Nervenschmerzen vom Nacken bis zur Hand: Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze

Nackenschmerzen, die bis in die Hand ausstrahlen, sind ein weit verbreitetes Problem. Etwa 10 Prozent der Bevölkerung leiden unter chronischen Rücken- oder Nackenschmerzen, die zu deutlichen Beeinträchtigungen im Alltag bis hin zur Belastungsunfähigkeit führen können. Dieses Phänomen, oft als Schulter-Arm-Syndrom oder HWS-Syndrom (Halswirbelsäulensyndrom) bezeichnet, kann durch eine Vielzahl von Ursachen ausgelöst werden. Glücklicherweise gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Was ist das Schulter-Arm-Syndrom/HWS-Syndrom?

Das Schulter-Arm-Syndrom beschreibt einen ausstrahlenden Schmerz, welcher meist vom Nacken ausgeht und über die Schulter und den Ellenbogen teilweise bis zur Hand und in die Finger ausstrahlt. Es ist ein Sammelbegriff für Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule. Sie können beispielsweise durch Verspannungen entstehen und dabei bis in Schultern, Arme und Kopf ausstrahlen. Viele Betroffene berichten von Nackenschmerzen, einer verspannten Muskulatur und eingeschränkter Beweglichkeit. Begleitend können auch Schwindel, Kopfschmerzen oder Kribbeln in den Armen auftreten.

Der Begriff Zervikalsyndrom oder „HWS-Syndrom“ (Halswirbelsäulensyndrom) beschreibt zunächst unklare Schmerzzustände, die von der Halswirbelsäule ausgehen oder diesen Bereich betreffen. Die Symptome können dabei sehr unterschiedlich sein und von Nackenschmerzen und -steifheit über Kopfschmerzen und Schwindel bis hin zu Empfindungsstörungen in den Armen und Händen reichen.

Ursachen: Ein vielschichtiges Problem

Die Ursachen für Nervenschmerzen, die vom Nacken bis in die Hand ausstrahlen, sind vielfältig. Es gibt strukturelle Veränderungen der Halswirbelsäule und muskuläre Funktionsstörungen. Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen, die zu einer Reizung der Nerven und/oder zu Verschleißerscheinungen in der Halswirbelsäule führen. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:

  • Muskuläre Verspannungen: Das Schulter-Arm-Syndrom wird meist durch muskuläre Verspannungen verursacht. Durch Fehlhaltung, Bewegungsmangel oder Stress kann es zu Verspannungen der Nacken- und Schultermuskulatur kommen. Viel häufiger beobachtet wird diese Erkrankung allerdings bei einseitigen und langen statischen Belastungen, wie zum Beispiel die sitzende Tätigkeit am Computer. Der Begriff des Handynackens bezeichnet verschiedene Symptome im Bereich der Halswirbelsäule. Durch den häufigen Blick nach unten auf das Handy wird die Wirbelsäule sowie die umliegende Muskulatur falsch belastet. Das kann auf Dauer zu starken Schmerzen und Haltungsstörungen führen.
  • Degenerative Veränderungen: Mit zunehmendem Alter kommt es zu Verschleißerscheinungen an den Bandscheiben und Wirbelgelenken der Halswirbelsäule. Diese können zu einer Verengung des Wirbelkanals führen und die Nervenwurzeln beeinträchtigen. Hierzu zählen zervikaler Bandscheibenschaden. Die Wirbelgelenksarhtrose - auch Facettengelenksarthrose genannt - kann vor allem unter Belastung Beschwerden verursachen. Die Arthrose tritt sowohl an der HSW, der BWS und der LWS auf.
  • Bandscheibenvorfall: Kommt es gleichzeitig zu Taubheitsgefühlen oder gar zu einer Schwäche des Armes muss differentialdiagnostisch auch an einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule mit Druck auf den Nerven (Radikulär-Syndrom) gedacht werden. Durch alltägliche Belastungen sowie natürliche Alterungsprozesse kann die äußere Hülle der Bandscheibe an Stabilität verlieren. Insbesondere zwischen dem fünften und siebten Halswirbel können Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule auftreten, da dieser Bereich in der Regel stärkeren mechanischen Belastungen standhalten soll und die Bandscheibe infolgedessen mehr belastet wird. Bei einem Bandscheibenvorfall durchbricht der Gallertkern den geschwächten Faserknorpelring und kann auf die Nervenwurzeln der Spinalnerven drücken. Am häufigsten von einem HWS-Bandscheibenvorfall sind die Halswirbelkörper C5 und C6 bzw. C6 und C7 betroffen.
  • Fehlstellungen: Angeborene oder erworbene Fehlstellungen der Halswirbelsäule. Ein Schiefhals entsteht durch die Schädigung und Verkürzung eines Halsmuskels. In der Folge können eine Gesichtsasymmetrie sowie Fehlstellungen der Wirbelsäule auftreten. Bei einer Skoliose verbiegt sich die Wirbelsäule zu einer Seite hin, oftmals rotieren dabei die Wirbelkörper. Im Kindes- oder Jugendalter verursacht eine Skoliose nur in seltenen Fällen körperliche Beschwerden, sie fallen vielmehr durch die Form(-veränderung) des Rückens auf. M. Jungen sind deutlich häufiger vom jugendlichen Rundrücken betroffen als Mädchen. Es handelt sich hierbei um eine Wachstumsstörung der Randleisten der Wirbelkörper. In der Regel sind konservative Maßnahmen ausreichend, um dem M. Die Spondylolisthesis bezeichnet eine Wirbelsäulenerkrankung, bei welcher sich ein oder mehrere Wirbelkörper gegeneinander verschieben (Wirbelgleiten) und so zu einem Stabilitätsverlust der Wirbelsäule führen. Unter Spondylolyse versteht man die Unterbrechung (Spaltbildung) der knöchernen Verbindung zwischen den benachbarten Wirbelkörpern. ist in der Regel harmlos. nicht gefestigt und es fehlt an Muskulatur, die den Rücken aufrecht hält.
  • Weitere Faktoren: Angeborene Entwicklungsstörung, Stoffwechselerkrankungen. Weitere Faktoren wie Stress, psychische Krankheiten, Bewegungsmangel oder einseitige Belastungen kommen häufig hinzu.

Es gibt auch seltenere, aber schwerwiegendere Ursachen, wie:

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  • Neuralgische Amyotrophie: Eine seltene Erkrankung, bei der plötzlich reißende Schmerzen im Arm auftreten. Sie beginnen typischerweise im Schultergelenk, strahlen dann in den Oberarm und den Nacken aus und betreffen schließlich den ganzen Arm bis zur Hand. Muskelschwäche und Lähmungen einzelner Muskelpartien können hinzukommen. Meistens ist nur ein Arm oder eine Schulter betroffen, in der Regel auf der rechten Körperseite.
  • Pancoast-Tumor: Rasch fortschreitendes peripheres Bronchialkarzinom im Bereich der Lungenspitze (Apex pulmonis); rasch übergreifend auf Rippen, Halsweichteile, Armgeflecht (ventralen Ästen der Spinalnerven der letzten vier Hals- und des ersten Brustsegments (C5-Th1)) und Wirbel der Hals- und Brustwirbelsäule (HWS, BWS)); Krankheit äußert sich häufig mit einem charakteristischen Pancoast-Syndrom: Schulter- bzw.

Symptome: Vielfältige Beschwerden

Die Symptome eines Schulter-Arm-Syndroms können vielfältig sein und je nach Ursache variieren:

  • Schmerzen: Nackenschmerzen, die in Schulter, Arm, Hand und Finger ausstrahlen können. Die Schmerzen können dumpf, stechend oder brennend sein.
  • Bewegungseinschränkungen: Schwierigkeiten, den Kopf zu drehen oder zu neigen.
  • Muskelverspannungen: Verhärtete und druckempfindliche Muskeln im Nacken- und Schulterbereich.
  • Neurologische Symptome: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schwäche in Arm und Hand.
  • Kopfschmerzen und Schwindel: Insbesondere bei Problemen im Bereich der oberen Halswirbelsäule.

Diagnose: Den Ursachen auf den Grund gehen

Um die Ursache der Beschwerden zu ermitteln, ist eine gründliche Diagnose erforderlich. Diese umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt über die Art, Dauer und Lokalisation der Schmerzen sowie über Vorerkrankungen und Lebensumstände. Aufgrund der meist verschiedenen Einflussfaktoren bietet ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch in Verbindung mit einem standardisierten Schmerzfragebogen eine gute Hilfestellung für die anschließende Therapie des Zervikalsyndroms. Im Gespräch lassen sich Einflüsse wie psychische Faktoren oder schwere körperliche Tätigkeiten ermitteln. Durch die sogenannte Schmerzanamnese macht sich der Arzt ein Bild vom bisherigen Krankheitsverlauf. Zeigen sich Probleme im Alltag, unterstützt in einigen Fällen auch ein Schmerztagebuch die Diagnose, in dem Patienten über einen bestimmten Zeitraum hinweg festhalten, wann und wie stark ihre Beschwerden auftreten.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Beweglichkeit der Halswirbelsäule, die Muskelspannung und die Reflexe. Auch die verspannte oder verhärtete Muskulatur wird genauestens untersucht.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, Ultraschall (Sonographie), Kernspintomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) können helfen, die Ursache der Beschwerden zu identifizieren. Röntgenuntersuchungen zeigen weiterhin den Zustand der Halswirbelsäule und eventuelle Verschleißerscheinungen. Lassen Symptome auf einen Bandscheibenvorfall schließen, wird in der Regel noch eine Computertomografie durchgeführt, um die Diagnose zu bestätigen. Mit einem modernen 3-D-Scanner nehmen wir Ihren Rücken auf, um haltungsbedingte Störungen objektiv und mit maximaler Messgenauigkeit beurteilen zu können. So finden wir die Schmerzursache schnell heraus und können die Therapien noch besser an Ihre Anatomie anpassen!
  • Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf einen eingeklemmten Nerv sollte eine neurologische Untersuchung durchgeführt werden, um den Schweregrad der Schädigung zu bestimmen. Eine wichtige Methode ist auch zu messen, wie leitfähig der betroffene Nerv ist.

Behandlung: Vielfältige Therapieansätze

Die Behandlung von Nervenschmerzen vom Nacken bis zur Hand zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Ursache der Beschwerden zu behandeln. Es gibt eine Vielzahl von Therapieansätzen, die je nach Ursache und Schweregrad der Symptome eingesetzt werden können. Ärztinnen und Ärzte sind sich heute weitestgehend einig, dass die Therapie eines Halswirbelsäulensyndroms multimodal ausgerichtet sein sollte. Das heißt, es sollen verschiedene Behandlungen miteinander kombiniert werden, um die Ursachen anzugehen.

Konservative Behandlung

In vielen Fällen reichen konservative Maßnahmen aus, um die Beschwerden zu lindern. Hierzu zählen:

  • Schmerzlinderung: Im Vordergrund der Therapie steht die Schmerzlinderung durch Lockerung der Muskulatur. Hier hilft die Wärmetherapie, das Kinesiotaping und die manuelle Medizin (Chirotherapie). Bei starken Schmerzen können kurzfristig auch Schmerzmedikamente eingenommen werden. Hier erfolgt häufig eine Schmerzreduktion mit Schmerzmitteln oder Injektionen.
  • Physiotherapie: Krankengymnastische Übungen und regelmäßige sportliche Aktivität (Yoga, Pilates, Schwimmen, Nordic Walking, Qigong, uvm.) werden empfohlen. Hierbei gilt die Regel, den Sport zu betreiben, welcher Spaß macht und welcher von den Beschwerden her möglich ist. Mit gezielten Übungen, welche die Muskulatur stärken, kann eine gute Körperhaltung aufgebaut werden.
  • Manuelle Therapie: Chirotherapie oder Osteopathie können helfen, Blockaden zu lösen und die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu verbessern. Auch osteopathische Behandlungen können bei einem Handynacken angewendet werden. Dabei werden Blockaden, die durch den Handynacken entstanden sind, aufgelöst.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme kann helfen, verspannte Muskeln zu lockern, während Kälte bei akuten Schmerzen entzündungshemmend wirken kann.
  • Ergonomie: Achten Sie auf eine ergonomische Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes und Ihrer Freizeitaktivitäten. Der Bildschirm sollte auf Augenhöhe sein, und die Tastatur und Maus sollten so positioniert sein, dass Ihre Hände und Arme entspannt sind. Entsprechende Stühle und Schreibtische helfen Ihnen, eine gute Haltung anzunehmen. Der Kopf sollte immer gerade sein.
  • Entspannungstechniken: Bei stressbedingten Beschwerden können verschiedene Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Yoga helfen.

Invasive Behandlung

Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen, können invasive Behandlungen in Betracht gezogen werden:

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  • Injektionen: Gezielte Einspritzungen mittels bildgebender Verfahren an der Halswirbelsäule, bzw. dem in seiner Funktion eingeschränkten Nerv die Beschwerden lindern. In der klinischen Praxis ist die Quaddeltherapie bei der Behandlung eines hartnäckigen HWS-Syndroms besonders beliebt. Bei dieser Maßnahme spritzt der Arzt geringe Mengen eines Betäubungsmittels unter die Haut einer schmerzhaft überspannten Stelle. Die minimal-invasive Injektionstherapie (MIT) geht noch einen Schritt weiter. Sie gilt bei chronischen HWS-Syndromen als Herzstück der multimodalen Therapie. Bei stressbedingten Beschwerden können verschiedene Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Yoga helfen.
  • Operation: In schweren Fällen mit sehr starken Schmerzen und neurologischen Ausfällender oberen Extremität besteht die Möglichkeit einer OP mit Freilegung des eingeklemmten Nervs (Foraminotomie) oder des Ersatzes der betroffenen Bandscheibe (Implantation einer Bandscheibenprothese). Viele schmerzhafte Erkrankungen oder Verletzungen an der Wirbelsäule lassen sich durch Operationen deutlich bessern, wenn nicht sogar heilen.

Selbsthilfe: Was Sie selbst tun können

Neben den ärztlichen Behandlungen können Sie auch selbst aktiv werden, um Ihre Beschwerden zu lindern und vorzubeugen:

  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung ist wichtig, um die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule zu erhalten. Eine kräftige Muskulatur ist der beste Schutz vor Nackenschmerzen.
  • Dehnübungen: Regelmäßige Dehnübungen können helfen, Verspannungen zu lösen und die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Haltung: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung im Alltag, insbesondere bei sitzenden Tätigkeiten.
  • Pausen: Vermeiden Sie es, lange Zeit in derselben Position zu verharren.
  • Stressmanagement: Lernen Sie, mit Stress umzugehen, z.B. durch Entspannungstechniken oder Sport.
  • Handynacken vorbeugen: Unterschiedliche Tipps für den Alltag helfen dabei, einem Handynacken vorzubeugen. Dabei wird unser Rücken nicht nur durch den Blick nach unten auf das Smartphone belastet, auch langes Sitzen im Alltag und zu wenig Bewegung sind Auslöser von Rückenschmerzen.

Spezifische Übungen zur Vorbeugung und Linderung des Handynackens:

  • Nackenrollen: Setzen Sie sich aufrecht hin und lassen Sie Ihren Kopf langsam nach vorne sinken, sodass Ihr Kinn Ihre Brust berührt. Rollen Sie dann den Kopf langsam zur Seite und lassen Sie Ihr rechtes Ohr in Richtung Ihrer rechten Schulter sinken. Halten Sie diese Position für einige Sekunden und rollen Sie dann Ihren Kopf zur anderen Seite.
  • Schulterkreisen: Stehen Sie aufrecht und ziehen Sie Ihre Schultern nach hinten und unten. Beginnen Sie, Ihre Schultern in großen, kreisförmigen Bewegungen zu rollen.
  • Dehnung der Brustmuskulatur: Stellen Sie sich mit aufrechter Haltung hin und verschränken Sie die Finger hinter Ihrem Rücken. Drücken Sie Ihre Schultern nach hinten und ziehen Sie Ihre Arme sanft nach oben, um eine Dehnung in der Brustmuskulatur zu spüren.
  • Nackenstreckung: Setzen Sie sich aufrecht hin und platzieren Sie Ihre rechte Hand auf der linken Kopfseite. Neigen Sie Ihren Kopf sanft zur rechten Seite, während Sie mit Ihrer Hand einen leichten seitlichen Druck ausüben, um eine Dehnung im Nacken zu erzeugen.
  • Augenübungen: Blicken Sie regelmäßig während der Nutzung eines Smartphones oder Computers weg und konzentrieren Sie sich auf einen Punkt in der Ferne.

Wann zum Arzt?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

  • Die Schmerzen plötzlich und stark auftreten.
  • Die Schmerzen länger als ein paar Tage anhalten.
  • Neurologische Symptome wie Taubheitsgefühle oder Schwäche auftreten.
  • Die Schmerzen nach einem Unfall oder Sturz auftreten.
  • Fieber in Kombination mit Nackenschmerzen auftritt.

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