Ein Artikel über Ursachen und Behandlung von Blutergüssen nach einer Spinalkanaloperation.
Einführung
Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, und Operationen am Spinalkanal sind oft die letzte Option zur Schmerzlinderung. Nach einer solchen Operation können jedoch Komplikationen wie Blutergüsse auftreten. Dieser Artikel befasst sich mit den Ursachen, der Behandlung und den neuesten Forschungsansätzen im Zusammenhang mit Blutergüssen nach Spinalkanaloperationen.
Ursachen von Blutergüssen nach Spinalkanal-OP
Ein Bluterguss, auch Hämatom genannt, entsteht, wenn Blutgefäße während der Operation verletzt werden und Blut in das umliegende Gewebe austritt. Dies kann verschiedene Ursachen haben:
- Verletzung von Blutgefäßen: Während des chirurgischen Eingriffs kann es zu Verletzungen kleiner Blutgefäße unter der Haut oder im Gewebe kommen.
- Entzündungen: Der Körper reagiert möglicherweise mit Entzündungen auf die Gewebeschädigung durch die Operation.
- Blutverdünnende Medikamente: Medikamente, die die Blutgerinnung reduzieren, können Blutungen begünstigen.
- Druck: Um eine bessere Sicht oder einen besseren Zugang während der Operation zu erhalten, kann Druck auf das umliegende Gewebe ausgeübt werden.
- Erhöhte Gefäßfragilität: Eine erhöhte Gefäßempfindlichkeit kann ebenfalls zu Blutergüssen führen.
- Chirurgischer Eingriff: Während einer Operation wird Gewebe durchtrennt oder manipuliert.
Behandlung von Blutergüssen nach Spinalkanal-OP
Die Behandlung von Blutergüssen nach einer Spinalkanaloperation hängt von der Größe und den Symptomen ab.
Konservative Behandlung
In den meisten Fällen sind Blutergüsse nicht gefährlich und können konservativ behandelt werden:
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- Kühlung: In den ersten 48 Stunden nach der Operation kann das Kühlen des betroffenen Bereichs helfen, Schwellungen zu reduzieren und die Ausbreitung des Blutergusses einzudämmen. Das Kühlelement sollte jedoch in ein Tuch eingewickelt werden, um Hautschäden zu vermeiden.
- Hochlagern: Das Hochlagern der betroffenen Körperregion hilft, die Ansammlung von Blut und Flüssigkeiten im Gewebe zu minimieren.
- Kompression: Ein fester oder elastischer Verband um die betroffene Stelle kann helfen, den Austritt von Flüssigkeit ins Gewebe einzuschränken.
- Schmerzmittel: Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen durch den Bluterguss zu lindern. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAID) wie Diclofenac und Ibuprofen haben neben schmerzlindernden auch entzündungshemmende Eigenschaften.
- Heparin: Heparin hat blutverdünnende und entzündungshemmende Eigenschaften. Es kann lokal angewendet werden, um den Abbau des Blutergusses zu fördern und die Schwellung zu reduzieren.
- Hausmittel: Auch Hausmittel wie Arnika können zur Behandlung von Blutergüssen und Schwellungen eingesetzt werden.
Chirurgische Behandlung
In seltenen Fällen kann eine chirurgische Entfernung des Blutergusses erforderlich sein:
- Große Blutergüsse: Wenn der Bluterguss sehr groß ist und auf umliegendes Gewebe drückt.
- Infizierte Blutergüsse: Wenn sich der Bluterguss infiziert hat.
- Blutergüsse in Gelenken: Wenn sich der Bluterguss im Gelenk befindet und zu starken Einschränkungen führt.
Bei der chirurgischen Entfernung wird die Stelle operativ geöffnet und der Bluterguss vorsichtig ausgeräumt. Gegebenenfalls wird auch ein offenes Blutgefäß verschlossen.
Technische Details während der Operation zur Vermeidung von Komplikationen
Bereits beim Zugang zur Wirbelsäule können Fehler auftreten. So geben 68 % der Wirbelsäulenchirurgen zu, in ihrer Karriere mindestens einmal das falsche Level operiert zu haben. Die wichtigste Vermeidungsmaßnahme ist die intraoperative fluoroskopische Levelbestimmung, insbesondere nach der Exposition der Wirbelsäule. Ein konsequentes präoperatives "Timeout" mit Erwähnung der zu operierenden Seite ermöglicht den Miteinbezug aller an der Operation beteiligten Personen sowie eine Rekapitulation des Operationsplans für den Operateur. Eine möglichst sparsame Laminotomie sowie die Schonung der Facettengelenke vermindern die Gefahr einer postoperativen Segmentinstabilität. Vorsichtige Manipulation der neuralen Strukturen verhindert ein "Battered root"-Syndrom und somit eine postoperative Neuropathie oder eine Duralläsion mit Liquorverlustsyndrom. Die vollständige Sequestrektomie sowie Inspektion des Anulus fibrosus und falls nötig die Entfernung freier Nukleusanteile sorgen für die sichere Dekompression der Nervenwurzel und vermindern das Risiko einer Reherniation. Durch eine zu aggressive Diskektomie können rezidivierende Rückenschmerzen ausgelöst werden, weshalb eine solche möglichst vermieden werden sollte.
Bei lumbalen Dekompressionsoperationen bei Spinalkanalstenosen ist die Laminotomie sparsam durchzuführen, eine Laminektomie ist sehr selten nötig. Auch postoperative epidurale Hämatome können durch geringere Knochenresektion tendenziell reduziert werden. Die Rezessotomie sollte nicht 90° zur koronaren Ebene, sondern steiler erfolgen (mit Unterschneiden), um nach Möglichkeit ossäre Strukturen zu sparen und die Facettengelenke zu schonen. Die abgehenden Nervenwurzeln sind darzustellen und die Flavektomie muss vollständig sein, um Reststenosen zu vermeiden. Bei einseitig betonter Claudicatio-Symptomatik kann die Mittellinie (Processi spinosi und Lig. interspinosum) belassen und "over the top" mikrochirurgisch dekomprimiert werden. Die sorgfältige Blutstillung und Einlage einer Redondrainage verringern ebenfalls das Risiko eines postoperativen Hämatoms, das aufgrund des fehlenden Schutzes der Mittellinienstrukturen ein gefährliches Caudaequina-Syndrom hervorrufen könnte.
Bei lumbalen Spondylodesen muss der chirurgische Zugang vorsichtig erfolgen, um eine Verletzung der Anschlusssegmentfacettengelenke und des interspinösen Ligamentes zu vermeiden. Das Setzen von Pedikelschrauben sollte unter genauer Kenntnis der individuellen Anatomie und einer vorgängig genauen Darstellung der anatomischen Landmarken erfolgen. Vor dem definitiven Setzen der Schrauben muss sichergestellt werden, dass der Pedikel nicht perforiert ist und die Schraube nicht rezessal oder gar foraminal zu liegen kommt. Eine fluoroskopische Kontrolle der Schraubenlage gilt aktuell als Goldstandard. Zusätzliche Hilfsmittel wie die CT-gesteuerte Navigation oder das schablonengeführte Schraubensetzen erhöhen zusätzlich die Genauigkeit der Schraubenlagen. Bei ungenügendem Schraubenhalt im osteoporotischen Knochen ist eine Zementaugmentation zu erwägen. Falls ein interkorporeller Cage eingebracht wird, sind vorgängig die Endplatten vollständig zu entknorpeln, um eine nachfolgende Fusion zu ermöglichen. Für die Fusion müssen genügend Autograft und Allograft vorhanden sein. Im Zweifelsfall sollte zusätzlich Beckenkammknochen entnommen werden, um die Fusion zu unterstützen. Die dadurch zusätzlich verursachte Morbidität sollte jedoch berücksichtigt werden.
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Weitere Komplikationen und deren Behandlung
Neben Blutergüssen gibt es weitere Komplikationen, die nach einer Spinalkanaloperation auftreten können:
- Infektionen: Postoperative Infektionen sind im Bereich der Wirbelsäule selten (2 %), jedoch sehr ernst zu nehmen und bedürfen meist einer sofortigen chirurgischen Revision. Vorgängig wird ein MRI mit Kontrastmittel durchgeführt, um eine frühe Spondylodiszitis, welche einer aggressiveren Therapie bedürfte, auszuschließen. Antibiotika dürfen erst nach chirurgischer Probenentnahme verabreicht werden.
- Liquorverlustsyndrom: Ein inzidentelles Verletzen der Dura wird meist intraoperativ bemerkt. Dabei ist wenn möglich ein sorgfältiger intraoperativer Verschluss mit einer Naht anzustreben. Postoperative posturale Kopfschmerzen sind das Kardinalsymptom eines Liquorverlustsyndroms. Eine frühe Mobilisation des Patienten scheint im Vergleich zur bisher empfohlenen Bettruhe keine Nachteile zu haben. Bei Liquorfluss aus der Wunde ist meist die chirurgische Revision notwendig, um die durale Läsion sauber verschließen zu können.
- Reherniation (Rezidiv): Bei korrekter Durchführung erzielt eine Diskushernienoperation auch im längerfristigen Verlauf von 8 Jahren sehr zuverlässige Resultate. Eine Reherniation bzw. ein Rezidiv kann jedoch in bis zu einem Viertel der Fälle auftreten, auch wenn diese nicht immer symptomatisch sein müssen. Die erste symptomatische Rezidivhernie wird mit den gleichen Prinzipien wie eine erstmalige Diskushernie behandelt. Das heißt zunächst konservatives Vorgehen, falls keine neurologischen Ausfälle vorhanden sind, und erst nach dessen Scheitern oder bei primär neurologischer Symptomatik wird die Indikation zur mikrochirurgischen Revision gestellt. Bei nochmaligem Rezidiv wäre, bei dann meist auftretender Segmentdegeneration, die Spondylodese des Segmentes zu besprechen.
- Postoperatives Residuum der Hernie: Dies bedeutet, dass eine Diskushernie unzureichend entfernt wurde und eine Reoperation nötig ist. Vorher bedarf es einer erneuten MRI-Untersuchung zur Diagnosestellung.
- Postoperative Segmentinstabilität: Durch zu aggressive Laminotomie kann die Verbindung zwischen der Lamina und der Pars articularis brechen, das Segment wird instabil und es entsteht eine mechanische Lumbalgie; ebenso bei ausgedehnter Rezessotomie mit Wegnahme der Facetten (>50 %) oder bei unerkannter, bereits präoperativ vorhandener Instabilität. Es folgen eine Listhese oder eine akzelerierte Segmentdegeneration mit oder ohne Kompression der foraminalen Nervenwurzel. Die chirurgische Behandlung ist dann die Spondylodese des Segmentes.
- Schraubenfehllage nach Spondylodesen: Fehlgelegte Schrauben, welche eine klinische Konsequenz haben (z.B. postoperative Radikulopathie), müssen revidiert und neu gesetzt werden.
- Pseudoarthrose und Schraubenlockerung nach Spondylodesen: Eine Pseudoarthrose ist nicht immer symptomatisch, v.a. wenn die Instrumentation intakt ist und die Schrauben nicht gelockert sind. Eine Pseudoarthrose mit einer Schraubenlockerung erzeugt jedoch häufig eine mechanische Lumbalgie und bedarf einer Revisionsoperation. Je nach Ausmass der Lockerung muss die Spondylodese verlängert werden. Wenn es gelingt, einen guten Schraubenhalt (mit oder ohne Zementaugmentation) in den voroperierten Segmenten zu erreichen, kann mittels zusätzlicher anteriorer Komponente (interkorporeller Cage) und allenfalls biologischer Unterstützung (z.B. Applikation von "bone-marrow protein") eine zuverlässige Fusion erreicht werden.
- Anschlusssegmentdegeneration und -erkrankung nach Spondylodese: Eine Anschlusssegmenterkrankung wird primär konservativ mittels Infiltrationen und Analgetika zu therapieren versucht. Beim Scheitern der konservativen Therapie und bei Entwicklung von Anschlusssegmentdeformitäten bedarf es häufig einer Verlängerung der Spondylodese und meistens einer Dekompression. Selten kann es in kyphotischen Segmenten zu einer sogenannten Anschlusssegmentkyphose, meist durch eine Fraktur, kommen. Dann müssen direkt, ohne konservative Therapieversuche, eine chirurgische Aufrichtung und Korrektur der Kyphose sowie eine Verlängerung der Spondylodese nach kranial durchgeführt werden.
- Postoperative Hämatome: Hämatome, welche den Duralsack komprimieren, können eine weite Symptomvarianz von asymptomatisch bis zum akuten Cauda-equina-Syndrom erzeugen. Letzteres macht eine notfallmäßige Revisionsoperation notwendig.
Neueste Forschung und Technologien
Aktuelle Forschungsschwerpunkte liegen auf der Untersuchung biomechanischer und mechanobiologischer Zusammenhänge in Bezug auf postinterventionelle Sekundärpathologien. Mithilfe entsprechender Technologien können die gewonnenen Erkenntnisse in die klinische Entscheidungsfindung einfliessen und somit direkt in einen Patientenvorteil umgesetzt werden.
Eine stärkere Berücksichtigung der Individualität von Anatomie und Pathologie des Patienten scheint unumgänglich, um Risikofaktoren für postoperative Funktionseinschränkungen und Reoperationen zu erkennen und bereits bei der Planung zu berücksichtigen. Insbesondere die Wirbelsäulenanatomie und deren Bewegungscharakteristik (Kinematik) spielen dabei eine zentrale Rolle. Auch bezüglich des Wissens über degenerative Folgeerkrankungen nach Eingriffen, wie zum Beispiel die Anschlusssegmentdegeneration, bestehen noch immer wesentliche Lücken und die Frage nach der Pathogenese bleibt oftmals ungeklärt, obwohl diese für eine erfolgreiche Verhinderung dieser Folgen von zentraler Bedeutung wäre.
Experimentell können Eingriffe wie auch Pathologien mittels radiologischer, optischer und mechanischer Methoden charakterisiert werden. So lassen sich beispielsweise Zusammenhänge zwischen dem Grad einer degenerativen Erkrankung und den damit in Verbindung stehenden kinematischen Änderungen quantifizieren. Kontrollierte Experimente mit künstlich induzierten Degenerationen lassen den Vergleich zwischen gesundem und erkranktem Status an ein und derselben Probe zu, sodass der Einfluss der immensen Variabilität von humanen Spezimina etwas abgeschwächt werden kann. Neueste radiologische Methoden erlauben dynamische In-vivo-Untersuchungen der Kinematik der gesamten Wirbelsäule, mit einer bisher unerreichten Genauigkeit und Auflösung. Postoperative Zustände können ebenso charakterisiert werden wie präoperative pathologiebehaftete als auch gesunde Konditionen.
Um die aus der Forschung gewonnenen Erkenntnisse im klinischen Alltag anzuwenden und in einen individuellen Patientenvorteil umzusetzen, bedarf es also einer alternativen Strategie. Während in den letzten Jahren numerische muskuloskelettale Modelle in der Forschung ihre Nützlichkeit bewiesen haben, setzen wir nun auf deren Anwendung im Behandlungsablauf. Die aus der klinischen, vorwiegend radiologischen Patientenerfassung gewonnenen Daten werden dabei benutzt, um ein detailliertes Computermodell des Patienten zu erstellen. Das digitale Modell bietet den Vorteil, eine beliebige Anzahl von Eingriffsparametern zu simulieren, während dabei die aktive Kontrib…
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Das Failed-Back-Surgery-Syndrom (FBSS)
Das Failed-Back-Surgery-Syndrom (FBSS) ist ein lumbaler Rückenschmerz im unteren Rücken mit unbekannter Ursache, der trotz einer Operation andauert oder nach einer Wirbelsäule-Operation erstmalig auftritt. Man nennt das Failed-Back-Surgery-Syndrom auch Postdiskektomie-Syndrom. Die Behandlung der Folgen einer gescheiterten Rückenoperation ist für alle Beteiligten - vor allem für die Patienten - eine schwierige Situation.
Um das Failed-Back-Surgery-Syndrom zu vermeiden, ermitteln die Wirbelsäulenexperten der Gelenk-Klinik durch eine detaillierte Diagnostik vor der geplanten Wirbelsäulenoperation mögliche Ursachen für die Rückenschmerzen des Patienten. Vor einem operativen Eingriff und auch im Fall eines Failed-Back-Surgery-Syndroms schöpfen die Ärzte und Physiotherapeuten alle konservativen Therapiemöglichkeiten für Rückenschmerzen aus. Dazu gehören Schmerzmittel, physikalische Therapien und physiotherapeutische Übungen. Eine erneute Operation (Revision) ist nur in Ausnahmefällen das Verfahren der ersten Wahl. Häufig können Injektionen mit Kortison weiterhelfen. Bei chronischen Schmerzen wenden wir die minimalinvasiven Verfahren der interventionellen Schmerztherapie wie zum Beispiel die Neuromodulation mit PASHA®-Katheter bzw. EPRF an.
Schmerzen nach Wirbelsäulenoperation treten häufig durch Bildung von Narbengewebe (Fibrose) und Entzündungen von Nervenwurzeln in dem von der dura mater (Hirnhaut) umgebenen Epiduralraum auf. Eine Operation im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) bringt häufig nicht das Ende der Rückenschmerzen, auch wenn sie technisch und anatomisch erfolgreich war. Eine Operation der Wirbelsäule soll den Druck auf wichtige Nerven beseitigen. Ein überbewegliches Wirbelsäulensegment (Spondylolisthesis) mit einer häufig degenerierten Bandscheibe führt zu Schmerzen durch die Kompression von Rückenmark und Nervenwurzeln. Wenn der Abstand zwischen den knöchernen Wirbelkörpern nicht erhalten oder durch eine Bandscheibenprothese ersetzt werden kann, steht als Behandlungsoption oft nur noch eine Versteifung der Wirbelsäule zur Verfügung.
Ursachen des FBSS
Die Ursachen des Failed-Back-Surgery-Syndroms sind nicht abschließend geklärt. Angesichts der vielen möglichen Ursachen von Rückenschmerzen wird jeder Patient mit FBSS zum Einzelfall. Eine Hauptursache ist eine unzureichende Diagnose vor der Operation. Manchmal wurde bei der OP-Planung vom Arzt übersehen, dass es neben dem Operationsziel noch weitere Ursachen der Schmerzen gibt. Häufig existiert neben den Bandscheibenproblemen noch eine schmerzhafte Arthrose der Facettengelenke. Behandelt der Arzt nur die Bandscheibe, kann diese Spondylarthrose weiterhin schmerzhaft sein. Auch die Operation in nur einem Segment der Wirbelsäule ist immer dann unzureichend, wenn auch angrenzende Segmente von Verschleiß und Strukturschäden betroffen sind.
Auf der anderen Seite hat jede Operation auch das Potential, weitere Instabilitäten oder Nervenkompressionen an der Wirbelsäule zu schaffen. Eine Spondylodese (Wirbelkörperversteifung) in einem oder mehreren Segmenten der Wirbelsäule verändert immer die Beweglichkeit und erhöht die Belastung angrenzender Bezirke. Patienten mit Übergewicht, Diabetes, Raucher oder anderen ungünstigen Gewohnheiten haben nach der Operation wesentlich häufiger andauernde Schmerzzustände. Patienten mit seelischen Störungen wie Depression oder Angststörung haben ebenfalls einen wesentlich geringeren Operationserfolg. Eine ganzheitliche Untersuchung des Patienten vor einer Rückenoperation ist daher enorm sinnvoll, um vorhersehbare Probleme bei der Heilung rechtzeitig zu erkennen und den Patienten durch begleitende Therapien entsprechend vorzubereiten. Je häufiger ein Patient an der Wirbelsäule operiert wird, desto unsicherer wird das Ergebnis jeder weiteren Wirbelsäulenoperation.
Mögliche Ursachen für ein postoperatives lumbales Schmerzsyndrom:
- Epidurale Fibrose: Narbenbildung und Verklebung durch Einlagerung von Bindegewebe in die durch Operation verletzten Bereiche der Epidura.
- Erworbene Stenose des Rückenmarkskanals nach Operation
- Foraminale Stenose (Verengung der Nervenaustrittfenster) durch Spondylarthrose
- Weiterer Bandscheibenvorfall
- Zu wenig Bandscheibenmaterial wurde entfernt
- Schmerzen im Iliosakralgelenk (ISG-Syndrom) strahlen aus oder entstehen nach Versteifung der Lumbalen Wirbelsäule
- Nerven oder Muskeln beschädigt oder durch Änderung der Biomechanik überlastet
- Implantate oder Schrauben sitzen sind nicht richtig im Gewebe oder lösen sich
- Instabilität (Überbeweglichkeit bzw.
Vorbeugung von postoperativen Rückenschmerzen
Es ist natürlich sehr wichtig, ein Failed-Back-Surgery-Syndrom gar nicht erst auftreten zu lassen. Operationen an der Wirbelsäule sollten daher sehr zurückhaltend empfohlen werden. Nicht jeder im Röntgen oder im MRT auftretende radiologische Befund an der Wirbelsäule muss operiert werden: Stattdessen legen wir besonders großen Wert darauf, bei der Indikationsstellung nachzuweisen, dass eine sichtbare Veränderung an der Wirbelsäule tatsächlich für die Rückenschmerzen verantwortlich sind. Wenn nicht die Schmerzursache, sondern lediglich einer der sichtbaren Befunde operiert wird, kann sich nach der Operation herausstellen, dass die Therapie nicht wirksam war. Es ist außerdem sehr wichtig, auch die gesamte körperliche und geistige Verfassung des Patienten in die Indikationsstellung miteinzubeziehen.
Therapie des FBSS
Die Aufarbeitung einer misslungenen Rückenoperation beginnt stets mit einer genauen Untersuchung der Schmerzen, der Lokalisation und medizinischen Vorgeschichte (Anamnese). Dabei ist es wichtig, die Beschwerden vor der Operation genau zu vergleichen mit den Beschwerden nach der Operation. Durch diesen Vergleich gewinnt der Orthopäde wichtige Hinweise, ob die eigentliche Ursache der Rückenschmerzen durch die Operation behandelt wurde. Für einige Wochen oder Monate nach einer Operation der Wirbelsäule sind Schmerzen und Beschwerden normal. Zur normalen postoperativen Überwachung gehört der Ausschluss von Komplikationen, Wundheilungsstörungen und Rezidiven.
Nichtoperative Therapie ist immer die erste Wahl: Nach einer vorangegangenen Operation ist die Erfolgswahrscheinlichkeit weiterer Operationen stark verringert. In erster Linie beschreiten wir daher den konservativen Behandlungsweg. Medikamentöse Schmerztherapie und Entzündungshemmung kann die Schmerzen lindern. Physiotherapie und entzündungshemmende physikalische Therapie gehören zum Standard der konservativen Therapie des Postdisketomiesyndroms.
Halswirbelsäulenoperationen
Ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule ist schmerzhaft und schränkt den Patienten ein. Die Schmerzen strahlen oft in den Kopf- und Nackenbereich aus, diese können mit Taubheitsgefühlen bis hin zu Lähmungen einhergehen. Zusätzlich können Symptome wie Schwindel, oder Ohrgeräusche bis hin zu Sehstörungen auftreten. Je nach Einzelfall kommt eine Operation als geeignete Therapie in Betracht.
Operative Verfahren
Bei der Operation von vorne wird in der Regel unter mikroskopischer Sicht die komplette Bandscheibe plus Vorfall oder Knochenkanten entfernt und anschließend entweder eine künstliche Bandscheibe oder ein Abstandshalter eingesetzt. Bei der Operation von hinten wird nur der freie Anteil des Vorfalls entfernt oder über einen Aufklappmechanismus der Wirbelbögen indirekt Nerv und Rückenmark entlastet.
Ein Spezialverfahren ist die bei Apex-Spine praktizierte perkutane endoskopische Vorfallentfernung von vorne. Bei diesem Verfahren wird der Vorfall über ein Endoskop, welches von vorne unter Ultraschallsicht und radiologischer Kontrolle eingebracht wird, entfernt. Dies erfolgt meist in Teilnarkose.
Nachbehandlung
Die Nachbehandlung ist abhängig vom Op-Verfahren. In der Regel bleibt der Patient 3-5 Tage in der Klinik, anschließend geht er nach Hause und beginnt zwischen 2-4 Wochen nach der Operation mit Physiotherapie, zusätzliche Kräftigungstherapie in der Regel nach 6 Wochen. Die Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten ist auch abhängig vom Fitnesszustand des Patienten vor der Operation und von der Sportart.
Wann wird es gefährlich?
Nach einer Operation kommt es häufig zu Schwellungen, Schmerzen und großen Blutergüssen im Operationsgebiet. Verständlicherweise können Patient/innen dadurch stark beunruhigt werden. In der Regel gehören diese Symptome zum natürlichen Heilungsprozess, doch in manchen Fällen, kann der Bluterguss andere wichtige Strukturen, wie Nerven und Muskeln, einengen und es muss schnell eine gezielte Behandlung eingeleitet werden.
Bluterguss nach OP
Ein Bluterguss nach der OP zählt zu den klassischen Begleitbildern eines operativen Eingriffs. Dabei handelt es sich um Einblutungen in das umliegende Gewebe nach der Operation. Seine sichtbar größte Ausdehnung erreicht der Bluterguss, auch als Hämatom bezeichnet, oft erst zwei bis drei Tage nach der Operation. Eine Möglichkeit, den entstehenden Bluterguss nach der OP zu behandeln, ist die frühzeitige und regelmäßige Kühlung im Rahmen der Nachsorge. Neben der Kühlung des OP-Gebiets sind auch Kompression sowie hohe Lagerung gute Mittel, um die Bildung von Blutergüssen zu minimieren. Einige Tage nach dem Eingriff sollte sich der Bluterguss langsam verfärben und zurückbilden. Ist nach einer Woche noch keine sichtbare Veränderung aufgetreten, sollten Sie Ihre behandelnde Arztpraxis konsultieren, denn dies kann auf einen verzögerten Heilungsprozess hindeuten.
Symptome eines Blutergusses nach OP
Man erkennt einen Bluterguss nach einer OP am deutlichsten an der Verfärbung der Haut. Diese kann variieren von Rot, Blau-Violett, bis Gelb. Die Farbe hängt von dem Zeitpunkt nach der Entstehung des Blutergusses ab. Blutergüsse gehen durch ihren raumfordernden Prozess mit Schwellungen einher. Dies führt häufig zu Schmerzen, Druckgefühl oder erhöhter Empfindlichkeit in der Umgebung der Operationsstelle. Ein Bluterguss nach einer OP kann auch in der Nähe eines Gelenkes oder darin sowie in einer Körperhöhle, wie zum Beispiel dem Brustkorb, entstehen.
Diagnostik von Blutergüssen nach OP
Häufig ist ein Bluterguss eine Blickdiagnose. Man achtet auf äußere Verfärbungszeichen der Haut (blau, grün, gelb), sowie auf Schwellungen und Überwärmung der Haut an der betroffenen Stelle. Der Bereich kann vorsichtig abgetastet werden, wobei der oder die Untersuchende auf Empfindlichkeit, Schmerzen oder Unebenheiten achtet. Bei starker Verhärtung ist eine Verkapselung möglich. Ist die Stelle stark überwärmt und gerötet, muss eine Entzündung in Betracht gezogen werden. Liegt der Bluterguss tiefer oder es besteht der Verdacht einer Komplikation, kann auf eine bildgebende Untersuchung, wie eine Ultraschalluntersuchung oder ggf. auch eine Magnetresonanztomographie (MRT), zurückgegriffen werden.
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