Der Einfluss von Gestagenen auf männliche Hormone und das Gehirn

Das Gehirn, oft als Schaltzentrale des Körpers betrachtet, ist in Wirklichkeit ein komplexes Organ, das stark von Hormonen beeinflusst wird. Diese Hormone, insbesondere die Geschlechtshormone, können tiefgreifende Auswirkungen auf die Struktur und Funktion des Gehirns haben. Dieser Artikel untersucht, wie Gestagene, eine Klasse von Geschlechtshormonen, männliche Hormone beeinflussen und welche Auswirkungen dies auf das Gehirn hat.

Geschlechtshormone und ihre Wirkung auf das Gehirn

„Sexualhormone sind ein Teufelszeug“, sagt Onur Güntürkün. „Sie können Zellen zum Umbau zwingen.“ Sexualhormone spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane während der Schwangerschaft. Ab der sechsten Schwangerschaftswoche stößt ein kleines Gensegment namens SRY auf dem Y-Chromosom die Hodenentwicklung im männlichen Embryo an.

Die Rolle von Testosteron und Anti-Müller-Hormon

Eine zuvor angelegte geschlechtsneutrale Drüse wird nun männlich und produziert zwei Hormone: Testosteron und das weniger prominente Anti-Müller-Hormon. Letzteres ist zunächst wichtiger, denn es sorgt dafür, dass der Embryo kein Mädchen werden kann. Erst dann formt im Laufe der kommenden Monate das Testosteron aus einem anderen Röhrensystem (den Wolff-Gängen) Samenleiter und Penis des kleinen Jungen. Ohne die Hoden-Hormone entwickelt sich dagegen ein Mädchen, komplett mit Uterus und Eierstöcken.

Das Gehirn als Geschlechtsorgan

Auch das Gehirn ist ein Geschlechtsorgan, das ist die Botschaft von Onur Güntürkün: In verschiedenen Arealen finden sich Rezeptoren für die Sexualhormone. Dazu gehören so prominente Regionen wie der Hippocampus, der für Orientierung und Gedächtnis wichtig ist, und die Amygdala, das Zentrum für Affekte und das Tor zu affektgeladenen Erinnerungen. Für das Teufelszeug empfänglich ist aber auch der Hypothalamus, die Steuerungszentrale für Stressreaktionen und den Hormonhaushalt des ganzen Körpers.

Einfluss auf das Verhalten

Nicht zuletzt prägen Sexualhormone das Verhalten, und zwar schon vor der Geburt. Dafür gibt es zwei Gründe: Einmal ist bei Ratten das geschlechtsspezifische Verhalten beim Sex recht stereotyp. Man kann also bei den erwachsenen Tieren leicht unterscheiden, ob ihr Gehirn männlich oder weiblich geprägt wurde. Zum anderen ist die geschlechtliche Differenzierung der Rattenkinder anders als die der Menschenkinder bei der Geburt noch nicht abgeschlossen, was den Wissenschaftlern die Möglichkeit zu experimentieren gibt.

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Experimentelle Studien an Ratten

Nach der Geburt kastrierte Ratten hatten als erwachsene Männchen wenig Lust, sich mit Weibchen zu paaren. Sie waren auch weniger aggressiv als normale Männchen - ein Unterschied, der sich schon bei den Raufereien der Jungtiere zeigte. Kastrierten die Forscher die Jungen jedoch erst im Alter von drei Wochen, hatte das keinen Effekt mehr auf ihr Verhalten - die sensible Phase für die Mannwerdung war da schon abgeschlossen. Den weiblichen Neugeborenen injizierten die Forscher am ersten Lebenstag das Hormon Testosteron. Diese Ratten bekamen später keinen Eisprung, sie zeigten kein Werbeverhalten, sondern gingen Rattenmännchen aus dem Weg. Als Jungtiere spielten sie aggressiver als andere Weibchen, und sie legten weitere männliche Eigenarten an den Tag, lernten zum Beispiel schneller, sich in einem Labyrinth zurechtzufinden. Auch hier war das Zeitfenster für Eingriffe begrenzt.

Erkenntnisse aus "Experimenten der Natur" beim Menschen

Man muss natürlich vorsichtig sein, solche Befunde auf den Menschen zu übertragen. So gibt es Jungen, die zwar Testosteron bilden, aber nicht darauf reagieren können, weil ihnen die passenden Rezeptoren fehlen. Bei ihnen reifen die männlichen Geschlechtsorgane nicht aus. Sie sehen äußerlich weiblich aus, haben aber keinen Uterus und keine Eierstöcke. Noch aussagekräftiger sind die Schicksale von Männern, die aus unterschiedlichen medizinischen Gründen in den ersten Lebensmonaten kastriert und als Mädchen aufgezogen wurden.

Der Fall David Reimer

Berühmt wurde David Reimer, ein Patient des US-Psychologen John Money. Weil der Penis des Jungen bei der Beschneidung verletzt worden war, hatte der Psychologe den Eltern zur Kastration (im Alter von 22 Monaten) und zu einer Mädchen-Erziehung geraten. Doch „Brenda“, wie David jetzt genannt wurde, rebellierte gegen die Mädchenrolle. Mit 14, als man das Kind über sein wahres Geschlecht aufklärte, verlangte es eine Rückkehr zur männlichen Identität. Mit 38 beging der unglückliche David Reimer Selbstmord.

Mädchen mit zu vielen männlichen Hormonen

Ein weiteres Natur-Experiment betrifft Mädchen, die wegen einer seltenen genetischen Störung zu viele männliche Hormone in ihren Nebennierenrinden produzieren (ein wenig Testosteron produziert jeder Mensch in diesen Organen). Sie kommen nicht nur mit einer Art Mini-Penis auf die Welt, sondern auch mit einer eher maskulinen Weltsicht: Als Kinder raufen sie gern, sind sportlich und interessieren sich kaum für Puppen oder Babys. Später ergreifen sie gern „männliche“ Berufe wie Ingenieur oder Pilot. Dennoch fühlen sich die meisten ganz als Frau.

Die Macht der Sexualhormone

Diese Befunde zeigen, wie mächtig Sexualhormone sind, wie stark sie das Verhalten beeinflussen - nicht nur bei Ratten, sondern auch bei Menschen. Doch reichen sie aus, um die bisweilen riesigen Geschlechtsunterschiede in der Gesellschaft zu erklären?

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Geschlechtsunterschiede und gesellschaftliche Rollen

„Drei Viertel aller Selbstmörder, 80 Prozent aller Suchtkranken, zwei Drittel aller Notfallpatienten, über 90 Prozent aller Häftlinge in Strafanstalten sind Männer“, bilanziert die Autorin Ute Scheub in ihrem aktuellen Buch „Heldendämmerung“, in dem sie die Rolle aggressiver Männlichkeit im Weltgeschehen kritisch unter die Lupe nimmt. Auf der anderen Seite leiden Frauen doppelt so häufig wie Männer unter Depressionen und stellen die Mehrzahl aller Schmerzpatienten.

Ähnlichkeiten im Gehirn von Männern und Frauen

Denn das Paradoxe ist: Selbst bei großen Unterschieden im Verhalten sind die Gehirne von Männern und Frauen erstaunlich ähnlich! Hirnforscher haben bis heute kaum Regionen oder Netzwerke im Gehirn gefunden, die verschieden groß oder unterschiedlich geformt sind. Geschweige denn, dass es Zentren gäbe, die nur bei einem Geschlecht vorhanden sind, während sie beim anderen fehlen. Das gilt selbst für die Lieblings-Labortiere der Geschlechterforscher.

Forschung zu Unterschieden im Kinderhirn

Für ihr aktuelles Buch „Pink Brain - Blue Brain“ hat sie die gesamte wissenschaftliche Literatur nach anatomisch-strukturellen Unterschieden durchforscht. „Doch was ich nach einer erschöpfenden Suche fand, war erstaunlich wenig“, schreibt sie. Ja, im Gehirn von Erwachsenen zeigen sich bisweilen im Kernspin-Tomographen Unterschiede in der Nutzung von Hirnregionen - etwa beim Lösen bestimmter Sprach- oder Labyrinth-Aufgaben. Doch das sind genau die Unterschiede, die man bei unterschiedlicher Übung erwarten würde - und die sich bei gezieltem Training meist einebnen.

Widerlegte Hypothesen

Nicht bestätigt haben sich Hypothesen, dass die beiden unterschiedlichen Hirnhälften bei Jungen und Mädchen verschieden schnell reifen, was Unterschiede im Sprach- oder Orientierungsverhalten erklären sollte. Beim Corpus callosum („ Balken“), der Rechts-Links-Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften, gibt es keine signifikante Differenz, die Frauen einen Vorteil im Sinne einer höheren Intuition verschaffen würde (sorry, Mädels). Sogar die attraktive These, die der britische Psychologe Simon Baron-Cohen aufstellte, ist unter Beschuss geraten: Männergehirne neigten zum Systematisieren statt zur Empathie, und Autismus sei eine Extremform männlicher Gehirnentwicklung.

Wissenslücken und zukünftige Forschung

Es klaffen also große Wissenslücken zwischen den kleinen hormonellen Ursachen und ihren großen gesellschaftlichen Folgen. An der ersten Front arbeiten zähe Grundlagenforscher wie die amerikanische Neuroendokrinologin Margaret McCarthy. Sie versucht im Detail aufzuklären, wie Hormone im Gehirn Nervenzellen „zum Umbau zwingen“, und was dabei auf molekularer und genetischer Ebene geschieht.

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Der Einfluss von Prostaglandin E2

McCarthy konnte bereits zeigen, dass bei der „ Maskulinisierung“ des sexuell dimorphen Kerns in der präoptischen Region von Ratten das Gewebshormon Prostaglandin E2 eine entscheidende Rolle spielt.

Die Rolle der Anerkennung

Der Mann ist schon wegen seines fehlenden zweiten X-Chromosoms das verletzlichere, für Krankheiten anfälligere Geschlecht. Aus dieser riskanten Gemengelage entwickele sich eine Persönlichkeit, die „mehr Halt braucht“ als die ausgeglichenere Mädchenpsyche - vor allem in Form von Anerkennung durch die Erwachsenen.

Die Macht der Eltern und die Übernahme von Geschlechtsrollen

Bereits im Kindergarten-Alter übernehmen die Kleinen die Zuständigkeit für ihre Geschlechtsrollen selbst. Die Intoleranz kleiner Kinder ist verblüffend. Doch Eliot hält diese Übertreibungen für verständlich, wenn man die Sache mit dem moralischen Urteilsvermögen in diesem Alter vergleiche: „Vorschulkinder denken in Kategorien von richtig und falsch, gut und schlecht, schwarz und weiß. Grauschattierungen können sie noch nicht sehen.“ Das heißt: Sie versuchen, zuerst einmal die Regeln zu verstehen. Zum Trost für die Eltern sei verraten, dass die krassen Stereotype wieder verschwinden, sobald die Kinder älter werden.

Intellektuelle Fähigkeiten und die Nutzung des Gehirns

Auch, dass sich mancher Unterschied im Laufe des Lebens verstärkt statt sich abzuschwächen, kann man laut Gerald Hüther neurobiologisch leicht erklären: „Das Gehirn wird so, wie man es mit Begeisterung benutzt.“ Sprich: Wer von Kindesbeinen an nichts lieber tut als Fußball zu spielen, bekommt ein Fußballer-Gehirn. Wer lieber Violine übt, entwickelt das Gehirn eines Geigers.

Hormone und Verhalten

Lust, Energie, Hunger, Müdigkeit - Hormone steuern unseren Körper. Das ist bekannt. Doch wie sehr beeinflussen sie unsere Psyche? Steuern Hormone womöglich sogar unser Verhalten?

Die Rolle von Dopamin

Dopamin gehört zu den zentralen Botenstoffen unseres Körpers. Manche dieser Stoffe werden über die Blutbahnen transportiert. Andere, wie Dopamin, über das Nervensystem. Dopamin ist unter anderem wichtig für die Signalübermittlung zwischen Gehirn und Muskulatur. Es spielt daher im Bewegungszentrum des Gehirns eine zentrale Rolle. Bei Parkinson verkümmert die Dopaminbildung. Dem Körper fehlt der zentrale Botenstoff. Doch es gibt Medikamente, die die gleiche Wirkung haben wie Dopamin und den Verlust ausgleichen.

Dopamin und Risikobereitschaft

Die Neurologin Stephanie Hirschbichler erforscht, was uns Menschen in Entscheidungssituationen risikofreudig macht. Im Fokus: der Botenstoff Dopamin. In einem Experiment bekommen die Probanden entweder ein Mittel, das ihren Dopaminspiegel erhöht, oder eins, das den Dopaminspiegel senkt, oder ein Placebo. Anschließend sollen sie in einem Spiel Risiko-Entscheidungen treffen. Die Veränderung zeigt sich deutlich: Je mehr Dopamin, desto risikofreudiger! Und das kann auch als Nebenwirkung von Parkinsonmedikamenten auftreten.

Hormone und Gehirnveränderungen nach der Entbindung

Die Gehirnveränderungen nach der Entbindung sorgen - so die Vermutung der Forschenden - normalerweise für MEHR Bindung zum Kind. Doch es gibt auch Mütter, die nach der Entbindung in ein tiefes Loch fallen, sich hoffnungslos überfordert fühlen. Es ist so, dass Geschlechtshormone, vor allem Östrogen und Progesteron, ab Beginn der Schwangerschaft kontinuierlich steigen und auf ein sehr hohes Level gehen. Man sagt auch, dass die Hormone zum Teil bis zu 200-fache höher als vor der Schwangerschaft sind. Und was passiert bei der Entbindung und bei der Geburt? Dann gehen diese Hormone massiv runter.

Stress und das Hormonsystem der Kinder

Prof. Anna-Lena Zietlow von der Technischen Universität Dresden untersucht gemeinsam mit ihren Heidelberger Kolleg*innen was großer Stress bei den Eltern mit dem Hormonsystem der Kinder macht. Vor dem Versuch nehmen sie eine Speichelprobe beim Kind, um das Cortisollevel zu messen. Das Hormon spielt unter anderem bei Stress eine wichtige Rolle. Es zeigt sich: Bei Kindern, deren Eltern häufig gestresst sind, fallen die Cortisollevel langsamer ab. Die Kinder brauchen also länger, um sich vom Stress zu erholen. Und das wiederum prägt ihr späteres Stresssystem.

Testosteron und Machtstreben

Verabreicht man den Tieren während der Schwangerschaft viel Testosteron, werden beim Nachwuchs die „Ringfinger“ im Vergleich zu den „Zeigefingern“ länger. Der gleiche Effekt konnte auch bei Menschen nachgewiesen werden. Denn an diesen Fingern sitzen besonders viele Rezeptoren für Testosteron, das das Wachstum fördert. Korreliert das mit späteren Verhaltensweisen? Große Testosteronmengen in Schwangerschaft und Pubertät machen es wahrscheinlicher, dass wir nach Macht streben. Bei Frauen spielt Östradiol die entscheidende Rolle.

Möglichkeiten der Einflussnahme auf Hormone

Es gibt viele Möglichkeiten, auf unsere Hormone einzuwirken. Bei postpartaler Depression helfen möglicherweise Antidepressiva. In Leinsamen zum Beispiel sollen Stoffe sein, die wie Hormone wirken. Auch in Sojamilch.

Der Einfluss von Östrogen und Testosteron

Geschlechtshormone beeinflussen die Freisetzung von Dopamin. Insbesondere die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron sind relevant. Je höher die Hormonspiegel bei Frauen und Männern sind, desto empfindlicher reagiert das Gehirn auf die belohnende Wirkung von Substanzen. Diese Hormone beeinflussen das Belohnungssystem und erhöhen die Freisetzung von Dopamin. Dopamin wird insbesondere dann freigesetzt, wenn wir eine Belohnung erwarten. Es ist also für das Gefühl der Vorfreude verantwortlich. Bei Substanzkonsumproblemen kann dieses Gefühl zu einem Verlangen ("Craving"), werden. Ein hormonell bedingter Anstieg des Dopaminspiegels verstärkt Craving.

Konsumverhalten und der Menstruationszyklus

Nachweislich ist das Konsumverhalten von der Phase des Menstruationszyklus abhängig. Der Östrogenspiegel bei Frauen variiert je nach Phase des Menstruationszyklus (sofern keine hormonelle Verhütung stattfindet). Während der ersten Hälfte des Zyklus steigt der Östrogenspiegel an, was Menschen mit Zyklus empfindlicher für die Wirkung von Substanzen macht. In dieser Phase fällt es Abhängigkeitserkrankten schwerer, auf den Konsum zu verzichten. Wenn der Östrogenspiegel in der zweiten Hälfte des Zyklus sinkt, steigt gleichzeitig der Progesteronspiegel an. Progesteron mindert die belohnende Wirkung und Craving kann gedämpft werden.

Der Einfluss von Progesteron bei Männern und Frauen

Es gibt jedoch unterschiedliche Auswirkungen von Progesteron bei Männern und Frauen. Der dämpfende Effekt von Progesteron zeigt sich jedoch nur bei Frauen. Bei Männern scheint das Hormon den gegenteiligen Effekt zu haben. Männer mit höherem Progesteronspiegel leiden eher unter verstärktem Konsumdruck.

Geschlechtshormone und soziales Verhalten

Hormonschwankungen tragen dazu bei, dass sich das soziale Verhalten einer Frau über den Menstruationszyklus hinweg ändert. Bekannt sind Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit vor der Regelblutung, aber auch die erhöhte Bereitschaft zu Sex um die Zeit des Eissprungs. Während und kurz nach der Menstruation sind Frauen eher bereit zur Kooperation.

Mangel an weiblichen Geschlechtshormonen

Ein Mangel an weiblichen Geschlechtshormonen durch vorzeitige Wechseljahre kann das Gehirn der betroffenen Frauen schädigen. Dies belegen neue Studien: die Entfernung der Eierstöcke vor der Menopause erhöht später das Risiko für eine Demenz- oder Parkinsonerkrankung.

Die Rolle von Östrogenen

Östrogene scheinen für den neuroprotektiven Effekt verantwortlich zu sein. Die Studie zu Parkinson als auch zu Demenz sei beeinflusst durch unterschiedliche Definitionen in der Literatur, verschiedene operative Vorgehen und die Praxis der Hormonersatztherapie im Beobachtungszeitraum.

Veränderungen der Hirnstruktur im Verlauf des weiblichen Hormonzyklus

Um den Einfluss der Hormone besser zu verstehen, wählten sie dafür eine Frau mit regelmäßigem natürlichem Zyklus, eine Frau, die hormonelle Verhütungsmittel einnimmt, eine Frau mit Endometriose und einen Mann, dessen Hormone nicht den zyklischen Veränderungen unterliegen. Die MRT-Messungen zeigten, dass diese Veränderungen nicht nur einzelne Region betreffen, sondern das gesamte Gehirn, einschließlich des Kleinhirns und der subkortikalen Strukturen.

Der Einfluss von Progesteron und Östradiol

Bei den Frauen mit typischem Zyklus bestimmte vor allem Progesteron die Schwankungen in der Hirnstruktur. Im Gegensatz dazu scheint Östradiol, wenn es das dominierende Hormon während des gesamten Zyklus ist - wie bei der Endometriose oder der Einnahme der Pille - auch auf die strukturelle Gehirndynamik einen größeren Einfluss auszuüben.

Die Bedeutung von Progesteron

Progesteron unterstützt des Weiteren die Neubildung von Knochensubstanz und trägt zur psychischen Entspannung und Schlafbereitschaft bei, indem es auf die GABA-Rezeptoren im Gehirn Einfluss nimmt. Neuere Arbeiten gehen sogar davon aus, dass Progesteron in der Lage ist, geschädigte Nervenzellen zu reparieren. Ein weiterer wichtiger Vorteil ist der positive Effekt von Progesteron auf die sexuelle Lust (Libido). Progesteron kann auch das Krebsrisiko für die Entstehung östrogenabhängiger Krebsarten vermindern. Während Östrogen das Zellwachstum anregt, hemmt Progesteron es.

Progesteron bei Männern

Die weiblichen Hormone Progesteron und Östrogen kommen - wenn auch in weitaus geringeren Mengen - auch im männlichen Körper vor. Progesteron wird in den männlichen Hoden synthetisiert. Es beeinflusst das Immunsystem, die Prostata, das zentrale und periphere Nervensystem und interagiert mit dem Fettgewebe. Ein wichtiger Vorteil von Progesteron bei Männern ist die Senkung des Insulinspiegels.

Geschlechtshormone: Eine Übersicht

Alle Sexualhormone kommen bei allen Geschlechtern vor, der Unterschied liegt jedoch bei der Menge und Wirkung der Hormone. Sexualhormone haben bestimmte Funktionen in der Geschlechtsfestlegung und Sexualfunktion bei Männern und Frauen. Es gibt zentrale Hormone (GnRH, FSH, LH), die im Gehirn produziert werden.

Östrogene

Östrogene werden in erster Linie in den Eierstöcken gebildet, aber auch in der Nebennierenrinde und der Plazenta (während einer Schwangerschaft). In der Pubertät bewirkten sie das Wachstum der Brust und Körperbehaarung. Östrogen steigt in der ersten Zyklushälfte an, verursacht den Eisprung und bereitet die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Östrogen hat auch Einfluss auf das Hautbild, die Stimmung und Fettverteilung.

Progesteron

Progesteron wird in den Eierstöcken (im Gelbkörper), in der Nebennierenrinde und in der Plazenta (während der Schwangerschaft) gebildet. Progesteron ist wichtig, da es die Gebärmutterschleimhaut auf eine Schwangerschaft vorbereitet. Es steigt deshalb nach dem Eisprung an. Progesteron bewirkt eine Erhöhung der Körpertemperatur.

Testosteron

Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon, bei Frauen kommt es normalerweise in niedrigeren Konzentrationen vor. Beim Mann wird es vor allem in den Hoden produziert, kleinere Mengen können auch von der Nebennierenrinde hergestellt werden. Bei männlichen Embryos bewirkt es die Bildung von Penis, Hodensack und Prostata. In der Pubertät werden Wachstum der Geschlechtsorgane, Spermienbildung und Ausbildung der männlichen Geschlechtsmerkmale (z.B. tiefe Stimme, Behaarung) angeregt. Testosteron steigert sexuelles Verlangen, aber auch aggressives Verhalten.

Hormonspiegel im Laufe des Lebens

Bei Frauen in den fruchtbaren Jahren schwanken die Hormonspiegel stark und mit ihnen die Stimmung und das Wohlbefinden. Der weibliche Zyklus beginnt mit der Menarche (das Auftreten der ersten Regelblutung (mit ca. 12 Jahren) und endet mit der Menopause (der Zeitpunkt, wenn die Periode 1 Jahr ausgeblieben ist, durchschnittlich um das 50. Lebensjahr). Bei Männern sind die Hormonspiegel grundsätzlich stabiler, aber es kommt zu tageszeitlichen Schwankungen. Morgens sind die Testosteronwerte im Blut normalerweise am Höchsten und sinken am Nachmittag auf einen Tiefpunkt.

Die Rolle der Sexualhormone bei Problemen im Beckenbereich

Die Sexualhormone spielen eine wichtige Rolle bei Problemen im Bereich des Beckens. Wenn zum Beispiel nach den Wechseljahren der Östrogenspiegel abfällt und dies die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose fördert, kann man mit diesem Wissen aktiv etwas dagegen unternehmen.

Urogenitales Menopausensyndrom

Ein lokaler Östrogenmangel im Bereich der Scheide nach der Menopause, kurzfristig auch nach einer Geburt und in der Stillzeit, kann zu Trockenheit, Juckreiz, Brennen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen. Im weiteren Verlauf können auch Blasenreizungen, Infektionen, Senkungsbeschwerden, Beckenbodenschwäche und Harninkontinenz auftreten. Diese Symptome werden unter dem Begriff „Urogenitales Menopausensyndrom“ zusammengefasst.

Die Minerva-Forschungsgruppe und ihre Erkenntnisse

Forscher des „EGG (Emotion & neuroimaGinG)-Labors“ am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften fanden in Kooperation mit Forschern vom Centre of Addiction and Mental Health (CAMH) der University of Toronto parallel zum Abfall des Östrogenspiegels einen Anstieg von Monoaminoxidase-A: ein Enzym, das Monoamin-Neurotransmitter - in erster Linie das „Glückshormon“ Serotonin - abbaut.

Serotonin und Depressionen

Der Neurotransmitter Serotonin ist ein essenzieller Botenstoff, der die Übertragung von Informationen zwischen Nervenzellen im Gehirn steuert. Serotonin erfüllt eine Vielzahl von Funktionen im menschlichen Gehirn und ist besonders wichtig für Stimmung und zum Abfedern von Stress-Situationen. Bei der Depression geht man von einem Ungleichgewicht im Serotoninhaushalt aus. Diese Annahme bildet den Grundstein für die „Monoamin-Hypothese“.

Die Wirkung von SSRIs

Die Minerva-Forschungsgruppe „EGG (Emotion & neuroimaGinG)-Labor“ am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften stellte sich diesbezüglich die Frage, inwieweit die Einmalgabe des SSRIs Escitalopram die Netzwerk-Kommunikation im Gehirn beeinflusst. In einer placebokontrollierten, doppelblinden Studie konnte mittels funktioneller Ruhe-Magnet-Resonanz-Tomographie (Ruhe-fMRT) erstmals ein beträchtlicher Abfall der funktionellen Netzwerkkonnektivität in den meisten kortikalen und subkortikalen Hirnregionen bereits drei Stunden nach der Einnahme von Escitalopram beschrieben werden.

Hormonelle Schwankungen und Gehirnstruktur

In einer longitudinalen Versuchsreihe wurden insgesamt 32 MRT-Aufnahmen der strukturellen und funktionellen Netzwerke einer gesunden Studienteilnehmerin gemacht. Es entstand sozusagen ein zeitlich geordneter individueller Gehirnatlas über insgesamt vier Menstruationszyklen. Bei der Auswertung der erhobenen Daten zeigten sich sowohl geschlechtshormonabhängige Veränderungen in der funktionellen Konnektivität als auch in der grauen und weißen Hirnstruktur im Verlauf des Menstruationszyklus.

Progesteron und die Konnektivität des Hippocampus

So fanden die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen dem Geschlechtshormon Progesteron und der funktionellen Konnektivität zwischen dem sensomotorischen Kortex (SMC) mit dem Hippocampus und zwischen dem dorso-lateralen präfrontalen Kortex (DLPFC) und dem Hippocampus. Dabei galt das Interesse besonders einer Hirnregion: dem Hippocampus, einem Areal mit einer zentralen Rolle für Gedächtnis, Emotion und Stimmung.

Östrogen und Neuroplastizität im Hippocampus

Darüber hinaus lässt die Auswertung der anatomischen Hirndaten einen beachtlichen Grad an Neuroplastizität im Hippocampus vermuten. So zeigte sich sowohl für die weiße als auch für die graue Hirnsubstanz des Hippocampus ein positiver Zusammenhang mit dem Geschlechtshormon Östrogen.

Zusammenfassung

Unser psychisches Wohlbefinden ist eng mit dem hormonellen Profil verknüpft. Frauen erkranken zum Beispiel doppelt so häufig an Depressionen wie Männer. Dies deutet darauf hin, dass Sexualhormonen eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der Depression zukommt. Allerdings sind die Mechanismen, die diesen stimmungsverändernden Effekt von Sexualhormonen vermitteln, bisher ungeklärt.

Die Bedeutung von Geschlechtshormonen

Geschlechtshormone sind nicht nur für die Fortpflanzung wichtig, sondern spielen auch eine entscheidende Rolle für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Männern und Frauen. Sie beeinflussen das Gehirn, das Verhalten und die Stimmung. Ein Ungleichgewicht der Geschlechtshormone kann zu einer Vielzahl von Problemen führen, darunter Depressionen, Angstzustände und sexuelle Funktionsstörungen.

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