Der neurologische Bereitschaftsdienst: Umfassende Informationen für Patienten und Fachkräfte

Der neurologische Bereitschaftsdienst ist ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Versorgung, der außerhalb der regulären Sprechzeiten von niedergelassenen Neurologen und Kliniken zur Verfügung steht. Er dient dazu, Patienten mit akuten neurologischen Problemen zu versorgen, die nicht bis zum nächsten Werktag warten können, aber auch keine unmittelbare Lebensgefahr darstellen, welche den Notruf 112 erforderlich machen würde. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über den neurologischen Bereitschaftsdienst, seine Aufgaben, Erreichbarkeit und die Unterschiede zum Rettungsdienst.

Was ist der neurologische Bereitschaftsdienst?

Der neurologische Bereitschaftsdienst ist ein Service, der von niedergelassenen Neurologen und Kliniken angeboten wird, um die Versorgung von Patienten mit dringenden neurologischen Problemen außerhalb der regulären Sprechzeiten sicherzustellen. Er ist Teil des allgemeinen ärztlichen Bereitschaftsdienstes und wird in der Regel von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) organisiert.

Wann sollte man den neurologischen Bereitschaftsdienst kontaktieren?

Der neurologische Bereitschaftsdienst ist für Patienten gedacht, die unter akuten neurologischen Beschwerden leiden, die eine zeitnahe ärztliche Behandlung erfordern, aber nicht lebensbedrohlich sind. Dazu gehören beispielsweise:

  • Neu aufgetretene oder sich verschlimmernde Kopfschmerzen
  • Schwindelattacken
  • Gefühlsstörungen oder Lähmungen
  • Sehstörungen
  • Sprachstörungen
  • Krampfanfälle

Es ist wichtig zu betonen, dass der Bereitschaftsdienst nicht für Routineuntersuchungen oder die Behandlung chronischer Erkrankungen gedacht ist. In diesen Fällen sollte der behandelnde Neurologe während der regulären Sprechzeiten kontaktiert werden.

Wie ist der neurologische Bereitschaftsdienst erreichbar?

Die bundesweite Rufnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst ist die 116117. Diese Nummer ist rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und funktioniert ohne Vorwahl, egal ob man von zu Hause oder mit dem Mobiltelefon anruft. Unter dieser Nummer erreicht man medizinisch geschulte Mitarbeiter, die den Anrufer nach seinen Beschwerden befragen und eine medizinische Ersteinschätzung vornehmen.

Lesen Sie auch: Bereitschaftsdienst für Neurologen

Je nach Dringlichkeit der Situation werden die Anrufer entweder an eine Bereitschaftsdienstpraxis verwiesen, an einen Hausbesuchsdienst vermittelt oder, in lebensbedrohlichen Fällen, an den Rettungsdienst weitergeleitet.

Einige regionale Bereitschaftsdienste bieten auch die Möglichkeit einer Videosprechstunde an. Dies ermöglicht eine schnelle und unkomplizierte Beratung durch einen Arzt per Video. In Bayern beispielsweise können Patienten den Service "DocOnLine" nutzen, um per Videotelefonie eine kompetente medizinische Beratung von niedergelassenen Ärzten zu erhalten.

Bereitschaftsdienst-Praxen

In vielen Regionen gibt es Bereitschaftsdienst-Praxen, die außerhalb der regulären Sprechzeiten geöffnet sind. Diese Praxen sind oft in Krankenhäusern eingerichtet, aber organisatorisch unabhängig von der Notaufnahme des Krankenhauses. Patienten können diese Praxen ohne vorherigen telefonischen Kontakt aufsuchen.

Ein Beispiel ist die Bereitschaftsdienst-Praxis im Christlichen Krankenhaus Quakenbrück, die zu folgenden Zeiten geöffnet ist:

  • Mo, Di, Do: 20.00 - 21.00 Uhr
  • Mi, Fr: 19.00 - 21.00 Uhr
  • Sa, So: 10.00 - 12.00 Uhr und 18.00 - 21.00 Uhr
  • Feiertage: 10.00 - 12.00 Uhr und 18.00 - 21.00 Uhr

Eine weitere Bereitschaftsdienst-Praxis befindet sich im AMEOS Klinikum Bernburg, im Bereich der Notaufnahme. Dort sind die Sprechzeiten wie folgt:

Lesen Sie auch: Umgang mit Demenz im Arzttermin

  • Mittwoch, Freitag: 17 Uhr bis 19 Uhr
  • Samstag, Sonntag, Feiertag: 9 Uhr bis 11 Uhr
  • Heiligabend und Silvester: 9 Uhr bis 11 Uhr

Hausbesuche

Wenn ein Patient aufgrund seines Gesundheitszustands nicht in der Lage ist, eine Arztpraxis oder Bereitschaftspraxis aufzusuchen, kann ein Hausbesuch angefordert werden. Ob ein Hausbesuch erforderlich ist, entscheidet der Arzt selbstständig und nach seinem ärztlichen Ermessen.

Unterschied zwischen Bereitschaftsdienst und Rettungsdienst

Es ist wichtig, den Bereitschaftsdienst nicht mit dem Rettungsdienst zu verwechseln. Der Rettungsdienst (Notruf 112) ist für lebensbedrohliche Notfälle zuständig, wie beispielsweise:

  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Atemstillstand
  • Schwere Unfälle
  • Starke Blutungen

In diesen Fällen muss sofort der Notruf 112 gewählt werden.

Der Bereitschaftsdienst hingegen ist für Erkrankungen zuständig, mit denen man normalerweise einen niedergelassenen Arzt in der Praxis aufsuchen würde, die Behandlung aber aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten kann.

Die Rolle des Patientennavigators

Einige Regionen bieten einen sogenannten Patientennavigator an, der Patienten bei der Einschätzung ihrer Beschwerden helfen soll. Mit diesem Tool können Patienten ihre Symptome selbst medizinisch einschätzen lassen und erhalten anschließend eine Empfehlung, wie dringend diese behandelt werden sollten und an wen sie sich wenden können. In Bayern kann man beispielsweise über die Eingabe der Postleitzahl oder des Städtenamens zum Patienten-Navi gelangen.

Lesen Sie auch: Neurologische Versorgung in Erfurt

Die Bedeutung der Sprechzeiten des Hausarztes

Es ist wichtig zu betonen, dass der Bereitschaftsdienst nur für die Versorgung außerhalb der regulären Sprechzeiten des Hausarztes gedacht ist. Während der Sprechzeiten sollte man sich immer zuerst an den behandelnden Haus- oder Facharzt wenden. Die regulären Praxisöffnungszeiten sind in der Regel:

  • Mo, Di, Do: zwischen 8:00 und 18:00 Uhr
  • Mi, Fr: zwischen 8:00 und 13:00 Uhr

Die Zukunft des Bereitschaftsdienstes

Der Bereitschaftsdienst befindet sich im Wandel. Durch die Digitalisierung und die zunehmende Bedeutung von Telemedizin werden neue Möglichkeiten der Patientenversorgung geschaffen. Videosprechstunden und Online-Beratungsangebote können dazu beitragen, die Erreichbarkeit des Bereitschaftsdienstes zu verbessern und die Wartezeiten für Patienten zu verkürzen.

tags: #bereitschaftsdienst #arzt #neurologie