Ein Gehirntumor bei einem Kind zu diagnostizieren, ist eine erschütternde Erfahrung für die ganze Familie. Es ist wichtig zu wissen, dass es verschiedene Arten von Hirntumoren gibt, die sich in ihrem Wachstum, ihrer Behandlung und ihrer Prognose unterscheiden. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Überlebenschancen von Kindern mit Hirntumoren, die verschiedenen Tumorarten und die Faktoren, die die Prognose beeinflussen.
Primäre Hirntumoren im Kindesalter
Primäre Hirntumoren sind Neubildungen, die im zentralen Nervensystem (ZNS) entstehen, d. h. im Gehirn oder Rückenmark. Im Vergleich zu anderen Krebsarten sind primäre Hirntumoren seltener und machen etwa 2 % aller Krebserkrankungen aus. Bei Kindern stehen Hirntumoren nach Leukämie an zweiter Stelle der Krebshäufigkeit.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen für die Entstehung von primären Hirntumoren sind weitgehend unbekannt. In den meisten Fällen treten sie sporadisch auf, ohne dass auslösende Faktoren erkennbar sind. Allerdings gibt es einige Risikofaktoren, die mit einem erhöhten Risiko für Hirntumoren in Verbindung gebracht werden:
- Genetische Faktoren: Seltene erbliche Tumorsyndrome können das Risiko für Hirntumoren erhöhen.
- Strahlung: Eine vorherige Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich kann das Risiko erhöhen, insbesondere bei Bestrahlungen im Kindes- und Jugendalter.
- Andere Faktoren: Elterliches Rauchen in der Schwangerschaft, niedriges Geburtsgewicht und die Exposition gegenüber bestimmten chemischen Stoffen werden als mögliche Risikofaktoren diskutiert.
Arten von Hirntumoren bei Kindern
Es gibt eine Vielzahl von Hirntumoren, die sich in ihrem Ursprung, ihrem Wachstumsverhalten und ihrer Prognose unterscheiden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Hirntumoren in vier Grade, wobei Grad I gutartigen, langsam wachsenden Tumoren mit günstiger Prognose entspricht und Grad IV hochmalignen, schnell wachsenden Tumoren mit ungünstiger Prognose.
Einige der häufigsten Hirntumoren bei Kindern sind:
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- Gliome: Gliome sind Tumoren, die von den Gliazellen ausgehen, den Stützzellen des Nervensystems. Es gibt verschiedene Arten von Gliomen, darunter Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome.
- Medulloblastome: Medulloblastome sind hochmaligne Tumoren, die im Kleinhirn entstehen. Sie sind die häufigsten bösartigen Hirntumoren im Kindesalter.
- Kraniopharyngeome: Kraniopharyngeome sind gutartige Tumoren, die in der Nähe der Hirnanhangsdrüse entstehen.
- Meningeome: Meningeome sind Tumoren, die von den Hirnhäuten ausgehen. Sie sind bei Kindern seltener als bei Erwachsenen.
Symptome
Die Symptome eines Hirntumors bei Kindern können je nach Art, Größe und Lage des Tumors variieren. Einige häufige Symptome sind:
- Kopfschmerzen: Insbesondere morgendliche oder schlafassoziierte Kopfschmerzen, die sich beim Husten oder Pressen verstärken.
- Übelkeit und Erbrechen: Insbesondere morgendliches Erbrechen ohne vorherige Übelkeit.
- Sehstörungen: Doppelbilder, verschwommenes Sehen oder Gesichtsfeldausfälle.
- Neurologische Ausfälle: Schwäche oder Lähmung einer Körperseite, Koordinationsprobleme oder Sprachschwierigkeiten.
- Verhaltensänderungen: Reizbarkeit, Müdigkeit oder Persönlichkeitsveränderungen.
- Epileptische Anfälle: Insbesondere neu aufgetretene Anfälle.
Diagnose
Wenn ein Arzt den Verdacht auf einen Hirntumor hat, wird er eine Reihe von Untersuchungen durchführen, um die Diagnose zu bestätigen und die Art und Ausdehnung des Tumors zu bestimmen. Diese Untersuchungen können umfassen:
- Neurologische Untersuchung: Beurteilung der Nervenfunktion, einschließlich Reflexe, Koordination und Sinneswahrnehmung.
- Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) des Gehirns, um den Tumor darzustellen.
- Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe des Tumors zur Untersuchung unter dem Mikroskop.
- Lumbalpunktion: Entnahme von Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit zur Untersuchung auf Tumorzellen.
Behandlung
Die Behandlung von Hirntumoren bei Kindern hängt von der Art, Größe, Lage und dem Grad des Tumors ab. Die Behandlung kann eine oder mehrere der folgenden Optionen umfassen:
- Operation: Entfernung des Tumors, wenn möglich.
- Strahlentherapie: Einsatz von hochenergetischen Strahlen, um Tumorzellen abzutöten.
- Chemotherapie: Einsatz von Medikamenten, um Tumorzellen im ganzen Körper abzutöten.
- Gezielte Therapie: Einsatz von Medikamenten, die spezifische Merkmale von Tumorzellen angreifen.
- Immuntherapie: Einsatz des Immunsystems, um Tumorzellen zu bekämpfen.
Überlebenschancen bei Hirntumoren im Kindesalter
Die Überlebenschancen bei Hirntumoren im Kindesalter hängen von einer Reihe von Faktoren ab, darunter:
- Art des Tumors: Einige Tumorarten haben eine bessere Prognose als andere.
- Grad des Tumors: Niedriggradige Tumoren haben in der Regel eine bessere Prognose als hochgradige Tumoren.
- Lage des Tumors: Tumoren in bestimmten Bereichen des Gehirns können schwieriger zu behandeln sein.
- Ausdehnung des Tumors: Tumoren, die sich bereits ausgebreitet haben, haben in der Regel eine schlechtere Prognose.
- Alter des Kindes: Jüngere Kinder haben möglicherweise eine schlechtere Prognose als ältere Kinder.
- Allgemeiner Gesundheitszustand des Kindes: Kinder mit einem guten allgemeinen Gesundheitszustand haben in der Regel eine bessere Prognose.
- Ansprechen auf die Behandlung: Tumoren, die gut auf die Behandlung ansprechen, haben eine bessere Prognose.
Statistische Überlebensraten
Die statistischen Überlebensraten für Kinder mit Hirntumoren variieren je nach Tumorart und anderen Faktoren. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Zahlen nur Schätzungen sind und die tatsächliche Überlebensrate eines einzelnen Kindes variieren kann.
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- Niedriggradige Gliome: Die Überlebenschancen von Kindern und Jugendlichen mit einem niedriggradigen Gliom sind in den meisten Fällen sehr gut. Nach einer vollständigen Tumorentfernung haben Patienten mit niedrigmalignen Gliomen des Großhirns und Kleinhirns eine sehr gute Prognose, denn das Risiko, einen Krankheitsrückfall zu erleiden, ist gering: Als Langzeitüberlebensraten werden bis zu 100 % angegeben.
- Medulloblastome: Die 5-Jahres-Überlebensrate für Kinder mit Medulloblastomen liegt bei etwa 70-80 %.
- Hochgradige Gliome: Die Prognose für Kinder mit hochgradigen Gliomen ist ungünstiger. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwa 20-30 %.
Aktuelle Forschung und vielversprechende Entwicklungen
Die Forschung im Bereich der Hirntumoren bei Kindern schreitet stetig voran. Es gibt eine Reihe von vielversprechenden Entwicklungen, die die Überlebenschancen von Kindern mit Hirntumoren verbessern könnten:
- Neue Therapien: Es werden ständig neue Therapien entwickelt, darunter gezielte Therapien, Immuntherapien und Gentherapien.
- Verbesserte Diagnostik: Fortschritte in der Diagnostik ermöglichen eine frühere und genauere Diagnose von Hirntumoren.
- Personalisierte Medizin: Die Entwicklung der personalisierten Medizin ermöglicht eine individuellere Behandlung von Hirntumoren, die auf die spezifischen Merkmale des Tumors und des Patienten zugeschnitten ist.
- Lucas aus Belgien: Der Fall eines 13-jährigen Jungen aus Belgien, der einen besonders aggressiven Hirntumor (Diffuses intrinsisches Ponsgliom, DIPG) überlebt hat, hat neue Hoffnung auf Behandlungsansätze geweckt. Seine Heilung wird nun untersucht, um zukünftig erfolgreichere Therapien zu entwickeln.
Wichtiger Hinweis
Es ist wichtig zu beachten, dass die oben genannten Überlebensraten statistische Größen sind. Sie stellen nur für die Gesamtheit der an dieser Form der Hirntumoren erkrankten Patienten eine wichtige und zutreffende Aussage dar. Ob der einzelne Patient geheilt werden kann oder nicht, lässt sich aus der Statistik nicht vorhersagen.
Leben mit einem Hirntumor
Ein Hirntumor kann das Leben eines Kindes und seiner Familie stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, eine gute medizinische Versorgung zu erhalten und sich von Familie, Freunden und Selbsthilfegruppen unterstützen zu lassen.
Rehabilitation
Nach der Behandlung eines Hirntumors benötigen viele Kinder eine Rehabilitation, um ihre körperlichen, kognitiven und emotionalen Fähigkeiten wiederzuerlangen. Die Rehabilitation kann Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und neuropsychologische Therapie umfassen.
Nachsorge
Auch nach Abschluss der Behandlung ist eine regelmäßige Nachsorge wichtig, um mögliche Rückfälle oder Spätfolgen der Behandlung frühzeitig zu erkennen. Die Nachsorge kann regelmäßige neurologische Untersuchungen, bildgebende Verfahren und neuropsychologische Tests umfassen.
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Unterstützung
Es gibt viele Organisationen, die Kinder mit Hirntumoren und ihre Familien unterstützen. Diese Organisationen können Informationen, emotionale Unterstützung und finanzielle Hilfe anbieten.
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