Die Nehls-Kritik: Eine Formel gegen Alzheimer oder trügerische Hoffnung?

Die Alzheimer-Krankheit ist eine der größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. In Deutschland leiden derzeit etwa 1,5 Millionen Menschen unter chronischer Demenz, wobei Alzheimer für etwa zwei Drittel aller Fälle verantwortlich ist. Während die Forschung in den letzten Jahrzehnten zwar Fortschritte bei der Identifizierung molekularer Mechanismen erzielt hat, mangelt es weiterhin an effektiven Therapieverfahren. In diesem Kontext erregt Michael Nehls mit seiner Behauptung, es gäbe eine "Formel" gegen Alzheimer, Aufmerksamkeit. Doch hält seine Theorie einer kritischen Überprüfung stand?

Nehls' These: Alzheimer als Mangelerkrankung

Michael Nehls, ein habilitierter Arzt und Molekulargenetiker, argumentiert, dass Alzheimer keine Schicksalserkrankung, sondern vielmehr eine Mangelerkrankung sei. Er behauptet, dass die konsequente Behebung dieser Mängel die Entstehung von Alzheimer verhindern und in frühen Stadien sogar heilen könne. Diese These, die er bereits in seinem Buch "Die Alzheimer-Lüge" (2014) darlegte, klingt vielversprechend, erinnert jedoch auch an vereinfachende Darstellungen, die komplexe medizinische Probleme auf simple Lösungen reduzieren.

Der Autor: Ein Experte mit Bestseller-Erfahrung

Nehls' Expertise ist unbestritten. Er forschte an renommierten Universitäten und war an der Entschlüsselung der Ursachen verschiedener Erbkrankheiten beteiligt. Zudem war er in leitenden Positionen in der Genomforschung und der Biotech-Industrie tätig. Seine Erfahrung und sein Erfolg mit "Die Alzheimer-Lüge" verleihen seinen Thesen zunächst Gewicht.

Die Anti-Alzheimer-Formel: Fünf Säulen der Prävention

Nehls' "Formel" gegen Alzheimer umfasst fünf Bereiche:

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, die den Körper mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt.
  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung, um die Durchblutung des Gehirns zu fördern und die kognitiven Funktionen zu erhalten.
  • Schlaf: Ausreichend Schlaf, um dem Gehirn Zeit zur Regeneration zu geben.
  • Soziale Aktivität: Aktive Teilnahme am sozialen Leben, um das Gehirn zu stimulieren und Einsamkeit zu vermeiden.
  • Lebenssinn: Eine sinnvolle Beschäftigung und ein Gefühl der Erfüllung im Leben, um Stress zu reduzieren und die psychische Gesundheit zu fördern.

Nehls betont, dass die Umsetzung dieser Formel in der Praxis eine Herausforderung darstellt, da sie ausreichende Zeit für alle fünf Bereiche erfordert. Er argumentiert, dass Zeitmangel zu chronischem Stress führen kann, der das Wachstum des Hippocampus, der Erinnerungszentrale des Gehirns, beeinträchtigt.

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Kritik an Nehls' Vereinfachungen und Ideologien

Obwohl Nehls' Ratschläge plausibel und empfehlenswert erscheinen, wird seine Sorglosigkeit bei der Vereinfachung komplexer Zusammenhänge kritisiert. Seine ideologisch aufgeladenen Begrifflichkeiten und gewagten Hochrechnungen werfen Fragen auf.

Ein Beispiel ist Nehls' Behauptung, dass Fernsehen "pures Gift" sei und das Alzheimerrisiko bereits durch eine Stunde täglichen Konsums um 30 Prozent erhöhe. Diese Aussage basiert auf einer naiven Hochrechnung, die wissenschaftlich nicht haltbar ist. Auch seine Verweise auf die "altsteinzeitliche Ernährungsweise" als "artgerecht" sind problematisch, da die Ernährungsgewohnheiten der Menschen in der Steinzeit stark vom jeweiligen Lebensraum abhingen und keineswegs immer gesundheitsförderlich waren. Studien haben gezeigt, dass die Gesundheit der damaligen Wildbeuter oft schlecht war.

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