Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die nicht nur Erwachsene betrifft. Auch Kinder und Jugendliche können unter den starken Kopfschmerzen leiden. Es ist wichtig, die Symptome frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Lebensqualität der betroffenen Familien zu verbessern.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine anfallsartige Erkrankung, die von 4 Stunden bis zu 3 Tagen andauern kann. Bei Kindern können Migräneattacken auch kürzer auftreten und nur 2-3 Stunden dauern. Die Schmerzen haben einen pulsierenden, pochenden Charakter und können einseitig auftreten. An Begleitsymptomen treten Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtüberempfindlichkeit auf. Die Migräneattacken können durch neurologische Symptome eingeleitet werden, die sogenannte Aura.
Ursachen und Auslöser von Migräne bei Kindern
Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig erforscht. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Es sind heute 38 Risikogene für die Migräne bekannt. Diese führen zu einer Verstärkung und Freisetzung der besprochenen Neurotransmittern im Nervensystem.
Häufige Trigger für Migräne bei Kindern und Jugendlichen sind:
- Stress: Leistungsdruck in der Schule, lange Betreuungszeiten und viele Termine können bei Kindern mit Migräne zu Anfällen führen.
- Unregelmäßiger Tagesablauf: Abweichende Essenszeiten und zu wenig Schlaf können Migräne begünstigen.
- Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel wie Koffein, fermentierte Milchprodukte, Schokolade oder Glutamat können als Auslöser infrage kommen.
- Wetter: Wetterfühligkeit und Umschwünge können bei einigen Kindern Migräne auslösen.
- Physikalische und chemische Reize: Laute Geräusche, helles Licht oder starke Gerüche können Trigger sein.
Symptome und Besonderheiten von Migräne bei Kindern
Die Symptome von Migräne bei Kindern können sich von denen bei Erwachsenen unterscheiden. Kinder wirken während einer Migräneattacke oft abwesend, blass oder weisen Hautrötungen auf. Weitere typische Symptome sind:
- Der Schmerz betrifft meistens beide Kopfseiten und die Stirn.
- Eine Kindermigräne dauert häufig ein bis zwei Stunden.
- Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen sind Begleiterscheinungen.
- Schwindelattacken sind möglich.
- Eine Aura in Form von neurologischen Ausfällen, wie dem Alice-im-Wunderland-Syndrom, kann auftreten.
Sprachstörungen als Teil der Aura
Bei zehn bis fünfzehn Prozent der Betroffenen geht eine Aura der Schmerzattacke voraus, die sich durch neurologische Ausfälle bemerkbar macht. Zu diesen Ausfällen können auch Sprachstörungen gehören. Die Sprachstörungen können sich auf unterschiedliche Weise äußern:
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- Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden: Betroffene haben Schwierigkeiten, sich auszudrücken und die passenden Worte zu finden.
- Verwaschene Sprache: Die Sprache kann undeutlich und verwaschen sein.
- Verständnisprobleme: Es kann schwierig sein, Gesprochenes zu verstehen.
- Wortverdrehungen: Wörter können verdreht oder falsch ausgesprochen werden.
Die Sprachstörungen sind in der Regel vorübergehend und dauern meist 5 bis 60 Minuten. Sie können vor, während oder nach den Kopfschmerzen auftreten.
Diagnose von Migräne bei Kindern
Ärzten fällt es oft schwer, eine Migräne bei Kindern zu erkennen, da sich die Symptome je nach Alter unterscheiden können. Zur Diagnose benötigt der Arzt viele Informationen:
- Wie lange, wie oft und wann tauchen die Beschwerden auf?
- Gibt es neben den Kopfschmerzen weitere Symptome?
- Eine Untersuchung der geistigen und motorischen Entwicklung steht ebenso auf dem Plan wie der Ausschluss von körperlichen Erkrankungen.
Dabei helfen beispielsweise eine Hirnstrommessung (EEG) oder eine Magnetresonanz-Tomographie (MRT).
Behandlung von Migräne bei Kindern
Eine komplette Heilung von Migräne ist nicht möglich. Die Attacken können jedoch reduziert werden. Gerade bei Kindern sind die Auslöser der Migräne meist alltägliche Dinge wie ein unregelmäßiger Tagesablauf oder Bewegungsmangel. Um den Trigger der Kindermigräne herauszufinden, hat sich das Ausfüllen eines Migränetagebuchs als sinnvoll erwiesen.
Nicht-medikamentöse Therapie
Eine nicht-medikamentöse Therapie ist bei Kindern mit Migräne von zentraler Bedeutung. Sie stellt oft den ersten Behandlungsschritt dar und umfasst Maßnahmen wie:
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- Entspannungstechniken (z.B. progressive Muskelrelaxation nach Jacobson)
- Stressmanagement
- Ausreichend Schlaf
- Regelmäßige Bewegung
- Eine ausgewogene Ernährung
- Begrenzung der Medienzeit
- Wechselnde Lichtverhältnisse meiden
Medikamentöse Therapie
Bei akuten Attacken dürfen auch Kinder auf Schmerzmittel zurückgreifen, um die Kopfschmerzen und Begleiterscheinungen zu verbessern. Allerdings sollte man vorher mit einem Arzt darüber sprechen, denn sowohl die Dosis als auch die Darreichungsform ist entscheidend. Geeignete Medikamente sind Ibuprofen oder Paracetamol.
In einigen Fällen kann auch eine vorbeugende medikamentöse Therapie notwendig sein. Zur Migränevorbeugung werden Flunarizin und Propranolol eingesetzt. Sie sind für Erwachsene zur Vorbeugung von Migräneattacken zugelassen. Wenn Kinder mit Migräne diese Medikamente einnehmen, handelt es sich um einen sogenannten "Off-Label-Use". Gemeint ist damit der Einsatz einer Arznei bei einer Patientengruppe oder Erkrankung, für die sie keine Zulassung hat.
Bauchmigräne
Als Bauchmigräne, auch abdominelle Migräne genannt, bezeichnen Ärzte Bauchschmerzen, die in regelmäßigen Abständen und anfallsartig auftreten. Eine solche Migräne-Attacke kann sich von einer Stunde bis zu drei Tagen erstrecken. Zwischen den Attacken herrscht eine völlige Beschwerdefreiheit. Etwa ein bis vier Prozent der Kinder und Jugendlichen sind von einer Bauchmigräne betroffen - wobei sie meist im Grundschulalter sind. Häufig klingt die Bauchmigräne mit der Pubertät ab und geht in eine Kopfmigräne über.
Symptome der Bauchmigräne
Eine abdominelle Migräne geht typischerweise mit plötzlich auftretenden Bauchschmerzen einher. Doch auch weitere Symptome begleiten eine Bauchmigräne, zum Beispiel:
- Übelkeit
- Erbrechen
- Appetitlosigkeit
- Blässe (manchmal auch Gesichtsröte)
- dunkle Augenringe
- Lichtscheue
Kinder lokalisieren die Magenschmerzen meist im Bereich des Bauchnabels sowie entlang der Mittellinie des Bauches.
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Behandlung der Bauchmigräne
Die Behandlung einer Bauchmigräne umfasst vor allem Entspannungsverfahren, wie die progressive Muskelentspannung bei Migräne oder autogenes Training, und das Abschirmen von auslösenden Reizen. Um die tatsächlichen Triggerfaktoren herauszufinden, sollten Eltern mit ihren Kindern ein Bauchschmerztagebuch führen. Es gibt hingegen nur wenige Medikamente zur Therapie einer Bauchmigräne.
Die Rolle der Eltern
Eltern spielen eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Migräne bei Kindern. Sie können helfen, Migräneauslöser zu erkennen und ihrem Kind zu helfen, besser damit umzugehen. Besonders wichtig ist es, das Kind ernst zu nehmen und ihm Geborgenheit zu vermitteln.
Tipps für Eltern:
- Förderung eines geregelten Tagesablaufs
- Begrenzung der Medienzeit
- Wechselnde Lichtverhältnisse meiden
- Regelmäßige Pausen
- Bewegung
- Einfühlsames Zuhören und Vertrauen stärken
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