Gehirn auf Hochtouren: Ursachen und Lösungsansätze für einen überaktiven Geist

Der moderne Lebensstil ist oft von Stress, hohen Erwartungen und ständigem Multitasking geprägt. Dies kann dazu führen, dass unser Gehirn ständig auf Hochtouren läuft und wir Schwierigkeiten haben, zur Ruhe zu kommen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für einen überaktiven Geist und zeigt verschiedene Strategien auf, wie man das Gedankenkarussell stoppen und die mentale Balance wiederherstellen kann.

Ursachen für einen überaktiven Geist

Es gibt vielfältige Gründe, warum unser Gehirn ständig auf Hochtouren läuft. Einige der Hauptursachen sind:

Stress und Überforderung

Der moderne Lebensstil mit hoher Arbeitsbelastung, sozialen Erwartungen und ständigem Multitasking kann zu einer Überlastung des Geistes führen. Menschen, die andauernd "unter Strom" stehen und chronischem Stress ausgesetzt sind, wenig schlafen und sich keine Erholungsphasen gönnen, bringen ihren Körper dazu, ständig auf "Hochtouren" zu laufen. Dadurch können sich die Gehirnzellen erschöpfen, was zu Konzentrationsschwierigkeiten und Wortfindungsstörungen führen kann.

Angst und Sorgen

Viele Menschen neigen dazu, sich Sorgen über die Zukunft zu machen, was zu ständigen Grübeleien führt. Sorgen und Ängste sind evolutionär bedingt und sichern in kritischen Situationen unser Überleben. Anstrengend wird es jedoch, wenn wir ständig darüber nachdenken, was Schlimmes passieren könnte, oder uns vor dem Unbekannten fürchten.

Evolutionäre Gründe

Aus evolutionsbiologischer Sicht war der Mensch darauf angewiesen, ständig auf Gefahren oder Bedrohungen zu achten. Dies förderte die Entwicklung einer "grübelnden" Denkweise, die bis heute in uns verankert ist.

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Kognitive Verarbeitung

Unser Gehirn ist ständig damit beschäftigt, Informationen zu verarbeiten. Bei Menschen mit hoher kognitiver Aktivität oder einer Tendenz zum Grübeln läuft das Gehirn oft schneller als nötig.

Emotionen und Stresshormone

Emotionen wie Angst, Traurigkeit oder Ärger können das Gedankenkarussell beschleunigen. Emotionen sind oft der Auslöser für eine schnelle Zunahme der Gedankenaktivität. Ein hoher Cortisolspiegel, der oft mit Stress und Angst in Verbindung steht, kann das Gehirn in einem "Alarmzustand" halten und zu einer intensiveren und schnelleren Gedankentätigkeit führen.

Schlafmangel

Ein nicht ausreichender oder schlechter Schlaf führt dazu, dass das Gehirn Schwierigkeiten hat, Informationen zu verarbeiten und zu "sortieren". Während der Schlafphase verfestigt unser Gehirn die tagsüber gelernten Inhalte. Chronischer Schlafmangel kann daher zu Merkfähigkeitsstörungen führen.

Genetische Disposition

Manche Menschen können problemlos abschalten und entspannen, während andere auch auf leichte Reize stark reagieren und Schwierigkeiten haben, Gedanken abzuschalten.

Das Gedankenkarussell verstehen: Denken vs. Grübeln

Es ist normal, dass unser Gehirn ständig Gedanken produziert. Es verarbeitet Reize, schafft Erinnerungen, lernt neue Dinge, trifft Entscheidungen und plant für die Zukunft. Gedanken können uns jedoch quälen, wenn sie in einem endlosen Kreislauf festhängen. Wir denken immer wieder über dieselben Dinge nach und versuchen, sie zu lösen, obwohl es oft keine Lösung gibt.

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Es ist wichtig, zwischen konstruktivem Denken und destruktivem Grübeln zu unterscheiden. Nachdenken ist konstruktiv, wenn man spürt, dass man mit seinen Gedanken einer Lösung näher kommt und die Situation beeinflussen kann. Grübeln hingegen ist destruktiv, wenn sich die Gedanken im Kreis drehen, oft über Dinge, die man (zumindest in diesem Moment) nicht beeinflussen kann.

Auswirkungen von Stress auf das Gehirn

Dauerstress beansprucht Körper und Geist. Die Nebennieren produzieren vermehrt die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol, wodurch der gesamte Körper ein Alarmsignal erhält, welches ihn auf eine bevorstehende Situation von "Kampf oder Flucht" vorbereitet. Bei Menschen, die andauernd "unter Strom" und chronischem Stress stehen, wenig schlafen und sich keine Phasen der Erholung gönnen, läuft der Körper ständig auf "Hochtouren". Dadurch kann sich das Gehirn verändern, denn auch die Gehirnzellen werden erschöpft. Wortfluss und Konzentration können ins Stocken geraten und im Gespräch geht der Faden verloren. Regelmäßige Entspannungstechniken helfen dabei, Stress abzubauen und in einen Zustand der Gelassenheit und Ausgeglichenheit zurückzukehren.

Stress setzt unseren Körper unter Hochspannung, um in schwierigen Situationen schnell und effektiv reagieren zu können. Dabei schüttet unser Körper vermehrt Hormone wie Cortisol aus. Diese Stresshormone haben kurzzeitig positive Effekte, wie erhöhte Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit. Langfristig belasten sie jedoch unser Gehirn und schwächen das Gedächtnis. Oxidativer Stress, der durch hohe geistige Beanspruchung entsteht, spielt hier eine zentrale Rolle. Wenn wir ständig überlastet sind - sei es durch beruflichen oder familiären Stress - kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen freien Radikalen und den Abwehrmechanismen unseres Körpers. Diese freien Radikale greifen die Zellen im Gehirn an und schädigen dabei Strukturen, die für das Gedächtnis wichtig sind. Das Ergebnis: Wir werden vergesslich.

Ayurveda und das Vata-Dosha

Im Ayurveda wird das Vata-Dosha mit den Elementen Luft und Äther assoziiert und steht für Bewegung, Aktivität und den Fluss von Gedanken. Ein unausgeglichenes Vata kann zu geistiger Unruhe, Unklarheit und einem "wirbelnden" Geist führen. Ayurvedische Praktiken empfehlen, das Vata zu beruhigen, indem man regelmäßig beruhigende und erdende Praktiken in den Alltag integriert, wie z.B. sanfte Yoga-Übungen, warme Ölmassagen (Abhyanga), regelmäßige Mahlzeiten und ein strukturiertes, ruhiges Leben.

Strategien zur Beruhigung des Geistes

Es gibt zahlreiche Techniken, die helfen können, das Gedankenkarussell zu stoppen und den Geist zu beruhigen:

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Achtsamkeit und Meditation

Achtsamkeitsübungen und Meditation helfen, den Fokus auf den gegenwärtigen Moment zu lenken und die ständige Gedankentätigkeit zu reduzieren.

Atemübungen

Die Kontrolle über die Atmung hat eine tiefgreifende Wirkung auf das Nervensystem. Atemübungen können helfen, Stress abzubauen und den Geist zu beruhigen.

Kognitive Umstrukturierung

In der kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) werden Techniken angewandt, um die Art und Weise, wie wir über bestimmte Gedanken und Situationen nachdenken, zu verändern. Sobald du merkst, dass deine Gedanken sich im Kreis drehen, hinterfrage kritisch, ob du gerade wirklich nachdenkst oder deinen Gedanken ausgeliefert bist.

Bewegung

Körperliche Aktivität hilft, überschüssige Energie abzubauen und den Geist zu beruhigen.

Stressmanagement

Langfristiges Stressmanagement ist extrem vielschichtig und individuell. Regelmäßige Entspannungstechniken helfen dabei, Stress abzubauen und in einen Zustand der Gelassenheit und Ausgeglichenheit zurückzukehren.

Schlafhygiene

Achte auf ausreichend und guten Schlaf, da dieser für die Verarbeitung von Informationen und die Regeneration des Gehirns unerlässlich ist.

Gesunde Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Nährstoffen ist wichtig für die Funktion des Gehirns. Vermeide übermäßigen Konsum von Zucker und verarbeiteten Lebensmitteln.

Soziale Kontakte

Pflege soziale Kontakte und engagiere dich in Aktivitäten, die dir Freude bereiten. Einsamkeit und mangelnde Anregung können sich negativ auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirken.

Vermeidung von Reizüberflutung

Reduziere die Exposition gegenüber unnötigen Sinnesreizen, wie z.B. übermäßigem Medienkonsum oder lauten Umgebungen.

Migräne und die Übererregbarkeit des Gehirns

Das Gehirn eines Menschen, der unter Migräne leidet, ist reaktionsbereiter als das anderer Menschen. Es ist quasi immer auf dem Sprung. Doch irgendwann nimmt das Gehirn sich eine qualvolle Auszeit. „Der Migräne liegt eine Übererregbarkeit des Gehirns zugrunde“, erklärt der Kopfschmerzexperte Dr. Evers. Diese Übererregbarkeit sichert Migränikern möglicherweise in ihrem Alltag so manchen Vorteil. Doch sie hat auch unangenehme Konsequenzen: Die Nervenzellen, die Neuronen, stehen bei Migräne-Kranken unter Dauerstress. In kürzester Zeit erhalten sie unzählige elektrische Impulse, bilden Botenstoffe, die so genannten Neurotransmitter, und stimulieren damit Nachbar-Neuronen. Sie feuern ihre Signale durch das Gehirn und steuern so die Reaktionen unseres Körpers. Das kostet Kraft. Wird eine Schwelle der Erregbarkeit überschritten, so sind die Neuronen erschöpft, regelrecht ausgebrannt.

Gedächtnis und Konzentration fördern

Unser Gedächtnis vollbringt täglich Höchstleistungen. In stressigen oder belastenden Phasen kann es jedoch vorkommen, dass unser Gedächtnis nachlässt. Für eine gute Gedächtnis- und Konzentrationsfähigkeit benötigt unser Gehirn ausreichend Nährstoffe. Das Gehirn reagiert sofort auf eine Unterversorgung mit Nährstoffen, da es selbst keinen Energiespeicher hat. Nährstoffe werden unserem Körper über Nahrungsmittel zugeführt. Da unser Blutzuckerspiegel vor allem morgens nach dem Aufstehen tief ist, sollte man dem Körper ausreichend Kohlenhydrate in Form von Volkornbrot oder Müsliprodukten zu sich führen. Auch wertvolle Vitamine, die in Obst wie Bananen, Äpfeln oder Birnen enthalten sind, sollten beim Frühstück nicht fehlen. Zum Mittagessen empfiehlt sich fettarmes Fleisch, Gemüse und Salate. Auf Hochtouren kommt unser Gehirn auch durch Omega-3-Fettsäuren, die in Fisch (vor allem Lachs, Thunfisch, Sprotte und Hering) enthalten sind.

Unsere geistige Leistungsfähigkeit kann auch durch Gedächtnistraining verbessert werden. Im Internet gibt es zahlreiche Übungen, die unser Gedächtnis trainieren. Ein ganzheitliches und effektives Gedächtnistraining sollte alle Sinne und beide Gehirnhälften miteinbeziehen. So werden Lernfähigkeit und Erinnerungsvermögen gesteigert und eine lebenslange Forderung des Gehirns, kann sogar Alzheimer entgegenwirken.

Stress-Essen in der Weihnachtszeit

Die Forschung konnte bereits zeigen, dass Stress einen Einfluss auf das Essverhalten haben kann, indem er entweder zu einer verminderten oder einer gesteigerten Nahrungsaufnahme führen kann. Eine psychologische Erklärung für das übermäßige Essen in stressigen Situationen ist, dass Personen versuchen, ihre Stimmung zu steigern und eine Ablenkung vom aktuellen Stress zu suchen. Dabei greifen sogenannte „Stress-Esser“ in stressigen Situationen häufiger zu fett- und zuckerreichen Lebensmitteln, wie etwa Hamburgern, Pizza, Schokolade oder Milchshakes, als andere Personen, was eine Gewichtszunahme begünstigen kann.

Akuter Stress könnte durch eine veränderte Reaktion der Amygdala einen Einfluss auf die Nahrungsaufnahme haben - insbesondere bei Personen, die stark unter chronischem Stress leiden. Das könnte ein Hinweis dafür sein, wieso wir in der stressigen Weihnachtszeit häufiger mal zur Keksdose greifen, als wir eigentlich wollten. Chronischer Stress scheint, so die Autorinnen, mehr zu einer zukünftigen Gewichtszunahme beizutragen als akuter Stress.

Autismus und die Reizverarbeitung

Autisten nehmen ihre Umwelt oft intensiver wahr und haben Schwierigkeiten, unwichtige Sinnesreize auszufiltern. Dies kann zu einer Überlastung des Gehirns führen. Routine und Struktur sind für Autisten besonders wichtig, da sie ihnen Sicherheit geben und helfen, die Reizflut zu bewältigen.

Depressionen und der Hypothalamus

Eine aktuelle Studie hat herausgefunden, dass bei Menschen mit Depressionen der Hypothalamus vergrößert ist. Der Hypothalamus ist eine Hirnregion, die eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Stressreaktionen spielt. Bei Menschen mit Depressionen oder einem erhöhten Risiko dafür ist das körpereigene Stresssystem oft hyperaktiv und läuft auf Hochtouren, obwohl es keine offensichtliche Stresssituation gibt.

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