einer UMNL ist das sakrale Reflexzentrum, das für die Steuerung der Darm- und Blasenfunktion zuständig ist, noch intakt. Reflexe (z.B. Analreflex oder reflexgesteuertes Zusammenziehen der Blase), sind weiterhin vorhanden. Sie können aber wegen der Schädigung von Nerven oberhalb von S3 bis S5 vom Hirn nicht adäquat verarbeitet werden. Die Meldung, dass Blase oder Darm voll sind, führt zu einer reflexartigen Entleerung. Willentliche Steuerung ist nicht mehr möglich (siehe auch Upper Motor Neuron Lesion (UMNL).
  5. Wer Formen der Querschnittlähmung betrachtet, kann sein Augenmerk auch auf die Ursachen legen. Querschnittlähmungen können krankheitsbedingt, unfallbedingt oder angeboren sein. Bei unfallbedingten (traumatischen) Querschnittlähmungen liegt die Ursache meist in Verletzungen der Wirbelsäule durch Unfälle oder Stürze. Der Druck auf das Rückenmark führt letztlich zur Schädigung von Nerven mit der Folge einer Lähmung. Selten kommt es zur völligen Unterbrechung der Nervenbahnen. Den größten Anteil machen inzwischen krankheitsbedingte Querschnittlähmungen aus, die durch Druck auf das Rückenmark entstehen oder direkt im Rückenmark verursacht werden. Ursachen können u.a.

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