Berufe für Menschen mit Zerebralparese: Möglichkeiten und Unterstützung

Zerebralparese, auch bekannt als infantile Zerebralparese (ICP), ist eine Bewegungsstörung, die etwa eines von 500 Neugeborenen betrifft. Diese Störung kann unterschiedliche Ausprägungen haben und sich bis ins Erwachsenenalter fortsetzen. Sie kann zu schwerwiegenden Folgen an Knochen, Gelenken und Muskeln führen. Trotz dieser Herausforderungen können Menschen mit Zerebralparese ein erfülltes Berufsleben führen. Dieser Artikel beleuchtet die beruflichen Möglichkeiten und Unterstützungsangebote für Menschen mit Zerebralparese.

Herausforderungen und Chancen

Zerebralparese kann sich auf verschiedene Aspekte des Lebens auswirken, darunter die Mobilität, die Feinmotorik, die Sprache und die Kognition. Die Auswirkungen sind von Person zu Person unterschiedlich. Einige Menschen mit Zerebralparese benötigen umfassende Unterstützung, während andere in der Lage sind, ein weitgehend selbstständiges Leben zu führen.

Trotz der Herausforderungen, die mit Zerebralparese verbunden sind, gibt es viele Möglichkeiten für Menschen mit dieser Erkrankung, eine erfüllende Karriere zu finden. Mit der richtigen Unterstützung und Anpassung können Menschen mit Zerebralparese in einer Vielzahl von Berufen erfolgreich sein.

Berufliche Möglichkeiten

Die Berufswahl für Menschen mit Zerebralparese hängt von ihren individuellen Fähigkeiten, Interessen und Bedürfnissen ab. Es gibt keine allgemeingültige Liste von "geeigneten" Berufen, aber einige Bereiche bieten sich aufgrund ihrer Flexibilität und der Möglichkeit zur Anpassung besonders an:

  • Büro- und Verwaltungsberufe: Tätigkeiten wie Datenerfassung, Kundenbetreuung, Buchhaltung oder administrative Aufgaben können oft gut an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden. Carsten Schönebeck, der an Morbus Crohn erkrankt ist, kann dank der Möglichkeit, den Großteil seiner Bürotätigkeit im Liegen zu verrichten, wieder schmerzfrei arbeiten. Dies zeigt, dass flexible Arbeitsbedingungen einen entscheidenden Unterschied machen können.
  • IT-Berufe: Programmierung, Webentwicklung, Grafikdesign oder andere IT-bezogene Tätigkeiten können oft von zu Hause aus oder mit spezieller Software und Hardware ausgeübt werden.
  • Kreative Berufe: Schreiben, Journalismus, Kunst oder Musik bieten die Möglichkeit, die eigenen Talente einzusetzen und gleichzeitig flexible Arbeitszeiten zu gestalten.
  • Soziale Berufe: Menschen mit Zerebralparese können aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen und ihres Verständnisses für andere Menschen in sozialen Berufen wie Beratung, Pädagogik oder Sozialarbeit wertvolle Beiträge leisten. Ben (32), der in Hamburg lebt, sucht beispielsweise Assistent*innen, was zeigt, dass es auch im Bereich der persönlichen Assistenz vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten gibt.
  • Handwerkliche Berufe: Mit entsprechenden Anpassungen und Hilfsmitteln können auch handwerkliche Berufe wie Schneider, Uhrmacher oder Restaurator ausgeübt werden.

Unterstützungsangebote und Hilfsmittel

Eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt erfordert oft eine Kombination aus individueller Unterstützung und technischen Hilfsmitteln.

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  • Berufliche Rehabilitation: Berufsbildungswerke (BBW) sind Einrichtungen, die sich auf die berufliche Rehabilitation von Menschen mit Behinderungen spezialisiert haben. Sie bieten eine breite Palette an maßgeschneiderten beruflichen Bildungsangeboten, die auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer zugeschnitten sind. Die BBWs fördern, bilden, betreuen und begleiten junge Menschen auf ihrem Weg in die berufliche Selbstständigkeit.
  • Eignungsabklärung und Arbeitserprobung: Vor dem Beginn einer Ausbildung oder Umschulung ist es wichtig, die eigenen Fähigkeiten und Interessen zu erkennen und zu erproben. Eignungsabklärungen und Arbeitserprobungen helfen dabei, den passenden Beruf zu finden und die notwendigen Kompetenzen zu entwickeln.
  • Technische Hilfsmittel: Computer mit spezieller Software, ergonomische Arbeitsplätze, Sprachsteuerung oder andere technische Hilfsmittel können die Arbeitsbedingungen erheblich verbessern und die Teilhabe am Arbeitsleben ermöglichen. Ein Mobiler Lifter kann beispielsweise die Arbeit erleichtern.
  • Persönliche Assistenz: Menschen mit Zerebralparese können persönliche Assistenz in Anspruch nehmen, um Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben zu erhalten, die sie aufgrund ihrer Behinderung nicht selbstständig ausführen können. Dies kann die Körperpflege, die Begleitung bei Freizeitaktivitäten oder die Unterstützung am Arbeitsplatz umfassen.
  • Beratung und Unterstützung für Arbeitgeber: Die Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber (EAA) bieten Unternehmen Informationen und Beratung zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen. Sie helfen bei der Suche nach geeigneten Mitarbeitern, beraten zu Fördermöglichkeiten und unterstützen bei der Anpassung des Arbeitsplatzes. Die Firma Klöber konnte beispielsweise mit Hilfe der EAA einen neuen Mitarbeiter für ihre Federmontage gewinnen.

Berufsbildungswerke (BBW) als wichtiger Baustein

BBWs spielen eine entscheidende Rolle bei der beruflichen Integration von Menschen mit Zerebralparese. Sie bieten eine umfassende Unterstützung, die auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer zugeschnitten ist.

  • Maßgeschneiderte Bildungsangebote: BBWs bieten eine breite Palette an Bildungsangeboten, die von der Berufsvorbereitung bis zur vollwertigen Ausbildung reichen. Die Inhalte und Methoden werden an die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Teilnehmer angepasst.
  • Individuelle Betreuung: In BBWs werden die Teilnehmer von einem multiprofessionellen Team aus Pädagogen, Psychologen, Sozialpädagogen und medizinischem Fachpersonal betreut. Dieses Team unterstützt die Teilnehmer bei der Bewältigung von Herausforderungen und fördert ihre persönliche Entwicklung.
  • Wohnmöglichkeiten: Viele BBWs bieten auch Wohnmöglichkeiten im Internat an. Dies ermöglicht den Teilnehmern, sich voll und ganz auf ihre Ausbildung zu konzentrieren und gleichzeitig ein soziales Netzwerk aufzubauen.

Inklusion und Akzeptanz

Neben den individuellen und institutionellen Unterstützungsangeboten ist es wichtig, dass die Gesellschaft insgesamt inklusiver und akzeptierender gegenüber Menschen mit Behinderungen wird. Dies beginnt mit dem Abbau von Vorurteilen und der Schaffung von Bewusstsein für die Fähigkeiten und Potenziale von Menschen mit Zerebralparese.

Arbeitgeber sollten offen sein für die Beschäftigung von Menschen mit Zerebralparese und bereit sein, die notwendigen Anpassungen am Arbeitsplatz vorzunehmen. Eine inklusive Unternehmenskultur, die Vielfalt schätzt und fördert, ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg von Menschen mit Zerebralparese im Berufsleben.

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