Dauerhafte Nervenberuhigung bei Zahnoperationen: Risiken und Lösungen

Viele Menschen haben Angst vor Zahnoperationen, insbesondere vor Zahnimplantaten. Diese Angst resultiert oft aus Unklarheit über den Eingriff, Schmerzen oder langfristigen Komplikationen. Dieser Artikel soll die Risiken und Möglichkeiten zur Nervenberuhigung bei Zahnoperationen, insbesondere im Zusammenhang mit Zahnimplantaten und Weisheitszahnentfernungen, beleuchten.

Zahnimplantate: Angst überwinden und Risiken minimieren

Viele Patienten haben Horrorvorstellungen von Zahnarztbesuchen, die von langen Behandlungszeiten, unangenehmen Bohrgeräuschen und vermeintlich unsensiblen Ärzten geprägt sind. Glücklicherweise hat sich die moderne Zahnmedizin weiterentwickelt. Geschulte Implantologen können neue Zähne in kurzer Zeit einsetzen.

Schmerzmanagement bei Zahnimplantationen

Das Einsetzen eines Implantats ist ein chirurgischer Eingriff, der bei vielen Patienten Besorgnis auslöst. Sie befürchten anhaltende Schwellungen und Schmerzen. Moderne Methoden machen den Eingriff jedoch kaum schmerzhaft, da er minimalinvasiv durchgeführt wird. Die Betäubung sorgt dafür, dass Patienten während des Eingriffs nur einen leichten Druck spüren. Viele Patienten sind überrascht, dass sie während der gesamten Implantation keinerlei Schmerzen verspüren. Einige empfinden sogar die ersten Tage nach dem Ziehen eines Zahnes als unangenehmer als die ersten Tage nach der Implantation.

Ein Sonderfall sind Patienten mit Angst vor der Betäubungsspritze. In diesem Fall sollte der Zahnarzt vorab informiert werden.

Risiken bei Zahnimplantationen und wie man sie minimiert

Als chirurgischer Eingriff ist die Implantation mit gewissen Risiken verbunden. Bei einem erfahrenen Implantologen ist dieses Risiko jedoch gering. Moderne Diagnostik und Planung, wie z.B. ein 3D-Scan des Kiefers, helfen, bekannte Risiken wie Nervenverletzungen weitgehend auszuschließen.

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Gute Implantologen zeichnen sich durch die Mitgliedschaft in anerkannten Gesellschaften aus. Auch die Zeit nach dem Einsetzen des Zahnimplantats bereitet vielen Patienten Angst. Sie befürchten, dass ihr Körper das Implantat abstößt oder dass es zu Entzündungen kommt. Moderne Implantate bestehen aus Titan und die Krone aus Keramikverblendung oder Vollkeramik. Beides sind verträgliche, inerte Materialien, die der Körper gut annimmt.

Dennoch liegt es auch an den Patienten, wie gut das Implantat einheilt. Häufigste Gründe für das unerwartete Abstoßen des Implantats sind Bakterien oder schlechte Durchblutung. Daher ist eine gute Mund- und Zahnhygiene wichtig, und Rauchen sollte vermieden werden. Zudem sollte der Zahnarzt über die Einnahme von Medikamenten informiert werden, da auch diese ein Abstoßen des Implantats bewirken können.

Besonderheiten im Oberkiefer

Erfahrene Implantologen gehen mit viel Feingefühl an die Implantation. Gerade der Oberkiefer ist ein heikler Bereich, da hier oft der Knochen zwischen Kiefer und Nasennebenhöhle sehr dünn ist. In anderen Fällen ist der Kieferkamm zu schmal, um dort gefahrlos das Implantat einzubringen. Deshalb sollte vor dem Eingriff in jedem Fall der Kiefer gescannt werden, um das Risiko eines Knochen- oder Durchbruchs auszuschließen. Ist tatsächlich zu wenig Knochen vorhanden, muss der Kiefer zunächst aufgebaut werden.

Vollnarkose bei Zahnbehandlungen: Eine Option für Angstpatienten

Für viele Patienten mit großer Angst vor dem Zahnarzt kommt eine Behandlung nur unter Vollnarkose in Betracht. Insbesondere bei ausgewachsenen Phobien ist die Vollnarkose oft die einzig praktikable Lösung. Obwohl zusätzliche Kosten entstehen, kann sie sich bei sehr schmerzhaften oder komplizierten Zahnoperationen lohnen.

Was ist eine Vollnarkose?

Die Vollnarkose (auch Allgemeinanästhesie genannt) ist ein künstlich eingeleiteter Schlafzustand, bei dem Bewusstsein, Schmerzempfinden und andere Körperfunktionen vorübergehend ausgeschaltet werden. Sie ermöglicht angst- und schmerzfreie Zahnarztbesuche für alle.

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Ablauf einer Vollnarkose

Narkosemedikamente (Anästhetika) versetzen den Patienten in einen schlafähnlichen Zustand, bei dem Bewusstsein, Muskelkraft, Atemantrieb und Schutzreflexe aussetzen. Die Narkose setzt sich aus vier Komponenten zusammen:

  • Schlaf (Hypnose)
  • Schmerzfreiheit (Analgesie)
  • Verlust der Erinnerung (Amnesie)
  • Dämpfung der vegetativen Nervenreaktionen

Wann ist eine Vollnarkose sinnvoll?

Eine Behandlung in Vollnarkose bietet dem Zahnarzt ideale Arbeitsbedingungen, da unangenehme Hilfsmittel wie ein Mundsperrer problemlos eingesetzt werden können. Dadurch kann der Eingriff schnell und effizient erfolgen. Bevorzugt kommt die Vollnarkose bei Patienten mit Angst vor dem Zahnarzt, Kindern oder Menschen mit geistiger Behinderung zum Einsatz.

Weitere Entscheidungskriterien für eine Vollnarkose sind zeitintensive Eingriffe wie der Einsatz mehrerer Zahnimplantate oder die Entfernung der Weisheitszähne. Narkosen können jedoch unwirksam sein, wenn sich im Behandlungsbereich eine schwere Entzündung befindet.

Für wen ist eine Zahnbehandlung unter Vollnarkose geeignet?

Prinzipiell können alle Interessierten, die eine Behandlung unter einer Intubationsnarkose (ITN) beim Zahnarzt in Anspruch nehmen, unter Zuhilfenahme dieses Verfahrens behandelt werden. Besonders profitieren Patienten, die schmerz- oder angstbedingt nicht ruhig im Zahnarztstuhl liegen können. Auch bei längeren Operationen, die mit unangenehmen Erschütterungen und Geräuschen einhergehen, sorgt die Narkose für Abhilfe.

Sie kommt ferner zum Einsatz, wenn:

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  • Eine örtliche Betäubung nicht tief genug geht.
  • Der Zahmediziner den geplanten Eingriff in Vollnarkose durchführen möchte.
  • Ein umfangreicher Eingriff ansteht.
  • Angstpatienten (Zahnarztphobie) behandelt werden.
  • Kinder behandelt werden.
  • Menschen mit geistiger Behinderung behandelt werden.
  • Ein ausgeprägter Würgereiz behandelt werden muss.

Risiken und Komplikationen einer Vollnarkose

Dank moderner Narkosetechniken ist die Vollnarkose ein äußerst sicheres Verfahren. Narkosemedikamente werden ausschließlich von speziell ausgebildeten Ärzten und nur in feinfühliger Dosierung verabreicht, und der Patient wird künstlich beatmet. Zudem wird der Gesundheitszustand des Patienten während der Behandlung intensiv überwacht. Trotzdem bedeutet jede Vollanästhesie eine Belastung für den Organismus.

Mögliche Komplikationen, Nach- und Nebenwirkungen sind:

  • Atemprobleme durch die Kehlkopfmaske
  • Übelkeit und Erbrechen nach der Narkose
  • Heiserkeit und Halsschmerzen durch Beatmungsschlauch
  • Beschädigung an Zähnen, Zahnfleisch, Stimmbändern oder Schleimhaut durch Beatmungsschlauch (selten)
  • Allergische Reaktionen auf Narkosemedikamente (sehr selten)
  • Beatmungsprobleme (sehr selten)
  • Störungen des Herz-Kreislauf-Systems (sehr selten)
  • Zurückfließen von Mageninhalt in Speiseröhre und Lunge (sehr selten)
  • Tod (extrem selten)
  • Plötzliches Aufwachen während der Operation (extrem selten)

Vorbereitung auf eine Vollnarkose

Vor dem Eingriff klärt der Arzt und Narkosearzt den Patienten über die Narkose, das Vorgehen, das verwendete Narkosemittel und die möglichen Risiken auf. Im Rahmen dieses Gesprächs werden auch der Gesundheitszustand, die Krankengeschichte und die Lebensgewohnheiten besprochen.

Wichtige Regeln vor der Narkose sind:

  • Eine Woche vor dem geplanten Eingriff kein Aspirin oder andere Schmerzmittel mit Acetylsalicylsäure einnehmen.
  • Am Anästhesietag sechs Stunden vor dem Eingriff nichts mehr essen.
  • Bis zwei Stunden vor dem Eingriff darf noch Wasser getrunken werden (Ausnahme: Mit dem Arzt abgesprochene Tabletten dürfen mit etwas Wasser auch später eingenommen werden).
  • Am Tag der Narkose nicht rauchen und keinen Alkohol trinken.

Ablauf der Zahnsanierung oder Zahnimplantate unter Vollnarkose

Die verschiedenen Narkosestadien sind die Einschlafphase, die Erhaltungsphase und die Aufwachphase.

  • Einschlafphase: Der Arzt injiziert spezielle Medikamente, die aus Schlafmitteln, Schmerzmitteln und muskelerschlaffenden Arzneien bestehen. Der Patient entspannt sich und gleitet sanft in den Tiefschlaf ab.
  • Erhaltungsphase: Die Atmung wird künstlich unterstützt, und alle lebenswichtigen Funktionen werden überwacht und aufrechterhalten.
  • Aufwachphase: Die Gabe von Narkosemedikamenten wird eingestellt, und der Patient wacht auf.

Was ist nach der Narkose zu beachten?

Nach der Narkose bleiben Patienten noch einige Zeit zur Beobachtung in der Praxis des Zahnarztes. Müdigkeit und geminderte Reaktionsfähigkeit sind nach einer Narkose ganz typisch. Daher sollten folgende Verhaltensregeln beachtet werden:

  • Nicht eigenständig Autofahren und keine schweren Maschinen betätigen.
  • Nicht selbstständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.
  • Nur mit dem Zahnmediziner abgesprochene Medikamente einnehmen.
  • Keinen Alkohol trinken.
  • Keinen Sport treiben.
  • Sich Ruhe gönnen und keine wichtigen Entscheidungen treffen.
  • Etwa 24 Stunden nach der Narkose nicht alleine bleiben.

Kosten einer Vollnarkose

Die Kosten für eine Vollnarkose richten sich nach der Zeit, in der der Patient anästhesiert ist, also nach dem Umfang der Zahnbehandlung. Eine Stunde in Vollnarkose kostet in den meisten Fällen etwa 250 Euro, jede weitere halbe Stunde wird mit 50 Euro beziffert.

Wer übernimmt die Kosten einer Vollnarkose beim Zahnarzt?

Ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt, hängt davon ab, ob die Vollnarkose medizinisch erforderlich ist oder ob es sich um eine sogenannte Wunschnarkose handelt. Ist die Vollnarkose medizinisch notwendig, übernimmt in der Regel die Krankenkasse die Kosten.

Nervverletzungen bei Zahnbehandlungen: Ursachen, Behandlung und Prävention

Nervverletzungen können bei verschiedenen zahnärztlichen Eingriffen auftreten, insbesondere bei Wurzelkanalbehandlungen, Implantationen und Weisheitszahnentfernungen.

Nervverletzungen nach Wurzelkanalbehandlungen

Bei endodontischen Behandlungen von Molaren des Unterkiefers kann es zu einer Verletzung des Nervus alveolaris inferior kommen. Eine Überinstrumentierung oder das Überpressen der Wurzelkanalfüllung kann zu Sensibilitätsstörungen führen.

Ursachen für Sensibilitätsstörungen können systemische oder lokale Faktoren sein. Lokale Faktoren sind Traumata, wie beispielsweise eine Unterkieferfraktur, verdrängende Läsionen oder iatrogene Läsionen nach Zahnentfernung, Wurzelkanalbehandlung, Anästhesieinjektion oder implantologischen Eingriffen.

Fallbeispiel: Behandlung einer Nervverletzung nach Wurzelkanalbehandlung

Eine 25-jährige Patientin wurde zur Therapie eines Taubheitsgefühls im Bereich des rechten Kinns überwiesen, nachdem kurz zuvor der Zahn 47 wurzelkanalbehandelt und definitiv gefüllt worden war. Die Patientin berichtete über einen zunehmenden Gefühlsverlust im Bereich der rechten Unterlippe.

Die radiologische Abklärung mittels digitaler Volumentomographie (DVT) zeigte überpresstes Wurzelkanalfüllmaterial im Canalis mandibulae. Im Rahmen eines operativen Eingriffs wurde das Fremdmaterial aus dem Canalis mandibulae entfernt und eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt.

Die Patientin berichtete schon unmittelbar post operationem über eine deutliche Besserung der Symptomatik. Im weiteren Verlauf stellte sich nach mehreren Wochen ein kribbelndes Gefühl auf Berührung ein. Nach sechs Monaten war die Parästhesie nur noch geringgradig erhalten.

Prävention von Nervverletzungen bei Wurzelkanalbehandlungen

Vor chirurgischen Eingriffen an den Wurzelspitzen von Zähnen mit einer möglichen Verbindung oder Überlagerung zum Canalis mandibulae sollte eine dreidimensionale Bildgebung zur präzisen Planung erfolgen. Bei Bestätigung einer direkten Kommunikation zwischen Wurzelspitzen und Mandibularkanal sollte die Indikation zur endodontischen Therapie eher eng gestellt und gegebenenfalls auf die Spülung mit Natriumhypochlorit verzichtet werden. Außerdem sollte auf die Wahl des Sealers geachtet werden.

Behandlung von Nervverletzungen nach Wurzelkanalbehandlungen

Bei einer Überstopfung von Wurzelkanalfüllmaterial in den Canalis mandibulae ist die zeitnahe operative Entfernung des Materials indiziert. Weiterhin wird die Gabe von Antiphlogistika, Antibiotika und Kortikosteroiden empfohlen.

Nervverletzungen bei Implantationen

Die Verletzung von Nerven durch Implantate ist insgesamt selten, aber schwerwiegend. In der Gruppe der Nervverletzungen im Zusammenhang mit Zahnimplantaten ist die Schädigung des Unterkiefernerv-Astes dabei mit großem Abstand das bedeutendste Risiko.

Wenn für die Implantateinbringung zu tief gebohrt und das Implantat zu tief platziert wird, kann der Unterkiefernerv gequetscht, teilweise oder ganz durchtrennt werden. Je nach Verletzungsgrad resultiert daraus ein zeitweiliges bis dauerhaftes Taubheitsgefühl im Kinn-Lippen-Bereich der betroffenen Seite. Auch sind Missempfindungen und Schmerzen neben einem Sensibiltätsverlust möglich.

Prävention von Nervverletzungen bei Implantationen

Bei nervnahen Implantaten sind Planungen unter Zuhilfenahme von 3D-Röntgen (CT, DVT) State-of-the-Art. Auch helfen spezielle Bohrerstopps bei der exakten Implantatbettaufbereitung um ein zu tiefes Bohren zu verhindern. Durch sorgfältige Röntgen-Diagnostik lässt sich der Abstand zwischen Knochenoberkante und Nervkanal messen. Danach sollte die Implantatlänge mit einem Sicherheitsabstand bestimmt werden.

Behandlung von Nervverletzungen bei Implantationen

Wenn ein Nerv durchtrennt wurde, kann theoretisch eine operative Nervnaht Voraussetzung für eine besser Regeneration schaffen. Bei Implantaten, die in den Nervkanal reichen, ist aber die umgehende Entfernung bzw. Kürzung des Implantats angezeigt.

Nervverletzungen bei Weisheitszahnentfernungen

Die Extraktion von Weisheitszähnen gehört zum Praxisalltag. Dazu gehört auch die Aufklärung über mögliche Nervschädigungen. Nach der Entscheidung des Brandenburgischen Oberlandesgerichts muss der Patient nicht nur über das Risiko vorübergehender Beeinträchtigungen durch eine Nervverletzung informiert werden, sondern auch über das Risiko einer dauerhaften Beeinträchtigung.

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