Beidseitige Hippocampusläsion: Ursachen und Symptome

Ein Schlaganfall ist eine plötzlich auftretende zerebrovaskuläre Minderdurchblutung, die oft zu langandauernden Funktionseinschränkungen führt. Ein Schlaganfall (ICD-10 I63) ist eine zeitkritische Erkrankung des Gehirns, die mit einer plötzlich auftretenden Schädigung von Hirngewebe aufgrund eines Gefäßverschlusses (ischämischer Insult) oder einer Hirnblutung (hämorrhagischer Insult) assoziiert ist. Abhängig von der Lokalisation und dem Ausmaß des unterversorgten Hirnareals kommt es zu kognitiven, sensorischen und motorischen Funktionsstörungen. Die Verdachtsdiagnose wird mit bildgebenden Verfahren wie Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder einer Angiographie bestätigt. Die Prognose nach einem Schlaganfall richtet sich nach Ursache, Art und Umfang der Läsion sowie dem Zeitpunkt der therapeutischen Intervention.

Der Hippocampus, eine Struktur tief im Gehirn, spielt eine entscheidende Rolle für das Gedächtnis, insbesondere für die Bildung neuer Erinnerungen und die räumliche Orientierung. Beidseitige Läsionen des Hippocampus, also Schädigungen auf beiden Seiten des Gehirns, können daher gravierende Auswirkungen auf das Gedächtnis und andere kognitive Funktionen haben.

Ursachen beidseitiger Hippocampusläsionen

Beidseitige Schädigungen des Hippocampus können vielfältige Ursachen haben. Einige der häufigsten Ursachen sind:

Ischämische Ereignisse (Schlaganfall)

Ein Schlaganfall ist eine plötzlich auftretende Störung des Blutflusses im Gehirn und dadurch zur Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen. Das Gehirn wird lokal geschädigt und es kommt zu einem Verlust von Neuronen. Die Ursache des Schlaganfalls kann ischämisch sein, also hervorgerufen durch die Verstopfung eines Blutgefäßes z.B. durch einen Thrombus, oder eine Gefäßverengung. Des Weiteren kann auch eine Hirnblutung dafür verantwortlich sein, dass Teile des Gehirns unterversorgt werden.

  • Globale Ischämie: Eine globale Ischämie, beispielsweise nach einem Herzstillstand oder einer schweren Hypoxie (Sauerstoffmangel), kann zu diffusen Hirnschäden führen, die auch den Hippocampus betreffen. Die Nervenzellen des Gehirns, vor allem die für höhere Funktionen des Bewusstseins wie Wahrnehmung, Gedächtnis und Koordination zuständigen und besonders empfindlichen Zellen an der Oberfläche des Großhirns, sterben aufgrund des Sauerstoffmangels innerhalb weniger Minuten ab. Da sich diese Nervenzellen nicht wieder nachbilden, wird das Gehirn irreparabel geschädigt und es entsteht ein hypoxischer Hirnschaden. Das Ausmaß des hypoxischen Hirnschadens hängt unter anderem davon ab, wie lange die Sauerstoffversorgung des Gehirns unterbrochen war. Bei einer kurzen Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff können Symptome wie Koordinations-, Wahrnehmungs- oder Gedächtnisstörungen auftreten, die sich in der Regel wieder zurückbilden. Eine längere Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff von mehr als fünf Minuten führt zu einer tiefen Bewusstlosigkeit, dem Koma.

Traumatische Hirnverletzungen (Schädel-Hirn-Trauma)

Eine Verletzung des Gehirns durch traumatische Krafteinwirkung wird Schädel-Hirn Trauma (SHT) genannt. Bei der leichtesten Form des SHT spricht man von einer Gehirnerschütterung, die meist harmlos verläuft. Hirnblutungen und andere Komplikationen können ein SHT lebensbedrohlich werden lassen. Ursache für eine traumatische Verletzung des Gehirns sind meist Unfälle, aber auch bestimmte Kontaktsportarten, wie Eishockey oder American Football, können ein SHT bedingen.

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Das SHT wird mittels der sogenannten Glasgow-Koma-Skala in drei Stufen unterteilt: leicht, mittelschwer und schwer. Außerdem unterscheidet man noch, ob die Verletzung zu einer Perforation der Kopfhaut, des Schädels und einer Zerreißung der Dura mater geführt hat. Die Symptome die ein SHT hervorruft, sind abhängig von der Schwere der Verletzung, und umfassen bei einer leichten Verletzung (Gehirnerschütterung): Bewusstseinsstörungen, retrograde Amnesie, Übelkeit/Erbrechen, selten anterograde Amnesie, Apathie, Kopfschmerzen und Schwindel.

Bei schwereren Verletzungen kommt es zur Bewusstlosigkeit (bei über 60 min handelt es sich um ein schweres SHT), verursacht durch Einklemmung des Gehirns, durch Ödeme oder Hirnblutungen.

Die Schädigung des Gehirns bei einem SHT erfolgt in zwei Phasen:

Die erste Phase umfasst die direkte Schädigung durch den Unfall. Diese ist nicht therapierbar, da zerstörte Neurone im Gehirn nicht regenerieren können. In der zweiten Phase treten, durch pathophysiologische Prozesse die im Hirn ablaufen, sekundäre Schädigungen auf, die zu einer weiteren Zerstörung von Neuronen führen können. Diese sind prinzipiell therapierbar, sofern sich die pathophysiologischen Prozesse z.B. medikamentös beeinflussen lassen.

Die Behandlung des SHT ist abhängig vom Schweregrad der Verletzung. Primäres Ziel ist es die Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns aufrechtzuerhalten, um möglichst viele Neurone vor sekundären Schäden zu retten. Der Behandlung von Hirnüberdruck (z.B.

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Entzündliche Erkrankungen

  • Enzephalitis: Entzündungen des Gehirns, beispielsweise durch Viren (Virale Meningoenzephalitis, S1-Leitlinie), können den Hippocampus schädigen.
  • Autoimmunenzephalitis: Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem fälschlicherweise Hirnzellen angreift (A clinical approach to diagnosis of autoimmune encephalitis), können ebenfalls zu Hippocampusläsionen führen.

Neurodegenerative Erkrankungen

Bei den neurodegenerativen Erkrankungen handelt es sich um eine Vielzahl von Krankheiten, bei denen nach und nach Neurone des ZNS absterben. Die häufigsten Erkrankungen sind Alzheimer, Parkinson und Chorea Huntington. Die Ursachen für die Erkrankungen können sowohl genetisch als auch sporadisch sein und sind nicht immer bekannt. Allerdings wurden einige zelluläre Mechanismen identifiziert, die bei den meisten Erkrankungen zur Zellschädigung beitragen. Dazu gehören: Störungen der Proteinhomöostase (Amyloid- und Tau-Ablagerungen bei Alzheimer, Synuclein bei Parkinson und Huntingtin bei Chorea Huntington). Außerdem finden sich gehäuft Mutationen in Hitzeschockproteinen und Chaperonen, erhöhter oxidativer Stress, Störungen der Mitochondrien oder des intrazellulären Transports und Entzündungsreaktionen.

Häufig sind zuerst bestimmte Gehirnregionen betroffen z.B. der Hippocampus bei Alzheimer, oder diedopaminergen Neurone der Susbtantia nigra bei Parkinson.

Die Symptome können abhängig von der Erkrankung und der betroffenen Hirnregion sehr vielfältig sein und umfassen Gedächtnisstörungen, motorische Störungen, Orientierungsprobleme, Persönlichkeitsveränderungen und Änderungen im Verhalten.

Bisher gibt es keine Ursachen-Therapie, sondern nur symptomatische Behandlungen. Es gibt für die Betroffenen keine Heilung, lediglich eine Verzögerung des Fortschreitens der Erkrankung.

  • Alzheimer-Krankheit: Im frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit ist der Hippocampus oft stark betroffen, was zu Gedächtnisproblemen führt.

Tumore

  • Hirntumore: Tumore, die in der Nähe des Hippocampus wachsen, können diesen direkt schädigen oder durch Druck auf umliegende Strukturen beeinträchtigen.

Epilepsie

  • Temporallappenepilepsie: Wiederholte epileptische Anfälle, insbesondere bei Temporallappenepilepsie, können zu Schädigungen des Hippocampus führen. Kang K. et al. Transient Epileptic Amnesia with Preserved Consciousness.

Toxische Substanzen

  • Alkoholmissbrauch: Chronischer Alkoholmissbrauch kann zu Hirnschäden führen, die auch den Hippocampus betreffen. Mangelernährte Patienten haben ein erhöhtes Risiko für ein Korsakow-Syndrom.

Symptome beidseitiger Hippocampusläsionen

Die Symptome einer beidseitigen Hippocampusläsion hängen vom Ausmaß der Schädigung und der zugrunde liegenden Ursache ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

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Anterograde Amnesie

Die ausgeprägteste Folge ist die Unfähigkeit, neue langfristige Erinnerungen zu bilden. Betroffene können sich nicht an Ereignisse erinnern, die nach der Schädigung des Hippocampus stattgefunden haben.

Retrograde Amnesie

In vielen Fällen geht die anterograde Amnesie mit einer retrograden Amnesie einher, d.h. dem Verlust von Erinnerungen an Ereignisse, die vor der Schädigung des Hippocampus stattgefunden haben. Das Ausmaß der retrograden Amnesie kann variieren.

Räumliche Desorientierung

Der Hippocampus spielt eine wichtige Rolle bei der räumlichen Orientierung. Patienten mit beidseitigen Hippocampusläsionen haben oft Schwierigkeiten, sich in neuen Umgebungen zurechtzufinden und sich an bekannte Orte zu erinnern.

Beeinträchtigung des Arbeitsgedächtnisses

Das Arbeitsgedächtnis, das für die kurzfristige Speicherung und Verarbeitung von Informationen zuständig ist, kann ebenfalls beeinträchtigt sein.

Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens

In einigen Fällen können beidseitige Hippocampusläsionen zu Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens führen, wie z.B. erhöhte Ängstlichkeit, Reizbarkeit oder Apathie.

Sprachstörungen

Typische Symptome sind Bewusstseinsstörungen, Taubheitsgefühle, Lähmungen, Schwäche, Sprachstörungen, Schwindel, Gangstörungen und Kopfschmerzen. Häufig treten bestimmte Symptome nur einseitig auf, da nur eine Hemisphäre des Gehirns bzw. Areale einer Hemisphäre unterversorgt sind.

Diagnose

Die Diagnose einer beidseitigen Hippocampusläsion umfasst in der Regel eine Kombination aus:

  • Neurologischer Untersuchung: Beurteilung der kognitiven Funktionen, des Gedächtnisses und der Orientierung.
  • Neuropsychologischen Tests: Detaillierte Tests zur Beurteilung des Gedächtnisses, der Lernfähigkeit und anderer kognitiver Fähigkeiten (Berliner Amnesie Test).
  • Bildgebenden Verfahren: MRT-Aufnahmen des Gehirns, um die Struktur des Hippocampus zu beurteilen und Läsionen zu identifizieren. Die Magnetresonanztomografie des Schädels (kraniale MRT, cMRT) mit Blutgefäßdarstellung (Angiografie) macht Verengungen (Stenosen) oder Verschlüsse von Schlagadern sichtbar. Mit der kranialen Computertomografie (cCT) können wir Gehirn, Hirnhäute und knöchernen Schädel, mit der Thorax-CT die Lunge in Schnittbildern darstellen und beurteilen.

Behandlung

Die Behandlung von beidseitigen Hippocampusläsionen konzentriert sich in erster Linie auf die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache und die Linderung der Symptome.

  • Behandlung der Ursache: Je nach Ursache können Medikamente, Operationen oder andere Therapien erforderlich sein, um die Schädigung des Hippocampus zu stoppen oder zu verlangsamen.
  • Kognitive Rehabilitation: Gedächtnistraining und andere kognitive Rehabilitationsmaßnahmen können helfen, die verbleibenden kognitiven Funktionen zu verbessern und Strategien zur Kompensation der Gedächtnisdefizite zu entwickeln.
  • Unterstützende Maßnahmen: Ergotherapie, Logopädie und andere unterstützende Maßnahmen können helfen, die Alltagsfähigkeiten zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen.

Da die Neurone im Gehirn nicht regenerieren, ist die Schädigung der betroffenen Zellen irreversibel. Allerdings können Physiotherapie und Ergotherapie dazu beitragen, dass andere Hirnareale die Funktionen zumindest teilweise übernehmen.

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