Die Diagnose einer Demenzerkrankung, insbesondere Alzheimer, stellt Betroffene und ihre Angehörigen vor große Herausforderungen. Im Landkreis Reutlingen gibt es jedoch vielfältige Unterstützungsangebote, die darauf abzielen, die Lebensqualität der Erkrankten zu erhalten und pflegende Angehörige zu entlasten. Diese Angebote reichen von kostenfreier Beratung bis hin zu Selbsthilfegruppen und speziellen Veranstaltungen.
Vielfältige Unterstützungsangebote im Landkreis Reutlingen
Der Landkreis Reutlingen bietet eine breite Palette an Unterstützungsangeboten für Menschen mit Demenz und ihre Familien. Zu den zentralen Anlaufstellen gehören:
- Pflegestützpunkt: Bietet kostenfreie Beratung und Vermittlung von Hilfen.
- DRK-Fachstelle Demenz: Organisiert zahlreiche Veranstaltungen und regelmäßige Treffen für Betroffene und Angehörige.
- ADELE (Anlaufstelle für Demenz und Lebensqualität der Keppler-Stiftung): Eine weitere wichtige Anlaufstelle für Informationen und Unterstützung.
Die DRK-Fachstelle Demenz bietet beispielsweise regelmäßige Angebote wie das "Kaffeepäusle", Angehörigentreffen, Selbsthilfegruppen und Wanderungen an. In Kooperation mit dem Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen gibt es zudem das Angebot "Kunst kann-Einfach".
Die Alzheimer Selbsthilfegruppe Reutlingen
Ein besonders wertvolles Angebot ist die Selbsthilfegruppe für Menschen mit beginnender Demenz im Landkreis Reutlingen. Diese Gruppe bietet einen geschützten Rahmen für Austausch, gegenseitige Unterstützung und die Stärkung der Selbstfürsorge. Hier können Betroffene ihre Erfahrungen teilen, Fragen stellen und gemeinsam Strategien entwickeln, um mit den Herausforderungen der Erkrankung umzugehen.
Herausforderungen im Alltag: Das Beispiel von Frau M.
Um die Situation von Betroffenen und ihren Angehörigen zu verdeutlichen, betrachten wir das Beispiel von Frau M.:
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Frau M. ist an Alzheimer erkrankt und lebt mit ihrem 82-jährigen Ehemann zusammen. Die Diagnose wurde vor einem Jahr gestellt, obwohl sich die Veränderungen bereits seit etwa fünf Jahren zeigten. Ihr Ehemann, der bis vor Kurzem von seiner Frau liebevoll umsorgt wurde, muss nun die Versorgung übernehmen. Er muss kochen, waschen und sich um seine Frau kümmern, auch wenn sie Hilfe ablehnt und behauptet, sie habe gerade erst gebadet.
Dieses Beispiel verdeutlicht die enormen Belastungen, denen Angehörige ausgesetzt sind. Sie müssen nicht nur die praktische Pflege übernehmen, sondern auch mit den emotionalen und psychischen Auswirkungen der Erkrankung umgehen.
Demografische Entwicklung und steigende Fallzahlen
Die Zahl der Demenzkranken nimmt aufgrund der demografischen Entwicklung stetig zu. Derzeit leben in Baden-Württemberg etwa 150.000 Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz. Im Landkreis Reutlingen sind es statistisch gesehen etwa 2.750 Erkrankte, und in zehn Jahren werden es voraussichtlich 3.300 sein. Untersuchungen zeigen, dass in Baden-Württemberg 1,5 % aller über 65-Jährigen und sogar 30 % der über 90-Jährigen betroffen sind.
Häusliche Pflege und die Belastung der Angehörigen
Etwa 80 % der an Alzheimer Erkrankten werden zu Hause betreut und gepflegt, oft ohne fremde Hilfe und über viele Jahre hinweg, rund um die Uhr. Diese Dauerbelastung ist der häufigste Grund für den Umzug in ein Pflegeheim. Im Durchschnitt sind etwa 60-70 % der Pflegeheimbewohner an einer Demenz erkrankt.
Trotz der hohen Zahl Betroffener wird die Erkrankung in den ersten Jahren oft tabuisiert oder verschwiegen. Zu den Symptomen gehören Gedächtnisverlust, Schwierigkeiten beim Denken, Verstehen und Sprechen sowie zeitliche und örtliche Orientierungsschwierigkeiten. In fortgeschrittenen Stadien werden selbst vertraute Personen nicht mehr erkannt, und die Betroffenen benötigen zunehmend Unterstützung im Alltag.
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Formen der Demenz
Man unterscheidet zwischen verschiedenen Formen der Demenz:
- Primäre Demenz: Hierzu zählt die Alzheimer-Demenz (ca. 60-70 %).
- Sekundäre Demenz: Diese Form, wie die vaskuläre Demenz (ca. 15 %), entsteht als Folge verschiedener Grunderkrankungen.
- Spezielle Demenzformen: Im niedrigen Prozentbereich gibt es noch seltenere Formen wie die Lewy-Körperchen-Demenz und die frontotemporale Demenz.
Es ist wichtig, andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können.
Umgang mit der Erkrankung und Unterstützung für Angehörige
Die Alzheimer-Krankheit ist derzeit nicht heilbar, aber mit Medikamenten (Antidementiva) kann der Krankheitsverlauf in manchen Fällen verzögert werden. Während des gesamten Krankheitsverlaufs, der im Durchschnitt etwa acht bis zehn Jahre dauert, ist eine umfassende Betreuung und Unterstützung notwendig.
Um die Pflege und Betreuung langfristig bewältigen zu können, müssen Angehörige lernen, neben dem Kranken auch sich selbst und die eigene Gesundheit in den Mittelpunkt zu stellen. Es ist wichtig, eigene Grenzen zu erkennen und nicht über die eigenen Kräfte hinaus zu pflegen. Die pflegende Person ist der Schlüssel zur häuslichen Pflege. Ohne diese Person ist ein Umzug in ein Pflegeheim oft unvermeidlich.
Spezielle Angebote für jüngere Demenzerkrankte und deren Angehörige
Eine besondere Herausforderung stellt die Demenz im jüngeren Alter dar. Die Angehörigengruppe Reutlingen bietet speziell für Angehörige von jüngeren Demenzerkrankten (vor/um das 60. Lebensjahr) und/oder Menschen mit frontotemporaler Demenz (FTD) eine Anlaufstelle.
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Die Treffen finden einmal monatlich um 19:00 Uhr statt. Da frühe Demenzerkrankungen eher selten sind, gibt es oft wenig spezifische Hilfsangebote. Diese Gruppe bietet einen geschützten Rahmen für Austausch, gegenseitige Unterstützung und die Stärkung der Selbstfürsorge.
Weitere Angebote und Initiativen
Neben den bereits genannten Angeboten gibt es weitere Initiativen im Landkreis Reutlingen, die sich für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen einsetzen:
- Betreuungsgruppen: Bieten stundenweise Betreuung für Menschen mit Demenz, um Angehörige zu entlasten. Ein Beispiel ist die Betreuungsgruppe Reutlingen (Lichtstube), die Montag bis Donnerstag Nachmittags stattfindet.
- Schulungen für Ehrenamtliche: Die DRK-Fachstelle Demenz schult bürgerschaftlich Engagierte und Mitarbeitende von Einrichtungen der Altenpflege, um das Wissen über Demenz zu verbreiten und die Qualität der Betreuung zu verbessern.
- Projekt "PflegeCoDe": Ein Projekt, das einen elektronischen Assistenten entwickelt, um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern.
Engagement für mehr Verständnis und Teilhabe
Viele Menschen engagieren sich im Landkreis Reutlingen als Demenzbotschafter, um das Thema Demenz präsenter zu machen und das Verständnis in der Gesellschaft zu fördern. Sie setzen sich dafür ein, dass Menschen mit Demenz möglichst lange selbstbestimmt in ihrem gewohnten Umfeld leben und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.
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