Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheit oder Schmerzen können sehr belastend sein. Eine häufige Ursache für solche Beschwerden ist die Einklemmung oder Schädigung von Nerven. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Nervenproblemen und geht insbesondere auf die Behandlung mit Salben ein.
Ursachen und Symptome von Nervenproblemen
Missempfindungen der Haut können vielfältige Ursachen haben. Empfindungen wie Kribbeln, Pelzigkeit oder Ameisenlaufen werden als Parästhesie bezeichnet, was wörtlich "Fehlempfindung" bedeutet. Sind die Missempfindungen unangenehm bis schmerzhaft, ohne dass es einen offensichtlichen Grund für die Schmerzen gibt, handelt es sich definitionsgemäß um Dysästhesien. Steht das Taubheitsgefühl im Vordergrund, spricht man von einer Hypästhesie oder verminderter Berührungsempfindlichkeit. Das Gegenteil der Hypästhesie ist die Hyperästhesie - eine erhöhte Empfindlichkeit der Haut gegenüber verschiedenen Sinnesreizen, z. B. Berührung, Druck oder Temperatur.
Als Ursache kommt jede Schädigung von Nerven in Frage, sei es durch Verletzungen, Druck, Stoffwechselerkrankungen, Durchblutungsstörungen, Infektionen oder andere Erkrankungen.
Einige spezifische Symptome und mögliche Ursachen sind:
- Plötzliches Taubheitsgefühl und Kribbeln im Mundbereich, an Armen und Beinen; Verkrampfung der Hände.
- Taubheitsgefühl und/oder Missempfindungen an der Daumenseite der Hand, eventuell mit Ausbreitung auf den Arm. Dies kann auf das Karpaltunnelsyndrom hindeuten.
- Taubheitsgefühl und/oder Missempfindungen an der Kleinfingerseite der Hand, im Bereich des 4. und 5. Fingers.
- Tiefsitzendes Kribbeln, Zuckungen und heftiger Bewegungsdrang in den Beinen, eventuell auch in den Armen; Verschlechterung in Ruhephasen.
- Taubheitsgefühle und Beinschmerzen vor allem bei längerem Gehen; blasse und kühle Füße oder Zehen; Wundheilungsstörungen.
- Taubheitsgefühl, Kribbeln und/oder Schmerzen am inneren Fußrand, besonders nachts und bei Belastung. Dies kann auf das Tarsaltunnelsyndrom hindeuten.
- Plötzliches, vorübergehendes Taubheitsgefühl und/oder Missempfindungen, oft halbseitig; eventuell Kopfschmerzen; eventuell Lähmungen.
- Über Minuten bis Stunden zunehmendes Taubheitsgefühl und/oder Missempfindungen mit Kopfschmerzen, meist halbseitig.
- Über Stunden bis Tage zunehmendes Taubheitsgefühl und/oder Missempfindungen ohne Kopfschmerzen.
- Über Stunden bis Tage zunehmendes Taubheitsgefühl und/oder Missempfindungen mit Kopfschmerzen und Fieber, meist Bewusstseinstrübung.
- Über Wochen bis Monate zunehmendes Taubheitsgefühl und/oder Missempfindungen, eventuell Lähmungserscheinungen. Dies kann auf Multiple Sklerose, Polyneuropathie, Gehirntumor, Rückenmarktumor, chronische Subduralblutung oder Kollagenosen hindeuten.
- Taubheitsgefühl und/oder Missempfindungen an Armen oder Beinen nach Unfall oder Verletzung.
- Taubheitsgefühl und/oder Missempfindungen mit Rückenschmerzen, meist Schmerzen im betroffenen Arm oder Bein.
- Anfallartiges Ameisenlaufen auf der Haut.
- Berührungshalluzinationen.
- Medikamentennebenwirkung.
Das Karpaltunnelsyndrom: Eine häufige Ursache für Nervenbeschwerden
Das Karpaltunnelsyndrom (KTS) ist ein Zustand, bei dem ein Nerv im Bereich des Handgelenks im Karpaltunnel eingeklemmt wird, was zu einer Beeinträchtigung seiner Funktion und einer Reihe von Beschwerden führt. Dieser Zustand verursacht Schmerzen, Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle in den Händen, normalerweise im Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und in der Hälfte des Ringfingers.
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Der Karpaltunnel ist ein Durchgang vom Unterarm zur Handfläche, der von Handwurzelknochen und Bändern begrenzt wird. Durch diesen Tunnel verlaufen einige Nerven, Blutgefäße und Sehnen. Das Karpaltunnelsyndrom wird durch Druck auf den Nervus medianus verursacht. Diese Einklemmung des wichtigen Nervs kann verschiedene Ursachen haben. Einige Personen können einen kleineren oder engeren Karpaltunnel als andere haben. Auch genetische Faktoren können eine Rolle spielen. Probleme mit verengtem Karpaltunnel betreffen Frauen dreimal häufiger als Männer, daher ist das weibliche Geschlecht ebenfalls ein Risikofaktor. Das Karpaltunnelsyndrom in der Schwangerschaft steht im Zusammenhang mit der Flüssigkeitsansammlung im Körper während dieser Zeit und dem Anschwellen der Bänder im Handgelenk.
Die Symptome des Karpaltunnelsyndroms müssen genau untersucht werden. Dabei kommen verschiedene Untersuchungsmethoden zum Einsatz. Ein einfacher Test ist das Zusammenpressen der Handrücken, wobei die Finger nach unten zeigen und die Unterarme parallel zum Boden sind. Bleiben Sie mindestens eine Minute lang in dieser Position. Wenn Sie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder brennende Schmerzen verspüren, haben Sie wahrscheinlich ein Karpaltunnelsyndrom.
Das Tarsaltunnelsyndrom: Eine ähnliche Erkrankung im Fuß
Als Entsprechung des Karpaltunnelsyndroms im Fuß kann das Tarsaltunnelsyndrom betrachtet werden. Beim Tarsaltunnelsyndrom ist der Schienbein-Nerv (Nervus tibialis) im Bereich des Sprunggelenks gereizt oder geschädigt. Ursache ist eine Einengung des sogenannten Tarsaltunnels, der sich in der Nähe des Sprunggelenkes befindet. Das führt zu Druckschäden am Nerv. Die Folge sind Missempfindungen wie Kribbeln und Schmerzen im Vorfuß.
Behandlungsmöglichkeiten bei Nervenproblemen
Die Behandlung von Nervenproblemen hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Symptome ab.
Konservative Behandlung
- Anpassung des Lebensstils:
- Sitzposition überprüfen: Vermeiden Sie langes Sitzen mit gekreuzten Beinen, da dies die Blutversorgung stören oder gar Nerven quetschen kann. Wechseln Sie immer wieder die Sitzposition und stehen Sie beim ersten Kribbeln sofort auf.
- Lockere Kleidung und Schuhe: Vermeiden Sie zu enge Kleidung oder Schuhe, die die Blutzufuhr abschnüren könnten.
- Ergonomie am Arbeitsplatz: Richten Sie Ihre Arbeitsumgebung so ein, dass sie bequem ist und Sie keine unnatürlichen Bewegungen machen müssen.
- Überanstrengung vermeiden: Die häufigste Ursache für das Karpaltunnelsyndrom ist Überlastung.
- Durchblutung ankurbeln: Alles, was den Kreislauf in Schwung bringt und den Blutfluss anregt, kann helfen. Sorgen Sie für ausreichend Bewegung, etwa durch flotte Spaziergänge oder Radfahren. Kräftigungs-, aber auch Dehnübungen steigern die Durchblutung noch zusätzlich. Stehen Sie auch bei sitzenden Tätigkeiten immer wieder zwischendurch auf und gehen Sie herum, damit das Blut nicht in den Beinen "versackt".
- Gefäße gesund halten: Gesunde Blutgefäße sind die Voraussetzung für eine gute Durchblutung. Vermeiden Sie Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht oder Bewegungsarmut.
- Körperbewusstsein trainieren: Entstehen Taubheitsgefühle im Rahmen von Panikattacken oder als Ausdruck einer psychischen Störung, helfen eventuell Übungen zur Verbesserung des Körperbewusstseins. Mit Techniken wie Yoga oder dem Body Scan trainieren Sie, Ihre Aufmerksamkeit auch über einen längeren Zeitraum auf Ihren Körper zu richten und sich intensiver zu spüren.
- Physiotherapie: Übungen in Zusammenarbeit mit einem Physiotherapeuten können sinnvoll sein. Auch eine sanfte Massage der Fußsohle (zum Beispiel mit einem Igelball) verschafft möglicherweise Linderung, da hierdurch die Durchblutung und der Stoffwechsel angeregt werden.
- Schienen und Bandagen: Handgelenksschienen oder Orthesen können beim Karpaltunnelsyndrom hilfreich sein. Auch Schienen (Orthesen) oder Bandagen eignen sich in einigen Fällen für den Einsatz beim Tarsaltunnelsyndrom. In der Regel mindert man dadurch den Druck und die Beweglichkeit und entlastet damit den betroffenen Nerv. Es ist außerdem möglich, das Fußgelenk zu "tapen", um eine bessere Stabilität und eine Entlastung des Fußgelenks zu bewirken.
- Medikamente: Kurzfristig können Schmerzmittel (nichtsteroidale Antirheumatika) eingenommen werden. Kortison kann Entzündungsprozesse hemmen und zum schnelleren Abschwellen des umliegenden Gewebes führen. Bei Nervenschmerzen können auch Antidepressiva und Medikamente gegen Krampfanfälle (Epilepsie), sogenannte Antikonvulsiva, eingesetzt werden.
- Nahrungsergänzungsmittel: Nahrungsergänzungsmittel mit den Vitaminen B12, B6 und Omega-3-Fettsäuren können unterstützend wirken.
- Homöopathie: Für die Behandlung der Symptome des Tarsaltunnelsyndroms sind homöopathische Produkte, beispielsweise gegen Nervenschmerzen, erhältlich.
Salben zur Behandlung von Nervenschmerzen
In Apotheken und Arztpraxen fragen Patienten oft nach „Hausmitteln“ gegen das Engpasssyndrom. Salben können eine wertvolle Ergänzung zur Behandlung von Nervenschmerzen sein.
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- Salben mit Menthol: Menthol kann Schmerzen lindern.
- Salben mit Kräuterextrakten: Verschiedene Kräuterextrakte können auf das Handgelenk und die Hand aufgetragen werden.
- Capsaicin-Creme: Capsaicin, der Wirkstoff aus Chilischoten, hat sich in Form von Capsaicin-Pflastern auf der Haut in Studien als erfolgversprechendes Mittel gegen Polyneuropathie erwiesen. Es betäubt nicht nur den schmerzenden Bereich und steigert die Durchblutung, sondern scheint sogar die Neubildung kleiner Nervenfasern anzuregen.
- Capsagamma® Dolor Creme: Diese Creme lindert leichte Fuß-/Unterschenkelschmerzen infolge einer schmerzhaften diabetischen Polyneuropathie. Der Wirkstoff Cayennepfefferfrüchte-Dickextrakt wirkt, indem er an der Hautstelle einen schmerzvermittelnden Botenstoff (Substanz P) aus Speicherbläschen ausschüttet. Dadurch treten zunächst brennende Schmerzen und Wärmegefühle ein. Da aber praktisch die gesamte verfügbare Menge an Substanz P auf einen Schlag verbraucht wird und der Körper einige Zeit braucht, um Nachschub zu bilden, ist man an der behandelten Stelle für diese Zeit unempfindlicher gegen Schmerzen. Außerdem regt Capsaicin durch Erweiterung kleinster Blutgefäße in der Haut die Durchblutung an.
Operation
Eine Operation wird durchgeführt, wenn alle andere Behandlungen nicht helfen oder die Symptome des Karpaltunnelsyndroms schwerwiegend sind. Ziel der Operation ist es, den Druck auf den Nerv im Handgelenk zu verringern und den Patienten von seinen Schmerzen zu befreien. Beim Tarsaltunnelsyndrom entfernt der Arzt das den Tarsaltunnel umgebende, straffe Band. In einigen Fällen spaltet er einen Teil der Nerven-Umhüllung. Knochenauswüchse oder Tumoren entfernt man ebenfalls chirurgisch.
Was Sie selbst tun können
- Bewegung: Bewegung ist das beste Mittel gegen eingeschlafene Hände und Füße. Oft reicht es schon, die Sitz- oder Liegeposition zu ändern, um die Hand oder den Fuß „aufzuwecken“.
- Massage: Wer den Prozess unterstützen möchte, kann die betroffene Gliedmaße massieren.
- Dehnübungen: Regelmäßige Dehnübungen können helfen, die Flexibilität zu verbessern und den Druck auf die Nerven zu verringern.
- Ernährung: Vermeiden Sie Lebensmittel, die Entzündungen fördern.
- Kühlen: Mitunter hilft es, die schmerzenden Stellen zu kühlen.
- Achten Sie auf Ihr Schuhwerk: Zu enge oder hohe, starre Schuhe wie Berg- oder Skischuhe lösen manchmal ein Tarsaltunnelsyndrom aus oder verstärken das Syndrom.
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