Migräne Medikamente im Test: Was wirklich hilft

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke, pochende Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit gekennzeichnet ist. Laut einem RKI-Gesundheitsbericht leiden in Deutschland fast 30 Prozent der Frauen und 12 Prozent der Männer punktuell oder regelmäßig unter Migräne. Die Symptome beeinträchtigen die Betroffenen in ihrer Lebensqualität und Produktivität erheblich. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von Medikamenten zur Behandlung von Migräne, sowohl rezeptfrei als auch verschreibungspflichtig. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die verschiedenen Optionen und ihre Wirksamkeit.

Medikamentöse Behandlung von Migräne

Migräne-Tabletten sind in der Apotheke mit und ohne Rezept erhältlich. Es gibt unterschiedliche Wirkstoffe, die auf verschiedene Weise wirken.

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)

NSAR sind eine Gruppe von Schmerzmitteln, die keine Steroide enthalten und Entzündungsprozesse und Schmerzen reduzieren. Sie wirken, indem sie die Bildung von Prostaglandinen hemmen, Gewebshormone, die an der Entstehung von Entzündungen und Schmerzen beteiligt sind. Zu den gängigen NSAR gehören:

  • Ibuprofen
  • Diclofenac
  • Acetylsalicylsäure (ASS)
  • Naproxen
  • Ketorolac
  • Indomethacin

Eine Studie ergab, dass andere NSAR zu 94 Prozent wirksamer waren als Ibuprofen. Bei den Mitteln Ketorolac, Indomethacin und Diclofenac lagen die Angaben zur Wirksamkeit bei um die 60 Prozent (Ketorolac 62, Indomethacin 57, Diclofenac 56 Prozent wirksamer als Ibuprofen).

Paracetamol

Paracetamol ist ein Schmerzmittel, das nicht zu den NSAR gehört, da es nicht oder kaum entzündungshemmend wirkt. Wie Paracetamol genau wirkt, ist bisher nicht eindeutig erforscht. Experten gehen aber davon aus, dass es wie NSAR die Bildung von Prostaglandinen im Gehirn hemmt. Die schmerzlindernde Wirkung ist weniger stark als bei NSAR, dafür ist es fiebersenkend. Die Untersuchten empfanden Paracetamol nur in 37 Prozent der Fälle als hilfreich, und es erwies sich in der Migränetherapie als 17 Prozent weniger wirksam als Ibuprofen.

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Kombinationspräparate

Eine gängige Kombination von Medikamenten zur Behandlung von Migräne ist Aspirin, Paracetamol und Koffein. Diese Kombination erwies sich als um 69 Prozent wirksamer als Ibuprofen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG) hat die fixe Kombination (zwei Tabletten) aus ASS (250 bis 265 mg), Paracetamol (200 bis 265 mg) und Koffein (50 bis 65 mg) besonders hervorgehoben. Dank der Kombination wirken diese Schmerzmittel schnell und zudem stärker.

Antiemetika

Bei vielen Patienten ist der Migräne-Anfall mit Übelkeit und Erbrechen verbunden. Hier können spezielle Medikamente (Antiemetika) helfen. Sie sollten sie vor dem Schmerzmittel einnehmen. Antiemetika wie Metoclopramid und Domperidon regen die Bewegungen der Magenmuskulatur an. Laut einer Studie sind Antiemetika zweieinhalbmal wirksamer als Ibuprofen.

Triptane

Speziell für die Behandlung von mittelschwerer bis starker Migräne wurden die Triptane entwickelt. Ihre Wirkung: Die durch den Migräneanfall erweiterten Blutgefäße werden verengt und Entzündungsprozesse gehemmt. Die Medikamente imitieren die Eigenschaften des körpereigenen Botenstoffes Serotonin, mit dessen Hilfe die Weite der Blutgefäße reguliert wird. Sie besetzen die Bindungsstellen von Serotonin auf den Gefäßen, was eine Verengung der Blutgefäße in den Hirnhäuten bewirkt und den Migräneanfall unterbricht. Zudem hemmen sie die Freisetzung entzündlicher Eiweißstoffe im Gehirn und reduzieren die Fortleitung von Schmerzimpulsen. Triptane helfen auf Grund ihrer spezifischen Wirkungsweise nur bei Migräne und Cluster-Kopfschmerz.

In Deutschland sind innerhalb der Wirkstoffgruppe der Triptane aktuell Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan rezeptfrei als Tabletten für Migräne in der Apotheke erhältlich. Als Darreichungsform gibt es z.B. Sumatriptan mit 100 mg bzw. 50 mg. Im Gegensatz zu den rezeptfreien Triptanen benötigen Sie ein Rezept für Migräne-Tabletten mit folgenden vier Triptanen: Eletriptan, Frovatriptan, Rizatriptan und Zolmitriptan.

Eine Studie ergab, dass Triptane fünfmal wirksamer sind als Ibuprofen. Betrachtet man die einzelnen Medikamente, so ragten offenbar drei Schmerzmittel hinsichtlich ihrer Wirksamkeit heraus: Eletriptan, Zolmitriptan und Sumatriptan. In der vorliegenden Studie erwies sich das Kopfschmerzmittel Eletriptan als sechsmal wirksamer als Ibuprofen, Zolmitriptan war fünfeinhalbmal und Sumatriptan fünfmal so wirksam. Die Fachleute stellten fest, dass die Teilnehmer Eletriptan in 78 Prozent der Fälle als hilfreich empfanden - Zolmitriptan in 74 Prozent und Sumatriptan in 72 Prozent der Fälle. Ibuprofen nahmen die Patientinnen und Patienten hingegen nur in 42 Prozent der Fälle als wirksam wahr.

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Allerdings sind gerade die Triptane bisher kaum gebräuchlich. In Deutschland nehmen laut Robert-Koch-Institut nur rund 7,3 Prozent der Migränepatienten Triptane ein.

Weitere Migränemittel

  • Ergotika: Ergotika waren laut Studie dreimal wirksamer als Ibuprofen.
  • Ditane: Eine Weiterentwicklung sind die Ditane, die nur an einem bestimmten Serotonin-Rezeptor andocken und die Adern nicht verengen.
  • Gepante: Ebenfalls neu zur Migränebehandlung zugelassen sind Gepante - Medikamente, die ähnlich wie manche Antikörperpräparate die Freisetzung des Botenstoffs CGRP im Gehirn hemmen. Dieser wirkt gefäßerweiternd und entzündungsfördernd und gilt als wichtiger Akteur beim Entstehen eines Migräneanfalls.

Vergleichsstudie der Harvard Medical School

In einer Metaanalyse haben Forscher der Harvard Medical School in Boston (USA), der Universität in Oxford (UK), der Universität in Kopenhagen (Dänemark) und der Universität in Duisburg-Essen die Ergebnisse von 137 Studien mit insgesamt 89.445 Patienten ausgewertet. Das Ergebnis: Die Gruppe der Triptane wirken am schnellsten und effektivsten gegen die Migränekopfschmerzen - deutlich besser als neuere Medikamente, die beispielsweise am sogenannten CGRP-Rezeptor im Gehirn andocken. Gegen ein Wiederaufflammen der Schmerzen erwies sich neben den Triptanen auch das Schmerzmittel Ibuprofen als wirksam.

„Eletriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan hatten die besten Wirkungsprofile und waren effektiver als die neu vermarkteten Medikamente Lasmaditan, Rimegepant und Ubrogepant“, berichten Karlsson und seine Kollegen.

Allerdings sind gerade die Triptane bisher kaum gebräuchlich. „Trotz ihrer geringen Kosten und balancierten Effektivität und Tolerabilität werden Triptane zu wenig eingesetzt“, schreiben Karlsson und seine Kollegen. In Deutschland nehmen laut RKI nur rund 7,3 Prozent der Migränebetroffenen Triptane ein.

Wichtige Hinweise zur Einnahme von Migränemedikamenten

  • Migräne-Tabletten sollten Sie nicht zu oft nehmen, weil eine Überdosierung medikamenteninduzierten Kopfschmerz verursachen kann.
  • Generell sollten Sie Schmerzmittel, aber auch Triptane nicht häufiger als zehnmal pro Monat einnehmen, maximal an drei Tagen hintereinander.
  • Wie schnell ein Medikament wirkt, hängt vom Wirkstoff ab. ASS braucht etwa 20 bis 60 Minuten, Paracetamol 30 bis 60 Minuten. Besonders schnell wirkt die Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein: Schon innerhalb der ersten Viertelstunde können die Schmerzen nachlassen. Bei Sumatriptan-Tabletten zum Beispiel können Sie schon nach einer halben Stunde eine Besserung spüren. Rizatriptan braucht etwa eine Stunde, bis es seine maximale Wirkung entfaltet.
  • Grundsätzlich werden Schwangeren wegen möglicher Gefahren für das ungeborene Kind von der Einnahme von Schmerzmitteln abgeraten. Falls die Schmerzen sehr stark sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt - einige Mittel gelten zu bestimmten Phasen der Schwangerschaft nach Ansicht von Experten als weitgehend unbedenklich. Das gilt nach Angaben von Embryotox zum Beispiel für Paracetamol.

Migräneprophylaxe

Falls Sie häufigere Migräne-Attacken haben, sollten Sie Ihren Arzt nach einer Migräne-Prophylaxe fragen. Er kann Ihnen zum Beispiel Betablocker wie Propanolol und Metoprolol, Kalziumkanalblocker wie Flunarizin sowie Antiepileptika wie Valproat und Topiramat verschreiben. Die Prophylaxe hat zum Ziel, die Häufigkeit der Attacken und deren Intensität so weit zu verringern, dass die Migräne künftig mit normalen Akut-Medikamenten behandelt werden kann. Allerdings ist es möglich, dass der erste Wirkstoff, der Ihnen verschrieben wurde, noch nicht der richtige für Sie ist. Sprechen Sie Ihren Arzt an, wenn Sie keine Verbesserung merken.

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Selbstmedikation mit Naratriptan

Naratriptan wird häufig in der Selbstmedikation bei Migräne angewendet, doch worauf muss geachtet werden?

  • Bei apothekenpflichtigen Triptanen gilt eine Anwendungsbeschränkung für Personen über 65 Jahren. In diesem Fall ist deshalb keine Selbstmedikation mit dem Triptan möglich. Zudem sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Eigendiagnose „Migräne“ bestätigen zu lassen.
  • Aufgrund der gefäßverengenden Wirkung sollten auch Patienten mit Durchblutungsstörungen, Bluthochdruck oder koronarer Herzkrankheit keine Triptane ohne ärztliche Rücksprache einnehmen.
  • Vorsicht auch bei der Kombination mit Johanniskraut! Beide Substanzen erhöhen den Serotoninspiegel und können deshalb bei gemeinsamer Einnahme zu einem Serotonin-Syndrom führen.
  • Der Wirkstoff Naratriptan wirkt nur, wenn es sich um einen Migräneanfall handelt, und hat bei „normalen Kopfschmerzen“ keinerlei Wirkung. Zeigt die erste Tablette keine Wirkung, sollte die zweite Tablette gar nicht erst eingenommen werden. Der Kopfschmerz sollte dann mit einer klassischen Schmerztablette behandelt und die Diagnose „Migräne“ erneut von einem Arzt abgeklärt werden. Frühestens vier Stunden nach der Einnahme der ersten Tablette kann die zweite eingenommen werden.

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