Eine Demenzerkrankung, insbesondere Alzheimer, stellt Betroffene und ihre Angehörigen vor große Herausforderungen in der alltäglichen Lebensgestaltung. In Rheinland-Pfalz gibt es vielfältige Betreuungsangebote und Selbsthilfegruppen, die Unterstützung und Entlastung bieten. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die verschiedenen Angebote, die in Rheinland-Pfalz zur Verfügung stehen.
Schulungsreihen und Informationsveranstaltungen
Um den Umgang mit der Krankheit zu erlernen und Hilfsmittel sowie Hilfsangebote kennenzulernen, werden Schulungsreihen für Angehörige von Menschen mit Demenz angeboten. Ein Beispiel ist die Schulungsreihe, die am 30. April 2025 in der Tagesstätte für Menschen mit Demenz, Danzigerstraße 29 in 76887 Bad Bergzabern, startet. Dieses Angebot wird vom Pfalzklinikum Klingenmünster in Kooperation mit der Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V. und dem Betreuungsverein SKFM Landau e. V. organisiert.
Die Landesfachstelle Demenz Rheinland-Pfalz informiert seit vielen Jahren die Öffentlichkeit zum Thema Demenz mit dem Ziel, ein besseres Verständnis und den richtigen Umgang mit einer Demenzerkrankung zu verbreiten. Auf vielen Veranstaltungen können Sie sich über die Hintergründe und den Verlauf der Krankheit sowie über Entlastungsmöglichkeiten und -angebote informieren. Adressen und Termine zum Thema Demenz in Ihrer Region finden Sie über die Demenzlandkarte für Rheinland-Pfalz.
Selbsthilfegruppen und Angehörigengruppen
Für viele Menschen ist es eine Entlastung, wenn sie in Angehörigengruppen und Selbsthilfegruppen erfahren, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind. Die Gruppen bestehen aus Menschen, welche sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden. Angehörige von Alzheimer- und anderen Demenzerkrankten treffen sich regelmäßig zum Austausch.
In Rheinland-Pfalz sind 24 Selbsthilfegruppen aktiv, die Angehörige von demenzkranken Menschen begleiten. Alle Gruppen werden von ehrenamtlichen Personen organisiert und geleitet. Wenn eine Gruppe neu gegründet wird, wird versucht, sich an die jeweiligen individuellen Bedürfnisse auszurichten. Der Erfolg der Selbsthilfegruppen steht und fällt mit dem Engagement der Selbsthilfegruppenleiter/Innen, aber auch mit der Finanzierung. Die Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz ist abhängig von Mitgliedsbeiträgen, Spenden, Pflegekassen oder Finanzierung durch einzelne Projektausschreibungen.
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Beispiele für Selbsthilfegruppen in Rheinland-Pfalz:
- Netzwerk Demenz Stadt und Landkreis Kaiserslautern: In Kooperation mit der Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V. findet jeden 1. ein Stammtisch von 14.30 bis 17.30 Uhr im Gasthaus „Quack“, Entersweilerstr. 74 in Kaiserslautern statt. Das Gasthaus ist stündlich mit der Buslinie 101 erreichbar.
- Alzheimer Selbsthilfegruppe Idar-Oberstein: Der Gesprächskreis richtet sich an pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz. Eine Voranmeldung zu den Treffen ist nicht notwendig. Treffen: jeden 1.
- Gesprächskreis pflegender Angehöriger (Bitburg-Prüm): Die Treffen finden jeden letzten Donnerstag im Monat, 14:00 Uhr, im Sozialamt der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm, Maria-Kundenreich-Str. 7 in Bitburg statt.
- Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige (Mendig): Die Treffen finden jeden 1. in der DRK Begegnungsstätte, Pellenzstraße 84 a in 56743 Mendig statt.
Die Rolle der Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V.
Die Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V. leistet seit 25 Jahren einen wertvollen Beitrag, um über die Alzheimer Erkrankungen und deren Folgen für Betroffene zu informieren. Die Gesellschaft bietet moderierte Selbsthilfegruppen für Betroffene und ihre An- und Zugehörige an und führt Schulungen und Workshops zur Sensibilisierung/Aufklärung durch.
Die Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V. ist Mitglied in Pflegenetzwerken, um neue Wege in der Beratung und im Austausch der Netzwerkpartner untereinander zu gehen. Sie bietet sowohl schriftliche, telefonische als auch persönliche Beratung für Menschen, die Demenzkranke pflegen.
Engagement von Ehrenamtlichen
Frau Bechtel ist seit 2013 Mitglied in der Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz. Sie engagiert sich ehrenamtlich, um pflegende Menschen zu beraten und zu entlasten. Im Raum Ludwigshafen hat sie gemeinsam mit einer Ärztin ein Pilot-Projekt initiiert, die ‚Hausärztliche Demenzsprechstunde‘, das Angehörige von an Demenz erkrankten Menschen bereits bei den ersten Veränderungen und/oder in der ersten Zeit nach Diagnoseerstellung aktiv begleitet.
Verständnis für Demenz entwickeln
Im Kontakt mit Menschen mit Demenz ist es wichtig zu wissen, dass die Erkrankung bei jedem Betroffenen anders verläuft und dass trotz der beschriebenen Veränderungen die Gefühlswelt intakt bleibt. Die Hauptsymptome entwickeln sich meist langsam und sind zunächst nur leicht, aber doch konstant vorhanden.
Demenz umfasst Defizite in kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten und führt zu einer Beeinträchtigung sozialer und beruflicher Funktionen. Vor allem sind das Kurzzeitgedächtnis, ferner das Denkvermögen, die Sprache, die Motorik und bei einigen Formen auch die Persönlichkeitsstruktur betroffen. Die Demenz schreitet immer weiter fort und ist nicht heilbar. Jedoch erreicht man die demenzkranken Menschen immer über die emotionale Schiene. „In die Schuhe des Erkrankten schlüpfen“. Sie empfinden bis zu ihrem Tod Emotionen wie Wut, Liebe, Trauer, Emotionalität, Freude.
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Symptome und Stadien der Demenz
Die häufigsten und auffälligsten Erkennungszeichen einer Demenz sind die Beeinträchtigung und der spätere Verlust des Kurz- und Langzeitgedächtnisses. Demenziell erkrankte Menschen können alltägliche Aufgaben - sich waschen, sich anziehen, essen - nur mühsam alleine ausführen und sind dadurch mehr und mehr auf Hilfe anderer Menschen angewiesen.
Die Demenz verläuft meist in drei Stadien:
- Frühes Stadium (Vergessensstadium - leichte Demenz): Die Menschen sind in ihren Tätigkeiten und sozialen Aktivitäten zwar beeinträchtigt, können aber meist noch unabhängig leben. Ihr Urteilsvermögen ist noch intakt.
- Mittleres Stadium (Verwirrtheitsstadium - mittelgradige Demenz): Die selbstständige Lebensführung ist nur noch mit Schwierigkeiten möglich. Die Betroffenen benötigen ein gewisses Maß an Beaufsichtigung und zunehmend Hilfe, um ganz alltägliche Handlungen durchführen zu können.
- Spätes Stadium (Hilflosigkeitsstadium - schwere Demenz): Die Aktivitäten des täglichen Lebens sind so stark beeinträchtigt, dass eine ständige und kontinuierliche Beaufsichtigung der an Demenz erkrankten Menschen nötig ist.
Umgang mit Verhaltensstörungen
Je nach individuellem Verlauf der Erkrankung, abhängig von Persönlichkeit, Temperament und Naturell des Betroffenen kann folgendes Verhalten auftreten: Angst, Unruhe, Ruhelosigkeit und zielloses Umherwandern, Schlafstörungen und nächtliches Herumlaufen, Aggression und Wut, (emotionale) Überreaktion und Panik, Wahn und Halluzination, Depression, Rückzug, Apathie, Niedergeschlagenheit und Stimmungsschwankungen, Misstrauen, Anklammern, Nach- und Weglaufen.
Was können wir alle tun?
Menschen mit Demenzerkrankung haben keine anderen Lebensvorstellungen als Menschen, die nicht an einer Demenz leiden. Wenn sie über ihre Wünsche und Lebensziele sprechen, formulieren sie häufig: „ich möchte ernst genommen werden“, „am Leben teilnehmen“ „mich sicher fühlen“ und „mit anderen sein“. Dies kann als Auftrag für unser gesellschaftliches Miteinander verstanden werden.
Teilhabe ermöglichen Nachbarschaftshilfe und soziale Verantwortlichkeit werden immer notwendiger, insbesondere da immer mehr Menschen, auch mit Demenz, alleine leben. Es ist wichtig, aufmerksam zu sein, wenn ein Mensch nach Orientierung sucht oder Hilfe benötigt. Durch Unterstützung und Anteilnahme können problematische Situationen für Menschen mit Demenz abgeschwächt werden. Wir alle können mitwirken, eine Teilhabe am öffentlichen Leben zu erleichtern, damit die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Familien verbessert werden kann.
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Diagnose und Behandlung
Besteht die Befürchtung, an Demenz erkrankt zu sein, ist es gut, diese Sorgen mit einem vertrauenswürdigen Menschen zu besprechen und jemanden zu bitten, bei den weiteren Schritten dabei zu sein.
Da es Erkrankungen gibt, die einer Demenz ähnlich sind, bei denen es sich jedoch nicht um eine Demenzerkrankung handelt, ist es sinnvoll, zur Abklärung der Diagnose den Hausarzt aufzusuchen. Er wird erste Untersuchungen durchführen und alle weiteren Wege aufzeigen.
Die Diagnose ist die Grundlage für die ärztliche Behandlung, und so ist es gegebenenfalls ratsam, auch einen Facharzt oder eine Gedächtnisambulanz zu konsultieren.
Möglichkeiten der Behandlung
Es ist wichtig, eine Demenzerkrankung rechtzeitig zu erkennen, damit durch die entsprechende Behandlung die Selbstständigkeit der an Demenz erkrankten Person so lange wie möglich erhalten und gefördert werden kann. Anhand von Gedächtnis- und Orientierungstests kann der Schweregrad der Einschränkung festgestellt werden.
Zu einer eindeutigen Diagnosestellung können mit Hilfe einer Computertomographie oder ähnlicher Verfahren Bilder vom Gehirn aufgenommen werden, auf denen der mögliche Verlust des Gehirngewebes sichtbar wird.
Neue, spezifisch wirkende Medikamente verzögern das Fortschreiten der Krankheit und können extreme Stimmungsschwankungen mildern. Darüber hinaus wird versucht, die an Demenz erkrankten Menschen geistig und körperlich zu aktivieren und anzuregen. Es ist nachgewiesen, dass Symptome wie Angst oder Unruhe durch eine Aktivierung der Betroffenen positiv beeinflusst werden können.
Unterstützung für Angehörige
Angehörige sollten versuchen, die Erkrankung zu akzeptieren und lernen, mit ihr umzugehen. Viele Reaktionen des erkrankten Familienmitgliedes können als Ausdruck verstanden werden, das „Selbst“ festhalten zu wollen und somit den Verlust der Kontrolle über das eigene Denken und Handeln aufzuhalten. Wichtig ist es, die Eigenständigkeit des erkrankten Menschen, seine Vorlieben und Fähigkeiten zu unterstützen, gegebenenfalls kreative Ausdrucksmöglichkeiten bereitzustellen und ihn anerkennend in den alltäglichen Ablauf einzubeziehen.
Um Informationen zum Krankheitsbild Demenz, zum unterstützenden Umgang mit dem Erkrankten, zur rechtlichen Vorsorge und den Leistungen der Pflegeversicherung zu erhalten, ist es ratsam, an einer Schulung für pflegende Angehörige teilzunehmen. In vielen Regionen finden zusätzlich regelmäßige Gesprächskreise oder sonstige Foren des Austauschs für Angehörige statt. Diese Angebote dienen der Information und machen gleichzeitig ein gelasseneres Miteinander mit dem erkrankten Menschen möglich.
Zur Entlastung als Pflegeperson ist es sinnvoll, Betreuungsangebote oder Freizeitaktivitäten in einer Gruppe mit Betroffenen und Angehörigen zu nutzen. Hilfreich können dabei sogenannte „niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangebote“ sein, die sich auch an Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen wenden.
Pflegestützpunkte in Rheinland-Pfalz
Die 135 Pflegestützpunkte in Rheinland-Pfalz bieten kostenfreie und vertrauensvolle Beratung zu allen Fragen der häuslichen pflegerischen Versorgung. Sie informieren über Veranstaltungen und Schulungen zum Thema „Demenz“ und bieten einen Überblick über sämtliche Unterstützungsangebote in der Region. Außerdem beantworten Sie alle Fragen rund um die Finanzierung der angebotenen Leistungen. Die Adressen der Pflegestützpunkte finden Sie auf dem Sozialportal des Landes Rheinland-Pfalz.
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