Die Biologie des Humors: Eine Reise ins Gehirn

Humor ist ein faszinierendes Phänomen, das uns verbindet und Freude bereitet. Doch was passiert eigentlich in unserem Gehirn, wenn wir einen Witz hören oder selbst einen erzählen? Die biologische Forschung hat in den letzten Jahren einige interessante Erkenntnisse darüber gewonnen, wie unser Gehirn Humor verarbeitet und welche Hirnregionen dabei eine wichtige Rolle spielen.

Die Rolle des Frontallappens

Verletzungen an den Frontallappen des Gehirns können die Persönlichkeit eines Menschen verändern. Studien haben gezeigt, dass insbesondere der rechte Frontallappen für das Verständnis und die Produktion von Humor von Bedeutung ist. Menschen mit Schäden in diesem Bereich haben oft Schwierigkeiten, Witze zu verstehen und bevorzugen stattdessen Slapstick. Dies wurde in einer Studie von Prathiba Shammi von der University of Toronto unter der Leitung von Donald Stuss am Rotman Research Institute festgestellt.

In der Studie wurden 42 Personen im Alter zwischen 18 und 70 Jahren untersucht, von denen die Hälfte Hirnschäden in Folge von Schlaganfällen, Tumoren oder Operationen aufwies. Die Teilnehmer wurden mit geschriebenen, gesprochenen und Bilderwitzen konfrontiert. Es zeigte sich, dass Personen mit Schäden im rechten vorderen Frontallappen die größten Schwierigkeiten hatten, die Witze zu verstehen. Stattdessen bevorzugten sie Slapstick, also überraschende, aber oft unlogische Fortsetzungen der Handlung.

Ein Beispiel aus der Studie verdeutlicht dies:

Ein junger Mann hat ein Vorstellungsgespräch für einen Ferienjob. "Zunächst bekommst Du fünfzig Dollar pro Woche", sagt der Chef. "Nach einem Monat erhältst Du dann 75 Dollar in der Woche."

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Zur Auswahl standen:

A. "Oh, ich hätte den Job gerne. Wann kann ich anfangen?" (Logische Antwort ohne Witz.)B. "Toll! Dann komme ich in einem Monat wieder." (Richtige Wahl und Originalende des Witzes.)C. "He Chef! Ihre Nase ist zu groß für Ihr Gesicht!" (Slapstick, bevorzugte Wahl von Menschen mit Schäden im rechten Frontallappen.)

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass der rechte Frontallappen eine wichtige Rolle bei höheren kognitiven Aufgaben wie Humor, Emotionen und Persönlichkeit spielt. Er integriert Informationen aus verschiedenen Bereichen des Gehirns und ermöglicht es uns, Witze zu verstehen und zu produzieren.

Kognitive Prozesse beim Humor

Die Fähigkeit, Humor zu verstehen und zu produzieren, erfordert das Zusammenspiel verschiedener kognitiver Prozesse:

  • Arbeitsgedächtnis: Es hält während der Verarbeitung von Informationen Teile davon im Bewusstsein.
  • Kognitive Verschiebung: Sie ermöglicht es uns, eine Situation auf neue Art oder aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
  • Abstraktes Denken: Es erlaubt uns, über den konkreten Inhalt hinauszugehen und allgemeine Prinzipien zu erkennen.

Humor als Erwartungsverletzung

Ein wichtiger Aspekt von Humor ist die Erwartungsverletzung. Viele Witze basieren darauf, dass am Ende eine Wendung kommt, die der Geschichte eine neue, überraschende Bedeutung gibt. Diese Wendung aktiviert das limbische System, das unsere Emotionen steuert, was zu Lachen oder Schmunzeln führt.

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Die neuronalen Grundlagen der Witzeerzeugung

Die Neurowissenschaftler Irvin Biederman und Ori Amir von der University of Southern California haben untersucht, wo im Gehirn Witze entstehen. Sie ließen professionelle Stand-up-Comedians und Studenten Cartoons betrachten und dazu witzige oder banale Zeilen verfassen.

Dabei zeigte sich, dass die Gehirnaktivität in den Belohnungszentren, in denen auch die Humorwahrnehmung lokalisiert ist, umso höher war, je witziger ein Gag gefunden wurde. Bei den Komikern war diese Aktivität jedoch geringer oder gar nicht vorhanden, was möglicherweise auf eine Abstumpfung gegenüber Humor hindeutet. Stattdessen zeigten die Komiker die stärkste Aktivität in den seitlich gelegenen Temporallappen des Gehirns, was darauf hindeutet, dass hier die Witze produziert werden.

Die soziale Funktion des Lachens

Lachen ist nicht nur ein Ausdruck von Freude, sondern auch ein soziales Signal. Es hilft uns, uns zu entspannen, das Immunsystem zu stärken, Stress abzubauen und sogar Schmerzen zu lindern. Lachen und Lächeln schütten Glückshormone aus und fördern die Selbstheilungskräfte.

Darüber hinaus spielt Lachen eine wichtige Rolle beim Lernen. Babys lernen schneller, wenn sie es mit einem Lächeln verbinden. Immer wenn Babys lachen, lernen sie auch.

Humor und Spielverhalten

Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Humor und Spielverhalten. Viele Tiere spielen, und es gibt einen Zusammenhang zwischen Intelligenz, Gehirngröße und Verspieltheit. Tiere mit großem Gehirn, wie Primaten, sind sehr verspielt.

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Der Schlüssel zum Humor liegt möglicherweise im Spiel. Viele Elemente von Spielen und Lachen stammen aus gespielten Kämpfen, also dem kindlichen Üben von Kampf und Jagd.

Ambivalenz als Schlüsselelement

Ein wichtiges Element von Humor und Spielverhalten ist die Ambivalenz. Beim Kitzeln beispielsweise wehren sich Kinder, wollen aber gleichzeitig mehr. Auch im Tierversuch mit Ratten zeigte sich, dass diese gemischte Gefühle beim Kitzeln haben. Sie stecken ihren Kopf in das Loch, um gekitzelt zu werden, rennen dann aber gleich wieder weg oder machen Alarmrufe.

Ein guter Witz kann eine größtmögliche Unverschämtheit sein, über die man gerade noch lachen kann. Etwas, das man eigentlich nicht sagen darf, aber weil der andere lacht, ist es in Ordnung. Der Witz ist also eine Art soziales Spiel, eine gemeinsame Spielrealität.

Das Lachen der Tiere

Auch Tiere lachen, wenn auch anders als wir Menschen. Ratten haben beispielsweise hochfrequente Geräusche, die positiv besetzt sind und als Lachgeräusche interpretiert werden können. Spielt man Ratten diese Geräusche vor, gehen sie in Richtung der Lachgeräusche. Das Lachen großer Affen ähnelt frappierend unserem eigenen.

Die Bedeutung der Forschung zu positiven Emotionen

Die Forschung zu positiven Emotionen wie Humor und Spielverhalten wird in den Neurowissenschaften oft unterschätzt. Es ist wichtig, sich nicht nur auf negative Emotionen und Probleme zu konzentrieren, sondern auch die positiven Aspekte des Lebens zu erforschen. Denn diese sind ebenso wichtig für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit.

Biologie-Witze

Natürlich dürfen in einem Artikel über die Biologie des Humors auch ein paar passende Witze nicht fehlen:

  • Fragt der Walfisch den Thunfisch: "Was soll ich tun, Fisch?" Sagt der Thunfisch zum Walfisch: "Du hast die Wahl, Fisch!"
  • Zwei Elefanten sehen zum ersten Mal einen nackten Mann. Sie schauen an ihm runter, schauen wieder hoch, schauen sich zweifelnd an: „Wie zum Teufel kriegt der sein Essen in den Mund?“
  • Erklärt der Lehrer im Biologie-Unterricht: "Außer der geschlechtlichen Fortpflanzung gibt es auch eine ungeschlechtliche. Kann mir jemand sagen, wer das als erster rausgefunden hat?" Schüler: "Ähm, Ihre Frau?"
  • Quallen leben bereits seit über 500 Millionen Jahren, obwohl sie kein Gehirn haben. Eine gute Nachricht für viele Menschen.
  • Was ist der Unterschied zwischen einem weißen Blutkörperchen und einer Legehenne? Das weiße Blutkörperchen ist ein Eiweißscheibchen, die Legehenne ein Eischeißweibchen.
  • Biologielehrer: "Wer kann was über Borkenkäfer erzählen?" Fritzchen: "Die sind treue Stammgäste."
  • Was ist das wichtigste Organ des Hais? Die Haizung.
  • Im Gegensatz zum Gehirn meldet sich der Magen, wenn er leer ist…

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