Parkinson-Patienten leiden unter Symptomen wie steifen Muskeln, verlangsamter Bewegung und unkontrollierbarem Zittern, abhängig vom Stadium der Erkrankung. Da die neurodegenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems bislang als unheilbar gilt, sind Therapieangebote, die die Lebensqualität der Betroffenen positiv beeinflussen können, von großer Bedeutung. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Reiki und anderen komplementären Ansätzen bei der Linderung von Parkinson-Symptomen, wobei sowohl evidenzbasierte Forschung als auch Erfahrungsberichte berücksichtigt werden.
Die APC-Vereinigung und Klangmassagen als integratives Angebot
Die APC (Associação Parkinson Carioca) ist eine Vereinigung von Menschen mit Parkinson mit etwa 90 Patienten. Ziel der Vereinigung ist es, physiotherapeutische Behandlungen anzubieten, Freizeitaktivitäten zu fördern und Selbsthilfegruppen mit Patienten, Angehörigen und Begleitern zu bilden. In dieser Vereinigung wurde im Juni 2017 die Peter Hess®-Klangmassage als integratives und komplementäres Angebot eingeführt und sehr positiv aufgenommen. Seitdem bieten Klangmassagepraktiker den Patienten einmal pro Woche Klangmassagen zur Entspannung an.
Regina Santos und Ursula Dannemann berichten, dass die Klangmassagen zur Steigerung der Lebensqualität von Menschen mit Parkinson beitragen können und durch ihre entspannende Wirkung helfen, Symptome zu lindern. Ihre Erfahrungen decken sich mit einer Untersuchung von Dr. Wilma Costa Souza. Die Klangmassage wird in der APC auf die Basis-Klangmassage beschränkt, um den allgemeinen Behandlungsprozess mit den Klängen zu unterstützen. Durch Vorsicht und Einfühlungsvermögen versuchen die Praktiker, ihren Klienten eine komfortable Zeit der Ruhe zu bieten, in der sie sich umsorgt und willkommen fühlen und sich frei aussprechen können. Im Vordergrund steht der Aufbau einer Vertrauensbeziehung, indem durch den Klang und die Schwingung der Schalen Entspannung ermöglicht und Momente der Ruhe und Harmonie für Körper, Geist und Seele angeboten werden.
Es wurde beobachtet, dass die Klangmassage weit über den Entspannungseffekt hinausgehen kann. Das Zittern während der Sitzung lässt nach, oft dauert dieser Effekt einige Stunden. Häufig kommen die Klienten mit einem mühsamen Gang, Rückenschmerzen und Schwierigkeiten, sich zu bücken, in den Raum. Nach der Klangmassage fallen ihnen die Bewegungen leichter, ihre Gangweise wirkt harmonischer und die Körperhaltung sicherer. Die Rückenschmerzen lassen nach. Zu Beginn ist oft ihre Stimme so leise, dass man sie kaum verstehen kann.
Forschungsprojekt zur Wirkung der Klangmassage
Im Jahr 2018 initiierte und führte die PHA Brasilien zusammen mit Dr. Wilma Costa Souza ein Forschungsprojekt durch, um die Wirkung der Klangmassage systematisch zu erfassen - vor allem in Hinblick auf Angst, Stress und Aktivitäten des täglichen Lebens. Neun Betroffene erhielten über zehn Wochen wöchentlich eine Klangmassage à 45 Minuten. Die Ergebnisse der Studie belegen erstmals positive Effekte der Klangmassage bei Parkinson.
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Das direkte Feedback der Studienteilnehmer war für Regina und Ursula besonders wichtig und hat sie in ihrer Arbeit bestätigt:
- „Die Klangmassage entspannt mich sehr, ich brauche keine Beruhigungstabletten mehr, die ich zweimal pro Tag nahm. Ich fühle mich sehr wohl, ich bin entspannter. Als ich zur APC-Vereinigung kam, war ich sehr angespannt und niedergeschlagen, mein Selbstwertgefühl war gesunken, ich stürzte oft. Jetzt fühle ich mich wohler in allen Aspekten. Ich bin fokussierter und glaube, dass die Klangmassage mich entspannt und dass sie zu den Ergebnissen der Behandlungen beiträgt. Meine Schrift war klein und jetzt ist sie normal."
- „Die Klangmassage hilft, meine Schmerzen zu lindern und die Muskeln zu entspannen. Ich schlafe besser, wache nachts nicht so oft auf, um auf die Toilette zu gehen, die Krämpfe kommen seltener vor."
- „Ich habe eingesehen, dass Parkinson eine Lebensweise ist. Ich habe entdeckt, dass ich anderen Parkinson-Patienten helfen kann. Zuerst habe ich mit Gott gestritten, habe aber gelernt, mit der Krankheit umzugehen. Parkinson öffnete Türen, die geschlossen waren. Ich fühle mich heute als eine bessere Person, an erster Stelle ist die Liebe und dann die Vernunft. Die Klangmassage spendet mir mehr Entspannung als andere Therapien. Ich spüre eine größere Ruhe, um den Problemen entgegenzutreten. Ich fühle mich ungefähr 50 % ruhiger."
Alle neun Personen berichten, dass sie sich entspannter fühlen, um den Schwierigkeiten des täglichen Lebens zu begegnen, und erkennen, dass sie Konfliktsituationen ausgewogener und konzentrierter erleben. Auch wenn die körperlichen Veränderungen durch die Klangmassage aufgrund des Zustandes einer degenerativen Erkrankung nicht lange anhalten, sind die Klangsitzungen für die Klienten und für die Klangmassagepraktiker wertvolle Momente.
Reiki als körperlich-mentale Energiearbeit
Reiki ist eine körperlich-mentale Energiearbeit, die beruhigend wie ausgleichend wirkt und vermag, weit in das Innere einzudringen. Der Begriff Reiki setzt sich aus den japanischen Wörtern Rei (Geist, Seele) und Ki (Lebensenergie) zusammen. Die Methode wurde von Mikao Usui (1865-1926) gegründet. Durch das sanfte Handauflegen auf bestimmte Körperstellen wie Brustkorb, Kopf oder Unterbauch wird Ki (Lebensenergie, auch Chi oder im Hinduismus Prana genannt) übertragen. Im Allgemeinen spricht man von sieben Hauptchakren, welche entlang der Körpermitte verlaufen. Jedes Chakra steht mit bestimmten Organen in Verbindung. Die Methode wird unabhängig von spirituellen oder religiösen Praktiken weltweit angewandt.
Reiki kann die Heilung unterstützen, indem es dem Menschen hilft, energetisch ins Gleichgewicht zu kommen - körperlich, emotional, geistig und spirituell. Es sollte jedoch keinesfalls als Ersatz für ärztliche Beratung oder Psychotherapie verwendet werden, sondern ergänze andere medizinische und therapeutische Behandlungen und könne die Wirksamkeit anderer Heilmethoden verstärken. Reiki kann Menschen auch dabei unterstützen, sich auf bevorstehende Operationen vorzubereiten.
Bei der Ausübung von Reiki fungieren die Praktizierenden als eine Art Bindeglied zwischen der behandelten Person und der Quelle der universellen Lebensenergie. Die zu behandelnde Person bestimmt dabei den Energiefluss, welcher durch die Hände strömt, indem sie nur den Teil davon annimmt, den sie benötigt. Eine Reiki-Behandlung dauert in der Regel etwa 50 Minuten. Während einer Sitzung liegt die zu behandelnde Person vollständig bekleidet auf einer Massageliege. Die Anwender halten ihre Hände mit den Handflächen nach unten auf bzw. über bestimmte Energiepunkte am Körper. Die Dauer, die die Hände in jeder Position belassen werden, hängt vom Energiefluss ab, der an jeder Stelle durch die Hände fließt. Die Energie kann in Form von Empfindungen wie Wärme, Kribbeln oder Pulsieren an den Stellen gespürt werden, an denen der Reiki-Praktiker seine Hände aufgelegt hat. Manchmal spüren die Menschen, wie sich die Empfindungen durch den ganzen Körper bewegen, während andere überhaupt keine Veränderung wahrnehmen.
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Naturheilkunde als ergänzende Möglichkeit
Die Naturheilkunde bietet Menschen mit Parkinson ergänzende Möglichkeiten zur Linderung von Symptomen, zur Stärkung des Immunsystems und zur Verbesserung der Lebensqualität. Sie ist eine Form der Medizin, die natürliche Mittel und Methoden verwendet, um Krankheiten zu behandeln und die Gesundheit zu fördern. Dazu gehören pflanzliche Heilmittel, Ernährungstherapie, Bewegung, Massage und andere traditionelle Heilverfahren.
Einige Beispiele für naturheilkundliche Ansätze bei Parkinson sind:
- Flohsamen: Die ballaststoffreichen Samen bestimmter Wegerichgewächse werden empfohlen, um den Verdauungsprozess vor allem bei Verstopfung zu normalisieren. Die Samenschalen bestehen zu etwa 85 Prozent aus löslichen und gelbildenden Ballaststoffen. In Wasser eingeweicht nehmen sie ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Flüssigkeit auf. Durch ihre Quellfähigkeit verbessern sie die Stuhlkonsistenz und -frequenz.
- Mariendistel: Die Arzneipflanze des Jahres in Österreich (2021) wird aufgrund ihrer wissenschaftlich belegten positiven Eigenschaften eingesetzt.
Akupunktur als Säule der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)
Akupunktur ist eine zentrale Säule der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), bei der in bestimmte Körperpunkte, die Akupunkturpunkte, feine Nadeln gestochen werden. Die „Nadelung“ soll gegen viele Beschwerden helfen, teils heilend, teils lindernd. Auf diese Weise lassen sich nicht nur Schmerzen mildern, sondern wohl auch das Gewicht reduzieren, eine Nikotinsucht bekämpfen oder Stressphänomene in den Griff bekommen. Der TCM zufolge behebt das Setzen der Akupunkturnadeln Störungen im Energiefluss: Blockaden lösen sich. Was genau an naturwissenschaftlichen Prinzipien hinter der Akupunkturwirkung steckt, ist bisher noch nicht vollständig geklärt.
Das Nadeln lindert nicht nur Schmerzen, es reguliert ebenso die Muskelspannung, nimmt Einfluss auf das Immun- und das vegetative Nervensystem sowie die Hormonkreisläufe, fördert die Durchblutung und wirkt ausgleichend auf die Psyche. All diese Symptome spielen - als Haupt- oder Nebenwirkungen der Erkrankung - auch bei Parkinson eine Rolle. Im Anschluss an die Anamnese wählt der Akupunkteur die Punkte aus und entscheidet, wie oft die Therapie durchgeführt werden soll - meist ein bis zwei Serien von je zehn bis zwölf Behandlungen in jeweils ein bis zwei Sitzungen wöchentlich. Mit dem Ziel einer größtmöglichen Entspannung während der Behandlung findet diese dann im Liegen statt.
Evidenzbasierte Medizin und ihre Grenzen
Die evidenzbasierte Medizin fordert Evidenzen (also Beweise) für die Wirksamkeit einer Therapie oder eines Medikaments bei einem gewissen Krankheitsbild. Ein Weg dazu kann beispielsweise so aussehen: Ein Arzt entdeckt bei seiner Arbeit (in der so genannten „therapeutischen“ oder „klinischen Praxis“), gewisse Zusammenhänge zwischen therapeutischen Handlungen und vorteilhaften Heilungsverläufen. Er wird diese dann gut dokumentieren, als Beobachtungen im Fachkollegium besprechen und Forschungsthesen daraus ableiten. Diese Thesen müssen nun in qualitativ hochwertigen, medizinischen Studien untersucht werden.
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Die Studie muss kontrolliert sein. Das heißt, dass die Wirkung der Behandlung in Bezug auf eine andere Gruppe von Patienten bestimmt werden muss. Die Studie muss randomisiert sein. Die Studie muss verblindet sein. Man unterscheidet einfache und doppelte Verblindung. In der ersten wissen die Patienten nicht, in welcher Gruppe sie sind. Es müssen weitere Randbedingungen erfüllt werden. So werden Studien von der Fachwelt nur anerkannt, wenn sie in Forschungsinstituten durchgeführt wurden. Die Teilnehmerzahl muss groß genug sein, um statistische Methoden anwenden zu können.
Selbst wenn eine Studie randomisiert-kontrolliert, doppelt verblindet und exzellent dokumentiert von Experten durchgeführt und in einem anerkannten Fachjournal veröffentlicht wurde, so wird dessen Ergebnis noch nicht vollständig anerkannt. Dies liegt an der verwendeten Statistik (und leider gibt es keine besseren wissenschaftliche Methoden). Die für die Untersuchung verwendeten statistischen Methoden gestatten Aussagen nur mit einem bestimmten Konfidenzintervall von meistens 95 %. Das bedeutet, dass bei vielen gleichartigen Studien dieser Art 95 % dieses Ergebnis zeigen werden, aber 5 % das Gegenteil zeigen werden. Es wurde aber nur eine Studie durchgeführt und daher weiß man nicht, ob das Ergebnis nun zu den 95 % oder den 5 % gehört. Es könnte sich also um eine echte Wirkung oder um ein so genanntes falsch-positives Ergebnis handeln. Um das zu unterscheiden werden Meta-Studien durchgeführt, wo viele Studien mit einem vergleichbaren Forschungsgegenstand nach gewissen Qualitätskriterien untersucht werden. Nur wenn Meta-Studien zeigen, dass ein medizinisch relevanter Effekt vorliegt (also die Mehrheit eine Wirkung zeigt), wird die Wirkung anerkannt. Bei der Auswahl der miteinzubeziehenden Studien wird auf die obigen Eigenschaften sehr genau geachtet. Ist eine Studie nicht doppelblind wird sie meistens nicht berücksichtigt.
Die Rolle des Placebo-Effekts
Der Placebo-Effekt bezeichnet die Tatsache, dass die Wirkung einer Therapie davon abhängt, ob der Patient eine gute Zuwendung vom Arzt bekommt oder nicht. Selbst wenn der Patient nicht weiß, ob er ein Medikament bekommt oder nicht, so wirkt auf ihn das Wissen des Arztes. Es ist unbestritten, dass es solche Placebo-Effekte gibt.
Ein anschauliches Beispiel ist hier die Parkinson-Krankheit. Fuente-Fernandez und andere haben bei Parkinson Erkrankten, die mit Placebos behandelt wurden festgestellt, dass deren Gehirne selbst das benötigte Dopamin herstellen. Einige Patienten waren sogar nahezu beschwerdefrei.
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