Epilepsie: Welcher Arzt ist zuständig? Ein umfassender Leitfaden

Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. In Deutschland sind rund 600.000 - 800.000 Menschen betroffen. Bis zu 10% der Menschen haben in ihrem Leben einen epileptischen Anfall, von einer Epilepsie wird jedoch erst bei einem erhöhten Risiko für wiederholte unprovozierte epileptische Anfälle gesprochen. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, den richtigen Ansprechpartner für Ihre Situation zu finden und die verschiedenen Aspekte der Epilepsiebehandlung zu verstehen.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie beschreibt Erkrankungen, bei denen es wiederholt zu epileptischen Anfällen kommt. Es handelt sich um die häufigste chronische Krankheit des zentralen Nervensystems. Ein epileptischer Anfall ist eine zeitlich begrenzte Funktionsstörung der Hirnnervenzellen. Je nachdem, welche Nervenzellen betroffen sind, kommt es zu verschiedenen Symptomen. Das Spektrum kann von einem Krampfen des ganzen Körpers bis zu einem Zucken oder die Bewegung einzelner Körperteile gehen. Der Anfall kann sich aber auch in einer vorübergehenden Abwesenheit zeigen. Epileptische Anfälle können bei jedem Menschen und in jedem Lebensalter auftreten. Epilepsien sind Erkrankungen des Gehirns, die durch spontan auftretende epileptische Anfälle gekennzeichnet sind. Jeder Mensch kann einen epileptischen Anfall erleiden - im Laufe des Lebens beträgt die Wahrscheinlichkeit etwa 5 %. Epilepsien sind chronische Erkrankungen, bei denen das Gehirn dazu neigt, spontan epileptische Anfälle auszulösen. Während solcher Anfälle ist die Großhirnrinde ganz oder teilweise übererregt, wodurch für kurze Zeit (10 Sekunden bis 2 Minuten) die Kontrolle über Bewusstsein, Bewegungen, Empfindungen oder andere Körperfunktionen beeinträchtigt sein kann.

Ein einzelner Anfall bedeutet jedoch noch nicht gleich Epilepsie. Erst bei mehrfachen Anfällen in gewissen Zeiträumen oder epilepsietypische Signale im EEG spricht man von einer Epilepsie. Etwa 5% bis 10% der Bevölkerung haben aufgrund unterschiedlicher Ursachen ein erhöhtes Risiko, Anfälle zu erleben. Aber ein einmaliger Anfall bedeutet nicht automatisch, dass Betroffene an Epilepsie leiden.

Ursachen von Epilepsie

Es gibt vielfältige Ursachen für Epilepsien. Genetische Epilepsien treten beispielsweise eher im jüngeren Lebensalter auf, mit zunehmendem Lebensalter nehmen dann erworbene Hirnveränderungen als Ursache für sich neu manifestierende Epilepsien an Bedeutung zu. Oft lässt sich in der Diagnostik, die neben einer Elektroenzephalographie (EEG) und einer bildgebenden Diagnostik (v.a. MRT) auch andere Untersuchungen umfassen kann, jedoch auch keine eindeutige Ursache finden. Verschiedenste Faktoren können akut symptomatische Krampfanfälle auslösen zum Beispiel eine Überdosis an Medikamenten wie Antidepressiva, Vergiftungen oder schädliche Umwelteinflüsse, Schlafmangel, Durchblutungsstörungen oder Unterzuckerung. Ein Anfall kann auch in einem engen zeitlichen Zusammenhang (etwa eine Woche) mit einer akuten dokumentierten Hirnverletzung, etwa nach einer Entzündung oder einer Kopfverletzung, auftreten. Mögliche bekannte Ursachen sind:

  • andere neurologische Erkrankung mit Epilepsie als Symptom
  • Stoffwechselkrankheiten
  • Pränatale Fehlentwicklungen
  • neurologische Schädigungen während Schwangerschaft und Geburt
  • Vergiftungen
  • Hirnverletzungen
  • genetische Faktoren

Arten von Epilepsie

Grundsätzlich unterscheidet man in der Medizin zwischen fokalen und generalisierten Anfällen. Bei fokalen Anfällen sind nur bestimmte Bereiche des Gehirns am Anfall beteiligt und entsprechend sind nur einzelne Körperregionen beteiligt. Zum Beispiel kann bei einem fokalen Anfall nur das Augenlid zucken. Außerdem werden fokale Anfälle in solche mit Bewusstseinsstörung und solche ohne Bewusstseinsstörung unterteilt. Eine Bewusstseinsstörung zeigt sich meist als kurze Eindämmerung, die so unauffällig für Außenstehenden verläuft, dass es ihnen meist nicht auffällt. In der Regel haben Betroffene keine Erinnerung an den Anfall. Fokale (herdförmige) epileptische Anfälle sind die häufigsten epileptischen Anfälle. Das sind Anfälle, welche von einer bestimmten Region im Gehirn ausgehen.

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Bei generalisierten Anfällen ist das ganze Gehirn vom Anfall betroffen. Entweder von Anfang an oder aus einem fokalen Anfall ausgehend. Generalisierte Anfälle zeigen sich als sogenannte Absenzen, die kurze Zeit dauern und in denen die betroffene Person nicht ansprechbar ist. Des Weiteren werden auch myoklonischen Anfällen, die sich als plötzliche und kurze Zuckungen von ganzen Muskelgruppen zeigen, zu den generalisierten Anfällen gezählt. Außerdem zählen auch Anfälle, die zu einer Versteifung und dann zum Krampfen des ganzen Körpers führen, Grand Mal genannt, zu den generalisierten Anfällen. Generalisierte Epilepsien sind häufig angeboren und machen sich in der Regel im Kinder- oder Jugendalter bemerkbar, während fokale Epilepsien auf eine erworbene Hirnläsion, z. B.

Symptome von Epilepsie

Ein epileptischer Anfall kann sich auf unterschiedliche Art äußern. Häufig treten Zuckungen einzelner Körperteile auf, genauso aber gibt es auch sehr milde, eher symptomarme Anfälle. In der Regel beginnt ein epileptischer Anfall plötzlich und ohne erkennbaren Anlass. Nach wenigen Minuten hört er von selbst wieder auf.

Bei einfachen fokalen Anfällen kommt es meist zu einem Muskelkrampf bei dem das Bewusstsein bleibt. Erst bei komplexeren Anfällen kann das Bewusstsein eingeschränkt sein oder kurz aussetzen. Die generalisierten Anfälle werden in verschiedene Formen eingeteilt:

  • Absenzen - Kurze Bewusstseinsstörung wobei der Patient lediglich in der Tätigkeit erstarrt und nach wenigen Sekunden so tut als ob nichts gewesen wäre.
  • Myoklonische Anfälle Merkmal: Plötzlich auftretende, kurze, beidseitige Muskelzuckungen
  • Klonische Anfälle Merkmal: Muskelzuckungen. Arme und Beine können heftig zucken. Außerdem kommt es zu eine, vermehrten Speichelfluss, sodass Betroffene Schaum vor dem Mund haben können.
  • Tonische Anfälle - Merkmal: Muskelkrämpfe. Die Betroffenen versteifen oft Arme und Beine und stürzen. Dabei ist die Verletzungsgefahr sehr hoch. Es kann zu Bisswunden an der Zunge oder den Backen kommen.
  • Atonische Anfälle Merkmal: plötzliches Zusammenfallen der Muskelspannung, kurze Bewusstlosigkeit
  • Status epilepticus - Notfall. Der Status epilepticus beschreibt den Zustand bei dem die epileptischen Anfälle in so kurzen Abständen auftreten, dass sich der Betroffene zwischendurch nicht mehr erholen kann. Dieser Zustand muss umgehend vom Notarzt medikamentös unterbrochen werden, da es sonst zu schweren Hirnschädigungen kommen kann.

Erster Ansprechpartner: Wer ist zuständig?

Bei Verdacht auf Epilepsie sollten Sie immer fachärztlichen Rat suchen. FachärztInnen für Neurologie bzw. Ein erster epileptischer Anfall sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Erwachsene sollten bei Verdacht auf Epilepsie von einer Fachärztin/einem Facharzt für Neurologie untersucht werden. Für Kinder mit Verdacht auf Epilepsie sind KinderärztInnen (Pädiater) zuständig. Im Kindesalter sind Kinderärzte dafür zuständig - am besten ist es, einen Neuropädiater bzw. Neuro-Kinderarzt aufzusuchen, welcher sich noch besser damit auskennt.

Neurologe

Der Neurologe ist der Hauptansprechpartner für Erwachsene mit Epilepsie. Sie sind spezialisiert auf die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems, einschließlich Epilepsie. Ihre Aufgaben umfassen:

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  • Diagnosestellung: Anamnese, körperliche Untersuchung, EEG, MRT und andere bildgebende Verfahren.
  • Medikamentöse Therapie: Auswahl und Anpassung von Antiepileptika.
  • Langzeitbetreuung: Überwachung des Krankheitsverlaufs, Anpassung der Therapie und Beratung.
  • Ambulant erfolgt die Betreuung und Optimierung der Therapie in unserer Epilepsieambulanz. Die Epilepsieambulanz ist eine Spezialsprechstunde zur Abklärung bei Verdacht auf Epilepsie und für die Dauerbetreuung bei gesicherter Epilepsie. Insbesondere werden hier schwer behandelbare Krankheitsverläufe behandelt. In unserer Epilepsieambulanz werden u.a. Stationär werden komplexe diagnostische Fälle im Rahmen des Video-EEG-Monitorings abgeklärt. Im Rahmen unserer Epilepsie-Ambulanz kooperieren wir mit verschiedenen Kliniken der Universitätsmedizin Mainz, um die Versorgung von Patienten mit Epilepsie zu optimieren.

Kinderarzt / Neuropädiater

Für Kinder mit Verdacht auf Epilepsie ist der Kinderarzt der erste Ansprechpartner. Bei komplexeren Fällen oder unklarer Diagnose überweist der Kinderarzt in der Regel an einen Neuropädiater. Neuropädiater sind Kinderärzte mit einer zusätzlichen Spezialisierung auf Erkrankungen des Nervensystems bei Kindern.

Hausarzt

Der Hausarzt kann eine erste Anlaufstelle sein, insbesondere bei einem ersten Anfall. Er kann eine erste Einschätzung vornehmen und bei Bedarf an einen Spezialisten überweisen.

Diagnostik

Bei Verdacht auf Epilepsie wird Ihr/e behandelnde/r Ärztin/Arzt Sie mittels Anamnese, körperlicher Untersuchung, EEG und bildgebenden Verfahren untersuchen. Je früher Ihr/e behandelnde/r Ärztin/Arzt eine Hirnstromkurve (EEG - Elektroencephalogramm) ableiten kann, desto einfacher ist die genauere Diagnose.

Anamnese

Bei der Anamnese werden Sie ausführlich zu Ihrer Krankengeschichte befragt. Wichtige Fragen sind:

  • Wie verlief der Anfall?
  • Gab es Anzeichen vor dem Anfall (Aura)?
  • Welche Medikamente nehmen Sie ein?
  • Gab es Verletzungen in der Kindheit?
  • Gibt es Epilepsie in der Familie?

Wenn Sie sich an eine Aura (Beschwerden unmittelbar vor dem Anfall) oder an die Umstände vor dem Anfall erinnern können, berichten Sie Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt davon. Häufiger werden Sie auf Berichte von BeobachterInnen angewiesen sein. Ihre Ärztin/Ihr Arzt möchte vor allem wissen, wie Ihr Anfall verlief und ob dem Anfall Anzeichen vorausgingen. Typische Anzeichen sind unwillkürliches Schmatzen oder Nesteln mit den Händen. Vorgeschichte: Welche Medikamente nehmen Sie? Nutzen Sie unsere Checkliste mit möglichen Fragen an Ihre Ärztin/Ihren Arzt. Ihr/e NeurologIn wird Sie bei Verdacht auf Epilepsie auch zu Verletzungen in Ihrer Kindheit oder gar im Säuglingsalter befragen.

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EEG (Elektroenzephalographie)

Die Elektroenzephalographie (EEG) ist eine der wichtigsten Untersuchungen zur Diagnose von Epilepsie. Hierbei werden Elektroden auf die Kopfhaut geklebt, um die Hirnströme zu messen. Jede Epilepsieform äußert sich in charakteristischen Veränderungen in der Hirnstromkurve. Es zeigen sich drei Spitzen und drei Wellen pro Sekunde. Diese Checkliste verschafft Ihnen eine erste Orientierung. Bereiten Sie sich in Ruhe auf das Arztgespräch vor und notieren Sie im Vorfeld alle Ihre Fragen! Wir freuen uns daher sehr über Ihr Feedback.

Ein EEG zeichnet - ganz einfach gesprochen - die Gehirnströme auf, oder besser ausgedrückt, es misst die minimale elektrische Spannung auf der Kopfoberfläche. So lässt sich die Aktivität der Nervenzellen messen und visualisieren. Davon haben wir mehr als 50 Milliarden in unserem Gehirn. Durch kleinste elektrische Entladungen kommunizieren diese miteinander, damit unser Gehirn als Schaltzentrale des Körpers funktionieren und Befehle, sowie Informationen empfangen und weiterleiten kann. Durch diese Entladungen entsteht an der Nervenzellwand ein Spannungsunterschied zwischen Innen- und Außenseite in Höhe von 60 bis 100mV (1mV = 1 Tausendstel Volt). Der Auf- und Abbau dieses Spannungsunterschieds lässt sich beobachten. Dabei werden so starke elektrische Felder erzeugt, dass diese auch in einigen Zentimetern Entfernung zur Nervenzelle, nämlich an unser Kopfhaut, gemessen werden können. Bei einem EEG werden also die elektrischen Aktivitäten mittels Elektroden als Kurve bzw. Die Summenpotentiale der Nervenzellen werden auf dem EEG-Bildschirm durch mehrere Kurven (in der Regel 8−12 Kurven, bei Bedarf auch mehr) übereinander dargestellt.

Es gibt verschiedene Arten von EEGs:

  • Standard-EEG: Dauert etwa 45 Minuten, inklusive Vorbereitung.
  • Schlaf-EEG: Hier werden Wach-, Müdigkeits- und Schlafphasen registriert. Für diese Untersuchung müssen Sie etwa zwei Stunden Zeit einplanen, sie wird in der Regel als Schlaf-EEG durchgeführt.
  • Langzeit-EEG (Video-EEG-Monitoring): Hierbei werden die Hirnströme über einen längeren Zeitraum (meist stationär) aufgezeichnet, um auch seltene Anfälle zu erfassen.

Bildgebende Verfahren (MRT, CT)

Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) oder die Computertomographie (CT) werden eingesetzt, um strukturelle Veränderungen im Gehirn auszuschließen, die für die Epilepsie verantwortlich sein könnten (z.B. Tumore, Narben). Nach dem EEG wird eine bildgebende Untersuchung des Gehirns gemacht - da ist die Diagnostik der Wahl die Kernspintomographie; das MRT.

Weitere Untersuchungen

In manchen Fällen sind weitere Untersuchungen notwendig, um die Ursache der Epilepsie zu finden (z.B. Blutuntersuchungen, genetische Tests).

Therapie

Insgesamt gibt es drei wesentliche Säulen der Epilepsietherapie.

Medikamentöse Therapie

Einerseits steht eine Vielzahl anfallssupprimierender Medikamente zur Verfügung, mit denen bei etwa 70% der Patientinnen und Patienten mit Epilepsie mit den ersten beiden medikamentösen Therapieversuchen Anfallsfreiheit erreicht werden kann. Die medikamentöse Behandlung einer Epilepsie ist daher immer eine Langzeittherapie und dauert meistens mehrere Jahre. Die derzeit eingesetzten Antiepileptika können die Erkrankung Epilepsie nicht heilen - sie sollen aber verhindern, dass im Rahmen der Erkrankung weitere epileptische Anfälle auftreten. Entscheidend für den Beginn einer solchen Therapie ist das Risiko, weitere Anfälle zu erleiden. Grundsätzlich ist dieses Risiko nach zwei Anfällen ohne spezifische Auslöser erhöht, daher sollte in diesem Fall eine Pharmakotherapie begonnen werden. Bei manchen Patienten kann aber auch nach nur einem Anfall eine medikamentöse Behandlung notwendig sein. Hier ist die Ursache der Epilepsie von entscheidender Bedeutung. Auch vor Beendigung einer antiepileptischen Therapie muss das individuelle Risiko weiterer Anfälle eingeschätzt werden. Wenn die Epilepsie ursächlich auf genetische Veränderungen oder umschriebene Läsionen im MRT des Gehirns zurückzuführen ist, besteht auch nach langjähriger Anfallsfreiheit beim Absetzen der Antiepileptika ein erhöhtes Rezidivrisiko.

Epilepsiechirurgie

Besteht eine Pharmakoresistenz, sollte evaluiert werden, welche Chancen und Risiken eine epilepsiechirurgische Behandlung hat. Für eine kleine Zahl von Betroffenen, mit sogenannten therapieresistenten Epilepsien, ist eine medikamentöse Therapie nicht ausreichend. Ihnen kann mit moderner Medizin durch einen neurochirurgischen Eingriff (Epilepsiechirurgie) geholfen werden, sofern sich der Herd in einer genau umschriebenen Region des Gehirns befindet.

Stimulationsverfahren

Als weitere Therapiemöglichkeit stehen zudem Stimulationsverfahren (u.a. Vagus-Nerv-Stimulation oder das EASEE System in Betracht.

Was tun bei einem Anfall?

Ein einzelner epileptischer Anfall erfordert normalerweise keine medizinische Hilfe und stellt damit auch keinen medizinischen Notfall dar. Es gibt dennoch einige Maßnahmen, die man im Falle eines Falles ergreifen sollte, um demder Betroffenen und demder behandelnden Ärzt*in zu helfen. Hier haben wir die wichtigsten Punkte für Sie zusammengefasst. Angefangen von einfachen Maßnahmen, bis hin zu Notfallmedikamenten. Das Wichtigste beim Beiwohnen eines epileptischen Anfalls ist es, Hilfe zu leisten und der Betroffenen oder dem Betroffenen beizustehen.

  • Ruhe bewahren
  • Betroffenen nicht festhalten
  • Gegenstände entfernen, an denen sich der Betroffene verletzen könnte
  • Bei Erbrechen: Betroffenen in stabile Seitenlage bringen
  • Notruf wählen, wenn der Anfall länger als 5 Minuten dauert oder sich wiederholt

Leben mit Epilepsie

Mit der Diagnose Epilepsie können Ihnen unsere Experten in der Schön Klinik Bad Aibling Harthausen in der Nähe von Rosenheim mit viel Erfahrung weiterhelfen. Wir schauen uns genauestens an, welche Epilepsie-Form bei Ihnen vorliegt und wie sich der Verlauf Ihrer epileptischen Anfälle gestaltet. Auf dieser Basis erarbeiten wir gemeinsam mit Ihnen realistische Behandlungsziele und eine auf Sie zugeschnittene Therapie. Unser Ziel ist es, Ihre Epilepsie bestmöglich zu behandeln und im Idealfall Ihre epileptischen Anfälle komplett zu verhindern. Dabei greifen wir auf eine große Bandbreite von konservativen Methoden zurück - von aktivierenden Therapien bis hin zu Medikamenten.

Unter medikamentöser Behandlung bleiben viele Patienten anfallsfrei und können ein normales Leben führen. Allerdings kann es nach einem Anfall zu einer „Bewährungsphase“ kommen, bei der der Betroffene auf Tätigkeiten, die sich selber oder andere Leute gefährden könnte, wie zum Beispiel Autofahren oder Gerüstbauen, verzichten. Bleibt der Betroffene nach einem bestimmten Zeitraum ohne Anfall, können solche Tätigkeiten wieder aufgenommen werden.

Anfallskalender

Nach der Diagnose ist es auch wichtig, dass Angehörige und/oder betreuende Personen, sowie die Patientinnen und Patienten einen Anfallskalender führen, um den Behandlungserfolg zu kontrollieren, Veränderungen rechtzeitig zu erkennen und vorbeugende Maßnahmen im Alltag auf Basis der Anfallshäufigkeit, Anfallsdauer und der eventuellen Anfallshäufung zu bestimmten Tageszeiten zu treffen. Auch das subjektive Erleben der Betroffenen selbst ist wichtig.

Autofahren

Anfälle mit Bewusstseinsstörung führen laut Gesetzgebung dazu, dass der Betroffene vorübergehend kein Kraftfahrzeug steuern darf. Grundsätzlich werden zwei Gruppen von Fahrzeugen unterschieden. In Gruppe I fallen alle motorisierten Zweiräder und PKW bis 3,5 t, die Gruppe II fasst alle Fahrzeuge ab 3,5 t und solche zur Beförderung von Personen oder Gefahrengut zusammen. In der Gruppe I führt ein einmaliger spontaner epileptischer Anfall zu einem Fahrverbot von 6 Monaten (Gruppe II: 2 Jahre), wenn im EEG und im MRT des Gehirns keine Anzeichen für ein erhöhtes Wiederholungsrisiko zu finden sind.

Alkohol

Häufig wird Patienten nach einem ersten epileptischen Anfall dringend empfohlen, keinen Alkohol mehr zu konsumieren. Dies führt bei vielen Menschen zu einem Verlust an Lebensqualität und mitunter auch zu einer weiteren Stigmatisierung. Studien deuten jedoch darauf hin, dass der maßvolle Konsum von Alkohol keinen Einfluss auf das Auftreten von Anfällen bei Patienten mit einer Epilepsie hat. Auch sind keine relevanten Wechselwirkungen mit den antiepileptischen Medikamenten zu erwarten. Was sind jedoch maßvolle Mengen Alkohol? Bei einem täglichen Konsum von etwa 30 g reinen Alkohols bei Männern (¾ l Bier oder ⅓ l Wein) und 20 g bei Frauen (½ l Bier oder ¼ l Wein) sind keine allgemeinen gesundheitlichen Schäden zu erwarten, diese Menge hat in der Regel auch keinen spezifischen Effekt auf das Auftreten weiterer epileptischer Anfälle. Der - auch gelegentliche - Konsum größerer Mengen Alkohol, der oft mit einem Schlafdefizit verbunden ist, kann jedoch das Anfallsrisiko deutlich erhöhen. Insgesamt aber ist der maßvolle Konsum von Alkohol bei Patienten mit einer Epilepsie also eher unbedenklich.

Schwangerschaft und Familienplanung

Für Frauen mit Epilepsie ist daher die Planung der Schwangerschaft besonders wichtig, um die Therapie bereits im Vorfeld im Hinblick auf die Anfallskontrolle und das Fehlbildungsrisiko zu optimieren und damit die Risiken für Mutter und Kind in der Schwangerschaft zu minimieren. Prinzipiell gehen alle Antiepileptika mit einem erhöhten Fehlbildungsrisiko einher. Insgesamt liegt die Rate großer Fehlbildungen bei den Kindern antiepileptisch behandelter Patientinnen mit Epilepsie bei ca. 6 % im Vergleich zu 2 - 4 % in der Normalbevölkerung. Medikamentöse Wechselwirkungen einiger Antiepileptika mit oralen Kontrazeptiva können zum Wirkungsverlust der Pillenpräparate führen.

Das Risiko der Nachkommen aller Patienten mit Epilepsie, ebenfalls an einer Epilepsie zu erkranken, liegt bei 3 - 5 % und ist damit im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung (1 - 2 %) etwa doppelt so hoch.

Präventive Massnahmen

Folgende Faktoren wirken ebenfalls präventiv und schützen vor einem weiteren Anfall:

  • regelmäßige Medikamenteneinnahme
  • geregelte Lebensführung mit regelmäßigem Schlaf-Wach-Rhythmus
  • gesunde ausgewogene Ernährung
  • regelmäßige ärztliche Kontrollen
  • Stressvermeidung
  • vermeiden von anfallsprovozierenden Faktoren

Spezialisierte Zentren und Kliniken

Viele Kliniken und Zentren in Deutschland haben sich auf die Behandlung von Epilepsie spezialisiert. Hier finden Sie eine umfassende Diagnostik und Therapie, sowie spezialisierte Sprechstunden.

  • Klinikum Osnabrück, Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation: Bietet eine umfassende Versorgung von neurologischen Notfällen, einschließlich Epilepsie. Das zertifizierte Epilepsiezentrum (EMOS Epilepsiezentrum Münster Osnabrück, Standort Osnabrück) bietet komplexe Differentialdiagnostik und Differentialtherapie.
  • Schön Klinik Bad Aibling Harthausen: Bietet hoch spezialisierte Diagnostik und umfassende Therapie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Epilepsie.

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