Umgang mit nervigen Menschen: Strategien für ein entspannteres Leben

Nervige Menschen - ob neugierig, nörgelnd oder besserwisserisch - sind allgegenwärtig. Oftmals bleibt uns nichts anderes übrig, als mit ihnen auszukommen, was eine Herausforderung darstellen kann. Doch wie gelingt es, diese zwischenmenschlichen Hürden zu meistern, ohne die eigene Lebensqualität zu beeinträchtigen? Es gibt viele Antworten auf die Frage: „Wie geht man mit nervigen Menschen um?“

Die Ursachenforschung: Warum nerven uns bestimmte Menschen?

Bevor wir uns den Strategien zur Bewältigung widmen, ist es wichtig zu verstehen, warum uns bestimmte Menschen überhaupt nerven. Häufig liegt es daran, dass sie unsere persönlichen Grenzen überschreiten oder uns an eigene Schwächen erinnern. Manchmal sind es auch einfach nur Unterschiede in der Persönlichkeit oder im Kommunikationsstil, die zu Irritationen führen.

Stress im Privaten als Auslöser

Jeder kennt es: Haben wir im Privaten Stress mit Liebsten, Freunden oder Verwandten, wirkt sich das schnell auf die Arbeit aus. Wir reagieren schnippischer, sind empfindlicher, erledigen Aufgaben weniger konzentriert. Deshalb sollten Führungskräfte versuchen, nervigen Menschen einen Verständnis-Vorschuss zu gewähren - also etwa, wenn Frau Meier im Meeting maulig guckt, Herr Müller spitze Bemerkungen macht oder Herr Marold zum dritten Mal hintereinander zu spät kommt. Diese Überlegung hilft, das Verhalten nerviger Menschen nicht persönlich zu nehmen - und mindert damit bereits den Stress. Natürlich bedeutet das nicht, dass man ungebührliches Verhalten dauerhaft entschuldigen und hinnehmen muss. Die Technik ermöglicht es aber, gelassen abzuwarten.

Persönliche Unterschiede erkennen

Besonders anstrengend finden wir nervige Menschen dann, wenn sie komplett anders sind als wir. Ein Grund: Wenn uns das Gegenüber ähnelt, macht das dem Gehirn weniger Arbeit - wir wissen, wie es tickt und wie wir mit ihm umgehen müssen. Wer diesen Zusammenhang verinnerlicht, findet im Alltag leicht einen Weg, wie man mit dem nervigen Menschen umgeht. Wenn dich etwa neugierige Menschen nerven, könntest du etwa überlegen, ob dein Gegenüber wirklich eine rote Linie überschreitet oder schlicht extrovertierter und offener ist als du. Und wenn im Gespräch mit der geschwätzigen Kundin in deinem Kopf zum dritten Mal an diesem Tag die Frage aufpoppt: „Wie wird man solch nervige Menschen bloß los?“, dann hilft es zu prüfen, ob die Kundin tatsächlich eine unerträgliche Labertasche ist, die du stoppen musst. Sich Unterschiede in den Persönlichkeiten klarzumachen, hilft also, vermeintliche Nervensägen von echten zu unterscheiden.

Kausalität vs. Finalität

Der österreichische Psychotherapeut Alfred Adler erarbeitete im Rahmen seiner Individualpsychologie die Unterscheidung zwischen Kausalität und Finalität. So können wir uns bezüglich des Verhaltens eines Menschen, zum Beispiel bei einer den Unterricht störenden Schülerin, zwei mögliche Fragen stellen: „Was ist die Ursache des störenden Verhaltens?“ Das wäre eine kausale Betrachtungsweise. Oder wir nehmen mit der Frage „Was ist der Zweck ihres Verhaltens?“ eine finale Perspektive ein. Mit einer möglichen Antwort auf die kausale Frage, wie „Sie ist schlecht erzogen worden“, richten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Vergangenheit der Schülerin. Reflektieren wir hingegen den Zweck bzw. Ebenso lassen sich für unsere eingangs genannten Beispiele erwachsener Menschen verschiedene Arten der Erklärung finden. Während die bereits erwähnten Einschätzungen zum Teil abwertende, kausale Überlegungen sind, die sich auf Vergangenes bzw. auf vermeintlich feste Charaktereigenschaften beziehen („anstrengend“, „Pedantin“, „schwere Kindheit“), könnte eine finale Erklärung so aussehen: „Der Kollege möchte Kontakt aufnehmen und sich mit mir verbunden fühlen“, „Meine mich korrigierende Freundin möchte sich gut darüber fühlen, dass sie fremdsprachliches Talent besitzt“ oder „Mein kühler Vater möchte sein verletzliches oder verletztes Inneres schützen, indem er keine Gefühle zeigt“.

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Effektive Techniken im Umgang mit Nervensägen

Nachdem wir die möglichen Ursachen beleuchtet haben, wollen wir uns nun den praktischen Strategien zuwenden, die uns helfen können, mit nervigen Menschen besser umzugehen.

1. Grenzen setzen

Wenn andere eine unserer roten Linien überschreiten, stresst das extrem. Neugierige Menschen nerven in dieser Hinsicht besonders, ebenso wie Personen, die umgekehrt von sich aus allzu Privates erzählen. In diesen Fällen ist es vergleichsweise leicht, nervige Menschen leichter zu ertragen oder loszuwerden: Setze einfach höflich Grenzen. Das gelingt am besten, indem du einen nachvollziehbaren Grund lieferst. Zum Beispiel so: „Privates bespreche ich grundsätzlich nicht mit Mitarbeitern. Das kannst du sicher verstehen.“ Oder aber: „Danke für das Angebot - aber meine Freizeit ist für die Familie reserviert.

2. Emotionale Distanz wahren

„Warum verhält der sich eigentlich immer nur mir gegenüber so?“ Wer sich Fragen wie diese stellt, ist in die Selbstmitleids-Falle getappt. Das Problem: Selbstmitleid hilft nicht, sich besser zu fühlen und nervige Menschen besser zu ertragen. Hilfreich ist vielmehr, eine größtmögliche emotionale Distanz zwischen sich und die Nervensäge zu bringen und dabei die Perspektive von sich auf das Gegenüber zu lenken. Etwa mit Gedanken wie: „Was der wohl Schlechtes gefrühstückt haben muss, dass dem so die Galle hochkommt!

3. Gespräch lenken

Abschweifende Erzähler gehören zu den Sorten nerviger Menschen, die am zuverlässigsten im Alltag auftreten. Hier hilft es, zu versuchen, zum Anlass des Gespräches zurückzufinden. Etwa mit Worten wie: „Entschuldige, dass ich dich unterbreche - mir fällt gerade etwas zu unserer Strategie ein, über die wir eben gesprochen hatten.“ Zu den wirkungsvollsten Tricks gegen Vielredner gehört auch: sie nach einer Meinung fragen.

4. Mini-Auszeiten nehmen

Dieses Prinzip hilft auch, um nervige Menschen loszuwerden oder zu ignorieren. Wenn du also das nächste Mal am liebsten platzen möchtest: Versuch dir eine Mini-Auszeit schaffen.

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5. Gemeinsamkeiten suchen

So verschieden wir Menschen auch sein mögen: Irgendetwas verbindet uns garantiert mit unserem Gegenüber! Suche in diesen Fällen vor der nächsten Begegnung bewusst nach einer Gemeinsamkeit mit der Person. Vielleicht teilt ihr den Lieblingsfußballverein oder die Begeisterung fürs Reisen - oder ihr habt ähnliche Erfahrungen mit den Mühen des Hausbaus gemacht?

6. Spiegeln

Jemand fällt dir dauernd ins Wort? Verschränkt die Arme und lächelt süffisant? Ist unverschämt oder übergriffig? Dann kannst du mal ausprobieren, es dieser Person einfach nachzutun! Sobald du eine Irritation bei der Nervensäge bemerkst, kannst du dein Verhalten erklären: „Das war unverschämt von mir, oder?

7. Humor bewahren

Wie geht man mit nervigen Menschen um? Diese Frage gehört zu den Hauptthemen von Sketchen - schließlich gehören Nervensägen hier zum festen Ensemble. Denn ihr Verhalten ist meist so schräg, dass Außenstehende darüber lachen müssen. Wenn du also das nächste Mal nervigen Menschen begegnest - nutze die Chance und schau auf die Szene, als wäre sie Loriots Feder entsprungen. Das hilft, augenblicklich Distanz zu gewinnen, gelassener mit der Situation umgehen zu können und sich eine angemessene Reaktion zu überlegen.

8. Die "Finalität" des Verhaltens erkennen

Fragen wir uns stattdessen: Wenn das nervige Verhalten ein Schrei nach Hilfe ist, was möchte dieser Mensch vielleicht eigentlich mit seiner Art erreichen? Welche Bedürfnisse werden aus dem Verhalten deutlich? Versuchen Sie außerdem, die Bewertung des Menschen oder seines Verhaltens wegzulassen. Denken Sie daran: Die Person handelt nicht aus böser Absicht, sondern im Sinne ihrer Ziele rational. So schwer das auch zu verdauen ist: Im Grunde tut jeder Mensch immer sein Bestes. Es sollte nicht darum gehen, jemanden in seinem Verhalten zu korrigieren oder ihn umzuerziehen, sondern ihm dabei zu helfen, sein gewünschtes Zielgefühl zu identifizieren und gemeinsam zu überlegen, wie er es mit passenderem Verhalten erreichen könnte. Auf diese Weise handeln Sie aus einer liebevollen, wertschätzenden Perspektive ihrem Mitmenschen gegenüber und tragen viel dazu bei, dass sich Ihre Beziehung zueinander verbessern kann.

9. Zuhören und Verstehen

Es ist wirklich eine Kunst, insbesondere wenn man seine:n Gesprächspartner:in absolut nicht ausstehen kann. Doch genau dann ist es besonders wichtig, sich auf das Zuhören zu konzentrieren und nicht darauf, was man selbst als nächstes sagen möchte. Auch Bemerkungen wie "Ja, genau" oder "Aha, verstehe" sind nicht besonders hilfreich. Psycholog:innen raten vielmehr zu Aussagen wie: "Erzähl mir mehr, so dass ich es besser verstehen kann". Es is wichtig, einander mit Respekt zu behandeln und den aufrichtigen Wunsch zu entwickeln, den anderen zu verstehen. Schließlich können wir den Menschen immer nur vor den Kopf gucken. Wer weiß, was er oder sie vielleicht gerade durchmacht?

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10. Eigene Grenzen wahren und durchsetzen

Ruhe bewahren, Sicherheit ausstrahlen: Eskalation bringt niemanden weiter, klein machen und alles runterschlucken aber auch nicht. Sonst landet man ganz schnell in der Opferrolle. Das darf auf keinen Fall passieren. Werden Grenzen überschritten, muss das klar, aber ruhig deutlich gemacht und der:die andere in seine:ihre Schranken gewiesen werden.

11. Versteckte Bedürfnisse erkennen

Meist steckt hinter einer Kleinigkeit ein anderes Problem und das muss identifiziert werden. Also Detektiv spielen und rausfinden, was der andere eigentlich wirklich will. Man nennt das auch Hidden Need, also das versteckte Bedürfnis. Hat man jedoch erkannt, was hinter der andauernden Jammerei, Meckerei und Motzerei steckt, kann man die Problemlösung angehen.

12. Positiv denken (über den Anderen)

Ein etwas ungewöhnlicher Vorschlag: Versuche einmal positiv an den Menschen zu denken, der dich nervlich an deine Grenzen bringt. Zum Beispiel, dass er glücklich, gesund, ruhig und entspannt ist. Quasi das gedanklich zu überschreiben, was du nicht ausstehen kannst.

13. Fokus auf sich selbst

Manche Menschen sind einfach unverbesserlich und egal, wie man sich verhält, nichts hilft so richtig im Umgang mit ihnen. Dann hilft nur: Fokus auf dich selbst. Indem man sich auf ermutigende, wahrheitsgetreue Aussagen über sich selbst konzentriert, kann man der Negativität entgegenwirken, die man sonst von anderen aufnimmt.

Umgang mit Arroganz

Arrogante Menschen sind unangenehme Gesprächspartner. Doch wir müssen mit ihnen umgehen, etwa im beruflichen Kontext. Meist hinterlassen sie ein Gefühl der Ohnmacht. Sie schüchtern uns ein, weil sie dominant auftreten, Macht demonstrieren und uns vor anderen bloßstellen: Arrogante Menschen machen uns das Leben schwer. Ihre Überheblichkeit scheint unsere Kompetenz infrage zu stellen, das kann verunsichernd wirken.

Strategien im Umgang mit Arroganz

  • Reflexion der eigenen Reaktion: Wer mit einer arroganten Person zu tun hat, sollte zunächst seine eigene Reaktion reflektieren. Das setze voraus, sagt die Psychologin und Coachin Baha Meier-Arian, dass man einen guten Zugang zu sich selbst habe und sich ehrlich befrage: "Was stört mich an dieser Person, welche Gefühle löst sie in mir aus, was verunsichert mich? Stört es mich, dass ich nie ausreden kann? Werde ich gedemütigt und wenn ja, auf welche Weise?
  • Empathie (mit Einschränkungen): "Um solchen Personen besonnen begegnen zu können, sollten Sie versuchen, sich in sie hineinzuversetzen", rät Baha Meier-Arian und räumt ein, dass niemand große Lust habe, sich empathisch in jemanden einzufühlen, der einen eben noch heruntergeputzt hat. Doch wer wütend oder hasserfüllt das Gespräch suche, würde sich nur die eigenen Vorurteile bestätigen, erklärt die Psychologin und Coachin: "Denken Sie darüber nach, woher die arrogante Person kommt.
  • Nicht auf Provokationen eingehen: Im Gespräch mit arroganten Menschen sollte man möglichst nicht auf Provokationen reagieren, rät Meier-Arian. Ganz gleich, wie demütigend oder unverschämt manche Sätze wirken mögen, man sollte sich nicht auf diese persönliche Ebene einlassen. "Erinnern Sie sich daran, worum es eigentlich in diesem Gespräch gehen sollte, und reagieren Sie nur auf fachlicher Ebene."
  • Klare Grenzen setzen: Sollte man nicht zu Wort kommen und ein sachlicher Austausch nicht mehr möglich scheinen, helfen der Expertin zufolge entschiedene Stopper-Sätze wie: "Das sehe ich anders" oder "Ihre Kommentare erlebe ich als herablassend". Und dann? In Ich-Botschaften aussprechen, was einen stört, empfiehlt Meier-Arian. Sätze seien dann vonnöten, die genauso klar sind wie die Aussagen dahinter: Hier sind meine Grenzen.
  • Kontakt reduzieren oder Verbündete suchen: Da sich arrogante Menschen von der Aufmerksamkeit anderer ernähren, wird es sie irritieren - was Sie nicht weiter beschäftigen muss. Sie haben mehr Respekt eingefordert, Ihre Grenzen klar formuliert, und es hat sich nichts geändert? Dann ist es an der Zeit, sich zu verbünden. Wer immer wieder einer bestimmten Person ausgesetzt ist, die mit ihrer herablassenden Art schlechte Vibes verbreitet, sollte sich im Umfeld umhören und herausfinden, wem es ähnlich ergeht, rät Baha Meier-Arian.

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