Parkinson: Ursachen, Symptome und Frühwarnzeichen

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Zittern, Muskelsteifheit und verlangsamte Bewegungen sind bekannte Symptome. Neuere Forschungen deuten jedoch darauf hin, dass es Anzeichen geben kann, die Jahrzehnte vor dem Auftreten der klassischen motorischen Symptome auf eine spätere Erkrankung hinweisen. Deutsche Forscher arbeiten intensiv an der Entwicklung effektiver Frühdiagnostikmethoden.

Frühe Anzeichen und Symptome

Eines der wichtigsten frühen Anzeichen für Parkinson könnte eine Anomalie während des Schlafs sein, insbesondere während der REM-Phase (Rapid Eye Movement). Normalerweise ist die Muskulatur während dieser Phase, in der intensive Träume auftreten, gelähmt. Bei Menschen mit einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) ist dieser Mechanismus gestört, was zu starken Bewegungen im Schlaf führt.

REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD)

Menschen mit RBD berichten oft von sehr intensiven, manchmal aggressiven Träumen, in denen sie kämpfen oder fliehen müssen. Diese Episoden sind nicht nur auffällig, sondern auch medizinisch relevant, da 80 bis 95 Prozent der Menschen mit RBD innerhalb von 10 bis 15 Jahren Parkinson oder eine Parkinson-Demenz entwickeln.

Klaus Berghoff, ein 65-jähriger Patient, bemerkte lebhafte Träume und vermehrte Bewegungen im Schlaf. Nachdem er seine Frau im Schlaf unabsichtlich geschlagen hatte, wurde RBD diagnostiziert. Solche aktionsgeladenen Träume, in denen sich Betroffene gegen Angriffe verteidigen, sind typisch für diese Störung.

Weitere frühe Anzeichen

Neben RBD können auch andere Symptome auf ein erhöhtes Parkinson-Risiko hindeuten:

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  • Veränderungen des Geruchssinns: Ein nachlassender oder veränderter Geruchssinn kann ein frühes Warnsignal sein.
  • Veränderungen im Schriftbild: Schwierigkeiten beim Schreiben oder eine Veränderung der Handschrift können auftreten.
  • Albträume: Regelmäßige Albträume, insbesondere im höheren Alter, könnten ein Hinweis sein.

Ursachen von Schlafstörungen bei Parkinson

Schlafstörungen sind ein häufiges Problem bei Parkinson, von dem bis zu 90 % der Betroffenen betroffen sind. Die Ursachen sind vielfältig und können in direkte und indirekte Faktoren unterteilt werden:

  • Parkinson-Symptome: Steifigkeit und Zittern können den Schlaf erheblich beeinträchtigen. Muskelsteifheit erschwert das Umdrehen im Schlaf und verhindert das Wiedereinschlafen.
  • Medikamente: Einige Parkinson-Medikamente können Schlafstörungen verursachen, darunter Halluzinationen, Albträume oder innere Unruhe. Dopamin-Agonisten sind ein Beispiel für Medikamente, die solche Nebenwirkungen haben können.
  • Restless-Legs-Syndrom (RLS): Unangenehme Missempfindungen in den Beinen, die sich durch Bewegung bessern, können ebenfalls den Schlaf stören.
  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD): Wie bereits erwähnt, führt RBD zu einem Ausleben von Träumen mit heftigen Bewegungen.
  • Nächtliche Blasenentleerung: Häufiger Harndrang in der Nacht kann den Schlaf unterbrechen.
  • Tagesmüdigkeit: Übermäßige Tagesmüdigkeit kann zu ungewollten Nickerchen führen, die den Nachtschlaf beeinträchtigen.
  • Negative Gedanken: Sorgen und Ängste können das Einschlafen erschweren.

Diagnose und Behandlung von Schlafstörungen

Die Diagnose von Schlafstörungen bei Parkinson umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten und seinen Angehörigen, um die Art und den Umfang der Schlafprobleme zu erfassen.
  • Fragebögen: Standardisierte Fragebögen können helfen, die Schlafqualität zu beurteilen.
  • Schlaflabor: In einigen Fällen, insbesondere bei Verdacht auf RBD, kann eine Untersuchung im Schlaflabor erforderlich sein, um Schlaf- und Muskelaktivitäten zu messen.

Die Behandlung von Schlafstörungen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:

  • Anpassung der Parkinson-Medikation: Die Dosierung oder Art der Medikamente kann angepasst werden, um Symptome wie Steifigkeit oder Halluzinationen zu reduzieren. Spezielle Medikamente mit verzögerter Wirkung können für die Nachtstunden sinnvoll sein.
  • Medikamente gegen RLS: Eisenpräparate oder andere Medikamente können bei RLS helfen.
  • Medikamente gegen RBD: Clonazepam und Melatonin können die Symptome der RBD lindern.
  • Schlafmaske: Bei Atemaussetzern kann eine Schlafmaske (CPAP-Gerät) erforderlich sein.
  • Schlafanstoßende Mittel: In einigen Fällen können schlafanstoßende Mittel in Betracht gezogen werden.
  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Entspannungstechniken, kognitive Verhaltenstherapie und eine gute Schlafhygiene können ebenfalls hilfreich sein.

Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose

Eine frühzeitige Diagnose von Parkinson ist entscheidend, da ein früher Therapiebeginn den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann. Obwohl es derzeit keine Medikamente gibt, die den Untergang von Nervenzellen verhindern können, können Therapien die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern.

Forschung zur Früherkennung

Forscher arbeiten an der Entwicklung zuverlässiger Testmethoden für die breite Frühdiagnostik. Am Universitätsklinikum Bonn wird beispielsweise ein System entwickelt, das motorische Auffälligkeiten innerhalb weniger Minuten in der Hausarztpraxis erfassen kann. Zudem werden digitale Übungen und Apps getestet, die zu mehr Aktivität anregen und eine Ergänzung zur medikamentösen Therapie darstellen könnten.

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Tipps für eine bessere Schlafhygiene

Unabhängig von spezifischen Schlafproblemen kann es hilfreich sein, die Schlafgewohnheiten zu überprüfen und anzupassen:

  • Einschlafroutine: Eine entspannende Routine vor dem Schlafengehen, wie ein warmes Bad oder eine Tasse Kräutertee, kann helfen, den Körper auf den Schlaf vorzubereiten.
  • Schlafzimmer: Das Schlafzimmer sollte ein ruhiger und dunkler Ort sein, der ausschließlich zum Schlafen genutzt wird. Die ideale Temperatur liegt zwischen 16 und 18 Grad Celsius.
  • Ernährung: Koffeinhaltige Getränke und schwere Mahlzeiten sollten vor dem Schlafengehen vermieden werden.
  • Sport: Regelmäßige körperliche Aktivität am Tag kann die Schlafqualität verbessern.
  • Vermeidung von Bildschirmen: Fernsehen, Computer und Mobiltelefone sollten in der Stunde vor dem Schlafengehen vermieden werden.

Zusammenhang zwischen Albträumen und Parkinson

Eine Studie der Universität Birmingham deutet darauf hin, dass häufige Albträume bei älteren Menschen ein frühes Warnsignal für Parkinson sein könnten. Die Studie ergab, dass ältere Männer, die regelmäßig Albträume hatten, ein doppelt so hohes Risiko hatten, innerhalb von fünf Jahren an Parkinson zu erkranken. Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Träume wichtige Informationen über die Gehirnstruktur und -funktion liefern können.

Therapiedecken bei Parkinson

Ein Patient berichtete, dass sich seine lebhaften Träume durch die Verwendung einer Therapiedecke verbessert haben. Therapiedecken können bei verschiedenen Schlafproblemen hilfreich sein, da sie ein beruhigendes Gefühl vermitteln und die Schlafqualität verbessern können. Es gibt jedoch keine spezifischen wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Therapiedecken direkt gegen RBD wirksam sind.

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