Biografien über Tetraplegie: Einblick in Leben und Fiktion

Lesen ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung, die uns in andere Welten entführt und uns neue Perspektiven eröffnet. Ob Liebesromane, Krimis oder Fantasy-Epen - die Auswahl ist riesig. Auch Biografien erfreuen sich großer Beliebtheit, da sie uns Einblicke in das Leben anderer Menschen gewähren. Dieser Artikel widmet sich Biografien und Romanen, die sich mit dem Thema Tetraplegie auseinandersetzen und sowohl Betroffene als auch fiktive Charaktere in den Mittelpunkt stellen.

Tetraplegie in der Literatur: Mehr als nur Leid und Drama

Die Autorin Sarina Bowen hatte das Gefühl, dass Menschen mit Behinderungen in Filmen oder Romanen unterrepräsentiert seien oder als Projektionsfläche für Leid und Drama dienten. Wobei für die meisten Betroffenen die Realität - mit Familie, Kindern, Beziehungen, Freunden, Job und Haustieren - doch ganz anders aussähe.

Liebesromane mit Protagonisten im Rollstuhl

Ein Beispiel für einen Liebesroman mit einem Protagonisten im Rollstuhl ist „Harter Fall. Weiche Landung.“ von Sarina Bowen. In diesem Buch ist der Held, Hank Lazarus, nach einem Unfall querschnittgelähmt. Interessanterweise thematisiert die Autorin Hanks erektile Dysfunktion und seine Spastik, erwähnt aber nicht das eventuell gegebene Problem der Inkontinenz. Ein weiterer Roman von Sarina Bowen ist „Bevor wir fallen“, in dem die Protagonistin querschnittgelähmt ist.

Realistische Darstellungen im Roman

Autor Daniel Morawek hat bei der Recherche zu seinem Roman eine Dokumentation über einen Pflegedienst gedreht und einige Zeit mit einem Rollstuhl-Rugby-Team verbracht. Seine Schilderung der (fiktiven) Geschehnisse ist also durchaus realistisch und außerdem amüsant.

Angehörige und Überfürsorglichkeit

In dem Roman „Shooting for the Stars“ wird thematisiert, dass so manche Angehörige dazu neigen, einem Verwandten mit Querschnittlähmung die Fähigkeit abzusprechen, für sich selbst sorgen zu können.

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Krimis mit Ermittlern im Rollstuhl

Auch im Krimi-Genre gibt es Beispiele für Ermittler im Rollstuhl. In der Krimireihe um Kommissarin Hanne Wilhelmsen der norwegischen Autorin Anne Holt wird Hanne in Band Sieben angeschossen und trägt eine Querschnittlähmung davon. Dennoch ermittelt sie in drei weiteren Bänden gegen Gut und Böse. Im Thriller „Der Knochenjäger“ ist der Forensiker Lincoln Rhyme seit einem Arbeitsunfall Tetraplegiker und praktisch bewegungsunfähig.

Fantasy und Dystopie

Auch in Fantasy-Büchern finden sich Charaktere im Rollstuhl. In G. R. R. Martins Fantasy-Epos „Das Lied von Eis und Feuer“ gibt es gleich zwei Figuren im Rollstuhl: Doran Martel, der gichtkrank ist, und Brandon Stark, der seit einem Sturz querschnittgelähmt ist. In den X-Men Comics ist Professor Charles Francis Xavier querschnittgelähmt, seit er im Himalaya die Pläne einer außerirdischen Invasion vereitelte.

Biografien über das Leben mit Tetraplegie

Samuel Koch: Ein Leben im Rampenlicht

Der bekannteste Tetraplegiker Deutschlands ist ohne Zweifel Samuel Koch. Koch wurde durch seinen Unfall bei „Wetten, dass..?“ im Dezember 2010 bekannt, als er auf Sprungstelzen über fahrende Autos hüpfen wollte und sich dabei einen Halswirbel brach. Seitdem ist er gelähmt.

„Zwei Leben“: Einblicke in die Rehabilitation

In seiner Autobiografie „Zwei Leben“ schreibt Koch über die Vorbereitung der Wette, den Unfall, sein Leben vorher und sein Leben seither. Er beschreibt die Zeit nach dem Unfall als Alptraum, die Schmerzen, die Bewegungsunfähigkeit und die Angst. Koch erleidet ein körperliches und seelisches Trauma.

„Rolle vorwärts“: Ein Leben als Schauspieler

In seinem zweiten Buch „Rolle vorwärts“ beschreibt Koch seinen Alltag als Tetraplegiker, seine Beziehung, seine Therapien und seine Karriere als Schauspieler. Er erzählt von Situationen, in denen er sich selbst nicht aus misslichen Lagen befreien kann und dass er davon träumt, geheilt zu werden. Koch ist nicht nur „der Querschnittgelähmte“ oder „der Wetten, dass…-Kandidat, der den Unfall hatte“. Er ist auch „der Schauspieler“, „der Weltenbummler“ und „der Liebende“.

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„StehaufMensch!“: Resilienz und Lebensmut

In seinem Buch „StehaufMensch! Was macht uns stark?“ beschreibt Samuel Koch, was seiner Meinung nach zu Resilienz gehört. Er wirft spannende Fragen auf: Was gibt Menschen wirklich die Kraft, immer wieder aufzustehen? Kann man Resilienz lernen und wenn ja, braucht es dazu vielleicht andere Ansätze als bisher gedacht?

Weitere Beispiele aus Film und Fernsehen

Neben den bereits genannten Beispielen gibt es noch weitere Filme und Serien, in denen Menschen mit Querschnittlähmung eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehören unter anderem:

  • „Die Goldfisch“: Eine Komödie um einen Steuerbetrüger, der in einer Behinderten-WG landet.
  • „Don’t Worry, He Won’t Get Far On Foot!“: Eine Tragik-Komödie über den Cartoonisten John Callahan, der nach einem Autounfall querschnittgelähmt war.
  • „Ziemlich beste Freunde“: Eine Komödie über die Freundschaft zwischen einem Tetraplegiker und seinem Pfleger.
  • „Kills on Wheels“: Eine Action-Komödie um einen querschnittgelähmten Auftragskiller.
  • „Ein ganzes halbes Jahr“: Ein Liebesfilm über eine junge Frau, die sich um einen querschnittgelähmten Mann kümmert.
  • „Lieber Leben“: Ein Film über das Leben von Tetraplegikern in der Reha.
  • „Die Mitte der Welt“: Ein Film über einen Jugendlichen, der nach einem Snowboardunfall zum Rollstuhlfahrer wird.
  • „Mein Weg“: Ein Film über einen Vater, der mit seinem Sohn, der eine spastische Form zerebraler Kinderlähmung hat, am Ironman France teilnimmt.
  • „Gold“: Ein Dokumentarfilm über drei Ausnahmesportler mit Behinderung.
  • „The Best of Men“: Ein Film über Sir Ludwig Guttmann, den Vater der heutigen Paralympics.
  • „X-Men“: Eine Comicreihe und Filme über Mutanten mit übermenschlichen Fähigkeiten, darunter auch Professor X, der querschnittgelähmt ist.

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