Chronisches Asthma: Auswirkungen auf das Gehirn und kognitive Funktionen

Asthma bronchiale ist eine weit verbreitete chronische Erkrankung der Atemwege, die Millionen von Menschen weltweit betrifft. Neben den bekannten Auswirkungen auf die Atemwege und die körperliche Gesundheit rückt zunehmend die Frage in den Fokus, ob und wie Asthma das Gehirn und die kognitiven Funktionen beeinflussen kann. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Forschungsergebnisse zu diesem Thema und gibt einen Überblick über mögliche Zusammenhänge und Mechanismen.

Asthma und Veränderungen im Gehirn

COPD und graue Substanz

Eine Studie hat gezeigt, dass Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) eine Verminderung der grauen Substanz in bestimmten Hirnbereichen aufweisen, die für die Verarbeitung von Atemnot, Angst und Schmerzempfindlichkeit zuständig sind. Eine Forschergruppe um Andreas von Leupoldt von der Universität Leuven in Belgien untersuchte 30 Patienten mit moderater bis schwerer COPD und 30 gesunde Kontrollpersonen. Mithilfe von Magnetresonanztomographie (MRT) stellten sie fest, dass COPD-Patienten ein geringeres Volumen grauer Substanz im vorderen, mittleren und hinteren cingulären Cortex aufwiesen, der eine Rolle bei autonomen Funktionen wie Blutdruck und Herzschlag spielt. Auch Bereiche des Hippocampus, der für Gedächtnis und Lernen wichtig ist, und der Amygdala, die an der Steuerung von Angst beteiligt ist, waren betroffen. Je länger die COPD-Erkrankung andauerte, desto geringer war die graue Substanz, und die Patienten zeigten eine größere Angst vor Atemnot und körperlicher Aktivität, was den Verlauf der COPD negativ beeinflussen kann.

Asthma und Gedächtnisdefizite bei Kindern

Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Asthma bei Kindern Gedächtnisdefizite auslösen kann. Eine Studie der University of California untersuchte den Zusammenhang zwischen Asthma und Gedächtnisfunktionen bei Kindern. Die Ergebnisse zeigen, dass die Defizite im episodischen Gedächtnis umso größer ausfallen können, je früher die Erkrankung im Kindesalter auftritt.

Im Rahmen der Studie wurde das hippocampusabhängige episodische Gedächtnis mit dem „Picture Sequence Memory Test“ bewertet. Zusätzlich wurden die Verarbeitungsgeschwindigkeit und die Aufmerksamkeit der Kinder ermittelt. Die Inzidenz von Asthma wurde anhand der Angaben der Eltern erfasst. Die longitudinale Analyse umfasste 474 Kinder, von denen die Hälfte zu Beginn und/oder beim zweijährigen Follow-up an Asthma erkrankt war. Das episodische Gedächtnis verbesserte sich zwar in beiden Gruppen, jedoch in geringerem Maße bei Kindern mit frühem Asthma-Beginn.

Eine weitere Querschnittsanalyse von 2.062 Kindern ergab ähnliche Ergebnisse. Kinder mit Asthma schnitten bei Aufgaben zum episodischen Gedächtnis schlechter ab als Kinder ohne Asthma.

Lesen Sie auch: Asthma-Epilepsie-Studie

Mögliche Mechanismen und Einflussfaktoren

Die genauen Mechanismen, die für den Zusammenhang zwischen Asthma und kognitiven Beeinträchtigungen verantwortlich sind, sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Hypothesen und mögliche Einflussfaktoren:

  • Sauerstoffmangel: Wiederholte Störungen der Sauerstoffversorgung des Gehirns aufgrund von Asthmaanfällen könnten eine Rolle spielen.
  • Entzündungen: Lang anhaltende Entzündungen im Zusammenhang mit Asthma könnten das Gehirn beeinträchtigen.
  • Medikamente: Einige Asthmamedikamente könnten einen Einfluss auf den Hippocampus im Gehirn haben, wie in Tierversuchen beobachtet wurde.
  • Psychische Belastung: Asthma kann die Lebensqualität beeinträchtigen und zu Stress, Angst und Depressionen führen, was sich wiederum negativ auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirken kann.
  • Weitere Begleiterkrankungen: Asthma tritt häufig in Verbindung mit anderen Erkrankungen wie Reflux, Adipositas, Schlafapnoe und allergischer Rhinitis auf, die ebenfalls kognitive Funktionen beeinflussen können.

Asthma im mittleren Alter und Demenzrisiko

Eine weitere interessante Beobachtung ist der mögliche Zusammenhang zwischen Lungenerkrankungen im mittleren Alter und einem erhöhten Demenzrisiko im späteren Leben. Eine Studie analysierte die Daten von über 14.000 Teilnehmern und fand heraus, dass eine Lungenerkrankung im mittleren Lebensalter das Risiko, später eine leichte kognitive Störung oder Demenz zu entwickeln, erhöhte. Eine mögliche Erklärung ist, dass Menschen mit Lungenkrankheiten häufig weniger Sauerstoff im Blut haben.

Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass diese Studie keinen direkten Beweis für einen kausalen Zusammenhang zwischen Lungenkrankheiten und Demenz liefert. Weitere Forschung ist erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen und die zugrunde liegenden Mechanismen zu verstehen.

Implikationen für die Behandlung und Prävention

Die Erkenntnisse über die möglichen Auswirkungen von Asthma auf das Gehirn haben wichtige Implikationen für die Behandlung und Prävention:

  • Frühe Diagnose und Behandlung: Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung von Asthma sind entscheidend, um die Symptome zu kontrollieren, Asthmaanfälle zu vermeiden und langfristige Schäden an den Atemwegen und möglicherweise auch am Gehirn zu verhindern.
  • Individuelle Therapie: Die Behandlung sollte individuell auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten sein und sowohl die körperlichen als auch die psychischen Aspekte der Erkrankung berücksichtigen.
  • Berücksichtigung von Begleiterkrankungen: Die Behandlung von Begleiterkrankungen wie Reflux, Adipositas, Schlafapnoe und allergischer Rhinitis kann ebenfalls dazu beitragen, die kognitive Funktion zu verbessern.
  • Förderung der Lungengesundheit: Maßnahmen zum Schutz der Lungengesundheit, wie z.B. der Verzicht auf das Rauchen und die Vermeidung von Luftverschmutzung, können dazu beitragen, das Risiko von Lungenerkrankungen und möglicherweise auch von Demenz zu verringern.
  • Kognitive Förderung: Kinder mit Asthma sollten auf mögliche Gedächtnisprobleme untersucht werden und bei Bedarf eine gezielte Förderung erhalten.

Lesen Sie auch: Ursachen von Bronchospasmus

Lesen Sie auch: Asthma: Auswirkungen auf das Gehirn

tags: #cronischen #asthma #hat #es #auch #nach