Bernd Heise und die Alzheimer-Forschung: Ein Lichtblick im Umgang mit der Demenz

Die Alzheimer-Krankheit stellt eine wachsende Herausforderung für unsere Gesellschaft dar. Betroffene verlieren wertvolle Lebensjahre, wenn die Krankheit nicht früh genug erkannt wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Demenzen zu den zehn häufigsten Todesursachen weltweit. Angesichts dieser alarmierenden Fakten rückt die Bedeutung der Alzheimer-Forschung und die Möglichkeiten einer frühzeitigen Diagnose immer stärker in den Fokus.

Die Alzheimer-Krankheit in Deutschland: Zahlen und Fakten

In Deutschland sind rund 1,6 Millionen Menschen von Demenz betroffen, wobei die Tendenz steigend ist. Schätzungen zufolge wird diese Zahl bis 2050 auf 2,8 Millionen ansteigen. Zwei Drittel dieser Fälle werden durch die Alzheimer-Krankheit ausgelöst. Diese Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit, neue Wege in der Prävention, Diagnose und Behandlung dieser Erkrankung zu finden.

Frühe Diagnose: Ein Wendepunkt

Früher war die Diagnose der Alzheimer-Krankheit zu Lebzeiten nicht möglich. Erst nach dem Tod konnte durch die Untersuchung des Gehirns eine definitive Diagnose gestellt werden. Glücklicherweise hat sich dies dank moderner Analysemethoden geändert.

Dr. med. Jörg B. Schulz, Direktor der Klinik für Neurologie an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, erklärt, dass es heute möglich ist, das Nervenwasser, welches Gehirn und Rückenmark umgibt, zu analysieren. Dieses Nervenwasser ist ein Spiegelbild der Veränderungen, die im Gehirn stattfinden. Anhand dieser Analyse lassen sich die typischen Amyloid- und Tau-Ablagerungen erkennen, die charakteristisch für die Alzheimer-Krankheit sind. Diese Untersuchung ist harmlos, genau und extrem aussagekräftig.

Patient Bernd Heise: Ein Beispiel für die Möglichkeiten der Früherkennung

Patient Bernd Heise ist ein Beispiel dafür, welche Möglichkeiten eine frühzeitige Diagnose eröffnen kann. Obwohl es bei ihm mehrere Jahre dauerte, bis Alzheimer festgestellt wurde, hat er gelernt, mit der Krankheit umzugehen und sich aktiv in die Alzheimer-Gesellschaft einzubringen. Er engagiert sich in der Münchner Alzheimer-Gesellschaft und setzt sich auch in der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. und bei der European Working Group of People with Dementia sehr stark für die Belange von Menschen mit Demenz ein. In der AGM leitete er die Technik-Gruppe. Hier werden den Erkrankten Anwendungen und technische Inhalte vermittelt.

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"Licht am Ende des Tunnels": Fortschritte in der Forschung

Wissenschaftler und Forschende weltweit haben in den letzten Jahrzehnten viel über die Mechanismen gelernt, die im Gehirn ablaufen. Trotz vieler Rückschläge in der Forschung gibt es Hoffnung auf neue therapeutische Lösungen.

Dr. Wolfram Schmidt, Geschäftsführer der Biogen GmbH in Deutschland, betont, dass bereits seit zwei Jahrzehnten intensiv an der Alzheimer-Erkrankung geforscht wird. Bisher waren jedoch 99 Prozent der Ergebnisse nicht erfolgreich. Nun geht es darum, hoffentlich bald therapeutische Lösungen anbieten zu können. Eine mögliche Lösung könnte Donanemab sein.

Die Nationale Demenzstrategie: Ein umfassender Ansatz

Um die Situation für Betroffene zu verbessern, hat die Bundesregierung mit zahlreichen Partnerorganisationen aus Politik, Gesellschaft und Forschung eine "Nationale Demenzstrategie" entwickelt und im Juli 2020 beschlossen. Laut Astrid Lärm, Leiterin der Geschäftsstelle Nationale Demenzstrategie, umfasst diese Strategie rund 160 konkrete Maßnahmen, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen.

Die Ziele der Nationalen Demenzstrategie sind vielfältig:

  • Die soziale Teilhabe von Betroffenen zu verbessern
  • Beratungs- und Unterstützungsangebote für Patient*innen und Angehörige auszubauen
  • Die medizinische Versorgung und Pflege zu optimieren
  • "Exzellente Forschung" rund um Demenz in Deutschland zu fördern

Der Umsetzungsstand der Maßnahmen soll regelmäßig abgefragt und in einem jährlichen Bericht zusammengefasst werden.

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Die Rolle der Alzheimer Gesellschaft München e.V. (AGM)

Die Alzheimer Gesellschaft München e.V. (AGM) spielt eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen. Der Verein bietet ein breites Spektrum an Aktivitäten an, wie z.B. Kunst- oder Kochgruppen, Qi Gong, die durch ehrenamtliche und professionelle Unterstützung angeleitet werden. Die Aktionen lassen den Menschen mit Demenz neue Talente und Fähigkeiten entdecken, die sie selbst bisher noch nicht bei sich entdeckt hatten.

Die AGM bietet auch Demenzberatung an. Als langjährige Gerontologin hat Semra Altınışık sowohl im klinischen, als auch im ambulanten Bereich fundierte Kenntnisse und Erfahrungen gesammelt. Sie berät zu allen Fragen rund um das Thema Demenz und hält Vorträge und Schulungen in Einrichtungen und im Rahmen von (Fach-) Veranstaltungen.

Die AGM nimmt auch am B2Run durch den Olympiapark teil. Dabei gehen Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen an den Start. Es hat sehr viel Spaß gemacht und alle sind glücklich im Ziel angekommen. Sicherlich auch aufgrund der sehr guten Vorbereitung in unserem AGMaktiv Lauftreff.

Advance Care Planning (ACP) und Shared Decision Making (SDM)

Die Diagnosestellung einer Demenz erfolgt immer früher im Krankheitsverlauf, nach den neuesten Diagnosekriterien bei der Alzheimer-Krankheit sogar unabhängig von klinischen Symptomen. Diese Entwicklung kann dafür genutzt werden, Menschen mit Demenz zu einem Zeitpunkt, an dem ihre kognitiven Fähigkeiten und damit ihre Einwilligungs- und Geschäftsfähigkeit noch erhalten sind, größtmögliche Selbstbestimmung bezüglich der ärztlichen Behandlung, der Lebensgestaltung und der künftigen Versorgung zu ermöglichen.

Das Modell des „advance care planning“ (ACP) strebt u. a. die Realisierung wirksamer Patientenverfügungen an. Auch für Menschen mit einer demenziellen Erkrankung wird ACP als sinnvolles Konzept erachtet. Erste Studien weisen auf positive Effekte von ACP für Menschen mit Demenz hin.

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Das Modell des „shared decision making“ (SDM) zielt auf die Einbeziehung von Patienten in aktuelle medizinische Entscheidungen ab. Häufig werden als Intervention sog. Entscheidungshilfen („decision aids“) eingesetzt. Es handelt sich dabei um Medien in verschiedenen Formen (z. B.

Im Rahmen der Studie „Partizipative Planung gesundheitlicher und sozialer Entscheidungen nach Diagnosestellung einer Alzheimer-Demenz“ (DFG-Projekt HA 7115/1-1) verfolgten wir zunächst das Ziel, eine komplexe Intervention in einem mehrstufigen Prozess zu entwickeln, die in einem zweiten Schritt im Hinblick auf Akzeptanz und Anwendbarkeit pilotiert wird. Die Intervention, die sich an Menschen mit einer Alzheimer-Demenz (AD) und deren Angehörige richtet, kombiniert Bestandteile des ACP und SDM. Sie besteht aus einer schriftlichen Entscheidungshilfe (SDM-Anteil; siehe JETZT-Broschüre, Electronic Supplementary Material) und zwei persönlichen Beratungsgesprächen mit dazugehörigem Gesprächsleitfaden (ACP-Anteil), die miteinander interagieren.

Die Bedeutung der Forschung und des Engagements

Die Alzheimer-Forschung hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, auch wenn noch viele Herausforderungen zu bewältigen sind. Die Entwicklung neuer Diagnosemethoden und therapeutischer Ansätze ist von entscheidender Bedeutung, um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern.

Das Engagement von Einzelpersonen wie Bernd Heise und Organisationen wie der Alzheimer Gesellschaft München e.V. (AGM) ist unerlässlich, um das Bewusstsein für die Alzheimer-Krankheit zu schärfen, Betroffene zu unterstützen und die Forschung voranzutreiben.

Neue Wege wagen: Der 11. Kongress der Deutschen Alzheimer Gesellschaft

Unter dem Motto „Demenz - neue Wege wagen?!“ fand der 11. Kongress der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in Mülheim an der Ruhr statt. Der Kongress bot eine Plattform für den Austausch von Wissen und Erfahrungen und zeigte neue Wege in der Versorgung von Menschen mit Demenz auf.

Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey machte deutlich, wie dramatisch sich die Situation in den nächsten Jahren zuspitzen wird: Die Angehörigen der sogenannten Babyboomer-Generation kommen ab 2035 in ein Alter, in dem von zunehmender Pflegebedürftigkeit auszugehen ist. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Menschen im berufstätigen Alter - die potentiell für die Pflege zur Verfügung stehen - dramatisch ab. Mit einem „weiter so“ sei dies nicht zu bewältigen, so Kuhlmey. Es brauche neue Wege, wie innovative Wohnformen, Veränderungen der Pflegestrukturen, Digitalisierung, betriebliche Maßnahmen für Mitarbeitende, die pflegende Angehörige sind, und eine intensive Unterstützung von Präventionsmaßnahmen in Bezug auf Demenz. In diese Bereiche werde derzeit viel zu wenig investiert.

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