Glioblastom: Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze

Das Glioblastom ist eine aggressive Form von Hirntumor, die viele Fragen aufwirft. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze, um ein umfassendes Verständnis dieser komplexen Erkrankung zu ermöglichen.

Was ist ein Glioblastom?

Das Glioblastom ist der häufigste aggressive primäre Hirntumor bei Erwachsenen. Das Erkrankungsalter liegt meist zwischen 45 und 65 Jahren, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen. Das Glioblastom zählt zur Gruppe der Astrozytome und damit zu den Gliomen.. Es handelt sich um eine Variante der Gliome, zu denen auch Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome gezählt werden. In dieser Gruppe machen die Glioblastome mit 50 Prozent den überwiegenden Anteil der Erkrankungen aus. Ihren Ursprung haben diese Neoplasien (Neubildungen) im Stützgewebe des Gehirns.

Gliome sind primäre hirneigene Tumoren, die im Gehirn oder Rückenmark entstehen - im Gegensatz zu Hirnmetastasen, die Absiedlungen anderer Tumoren sind. Gliome entwickeln sich aus Gliazellen, den Stützzellen, die Nervenzellen im zentralen Nervensystem umgeben. Normalerweise unterstützen diese Zellen die Nervenfunktion, bei Gliomen geraten sie jedoch außer Kontrolle. Der genaue Gliazell-Typ bestimmt Klassifikation, Therapie und Prognose. Gliome werden nach der Art der beteiligten Zellen und dem WHO-Grad eingeteilt.

Das Glioblastom ist eine Form des Astrozytoms, die aus sternförmigen Astrozyten entsteht. Bei Erwachsenen beginnt das Wachstum meist im Großhirn. Diese Tumoren bilden eigene Blutgefäße, was ihr schnelles und aggressives Wachstum unterstützt. Sie infiltrieren umliegendes Hirngewebe und können die Gehirnfunktion erheblich beeinträchtigen. Symptome wie Kopfschmerzen, neurologische Ausfälle oder epileptische Anfälle sind häufig. Trotz Ähnlichkeiten im Verlauf darf ein Glioblastom nicht mit Hirnmetastasen verwechselt werden, die in anderen Organen entstehen.

Formen des Glioblastoms:

  • Primäres Glioblastom (IDH-Wildtyp): Diese Form tritt bei etwa 90% der Patient:innen auf, entwickelt sich ohne Vorläufer und wächst sehr aggressiv.
  • Sekundäres Glioblastom: Heute wird diese Form als Astrozytom, IDH-mutiert, WHO-Grad 4 bezeichnet. Es entsteht meist aus einem niedriggradigen Astrozytom, betrifft eher jüngere Menschen und hat eine etwas günstigere Prognose.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Glioblastoms sind bislang nicht bekannt. Bei den meisten Betroffenen tritt diese Tumorart spontan und ohne erkennbare Auslöser auf. Es gibt keine spezifische Lebensweise oder Ernährung, die nachweislich als Ursache ein Glioblastom provoziert. Dennoch sind einige Risikofaktoren bekannt, die die Wahrscheinlichkeit für einen Hirntumor wie das Glioblastom erhöhen können:

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  • Ionisierende Strahlung: Menschen, die ionisierender Strahlung ausgesetzt waren, haben ein erhöhtes Risiko für einen Hirntumor.
  • Genetische Veranlagung: In den meisten Fällen ist ein Glioblastom nicht erblich. Sehr selten tritt es im Zusammenhang mit bestimmten erblichen Syndromen auf, bei denen generell vermehrt Tumore entstehen. Dazu gehören etwa das Li-Fraumeni-Syndrom oder das Turcot-Syndrom, die beide mit einer erhöhten Tumorneigung im zentralen Nervensystem verbunden sind. So besteht jeweils ein Zusammenhang zum Lynch-Syndrom und dem Li-Fraumeni-Syndrom, der Neurofibromatose und der Exposition gegenüber Strahlung.

Daneben wurde ein möglicher Zusammenhang zwischen starker elektromagnetischer Strahlung (Handy, Hochspannungsleitungen etc.) und Hirntumoren lange diskutiert, ist aber bis heute nicht eindeutig belegt. Gewöhnliche Umweltfaktoren oder einzelne chemische Substanzen konnten als klare Ursache bisher nicht identifiziert werden. Ebenso gibt es keine Hinweise, dass Stress oder Verletzungen des Kopfes ein Glioblastom auslösen.

Wichtig zu betonen: Betroffene trifft keine Schuld. Sie haben nichts „falsch“ gemacht. Ein Glioblastom entsteht meist zufällig, und man kann ihm derzeit nicht sicher vorbeugen. Auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Hirntumoren gibt es mangels klarer Risikofaktoren nicht.

Symptome eines Glioblastoms

Je nachdem, an welcher Stelle sich der Tumor im Gehirn befindet, können Glioblastome durch unterschiedliche neurologische Beschwerden auffällig werden. Die Symptome können im weiteren Verlauf variieren. Da diese Hirntumoren schnell wachsen, verursacht der Druck auf das Gehirn meist die ersten Symptome.

Ein Glioblastom wächst schnell, verdrängt dabei gesundes Gehirngewebe und infiltriert dieses. Dadurch können folgende Symptome auftreten:

  • Kopfschmerzen, vor allem nachts und am frühen Morgen
  • Neu auftretende epileptische Krampfanfälle (oft das erste Symptom eines Hirntumors)
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Bewusstseinsstörungen, wie Benommenheit, Verwirrtheit, Konzentrationsstörung
  • Neurologische Ausfälle, je nach Lage des Tumors und der Schädigung von gesundem Hirngewebe:
    • Taubheitsgefühl oder Lähmungen
    • Verschwommene Sicht, Doppelbilder oder andere Sehstörungen
    • Sprachstörung
    • Gleichgewichtsstörung
  • Gedächtnisstörungen
  • Gefühlsstörungen
  • Veränderungen der Persönlichkeit

Aufgrund seines schnellen Wachstums kann sich das Glioblastom innerhalb eines kurzen Zeitraums entwickeln. Typischerweise sind die Tumore ursprünglich im Bereich der Schläfe bzw. der Stirn lokalisiert und infiltrieren von hier aus verschiedene Gewebeschichten des Gehirns. Die Verbreitung mittels Metastasen erfolgt häufig nur innerhalb des ZNS-Gewebes (zentrales Nervensystem).

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Da sowohl das Wachstum als auch die Bildung von Ödemen einen erhöhten Hirndruck aufbauen, können körperliche Krankheitszeichen wie Übelkeit oder Erbrechen hinzukommen. Selbst Symptome, welche einen Schlaganfall vermuten lassen, sind beim Wachstum des Tumors möglich.

Es gibt keine Leitsymptome, anhand derer Betroffene erkennen können, dass sie an einem primären Hirntumor oder Metastasen erkrankt sind. Grundsätzlich sollten anhaltende, sich verschlimmernde Kopfschmerzen, Schwindelgefühle sowie Übelkeit oder Erbrechen ernst genommen werden und Anlass für einen Termin beim Arzt sein.

Diagnose von Glioblastomen

Die Diagnosestellung des Gehirntumors erfolgt zunächst durch eine gründliche Befragung nach ersten Anzeichen und Symptomen, wie beispielsweise Kopfschmerzen, durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt. Durch bildegebende Verfahren wird die Lage und Größe des Hirntumors bestimmt.

Wenn Menschen mit Symptomen, die auf einen Hirntumor hinweisen können, eine Arztpraxis aufsuchen, wird die Ärztin oder der Arzt zunächst eine neurologische Untersuchung durchführen. Dabei werden unter anderem das Sehen, Hören, Riechen, die Augenbewegungen, die Gesichtsmuskulatur, Koordination, Kraft, Sensibilität, Koordination, Reflexe und Gleichgewicht geprüft. Bei Auffälligkeiten veranlasst der Arzt oder die Ärztin ein bildgebendes Verfahren.

Zu den Tests und Verfahren, die zur Diagnose eines Glioblastoms eingesetzt werden, gehören:

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  • Neurologische Untersuchung: Sehvermögen, Gehör, Gleichgewicht, Koordination und Reflexe der Patient:innen werden überprüft
  • Bildgebende Verfahren:
    • Magnetresonanztomographie (MRT) (dieses Verfahren wird standardmäßig zur Diagnose von Hirntumoren eingesetzt)
    • Gadolinium-verstärkte Magnetresonanztomographie (MRT) eine wichtige Position ein. Unter anderem können sich ein Ödem und eine ringförmige, irreguläre Kontrastmittelaufnahme in den MRT-Bildern darstellen. Mittels spezieller MRT-Sequenzen, welche beispielsweise den Durchfluss (Perfusion) bestimmen, lassen sich weitere Informationen zum Wachstum, der Abgrenzung des Tumors und dessen Infiltration in umliegendes Gewebe gewinnen.
    • Computertomographie (CT)
    • Positronen-Emissions-Tomographie (PET)
    • Des Weiteren kann die MRT in Kombination einer PET eingesetzt werden, um eine Verlaufsprognose im Zusammenhang mit der Radiochemotherapie zu ermöglichen. Studien zeigen, dass bestimmte Verteilungsmuster der Radiotracer in dieser Untersuchung auf ein höheres Risiko für Rezidive (Wiederauftreten des Tumors) hindeuten.
  • Biopsie: Die Entnahme einer Gewebeprobe erfolgt in der Regel vor der Operation oder während der Resektion eines Glioblastoms. Die Probe des verdächtigen Gewebes wird im Labor mikroskopisch und molekularpathologisch untersucht, um die Art der Zellen, den WHO-Grad sowie wichtige genetische Marker (z. B. IDH-Status, MGMT-Promotor-Methylierung) zu bestimmen.

Mit der Computertomographie und der Magnetresonanztomographie ist es heute möglich, in das Innere des Gehirns zu blicken und feinste Veränderungen sichtbar zu machen. Abhängig von den Beschwerden erfolgt meist eine Magnetresonanztomographie (MRT). Während die genannten Symptome nicht spezifisch für Hirntumore sind, kann eine Kernspintomographie zeigen, ob ein Hirntumor oder eine andere Ursache hinter den Beschwerden steckt. Wenn man einen Hirntumor in der Kernspintomographie findet, kann man mit dieser Untersuchung jedoch nicht feststellen, um welchen Tumor es sich handelt. Dies gelingt nur durch eine Untersuchung des Tumors mit dem Mikroskop und weiteren Untersuchungen durch eine Pathologin oder einen Pathologen. Dazu muss Tumorgewebe gewonnen werden. Dies kann durch eine Gewebeprobe oder im Falle einer Operation durch die Untersuchung des entfernten Tumorgewebes erfolgen.

Behandlung von Glioblastomen

Die Behandlung eines Glioblastoms erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Die derzeitige Standardtherapie umfasst eine maximal sichere chirurgische Entfernung des Tumors, gefolgt von einer kombinierten Therapie nach dem Stupp-Schema, bestehend aus Bestrahlung und einer begleitenden Chemotherapie mit einem oralen alkylierenden Zytostatikum (Temozolomid). Der MGMT-Promotor-Methylierungsstatus beeinflusst dabei die Wirksamkeit der Chemotherapie. Aufgrund des aggressiven Wachstums muss nach der Diagnose umgehend mit der Behandlung begonnen werden.

Die Therapiemethoden sind vom Gewebetyp des Tumors, vom Alter und Allgemeinzustand des Patienten und von der Größe und Lage des Tumors im Gehirn abhängig. Grundsätzlich gilt auch hier, je früher ein Gehirntumor erkannt wird, umso günstiger ist die Prognose für den Patienten. In Abhängigkeit von der WHO-Klassifikation des Tumors ist meist jedoch keine Heilung, sondern eine Symptomkontrolle ggf. mit Verlängerung des Überlebens und Stabilisierung bzw. Reduktion der Tumorgröße möglich.

Diese Behandlungsmethoden stehen beim Glioblastom zur Verfügung:

  • Operation: Die wichtigste Methode in der Therapie von Glioblastomen ist die Operation. Diese Tumoren liegen häufig in Regionen, die für die neurologische Funktion entscheidend sind. Das Hauptziel einer Resektion besteht darin, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen, ohne das umgebende gesunde Hirngewebe zu schädigen. Da Glioblastome von einer Zone infiltrierender Zellen umgeben sind, ist eine vollständige Entfernung nicht möglich. Die Operation verringert die Tumormasse, entfernt therapieresistente Zellen im Zentrum und senkt den intrakraniellen Druck. So kann das Überleben verlängert und die Lebensqualität verbessert werden. Da der Tumor nie vollständig entfernt werden kann, erhalten die meisten Patient:innen nach der Operation weitere Behandlungen.
  • Strahlentherapie: Sobald die Operationswunde verheilt ist, folgt die Strahlentherapie. Ziel ist es, verbliebene Tumorzellen, die in gesundes Hirngewebe eingedrungen sind, gezielt abzutöten. Die standardmäßige externe Bestrahlung umfasst den Tumor und einen Randbereich und wird in mehreren Sitzungen durchgeführt. Sie führt meist zu besseren Ergebnissen als eine alleinige Operation. Die Strahlentherapie wird dabei mit einer Chemotherapie kombiniert. Bei Patient:innen, die nicht operiert werden können, kann eine Radio-Chemo-Therapie auch primär eingesetzt werden.
  • Chemotherapie: Patient:innen erhalten während der Bestrahlung Temozolomid, gefolgt von sechs Erhaltungszyklen. Der molekulare MGMT-Status hilft bei der Beurteilung, ob Temozolomid besonders wirksam ist.
  • Tumor Treating Fields (TTF): TTF sind elektrische Felder, die die Zellteilung der Tumorzellen stören. Über Klebepads auf der Kopfhaut wird ein elektrisches Feld erzeugt. TTF werden meist mit Chemotherapie kombiniert und können nach der Strahlentherapie angewendet werden.
  • Therapie des Rezidivs: Beim Wiederauftreten des Glioblastoms kommen weitere Chemotherapien, erneute Resektion oder Studienprotokolle infrage. Die Teilnahme an klinischen Studien wird ausdrücklich empfohlen.
  • Palliativmedizin und supportive Therapie: Hierbei geht es um die Linderung von Beschwerden wie Schmerzen, neurologischen Ausfällen oder Hirndrucksymptomen. Palliativmediziner:innen begleiten Patient:innen, Angehörige und das Behandlungsteam, um die Lebensqualität zu erhalten und die Behandlung bestmöglich zu unterstützen.

Neben diesen standardmäßigen Behandlungsverfahren gibt es noch einige weitere. Bei kleineren Tumoren ist es möglich, stereotaktisch strahlende Teilchen (Seeds) in den Tumor zu setzen, die diesen langsam von innen heraus behandeln (interstitielle Strahlentherapie). Diese Behandlung kann auch mit einer Operation kombiniert werden, wenn zum Beispiel der Tumor in das Sprachzentrum oder in das Bewegungszentrum hineinragt, sodass er dort nicht operativ entfernt werden kann. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit sind die Tumortherapiefelder (Tumor Treating Fields). Dabei werden Elektroden auf die rasierte Kopfhaut geklebt und über einen großen Akku, den man in einem Rucksack trägt, mindestens 18 Stunden am Tag ein elektrisches Feld am Tumor angelegt, das die Zellen daran hindert, sich zu teilen. Ein anderer Ansatz ist eine gezielte Therapie, wenn der Tumor eine bestimmte Änderung im Erbgut aufweist.

Es gibt drei verschiedene Therapiemöglichkeiten, die alleine oder auch in Kombination zum Einsatz kommen können:

  • Operation: Im Idealfall, der sehr selten auftritt, kann der Gehirntumor vollständig operativ entfernt werden, ohne Tumorzellen zurückzulassen. Häufig gelingt es jedoch nur, einen Grossteil des Tumors zu entfernen. In manchen Fällen, z.B. bei schlechtem Allgemeinzustand des Patienten oder ungünstiger Tumorlage, kann auch nur die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe (Biopsie) zur Diagnosesicherung möglich sein.
  • Operation mit anschließender Strahlentherapie mit/ohne Chemotherapie: Da in den allermeisten Fällen keine vollständige Entfernung der Tumorzellen möglich ist und durch eine ausgedehnte Operation lebenswichtige Strukturen des Gehirns verletzt werden würden, ist eine Nachbehandlung mittels Strahlentherapie und/oder Chemotherapie angeraten. Auch bei vollständiger Tumorentfernung ist in Abhängigkeit vom WHO-Grad des Tumors eine Nachbehandlung sinnvoll
  • Strahlentherapie als Ersttherapie: Eine Strahlentherapie als Ersttherapie wird insbesondere dann eingesetzt, wenn der Tumor an einer besonders kritischen Stelle im Gehirn liegt und deswegen nur eine Biopsieentnahme und keine Operation möglich ist. Die Anzahl der Bestrahlungssitzungen und die Bestrahlungsintensität sind abhängig vom Gewebetyp. Während der Strahlentherapie können Nebenwirkungen wie Kopfdruck, Kopfschmerzen, Übelkeit, Haarausfall und ggf. Müdigkeit auftreten. Die meisten Nebenwirkungen können jedoch häufig durch den Einsatz von verschiedenen Medikamenten gemildert werden.

Die Strahlentherapie hat, wie auch die Chemotherapie, die Vernichtung der Krebszellen zum Ziel. Durch eine gezielte Strahlenkonzentration sollen die Krebszellen geschädigt, das gesunde Gewebe aber verschont werden. Da bei den Tumoren des Gehirns operativ meist keine komplette Entfernung des Tumors möglich ist, sollen durch eine Bestrahlung im Anschluss an eine operative Tumorentfernung oder Biopsie die restlichen noch verbliebenen Tumorzellen zerstört werden. Somit soll ein erneutes lokales Tumorwachstum bzw. eine weitere Tumorausbreitung mit Wiederauftreten von Beschwerden verhindert werden. Aus diesem Grund erfolgt meist nach der Operation von Gehirntumoren eine Strahlentherapie, die häufig ambulant durchgeführt werden kann. Durch eine Bestrahlung kann das Risiko eines erneuten Tumorwachstums vermindert werden. Auch bei weit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen mit großen Tumoren oder Metastasen kann die Strahlentherapie eingesetzt werden, in diesem Fall insbesondere zur Kontrolle der Beschwerden und zur Schmerzlinderung.

Eine Chemotherapie alleine, ohne Operation und Strahlentherapie, zeigt bei den meisten Gehirntumoren eine nur geringe Wirkung. Jedoch kann eine Chemotherapie bei kombiniertem Einsatz mit der Strahlentherapie die Wirkung der Strahlentherapie verbessern. Die Chemotherapie kann nach Ende der Bestrahlung bei nachgewiesener Wirksamkeit fortgesetzt werden, um die bis dahin erreichte Wirkung (Symptomkontrolle, Größenstabilisierung oder Größenreduktion) aufrecht zu erhalten und weiter zu verbessern. Auch bei Einsatz einer Chemotherapie nach einer Strahlentherapie, wenn diese nicht mehr möglich ist, z.B. im Falle eines erneuten Auftretens eines Tumors, kann durch verschiedene Substanzen und durch verschiedene Kombinationen eine Symptomkontrolle ggf. mit Ansprechen des Tumors (Größenstabilisierung oder Größenreduktion) erreicht werden.

Seit kurzem stehen zur Chemotherapie von Gehirntumoren neuere gutverträgliche Substanzen zur Verfügung, für die eine Wirksamkeit bei verschiedenen Tumoren des Gehirns gezeigt werden konnte und für andere Tumoren im Weiteren noch gezeigt werden muss. Da aufgrund neuer Erkenntnisse die Wirksamkeit vieler bekannter und neuentwickelter Substanzen in der Therapie der Gehirntumoren untersucht werden, ist es grundsätzlich für Patienten mit einem Gehirntumor ratsam, diese tumorspezifischen Therapien von spezialisierten Ärzten an "Therapiezentren" und falls möglich innerhalb "klinischer Studien" durchführen zu lassen. Ein Teil dieser Therapien kann ambulant durchgeführt werden.

Prognose und Ausblick

Die Prognose für Betroffene ist trotz vieler neuer Entwicklungen in der Krebsbehandlung weiterhin schlecht. Im Mittel liegt das Überleben nach der Diagnosestellung bei 15 bis 18 Monaten. Aber es gibt Menschen mit Glioblastom, die nach der Behandlung mehr als fünf Jahre überleben. Auch wenn dies nur weniger als zehn Prozent der Betroffenen sind, darf jede und jeder hoffen, zu dieser Gruppe zu gehören.

Studienergebnisse zeigen, dass Menschen, die in den ersten Jahren nach der Diagnose keinen Rückfall erleiden, eine bessere Prognose haben. Forschende vermuten, dass das längere Überleben möglicherweise darauf zurückzuführen ist, dass die Betroffenen an einer besonderen Unterart des Glioblastoms leiden, die einen besseren Krankheitsverlauf verspricht.

Nach der operativen Entfernung eines Hirntumors ist eine weitere Behandlung und engmaschige Nachsorge erforderlich. Damit soll erreicht werden, dass ein Rezidiv frühzeitig erkannt und eine Behandlung umgehend eingeleitet wird.

Leben mit einem Glioblastom

Neben der Bekämpfung des Tumors können epileptische Anfälle mit Medikamenten verhindert werden, die Hirnschwellung wird häufig mit Kortison behandelt. Da bei fortschreitenden Tumoren die zunehmenden Beschwerden den Alltag verändern, geben die Erkrankten in der Regel ihren Beruf auf. Schreitet der Tumor voran, nehmen die Beschwerden weiter zu, sodass die Betroffenen auf Pflege angewiesen sein können. Für Menschen mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen und begrenzter Lebenserwartung, die eine besonders aufwändige Versorgung benötigen, bieten die gesetzlichen Krankenkassen eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung an, bei der Mediziner und Medizinerinnen sowie Pflegeteams eng zusammenarbeiten, um die Symptome und Schmerzen optimal zu behandeln sowie eine Betreuung in der vertrauten Umgebung des häuslichen oder familiären Bereichs zu ermöglichen. In Selbsthilfegruppen können sich Betroffene austauschen, auch für Angehörige gibt es spezielle Gesprächskreise.

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