Die Alzheimer-Forschung erlebt derzeit einen bedeutenden Aufschwung, der durch den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI), die Entwicklung neuer Therapieansätze und die Verbesserung der Versorgung von Betroffenen und ihren Familien geprägt ist. Dieser Artikel beleuchtet aktuelle Entwicklungen und Initiativen, die das Verständnis und die Behandlung von Alzheimer vorantreiben.
Künstliche Intelligenz im Kampf gegen COVID-19 und potenzielle Anwendungen bei Alzheimer
Ein Verbund von deutschen Forschungseinrichtungen, Universitäten und Universitätskliniken setzt auf die wegweisende Technologie der Künstlichen Intelligenz (KI), um verteilte Daten über COVID-19 zu analysieren. Das vom DZNE koordinierte und von der VolkswagenStiftung mit fünf Millionen Euro geförderte Forschungsvorhaben nutzt "Swarm Learning", eine neuartige KI-Technologie, die es ermöglicht, verteilte Datenbestände unter Wahrung des Datenschutzes gemeinsam auszuwerten.
Ziel der Initiative ist es, die Weichen für ein internationales Forschungsnetzwerk und eine Infrastruktur zu stellen, um auf Pandemien besser reagieren zu können. Medizin und Forschung produzieren immer mehr Daten, wodurch Erkrankungen und die zugrunde liegenden Prozesse immer detaillierter erfasst werden. Im Dschungel dieser Informationen hofft man Schlüssel zu neuen, personalisierten Therapien zu finden, die sich besser als herkömmliche Behandlungen auf einzelne Patientinnen und Patienten zuschneiden lassen.
Prof. Joachim Schultze, Sprecher des Forschungskonsortiums und Direktor für Systemmedizin am DZNE, betont die Herausforderungen bei der Analyse großer Datenmengen und die Notwendigkeit, die Verarbeitung biomedizinischer Daten mit Fragen der Ethik und des Datenschutzes in Einklang zu bringen. Swarm Learning bietet hier eine elegante Lösung, da es die Nutzung großer Mengen verteilter und gegebenenfalls personenbezogener Daten ermöglicht, ohne dass die eigentlichen Daten ausgetauscht werden.
Das Verfahren, das vom DZNE gemeinsam mit dem IT-Unternehmen Hewlett Packard Enterprise (HPE) entwickelt wurde, beruht auf der Kombination von KI und sogenannter Blockchain-Technologie. Alle Partner, die ihr Wissen in den Schwarm einbringen, können so voneinander lernen, ohne sensible Informationen weitergeben zu müssen. Es werden keine Originaldaten geteilt, sondern Erkenntnisse, die aus diesen Daten abgeleitet sind. Das vereinfacht wissenschaftliche Kooperationen und macht sie wirkungsvoller.
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Ein weiterer Vorteil von Swarm Learning ist, dass alle Mitglieder des Schwarms gleichberechtigt sind und gleichermaßen profitieren. Im Unterschied zu anderen Technologien, die ebenfalls verteilte Daten verarbeiten, gibt es keine zentrale Instanz, die das Geschehen und die Ergebnisse kontrolliert. Per Swarm Learning lassen sich die Potenziale von Künstlicher Intelligenz und Big Data in demokratischer Weise ausschöpfen.
Die im Rahmen des COVID-19-Projekts entwickelten standardisierten Messprotokolle und Datenverarbeitungsverfahren sollen auch im größerem Verbund und in anderen Ländern praktikabel sein, selbst wenn sich die technische Infrastruktur von Ort zu Ort unterscheidet. Internationale Partner sollen sich daher dem Projekt anschließen. Gespräche dazu gibt es bereits mit Fachleuten im europäischen Ausland, in den USA, Japan und Australien. Auch Kliniken in afrikanischen Staaten sollen eingebunden werden.
Mit Blick auf künftige Entwicklungen sei auch eine gewisse Fehlertoleranz und die Bestimmung technischer Mindestanforderungen wichtig, so Schultze. Er sieht das Konsortium als Keimzelle für größere Netzwerke, die sich Swarm Learning zunutze machen. Wenn sich das Konzept für COVID-19 bewährt, könnte man weitere Infektionserkrankungen angehen. Das wäre ein Trumpf im Kampf gegen Pandemien. Außerdem ist der Einsatz von Swarm Learning auch bei anderen Erkrankungen denkbar, die global auftreten. Wie etwa Alzheimer oder Parkinson.
Neue Erkenntnisse zu Ursachen und potenziellen Therapien
Die molekularen Vorgänge, die der Alzheimer-Demenz zugrunde liegen, sind bereits sehr gut erforscht. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Verklumpung der Proteine Amyloid beta (Ab) und Tau, die zu einer Degeneration der Nervenzellen im Gehirn führt. Ebenfalls gut belegt ist, dass externe Faktoren, etwa eine Infektion mit dem Herpesvirus (Herpes-simplex-virus, HSV) oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, erhöhen.
Den Düsseldorfer Forschenden ist es nun erstmals gelungen, diesen Prozess im Detail nachzuvollziehen. Geleitet wurde die Studie von Prof. Carsten Korth (Institut für Neuropathologie, UKD). Eine Schlüsselrolle spielt dabei eine veränderte Form des Proteins Makrophage Migration Inhibitory Factor (MIF), die im Gehirn von Alzheimer-Betroffenen vermehrt nachgewiesen werden kann. Die Forschenden konnten zeigen, dass Herpesviren MIF in eine oxidierte Form (oxMIF) umwandeln, was wiederum eine Verklumpung des Proteins Tau und damit die Erkrankung begünstigt.
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Im Tiermodell gelang es den Forschenden außerdem, diesen krankheitsfördernden Mechanismus mit dem Wirkstoff PAV-617 gezielt zu hemmen. „Wir glauben, dass wir mit PAV-617 einen hervorragenden Ansatzpunkt haben, um im Frühstadium die Mehrzahl der sogenannten sporadischen Fälle der Alzheimer-Demenz zu verhindern, indem wir die Verklumpung der Proteine unterbinden, bevor sie überhaupt entsteht.“ erklärt Prof. Korth. Ihre Ergebnisse hat das internationale Forschungsteam nun in der renommierten Fachzeitschrift Cell Reports Medicine veröffentlicht.
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) unterstützt die wissenschaftliche Forschung und schreibt für 2026 eine Summe von maximal 50.000 € für die Unterstützung eines Vorhabens im Bereich der Versorgungsforschung aus, dessen Ergebnisse zur Verbesserung der Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen erkennbar beitragen. Gleichzeitig werden weitere 200.000 € für die Grundlagenforschung ausgeschrieben, die der DAlzG von der Förderstiftung Dierichs (www.foerderstiftung-dierichs.de) zur Verfügung gestellt werden. Dazu können zum Beispiel Forschungsprojekte gehören, die noch keine unmittelbare Anwendung am Menschen haben, jedoch auf dem Weg dazu sind.
Unterstützung von Forschungsprojekten durch die Förderstiftung Dierichs
Die Förderstiftung Dierichs engagiert sich stark in der Alzheimer-Forschung und unterstützt eine Vielzahl von Projekten, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Erkrankung befassen.
Das Projekt „MIF als eine neuartige, therapierbare, molekulare Schnittstelle zwischen der sporadischen Alzheimer Demenz und externer, auslösender Faktoren“ von Prof. Dr. Carsten Korth an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf erhält von der Förderstiftung Dierichs 117.000,00 Euro. Ziel ist, einen neuen, wichtigen Faktor bei der Entstehung der sporadischen AD auf molekularer Ebene zu charakterisieren und ein neuartiges, auf diese Schnittstelle wirkendes Medikament weiterzuentwickeln.
Mit 32.500 Euro wird das Projekt „Der Einfluss des oralen Mikrobioms auf die Pathophysiologie der Alzheimer-Krankheit“ am LVR-Klinikum Düsseldorf durch die Förderstiftung Dierichs gefördert. Daraus könnten sich neue Ansätze für eine frühzeitige Diagnose oder auch neuartige Therapien ergeben.
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Das Projekt „Ein diagnostischer Test für die Alzheimer-Krankheit auf der Grundlage einer Stuhlanalyse“ rund um Prof. Dr. Gültekin Tamgüney von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf erhält in Kooperation mit der Förderstiftung Dierichs124.740,00 Euro. Ziel der Forschenden ist die Sammlung von Stuhlproben von Alzheimer-Patienten und anderen an Demenz erkrankten Menschen sowie von gesunden Probanden, um zu überprüfen, ob sich die bisherigen Annahmen auch in größeren Kontrollgruppen bestätigen lassen.
Für die „Neuentwicklung eines rekognitionsbasierten Testing the Limits-Paradigma zur Früherkennung bei Demenz“ an der Neurologischen Universitätsklinik Ulm erhalten Prof. Dr. Ingo Uttner und Dr. Olivia Küster eine Summe von 18.500 Euro aus Mitteln der Förderstiftung Dierichs.
Eine Fördersumme von 126.144 € erhält das Projekt „Entwicklung eines Instrumentes für die differenzierte Erfassung von Alltagsbeeinträchtigungen aufgrund kognitiver Abbauprozesse - Ein Ansatz zur Verbesserung der Früherkennung und Diagnostik von Demenzen und deren Vorstufen Leichter Neurokognitiver Störungen in Forschung und Praxis“ des Instituts für Sozialmedizin, Rehabilitationswissenschaften und Versorgungsforschung (ISRV) & Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Hochschule Nordhausen gemeinsam mit dem Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig.
Die Fördersumme von 61.560 € erhält das Forschungsvorhaben „Validierung der Checkliste für leichte Verhaltensbeeinträchtigungen (C-LVB)“ des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health der Universität Leipzig. Mithilfe des diagnostischen Konzepts für leichte Verhaltensbeeinträchtigungen (LVB) können Personen mit einem erhöhten Demenzrisiko frühzeitig identifiziert werden.
Die Fördersumme von 6.100 € erhält das Projekt „DemTect Eye+Ear - Kognitives Screening bei Menschen mit sensorischen Einschränkungen“ an der Universität Köln. Die neuen Verfahren mit dem Namen „DemTect Eye“ bzw. „DemTect Ear“ sollen im Rahmen der geförderten Studie nun erprobt werden.
Das Projekt „Zusammenhang zwischen einer Ernährungsintervention und Epigenetik zur Prävention von Demenzerkrankungen“ von Dr. med. Ayda Rostamzadeh und Lena Sannemann vom Universitätsklinikum Köln wird in Kooperation mit der Förderstiftung Dierichs mit 55.000 Euro gefördert.
Insgesamt trägt diese Forschung langfristig dazu bei, das Verständnis für (epi-)genetische Variation im Zusammenhang mit dem individuellen Nährstoffbedarf zu verbessern.
Innovative Ansätze zur Prävention und Behandlung
Mit 102.242 Euro fördert die DAlzG das Projekt „Demenzprävention durch Verbesserung der Hörgeräteversorgung - AD-HEARING“ der Universitätsmedizin Göttingen. Studien der letzten Jahre weisen darauf hin, dass sich bereits bei einer leichten altersbedingten Schwerhörigkeit das Risiko für die Entwicklung einer Demenz deutlich erhöht.
Das in Kanada entwickelte Dementia Isolation Toolkit (DIT) hat den Anspruch, eine möglichst personzentrierte, sichere und wirksame Isolation und Quarantäne von Bewohnerinnen und Bewohnern in stationären Altenpflegeeinrichtungen zu fördern und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Anwendung von Isolationsmaßnahmen zu unterstützen. Dr. Martin N. Dichter und Prof. Dr. Sascha Köpke von der Uniklinik Köln erhalten für ihr Projekt „Übersetzung, Evaluation und Dissemination des Dementia Isolation Toolkit (DIT-G)“72. 520,00 Euro.
Eine Fördersumme von 75.548,00 Euro erhalten Dr. Marion Eisele und Dr. med Dagmar Lühmann vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf für das Projekt „EMPOR - Entwicklung eines Leitfadens für Gespräche zwischen Pflegefachpersonen und Angehörigen von Menschen mit Demenz in Pflegeheimen zum sinnvollen und zielgerichteten Einbezug dieser in die Versorgung.“
Die Summe von 138.456 Euro erhält das Projekt „Kognitive Stimulation in der stationären Langzeitpflege: Entwicklung und Pilotierung eines 24-Stunden Ansatzes im Rahmen einer Mixed-Methods-Studie“ der Universitätsmedizin Köln. Im Rahmen des geförderten Projektes möchten Prof. Dr. Elke Kalbe, Dr. Ann-Kristin Folkerts, Prof. Dr. Sascha Köpke und Dr. Martin Dichter ein kognitives Stimulationskonzept entwickeln, dass von Pflege- und/oder Betreuungspersonen in den Alltag integriert und jederzeit, zum Beispiel bei der Körperpflege oder bei den Mahlzeiten, angewendet werden kann.
Schutzkonzepte und Optimierung der Medikation in Pflegeheimen
Eine Fördersumme von 87.370 € erhält das Projekt „Sichere Orte? - Schutzkonzepte in Pflegeheimen für Demenzkranke“ an der Universität Hildesheim. Ergebnis des Projekts ist die Arbeitsbroschüre "Schutzkonzepte in der stationären Altenpflege, die Sie herunterladen können von der Internetseite der Universität Hildesheim.
Die Summe von 100.871 Euro erhält das Forschungsprojekt: „Optimierung der Medikation bei Heimbewohnern mit fortgeschrittener Demenz - eine Interventionsstudie zur Reduktion von Antipsychotika“ an der Technischen Universität München. Prof. Dr. Janine Diehl-Schmid möchte ein Instrument entwickeln, mit dem die Medikation von Menschen mit Demenz in Pflegeheimen optimiert werden kann und dieses Instrument anschließend im Rahmen einer Interventionsstudie testen.
Weitere Forschungsprojekte zur Verbesserung der Versorgung
„Harninkontinenz bei Demenzkranken in stationären Einrichtungen“ ist das Thema des Projekts von Gerrit Beyer und Rico Hampel, Diplompflegewirte im Städtischen Altenheim Glauchau, für das 3.000 Euro zur Verfügung gestellt wurden.
Das Projekt von Christin Hinrichs und Julia Oswald, Diplom-Kauffrauen an der Universität Osnabrück, das 5.600 Euro erhielt, beschäftigt sich mit Risiko-Management in stationären Altenpflegeeinrichtungen.
Der Architekt Jürgen Dettbarn-Reggentin vom Institut für sozialpolitische und gerontologische Studien (ISGOS) in Berlin untersucht die Auswirkungen unterschiedlicher Wohnformen auf Demenzkranke. Das Projekt wurde mit 8.000 Euro gefördert. Er erhielt den Preis für die „Evaluation des Modellprojektes Wohnhof Schönholzer Heide mit Zentrum für Pflege, Fortbildung und Praxisforschung bei Demenzerkrankungen“.
Blutbasierte Biomarker zur Risikoabschätzung bei Immuntherapien
145.000 Euro erhalten Prof. Dr. med. Stefanie Schreiber, Dr. Katja Neumann, Prof. Dr. med. Daniel Behme, Dr. Hendrik Mattern, Marc Günther Pawlitzki und Prof. Dr. Dr. Sven Günther Meuth von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg aus den Mitteln der Förderstiftung Dierichs. Mit ihrem Projekt „BB-DARS: Blut-Biomarker-DrAinage-Reserve-Score zur personalisierten Risikoabschätzung einer ARIA unter Aß-Immuntherapie“ wollen sie einen neuen und in der klinischen Praxis einfach und flächendeckend einzusetzenden Blut-basierten Biomarker identifizieren, der auf das Risiko von Hirnblutungen und -ödemen hinweist.
Von der Förderstiftung Dierichs erhält das Projekt „MagDeburger DrAinage-Reserve-Score zur individualisierten, MRT-basierten Vorhersage der perivaskulären zerebralen Drainage bei Patienten entlang des Alzheimer-Kontinuums“ von Prof. Dr. Stefanie Schreiber, PD Dr. Daniel Behme und Dr. Hendrik Mattern von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg eine Summe von 115.000,00 Euro.
Gedächtnisambulanzen als Anlaufstelle für Betroffene
Gedächtnisambulanzen sind auf die Diagnostik von Gedächtnisproblemen spezialisiert. Ärztinnen, Ärzte und andere Fachkräfte untersuchen dort, welche Ursachen den Gedächtnisproblemen zugrunde liegen und ob eine Demenzerkrankung wie Alzheimer vorliegt. In Deutschland gibt es rund 160 dieser Einrichtungen, die auch als Memory Kliniken oder Gedächtnissprechstunden bezeichnet werden. Die Überweisung erfolgt durch die Hausärztin oder den Hausarzt.
Mit den neuen Alzheimer-Medikamenten kommt den Gedächtnisambulanzen eine zusätzliche Rolle zu: Erste Zentren koordinieren bereits die notwendigen Schritte für eine mögliche Behandlung mit Leqembi oder Kisunla und begleiten die erforderlichen Untersuchungen.
Die Bedeutung von Teilhabe und sozialer Verantwortung
Menschen mit Demenzerkrankung haben keine anderen Lebensvorstellungen als Menschen, die nicht an einer Demenz leiden. Wenn sie über ihre Wünsche und Lebensziele sprechen, formulieren sie häufig: „ich möchte ernst genommen werden“, „am Leben teilnehmen“ „mich sicher fühlen“ und „mit anderen sein“. Dies kann als Auftrag für unser gesellschaftliches Miteinander verstanden werden.
Nachbarschaftshilfe und soziale Verantwortlichkeit werden immer notwendiger, insbesondere da immer mehr Menschen, auch mit Demenz, alleine leben. Es ist wichtig, aufmerksam zu sein, wenn ein Mensch nach Orientierung sucht oder Hilfe benötigt. Durch Unterstützung und Anteilnahme können problematische Situationen für Menschen mit Demenz abgeschwächt werden. Wir alle können mitwirken, eine Teilhabe am öffentlichen Leben zu erleichtern, damit die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Familien verbessert werden kann.
Informationen und Unterstützung für Betroffene und Angehörige
Die Landesfachstelle Demenz Rheinland-Pfalz informiert seit vielen Jahren die Öffentlichkeit zum Thema Demenz mit dem Ziel, ein besseres Verständnis und den richtigen Umgang mit einer Demenzerkrankung zu verbreiten. In Deutschland leiden etwa 1,8 Millionen Menschen an Demenz.
Im Kontakt mit Menschen mit Demenz ist es wichtig zu wissen, dass die Erkrankung bei jedem Betroffenen anders verläuft und dass trotz der beschriebenen Veränderungen die Gefühlswelt intakt bleibt. Die Hauptsymptome entwickeln sich meist langsam und sind zunächst nur leicht, aber doch konstant vorhanden.
Menschen, die ein Nachlassen ihrer Gedächtnisleistung feststellen, sich häufiger nicht mehr an kurz zurückliegende Ereignisse erinnern, Schwierigkeiten haben, die richtigen Worte zu finden und ehemals selbstverständliche Aufgaben immer mühsamer bewältigen, stellen sich oftmals die Frage, ob dies auf eine beginnende Demenz zurückzuführen ist. Vielleicht haben auch Angehörige oder Menschen aus dem sozialen Umfeld diese Veränderungen bemerkt und das Gespräch mit dem Betroffenen gesucht.
Besteht die Befürchtung, an Demenz erkrankt zu sein, ist es gut, diese Sorgen mit einem vertrauenswürdigen Menschen zu besprechen und jemanden zu bitten, bei den weiteren Schritten dabei zu sein.
Neben der Auseinandersetzung mit einer möglichen Demenzerkrankung ist es jedoch wichtig, die gewohnten und geliebten Beschäftigungen aufrechtzuerhalten. Die Fortführung sportlicher Aktivitäten, die Teilnahme am Vereinsleben, das Zusammensein mit anderen Menschen, Museumsbesuche oder die aktive Mitgliedschaft im Chor bringen auch weiterhin Lebensfreude und Ausgeglichenheit.
Um Informationen zum Krankheitsbild Demenz, zum unterstützenden Umgang mit dem Erkrankten, zur rechtlichen Vorsorge und den Leistungen der Pflegeversicherung zu erhalten, ist es ratsam, an einer Schulung für pflegende Angehörige teilzunehmen. In vielen Regionen finden zusätzlich regelmäßige Gesprächskreise oder sonstige Foren des Austauschs für Angehörige statt. Diese Angebote dienen der Information und machen gleichzeitig ein gelasseneres Miteinander mit dem erkrankten Menschen möglich.
Zur Entlastung als Pflegeperson ist es sinnvoll, Betreuungsangebote oder Freizeitaktivitäten in einer Gruppe mit Betroffenen und Angehörigen zu nutzen. Hilfreich können dabei sogenannte „niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangebote“ sein, die sich auch an Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen wenden.