Der Atlaswirbel, auch C1 genannt, ist der oberste Halswirbel und spielt eine zentrale Rolle für die Stabilität und Beweglichkeit des Kopfes. Eine Fehlstellung dieses Wirbels kann vielfältige Beschwerden auslösen, die oft erst spät oder gar nicht erkannt werden. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen, Symptome und Therapieansätze bei einer Atlaswirbel-Fehlstellung, insbesondere unter neurologischen Gesichtspunkten.
Einführung in die Atlaswirbelproblematik
Der Atlas trägt nicht nur den Kopf, sondern ist auch für die Aufhängung, Balance und Steuerung der Wirbelsäule zuständig. Nahezu jeder Mensch hat eine Asymmetrie oder Fehlstellung des Atlas, die unentdeckt bleibt und zu vielfältigen Symptomen führen kann. Im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) kann es zu Blockaden kommen, die dramatische Auswirkungen im orthopädischen und neurologischen Bereich haben.
Ursachen einer Atlasfehlstellung
Eine Atlasfehlstellung kann verschiedene Ursachen haben:
- Traumatische Ereignisse: Stürze, Autounfälle, Sportunfälle oder missglückte orthopädische Eingriffe können zu Verschiebungen des Atlas führen.
- Geburtstrauma: Unglückliche Verläufe bei der Geburt können ebenfalls eine Atlasfehlstellung verursachen.
- Bindegewebsschwäche: In einigen Fällen kann eine Erkrankung des Bindegewebes die Stabilität der Kopfgelenke beeinträchtigen.
- Operationen: Oft klagen Patienten über Schwindel, Benommenheit oder Kopf- und Nackenschmerzen nach einer Operation. Diese Symptome entstehen, weil der Patient bei der Narkose seine komplette Körperspannung und die Steuerung der Motorik verliert. Wenn der Kopf längere Zeit in einer ungünstigen Position liegt, kann dies zu Verschiebungen am Atlas und der Halswirbelsäule führen.
- Fehlhaltungen: Extreme Fehlhaltungen können die Funktion der Kopfgelenke beeinträchtigen.
- Kieferprobleme: Fehlstellungen des Kiefers (CMD) können ebenfalls Auswirkungen auf die Kopfgelenke haben.
- Negative Druckeinwirkung: Die Bandscheibe kann auch durch negative Druckeinwirkung, wie z.B. einseitiges schweres Heben, ihre Position verlassen und sich etwas zu einer Seite verschieben. Dies wird Protusion genannt. Hierbei kann es zu einer leichten Kompression auf Nerven kommen. Wenn der Faserring der Bandscheibe bei starker Druckbelastung aufplatzt und der Kern austritt, sprechen wir von einem Bandscheibenvorfall (Prolaps). Auch dieser führt zur Nervenkompression.
Symptome einer Atlasfehlstellung
Die Folgen einer Atlasfehlstellung können vielfältig sein und sich auf verschiedene anatomische Strukturen auswirken. Einige der häufigsten Symptome sind:
- Kopfschmerzen: Fachleute unterscheiden bis zu 200 verschiedene Formen von Kopfschmerzen.
- Nackenschmerzen: Verspannungen können zu quälenden Nackenschmerzen führen, da sich am Hals besonders viele Schmerzrezeptoren befinden.
- Schwindel: Permanente Schwindelgefühle können den Alltag begleiten, oft verbunden mit Benommenheit.
- Migräne: Migräneattacken können plötzlich auftreten und den Tag zur Qual machen.
- Tinnitus: Ständiges Pfeifen oder Rauschen im Ohr kann das Wohlbefinden stark beeinträchtigen.
- Kiefergelenkschmerzen: Kiefergelenk Schmerzen kommen auch durch das „Zähne-Zusammenbeißen“ - hier kann eine Entspannung über den Atlaswirbel langfristig die Kiefergelenk Schmerzen beseitigen.
- HWS-Syndrom: Typische Anzeichen sind Kribbeln und ,,Ameisenlaufen" in Händen und Armen sowie Kopf- und Nackenschmerzen.
- Atlasblockade: Ursachen für die Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule sind Überlastungen die bis hin zur Atlasblockade führen können.
- Kiss Syndrom: Mit dem Kiss Syndrom bezeichnet man eine Fehlhaltung des Atlaswirbel, die zuweilen auch Schiefhals genannt wird.
- Muskelverspannung: Als Muskelverspannung wird jener Zustand bezeichnet, in dem die Muskulatur nicht mehr fähig ist, sich zu entspannen. Das bedeutet, dass die Grundspannung der Muskeln anhaltend verstärkt ist.
- Schleudertrauma: Ein Schleudertrauma ist eine reine Weichteilverletzung an der Halswirbelsäule. Das akute Schleuder-Trauma ist häufig durch einen Auffahrunfall bedingt. Dabei wirkt plötzlich eine starke Kraft auf den Nacken ein.
- Skoliose: Während im Normalfall die menschliche Wirbelsäule nach vorne und hinten gekrümmt, ist sie bei einer Skoliose seitlich verkrümmt.
- Weitere Symptome: Gedächtnis-, Konzentrations- und Wortfindungsstörungen, Augenflimmern, chronische Erschöpfung, Schmerzen in Armen und Beinen, im Magen, im Herz, im Gesicht.
Da alle "Leitungen" zwischen dem Kopf und dem Körper durch, bzw. an Atlas und Axis vorbei führen, können Verschiebungen dieser Wirbel Nerven, Blutbahnen, das Rückenmark oder sogar Teile des Stammhirns "quetschen". Dies kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, die nicht unbedingt am Genick selbst auftreten müssen.
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Neurologische Auswirkungen einer Atlasfehlstellung
Eine Atlasfehlstellung kann insbesondere den Nervus Vagus beeinträchtigen, den größten Nerv des Parasympathikus (Teil des vegetativen Nervensystems). Zudem kann auch der Nervus glossopharyngeus (IX. Hirnnerv), der das Schlucken steuert, in seiner Funktion gestört sein, da er wie die Arteria vertebralis aus dem Foramen jugulare vom Gehirn ausgehend durch den Schädel tritt.
Die Beeinträchtigung von Nerven und Blutgefäßen kann zu folgenden neurologischen Symptomen führen:
- Schwindel und Benommenheit: Durch die Kompression des Stammhirns, das für die Durchblutung zuständig ist, kann es zu Störungen kommen, die Schwindel und Benommenheit auslösen.
- Kopfschmerzen und Migräne: Die Fehlstellung kann Nervenreizungen und Muskelverspannungen verursachen, die zu Kopfschmerzen und Migräne führen.
- Tinnitus: Die Beeinträchtigung der Nervenbahnen kann auch das Gehör beeinflussen und Tinnitus verursachen.
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen: Eine mangelnde Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Nährstoffen kann zu Konzentrations- und Gedächtnisstörungen führen.
- Sehstörungen: Die Fehlstellung kann auch die Nerven beeinflussen, die für die Sehkraft verantwortlich sind, was zu Sehstörungen führen kann.
Therapieansätze bei Atlasfehlstellung
Es gibt verschiedene Therapieansätze zur Behandlung einer Atlasfehlstellung. Hier eine Übersicht:
Gerätegestützte Atlastherapie (foreas-Behandlung): Diese neuartige Behandlung ist eine Weiterentwicklung der altbewährten Atlaskorrektur mit Hilfe eines Vibrationsgerätes. Das Besondere an dieser Methode ist die Möglichkeit, weitere Halswirbel auch mit Hilfe des Vibrationsgerätes zu korrigieren, wodurch sie auch deutlich effektiver wird. Damit ist sie der manuellen Therapie deutlich überlegen, da nur eine Sitzung benötigt wird, um alle Wirbel in ihre korrekte Position zu schieben. Des Weiteren bewirkt die Vibrationsmassage eine deutlich spürbare und langanhaltende Entspannung der Muskulatur. Auch die Verklebungen der Faszien werden hierdurch maßgeblich gelöst. Bei der foreas Behandlung wird mithilfe eines Vibrationsgerätes der Atlaswirbel und wenn nötig alle weiteren Halswirbel schonend in ihre korrekte Position bewegt. Des Weiteren findet eine Massage mittels Vibrationsgerätes statt, um die Rückenmuskulatur optimal zu lockern.Die foreas Methode ist eine ganzheitliche Betrachtung der Wirbelsäule mit besonderem Fokus auf dem Atlaswirbel und der Kiefergelenke. In einer Fehlstellung des Atlaswirbels & des Kiefers liegt eine der Hauptursachen für Ihre dauerhaften Schmerzen an Kopf, Nacken & Rücken.Durch professionelle Atlas- & Halswirbelsäulenkorrektur wird der Wirbelsäule zu mehr Beweglichkeit und zu schmerzfreierem Bewegen verholfen.
Ablauf der foreas-Behandlung:
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- Ausführliche Anamnese: Analyse der Symptome.
- Lösen von Verspannungen: Mittels Vibrationsgerät.
- Korrektur des Atlas- und der Halswirbel: Mit dem Vibrationsgerät werden die Wirbel in die richtige Position geschoben.
- Folge-Termin: Analyse der Reaktionen und Vergleich mit dem ersten Termin.
- Massage: Zur Lockerung des Rückens.
Manuelle Therapie: Verschiedene manuelle Techniken können eingesetzt werden, um den Atlaswirbel zu mobilisieren und die umliegende Muskulatur zu entspannen.
Atlastherapie nach Arlen: Diese Therapie wirkt vor allem auf die Steuerung des unwillkürlichen Nervensystems (Vegetativum), das Gleichgewichtssystem, die allgemeine Muskelspannung und die Eigenwahrnehmung des Körpers. Auf das dreidimensional angeordnete Muskelsystem mit den erwähnten Nerven wird in einer speziellen Richtung und mit genau dosierter Kraft ein blitzschneller Impuls über den Seitenfortsatz des Atlas ausgeübt. Dadurch kommt es zu einem ultrakurzen Reiz auf diese Nackennerven, wodurch sofort ein anderes Wahrnehmungsmuster oder "Informationsbild" im Gehirn entsteht.Die Bestimmung der Impulsrichtung gelingt zweifelsfrei nur mit einem Röntgenbild.
Chiropraktik: Durch gezielte Handgriffe (Impulse) sollen Blockaden im Bereich der Wirbelsäule gelöst werden.
Osteopathie: Ein ganzheitlicher Ansatz, der darauf abzielt, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und Funktionsstörungen zu beheben.
Atlasreflex-Therapie: Diese Therapie wendet keine Kopf- und Halsdrehungen oder andere manipulativen Maßnahmen an. Im ersten Schritt der Therapie erfolgt eine Massage der tiefen Nackenmuskulatur. Mit speziellen Geräten werden die Verspannungen und Blockaden gelöst.
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Weitere Therapieformen: Die Korrektur des Atlaswirbels wird in verschiedenen Therapieformen gefunden. Dies ist der Fall bei der Therapie nach Arlen, der Chiropraktik, der Manuellen Therapie, Osteopathie und verschiedenen Therapiegesellschaften, die den Atlas mit Hilfe eines Vibrationsgerätes mobilisieren.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Wahl der geeigneten Therapie von der individuellen Situation des Patienten abhängt. Eine gründliche Untersuchung und Diagnose durch einen erfahrenen Therapeuten ist daher unerlässlich.
Diagnostik einer Atlasfehlstellung
Um eine Atlasfehlstellung festzustellen, sind verschiedene diagnostische Maßnahmen möglich:
- Manuelle Untersuchung: Ein erfahrener Therapeut kann die Stellung des Atlaswirbels durch Abtasten beurteilen. Hier gilt: Bitte lassen Sie die Stellung ihres Atlaswirbels von einem erfahren Therapeuten untersuchen.
- Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, MRT- oder CT-Untersuchungen können die genaue Position des Atlaswirbels und mögliche Begleitverletzungen darstellen. Die Bestimmung der Impulsrichtung bei der Atlastherapie nach Arlen gelingt zweifelsfrei nur mit einem Röntgenbild.
- Funktionsuntersuchungen: Tests zur Beweglichkeit der Halswirbelsäule und zur Funktion des Nervensystems können weitere Hinweise auf eine Atlasfehlstellung geben.
Was nach der Behandlung zu beachten ist
Nach einer erfolgreichen Atlastherapie ist es wichtig, die Stabilität der Halswirbelsäule zu erhalten und erneuten Fehlstellungen vorzubeugen. Hierzu können folgende Maßnahmen beitragen:
- Bewegung: Nach der Behandlung sollten Sie sich viel bewegen. Machen Sie z.B. Kräftigungsübungen, Dehnungsübungen oder Sport. Bewegung hält fit.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung der Nackenmuskulatur und zur Verbesserung der Körperhaltung können helfen, die Stabilität der Halswirbelsäule zu erhalten.
- Ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes: Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes kann Fehlhaltungen vermeiden und die Belastung der Halswirbelsäule reduzieren.
- Stressmanagement: Stress kann zu Muskelverspannungen führen und somit eine Atlasfehlstellung begünstigen. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen.