Opipramol: Anwendung, Wirkung und Risiken

Opipramol ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Sedativa/Anxiolytika, der zur Behandlung von Angst-, Erregungs- und Spannungszuständen sowie somatoformen Störungen eingesetzt wird. Es wirkt sedierend, angstlösend und geringgradig stimmungsaufhellend. Die sedierende Wirkung tritt vor der stimmungsaufhellenden Wirkung in Erscheinung. Opipramol ist verschreibungspflichtig und darf nur auf ärztliche Anweisung angewendet werden.

Anwendungsgebiete von Opipramol

Opipramol wird hauptsächlich bei folgenden Erkrankungen eingesetzt:

  • Generalisierte Angststörung: Hierbei handelt es sich um einen pathologischen Zustand, bei dem der Patient in alltäglichen Situationen ohne tatsächliches Korrelat Angst hat. Die Angst ist nicht an bestimmte Situationen gebunden, sondern herrscht fortwährend an.
  • Somatoforme Störungen: Dies sind neuropsychiatrische Erkrankungen, bei denen es zu körperlichen Krankheitssymptomen ohne entsprechendes organisches Korrelat kommt. Die Symptome können sehr vielseitig sein, wie Missempfindungen, Kopfschmerzen, Herzbeschwerden oder Beschwerden im Magen-Darm-Trakt.

Darreichungsformen und Dosierung

Opipramol ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich:

  • Überzogene Tabletten mit 50 mg Opipramoldihydrochlorid
  • Filmtabletten mit 50 mg, 100 mg oder 150 mg Opipramoldihydrochlorid
  • Tropfen mit 100 mg/ml Opipramoldihydrochlorid

Die Dosierung wird in der Regel vom Arzt langsam erhöht und auf eine für den Patienten passende Erhaltungsdosis eingestellt. Die Gesamtdosis sollte nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker überschritten werden. Die Anwendungsdauer richtet sich nach Art der Beschwerde und/oder Dauer der Erkrankung und wird vom Arzt bestimmt.

Übliche Dosierung für Erwachsene (Tabletten):

In der Regel 200 mg Opipramoldihydrochlorid täglich, verteilt auf drei Einzeldosen:

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  • 50 mg morgens
  • 50 mg mittags
  • 100 mg abends

Abhängig von der Wirksamkeit und Verträglichkeit kann die Dosis nach Rücksprache mit dem Arzt auf bis zu 1- oder 2-mal täglich 50 mg (vorzugsweise abends) verringert oder auf bis zu 3-mal täglich 100 mg gesteigert werden. Unter ärztlicher Aufsicht kann die Dosis für Erwachsene auf bis zu 6 Tabletten pro Tag erhöht werden.

Übliche Dosierung für Erwachsene (Tropfen):

In der Regel morgens und mittags je 0,5 ml Lösung und abends 1 ml Lösung (200 mg Opipramoldihydrochlorid/Tag). Die Dosis kann nach Rücksprache mit dem Arzt abhängig von Wirksamkeit und Verträglichkeit auf bis zu 1-mal täglich 0,5 bis 1 ml Lösung (50 bis 100 mg Opipramoldihydrochlorid/Tag), vorzugsweise abends, verringert bzw. auf bis zu 3-mal täglich 1 ml Lösung (300 mg Opipramoldihydrochlorid/Tag) gesteigert werden.

Die Tabletten/Dragees werden unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit zu oder nach den Mahlzeiten eingenommen. Die Tropfen werden in etwas Flüssigkeit (Wasser, Fruchtsaft) zu oder nach den Mahlzeiten eingenommen.

Gegenanzeigen

Opipramol darf nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Opipramol oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels sowie gegenüber trizyklischen Antidepressiva
  • Einnahme von MAO-Hemmern
  • Akuten Alkohol-, Schlafmittel-, Analgetika- oder Psychopharmakavergiftungen
  • Akuten Delirien
  • Akutem Harnverhalten
  • Prostatahyperplasie mit Restharnbildung
  • Paralytischem Ileus (Darmverschluss)
  • Unbehandeltem Engwinkelglaukom (grüner Star)
  • Bestimmten Schädigungen des Herzens (vorbestehende höhergradige AV-Blockierungen oder diffuse supraventrikuläre oder ventrikuläre Reizleitungsstörungen)
  • Instabiler Epilepsie

Unter Umständen ist besondere Vorsicht geboten, und die Einnahme sollte nur nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen bei:

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  • Blutbildungsstörungen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Erregungsleitungsstörungen am Herzen
  • AV-Block
  • Verlängerung der QT-Dauer im EKG
  • Pulserniedrigung
  • Durchblutungsstörung der Hirngefäße
  • Delirium (Verwirrtheitszustand)
  • Neigung zu Krampfanfällen, wie bei Epilepsie, Hirnschäden oder Alkoholmissbrauch
  • Störungen des Salzhaushaltes, wie Kaliummangel
  • Eingeschränkter Nierenfunktion
  • Prostatavergrößerung
  • Eingeschränkter Leberfunktion
  • Engwinkelglaukom

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Reaktionsvermögen: Opipramol kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigen, insbesondere in höheren Dosierungen oder in Kombination mit Alkohol. Daher ist Vorsicht geboten beim Bedienen von Maschinen und im Straßenverkehr.
  • Alkohol: Während der Behandlung mit Opipramol sollte auf Alkoholkonsum verzichtet werden, da dies zu Benommenheit führen kann.
  • Absetzen: Ein plötzliches Absetzen von Opipramol kann zu Problemen oder Beschwerden führen. Die Behandlung sollte langsam, das heißt mit einem schrittweisen Ausschleichen der Dosis, beendet werden.
  • Wechselwirkungen: Es kann zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln kommen. Vor der Behandlung mit einem neuen Arzneimittel sollte der Arzt oder Apotheker über alle anderen eingenommenen Medikamente informiert werden.
  • Suizidales Risiko: Im Zusammenhang mit der Einnahme von Opipramol wurde über Suizidversuche berichtet. Patienten mit depressiven Erkrankungen sollten daher während der Behandlung engmaschig überwacht werden.
  • Blutbildveränderungen: Sehr selten kann es zu Blutbildveränderungen (Neutropenie, Agranulozytose) kommen. Bei Auftreten von Fieber, grippalen Infekten und Angina sollte das Blutbild kontrolliert werden.
  • Herzrhythmusstörungen: Während der Behandlung mit Opipramol können bestimmte Herzrhythmusstörungen auftreten (Verlängerung des QT-Intervalls im EKG).
  • Kinder und Jugendliche: Opipramol sollte in der Regel bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht angewendet werden.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Opipramol sollte während der Schwangerschaft, insbesondere in den ersten drei Monaten, nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt angewendet werden. In der Stillzeit sollte Opipramol nicht angewendet werden, da der Wirkstoff in geringen Mengen in die Muttermilch übertritt.

Nebenwirkungen

Wie alle Arzneimittel kann Opipramol Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.

Häufige Nebenwirkungen sind:

  • Verstopfung
  • Mundtrockenheit
  • Durstgefühl
  • Gewichtszunahme
  • Schwindel
  • Benommenheit
  • Müdigkeit
  • Zittern
  • Sehstörungen (Störung der Nah- und Ferneinstellung des Auges)
  • Gefühl der "verstopften Nase"
  • Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut (Hautausschlag, Nesselausschlag)
  • Orthostatische Hypotonie (Kreislaufstörungen aufgrund niedrigen Blutdrucks)
  • Pulsbeschleunigung
  • Herzklopfen
  • Störungen beim Wasserlassen
  • Leberfunktionsstörungen (Anstieg der Leberwerte)
  • Störungen der Sexualfunktion

Bemerken Sie eine Befindlichkeitsstörung oder Veränderung während der Behandlung, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Bei gleichzeitiger Einnahme von Opipramol und anderen Arzneimitteln kann es zu Wechselwirkungen kommen.

  • Zentral dämpfende Arzneimittel: Die gleichzeitige Einnahme von Neuroleptika, Hypnotika, Tranquilizern, Barbituraten, Benzodiazepinen, systemischen Anästhetika oder Alkohol kann die zentraldämpfende Wirkung von Opipramol verstärken.
  • Anticholinergika: Die Wirkung von starken Anticholinergika, wie z.B. Antiparkinsonmittel und bestimmten Neuroleptika (Phenothiazinen), kann verstärkt werden.
  • Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmstoffe: Die gleichzeitige Behandlung mit Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmstoffen kann zu zusätzlichen Wirkungen (additiven Effekten) auf das serotonerge System führen.
  • MAO-Hemmer: Opipramol darf nicht zusammen mit MAO-Hemmern angewendet werden. Zwischen der Einnahme von MAO-Hemmern und Opipramol muss ein Abstand von mindestens 14 Tagen liegen.
  • Betablocker, Antiarrhythmika: Die gleichzeitige Anwendung von Betablockern, Antiarrhythmika der Klasse Ic sowie Medikamenten aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva und Präparaten, die ein bestimmtes Abbausystem der Leber beeinflussen, kann zur Veränderung der Plasmakonzentration dieser Arzneimittel und von Opipramol führen.
  • Barbiturate, Medikamente gegen epileptische Anfälle: Barbiturate und Medikamente gegen epileptische Anfälle können die Plasmakonzentration von Opipramol senken und damit den therapeutischen Effekt abschwächen.
  • Neuroleptika: Die gleichzeitige Einnahme von Neuroleptika kann die Plasmakonzentration von Opipramol erhöhen.
  • Cimetidin: Cimetidin kann die Plasmakonzentration von trizyklischen Substanzen erhöhen.
  • Arzneimittel, die das QT-Intervall verlängern: Die gleichzeitige Anwendung von Arzneimitteln, die das QT-Intervall verlängern, sollte vermieden werden, da dies das Risiko für Herzrhythmusstörungen erhöhen kann.
  • Fluoxetin, Fluvoxamin: Unter Fluoxetin und Fluvoxamin kann es zu einer Erhöhung der Plasmakonzentrationen trizyklischer Psychopharmaka und in Verbindung damit zu einer Verstärkung der Nebenwirkungen kommen.
  • CYP3A4-Inhibitoren: CYP3A4-Inhibitoren können den Abbau von Opipramol verlangsamen und somit die Plasmakonzentration erhöhen. Zu diesen Inhibitoren gehören u.a. Erythromycin, Clarithromycin, Ketoconazol, Itraconazol, Ritonavir und Grapefruitsaft.
  • CYP3A4-Induktoren: CYP3A4-Induktoren können den Abbau von Opipramol beschleunigen und somit die Plasmakonzentration senken. Zu diesen Induktoren gehören u.a. Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin und Johanniskraut.

Überdosierung

Eine Überdosierung von Opipramol kann zu Vergiftungserscheinungen führen, wie:

Lesen Sie auch: Anwendung von Opipramol

  • Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit
  • Benommenheit, Unruhe
  • Koma, Erstarrung (Stupor)
  • Vorübergehende Verwirrtheitszustände
  • Verstärkte Angst
  • Koordinationsstörungen (Ataxie)
  • Krämpfe
  • Störungen beim Wasserlassen (Oligurie, Anurie)
  • Herz-Kreislauf-Störungen (Tachy-/Bradykardie, Arrhythmie, AV-Block, Hypotonie)
  • Schock
  • Atemdepression
  • Selten Herzstillstand

Bei Verdacht auf eine Überdosierung sollte umgehend ein Arzt kontaktiert oder die Notfallstation des nächstgelegenen Krankenhauses aufgesucht werden.

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