Die postherpetische Neuralgie (PHN) ist eine chronische Schmerzerkrankung, die als Komplikation nach einer Gürtelrose (Herpes zoster) auftreten kann. Die Gürtelrose selbst wird durch die Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht, desselben Virus, das auch Windpocken auslöst. Nach einer Windpockenerkrankung verbleibt das Virus inaktiv in den Nervenzellen des Körpers. Bei einer Schwächung des Immunsystems kann das Virus reaktiviert werden und entlang der Nervenbahnen wandern, was zu einer Gürtelrose führt.
Ursachen und Symptome der Gürtelrose
Eine Gürtelrose beginnt oft mit Kribbeln, Jucken oder brennenden Schmerzen in einem bestimmten Hautbereich. Nach einigen Tagen entwickelt sich ein bandförmiger oder gruppierter Ausschlag mit kleinen, mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen. Der Ausschlag tritt meist auf einer Körperseite auf, häufig am Oberkörper oder im Gesicht.
Was ist Postherpetische Neuralgie (PHN)?
Die postherpetische Neuralgie ist die häufigste Komplikation der Gürtelrose. Sie äußert sich durch anhaltende Nervenschmerzen, die auch nach dem Abheilen des Hautausschlags bestehen bleiben. Die Schmerzen können brennend, stechend oder pochend sein und werden von einer starken Berührungsempfindlichkeit im betroffenen Bereich begleitet. In schweren Fällen kann es zu Allodynie kommen, bei der bereits leichte Berührungen starke Schmerzen auslösen.
Risikofaktoren für PHN
Etwa jeder fünfte Gürtelrose-Patient entwickelt eine PHN. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter, insbesondere nach dem 50. Lebensjahr. Weitere Risikofaktoren sind ein geschwächtes Immunsystem, schwere Verläufe der Gürtelrose und starke Schmerzen während der akuten Phase der Erkrankung.
Diagnose der PHN
Die Diagnose der PHN wird in der Regel anhand der Krankengeschichte und der Beschreibung der Schmerzen gestellt. Eine körperliche Untersuchung kann helfen, andere Ursachen für die Schmerzen auszuschließen.
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Konventionelle Behandlungsmethoden
Die konventionelle Behandlung der PHN zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Zu den gängigen Behandlungsmethoden gehören:
- Schmerzmittel: Nicht-opioide Analgetika wie Ibuprofen und Metamizol können bei leichten bis mittelschweren Schmerzen helfen. Bei stärkeren Schmerzen können Opioide wie Tramadol, Tilidin, Morphin oder Oxycodon eingesetzt werden.
- Co-Analgetika: Medikamente wie Pregabalin, Gabapentin und Amitriptylin wurden ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie oder Depressionen entwickelt, können aber auch bei Nervenschmerzen wirksam sein.
- Lokaltherapeutische Maßnahmen: Schmerzlindernde Cremes, Salben oder Pflaster mit Wirkstoffen wie Capsaicin oder Lidocain können die Schmerzen lokal reduzieren.
- Invasive Schmerztherapie: In einigen Fällen können invasive Verfahren wie Nervenblockaden oder Rückenmarksstimulation eingesetzt werden, um die Schmerzen zu lindern.
- Psychologische Schmerztherapie: Chronische Schmerzen können die Psyche belasten. Eine psychologische Schmerztherapie kann helfen, mit den Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Multimodale Schmerztherapie: Eine multimodale Schmerztherapie kombiniert verschiedene Behandlungsansätze, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.
Naturheilkundliche Behandlungsansätze
Neben den konventionellen Behandlungsmethoden gibt es auch verschiedene naturheilkundliche Ansätze, die bei der Behandlung der PHN eingesetzt werden können. Dazu gehören:
- Neuraltherapie: Injektionen mit Lokalanästhetika wie Procain in die betroffenen Nerven können die Schmerzen lindern und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren.
- Homöopathie: Homöopathische Mittel wie Mezereum, Ranunculus bulbosus oder Rhus toxicodendron können je nach den individuellen Symptomen eingesetzt werden.
- Akupunktur: Die Akupunktur kann helfen, Schmerzen zu lindern und das Nervensystem zu regulieren.
- Vitamin- und Mineralstofftherapie: Eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen, insbesondere Vitamin C, Vitamin D, Magnesium und B-Vitaminen, kann das Immunsystem stärken und die Nervenfunktion unterstützen.
- Enzymtherapie: Enzyme wie Bromelain und Trypsin können Entzündungen reduzieren und die Heilung fördern.
- Olivenblattextrakt: Olivenblattextrakt wirkt antiviral und kann die Vermehrung des Varizella-Zoster-Virus hemmen.
- L-Lysin: Die Aminosäure L-Lysin kann die Vermehrung von Herpesviren hemmen.
- Cannabis: Cannabispräparate können bei der Behandlung von chronischen Schmerzen, einschließlich PHN, eingesetzt werden. Sie wirken schmerzlindernd, entzündungshemmend und entspannend.
- Darmsanierung: Eine gesunde Darmflora ist wichtig für ein starkes Immunsystem. Eine Darmsanierung kann helfen, das Gleichgewicht der Darmflora wiederherzustellen.
Fallbeispiele aus der Naturheilkunde
Die folgenden Fallbeispiele verdeutlichen, wie naturheilkundliche Behandlungen bei PHN eingesetzt werden können:
- Fall 1: Ein 65-jähriger Mann mit einer zwei Wochen alten Gürtelrose im Unterbauch und Beckenbereich wurde mit Procain-Injektionen, homöopathischen Mitteln und einer Darmspülung behandelt. Nach vier Wochen war er beschwerdefrei.
- Fall 2: Eine 72-jährige Frau mit PHN nach einer Gürtelrose im Brustbereich wurde mit einer kombinierten Therapie aus Fußbädern, Fußreflexzonenmassagen, Allergietestung, Bachblüten und homöopathischen Mitteln behandelt. Nach drei Behandlungen ließen die Schmerzen nach.
- Fall 3: Eine 73-jährige Frau mit PHN nach einer Gürtelrose im Brustbereich wurde mit einer Entschlackungsbehandlung und Quaddeln mit homöopathischen Mitteln behandelt. Nach zwei Behandlungen waren die Schmerzen abgeklungen.
Prävention der PHN
Die beste Möglichkeit, einer PHN vorzubeugen, ist die Vermeidung einer Gürtelrose. Dafür stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung:
- Impfung: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Gürtelrose für alle Personen ab 60 Jahren. Für Menschen mit chronischen Erkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem wird die Impfung bereits ab 50 Jahren empfohlen. Es gibt zwei Arten von Impfstoffen: einen Lebendimpfstoff (Zostavax®) und einen Totimpfstoff (Shingrix®). Der Totimpfstoff wird bevorzugt, da er wirksamer ist und weniger Nebenwirkungen hat.
- Stärkung des Immunsystems: Ein starkes Immunsystem kann helfen, die Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus zu verhindern. Dafür sind eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und Stressabbau wichtig.
- Vermeidung von Risikofaktoren: Risikofaktoren für eine Gürtelrose, wie Stress, ein geschwächtes Immunsystem und bestimmte Medikamente, sollten vermieden werden.
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