ACE im Liquor Erhöht: Ursachen und Diagnostische Bedeutung

Die Liquordiagnostik ist ein wichtiges Instrument zur Beurteilung von Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS). Die Analyse des Liquors, der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit, kann wertvolle Hinweise auf Entzündungen, Infektionen, Tumoren und andere neurologische Erkrankungen liefern. Ein wichtiger Parameter in der Liquordiagnostik ist das Angiotensin-Converting-Enzym (ACE). Ein erhöhter ACE-Wert im Liquor kann auf verschiedene Erkrankungen hindeuten, insbesondere auf Neurosarkoidose.

Was ist ACE?

Das Angiotensin-Converting-Enzym (ACE) ist ein Enzym, das eine wichtige Rolle im Renin-Angiotensin-System (RAS) spielt, einem Hormonsystem, das den Blutdruck und den Elektrolythaushalt reguliert. ACE wandelt Angiotensin I in Angiotensin II um, ein starkes gefäßverengendes Hormon, das den Blutdruck erhöht. ACE kommt in verschiedenen Geweben des Körpers vor, darunter Lunge, Niere, Gehirn und Blutgefäße.

Wann wird ACE im Liquor bestimmt?

Die Bestimmung von ACE im Liquor wird in der Regel bei Verdacht auf Neurosarkoidose durchgeführt. Neurosarkoidose ist eine seltene Erkrankung, bei der sich Granulome (Ansammlungen von Entzündungszellen) im Gehirn, Rückenmark und den Hirnhäuten bilden. Die Symptome der Neurosarkoidose können vielfältig sein und reichen von Kopfschmerzen und Müdigkeit bis hin zu Krampfanfällen, Lähmungen und kognitiven Beeinträchtigungen.

Weitere Indikationen für die Bestimmung von ACE im Liquor sind:

  • Abklärung unklarer neurologischer Symptome
  • Verdacht auf entzündliche ZNS-Erkrankungen
  • Differentialdiagnose von Hirnhautentzündungen (Meningitis)

Ursachen für erhöhte ACE-Werte im Liquor

Ein erhöhter ACE-Wert im Liquor kann verschiedene Ursachen haben. Die häufigste Ursache ist die Neurosarkoidose. Allerdings können auch andere Erkrankungen zu erhöhten ACE-Werten im Liquor führen, darunter:

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  • Infektiöse Erkrankungen: Tuberkulose des ZNS, Pilzinfektionen
  • Entzündliche Erkrankungen: Multiple Sklerose (MS), systemischer Lupus erythematodes (SLE)
  • Vaskuläre Erkrankungen: Zerebrale Vaskulitis (Entzündung der Blutgefäße im Gehirn)
  • Tumoren: Meningeosis carcinomatosa (Tumorbefall der Hirnhäute)

Es ist wichtig zu beachten, dass ein erhöhter ACE-Wert im Liquor allein nicht beweisend für eine Neurosarkoidose ist. Die Diagnose Neurosarkoidose erfordert eine umfassende klinische Untersuchung, Bildgebung des Gehirns und Rückenmarks (z. B. MRT) sowie gegebenenfalls eine Biopsie von betroffenem Gewebe.

Neurosarkoidose: Eine detailliertere Betrachtung

Die Neurosarkoidose ist eine seltene Manifestation der systemischen Sarkoidose, einer Erkrankung, die durch die Bildung von Granulomen in verschiedenen Organen gekennzeichnet ist. Bei der Neurosarkoidose sind das Gehirn, das Rückenmark und/oder die Hirnhäute betroffen.

Symptome der Neurosarkoidose

Die Symptome der Neurosarkoidose sind vielfältig und hängen davon ab, welche Bereiche des Nervensystems betroffen sind. Häufige Symptome sind:

  • Kopfschmerzen: Oft chronisch und therapieresistent
  • Müdigkeit: Kann sehr ausgeprägt sein und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen
  • Krampfanfälle: Treten bei etwa 20 % der Patienten mit Neurosarkoidose auf
  • Hirnnervenausfälle: Können zu Sehstörungen, Gesichtslähmungen, Schluckbeschwerden und anderen neurologischen Defiziten führen
  • Rückenmarkssymptome: Lähmungen, Sensibilitätsstörungen, Blasen- und Darmfunktionsstörungen
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Gedächtnisprobleme, Konzentrationsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite
  • Psychiatrische Symptome: Depressionen, Angstzustände, Psychosen

Diagnose der Neurosarkoidose

Die Diagnose der Neurosarkoidose kann schwierig sein, da die Symptome unspezifisch sind und andere Erkrankungen imitieren können. Die Diagnose basiert in der Regel auf einer Kombination aus:

  • Klinischer Untersuchung: Erhebung der Krankengeschichte und neurologische Untersuchung
  • Bildgebung: MRT des Gehirns und Rückenmarks, um Granulome und andere Auffälligkeiten darzustellen
  • Liquoranalyse: Erhöhter ACE-Wert, erhöhte Proteinwerte, Lymphozytose (erhöhte Anzahl von Lymphozyten)
  • Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe aus betroffenem Gewebe (z. B. Hirnhaut, Hirngewebe) zur histologischen Untersuchung (Nachweis von Granulomen)
  • Weitere Untersuchungen: Lungenfunktionstest, Thorax-Röntgen, Augenuntersuchung, EKG, um andere Organbeteiligungen auszuschließen

Therapie der Neurosarkoidose

Die Therapie der Neurosarkoidose zielt darauf ab, die Entzündung zu reduzieren und die Symptome zu lindern. Die Behandlung besteht in der Regel aus:

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  • Kortikosteroiden: Prednison ist das Mittel der ersten Wahl zur Behandlung der Neurosarkoidose. Kortikosteroide wirken entzündungshemmend und können die Granulome reduzieren.
  • Immunsuppressiva: Bei unzureichendem Ansprechen auf Kortikosteroide oder bei steroidbedingten Nebenwirkungen können Immunsuppressiva eingesetzt werden, z. B. Methotrexat, Azathioprin oder Mycophenolatmofetil.
  • TNF-alpha-Inhibitoren: In einigen Fällen können TNF-alpha-Inhibitoren (z. B. Infliximab, Adalimumab) eingesetzt werden, um die Entzündung zu kontrollieren.
  • Symptomatische Therapie: Behandlung von spezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Krampfanfällen oder Lähmungen.

Die Prognose der Neurosarkoidose ist variabel und hängt vom Ausmaß der Erkrankung und dem Ansprechen auf die Therapie ab. Einige Patienten erholen sich vollständig, während andere chronische neurologische Defizite entwickeln.

Weitere Ursachen für erhöhte ACE-Werte im Liquor

Neben der Neurosarkoidose gibt es weitere, wenn auch seltenere, Ursachen für erhöhte ACE-Werte im Liquor. Diese sollten bei der Differentialdiagnose berücksichtigt werden.

Infektiöse Erkrankungen des ZNS

Einige infektiöse Erkrankungen des ZNS können ebenfalls zu erhöhten ACE-Werten im Liquor führen. Dazu gehören:

  • Tuberkulose des ZNS: Eine seltene, aber schwerwiegende Infektion, die durch das Bakterium Mycobacterium tuberculosis verursacht wird.
  • Pilzinfektionen des ZNS: Z.B. Kryptokokken-Meningitis, Aspergillose
  • Bakterielle Meningitis: In einigen Fällen kann auch eine bakterielle Meningitis zu einem Anstieg des ACE-Wertes im Liquor führen.

Entzündliche Erkrankungen des ZNS

Auch bei anderen entzündlichen Erkrankungen des ZNS, die nicht durch eine Infektion verursacht werden, können erhöhte ACE-Werte im Liquor auftreten. Dazu gehören:

  • Multiple Sklerose (MS): Eine chronisch-entzündliche Erkrankung des ZNS, die zu einer Schädigung der Myelinscheiden der Nervenfasern führt.
  • Systemischer Lupus erythematodes (SLE): Eine Autoimmunerkrankung, die verschiedene Organe betreffen kann, einschließlich des Gehirns und des Rückenmarks.
  • Zerebrale Vaskulitis: Eine Entzündung der Blutgefäße im Gehirn, die zu Durchblutungsstörungen und neurologischen Ausfällen führen kann.

Tumoren des ZNS

In seltenen Fällen können auch Tumoren des ZNS zu erhöhten ACE-Werten im Liquor führen. Dies gilt insbesondere für:

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  • Meningeosis carcinomatosa: Ein Befall der Hirnhäute mit Krebszellen, der von anderen Tumoren (z. B. Lungenkrebs, Brustkrebs) ausgehen kann.
  • Primäre ZNS-Lymphome: Seltene Tumoren, die von Lymphozyten im Gehirn oder Rückenmark ausgehen.

Diagnostische Bedeutung des ACE-Wertes im Liquor

Der ACE-Wert im Liquor ist ein nützlicher, aber nicht spezifischer Marker für Erkrankungen des ZNS. Ein erhöhter ACE-Wert im Liquor sollte immer im Zusammenhang mit der klinischen Symptomatik, den Ergebnissen der Bildgebung und anderen Laboruntersuchungen interpretiert werden.

Interpretation der Ergebnisse

  • Deutlich erhöhter ACE-Wert: Ein deutlich erhöhter ACE-Wert im Liquor (z. B. > 3-fach erhöht) ist verdächtig auf Neurosarkoidose, insbesondere wenn gleichzeitig typische Symptome und MRT-Befunde vorliegen.
  • Leicht erhöhter ACE-Wert: Ein leicht erhöhter ACE-Wert im Liquor kann verschiedene Ursachen haben und erfordert weitere Abklärung.
  • Normaler ACE-Wert: Ein normaler ACE-Wert im Liquor schließt eine Neurosarkoidose nicht sicher aus, insbesondere wenn die Erkrankung nur das Rückenmark betrifft.

Zusätzliche diagnostische Maßnahmen

Bei Verdacht auf eine Erkrankung des ZNS mit Beteiligung des ACE-Systems sollten folgende zusätzliche diagnostische Maßnahmen durchgeführt werden:

  • MRT des Gehirns und Rückenmarks: Zum Nachweis von Granulomen, Entzündungsherden oder anderen Auffälligkeiten.
  • Liquordiagnostik: Bestimmung von Zellzahl, Proteinen, Glukose, Antikörpern und anderen Parametern.
  • Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe aus betroffenem Gewebe zur histologischen Untersuchung.
  • Weitere Untersuchungen: Je nach klinischem Verdacht, z. B. Lungenfunktionstest, Thorax-Röntgen, Augenuntersuchung, EKG, Blutuntersuchungen (z. B. ACE im Serum, Autoantikörper).

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