Migräne und Halswirbelsäule (HWS): Ein komplexer Zusammenhang

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, von der schätzungsweise 12 bis 14 Prozent aller Frauen und 6 bis 8 Prozent aller Männer in Deutschland betroffen sind. Sie manifestiert sich klassisch als halbseitiger Kopfschmerz, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht-, Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit. Migräne kann mit oder ohne Aura auftreten. Die International Headache Society listet unter anderem Schokolade und den Süßstoff Aspartam als mögliche Auslöser von Migräneattacken.

Neben den typischen pochenden Kopfschmerzen kann eine Migräne auch Schmerzen im Gesicht, am Nacken, in den Augen oder im Zahnbereich verursachen. Menschen, die wiederholt unter derartigen Beschwerden leiden, sollten sie unbedingt von einem Nervenarzt oder Neurologen abklären lassen, um eine korrekte Diagnose zu stellen und eine spezifische Therapie einzuleiten.

Der Zusammenhang zwischen Nackenschmerzen und Migräne

Hast du gewusst, dass Nackenschmerzen zu den häufigsten Begleiterscheinungen einer Migräne zählen? Zugleich können die Verspannungen im Nacken auch Trigger (Auslöser) einer Migräneattacke sein. Basierend auf diesem Zusammenhang ist es nach Prof. Dr. Kerstin Lüdtke, Professorin für Physiotherapie der Universität zu Lübeck, „wichtig zu überprüfen, ob Störungen im Bereich der Halswirbelsäule bei Patienten mit Migräne vorliegen und wenn ja, diese zu behandeln, um einen möglichen Triggerfaktor zu reduzieren“.

Eine Studie, die 40 Frauen mit Migräne und 46 Frauen einer Kontrollgruppe verglich, ergab, dass Migränepatientinnen häufiger unter Nackenschmerzen und einem Steifheitsgefühl in diesem Bereich litten. Sie zeigten eine bilateral reduzierte Rotation, Verkürzungen in bestimmten Muskeln (Mm. trapezii, M. sternocleidomastoideus, M. occipitalis) und ein stärkeres Schmerzempfinden bei der Dehnung dieser Muskeln. Außerdem wiesen sie schmerzhaftere Triggerpunkte in den Mm. sternocleidomastoidei und den Mm. trapezii auf. Die neurale Mobilität war mit einer bilateralen Verzögerung im Ellbogen herabgesetzt. In der Migräne-Gruppe wurde außerdem ein stärkerer Schmerz im Bereich von C4 - C6 und eine erhöhte Steifigkeit im Bereich C5 - C7 gefunden.

Die Rolle des Trigeminusnervs

Erklären lässt sich der Zusammenhang zwischen Kopf-, Gesichts- und Nackenschmerzen durch eine Verbindung zwischen dem Trigeminusnerv, der für die Wahrnehmung von Schmerzen im Gesicht, dem vorderen Kopf und den Hirnhäuten zuständig ist, und dem großen Hinterhauptsnerv, der am Hinterkopf und Nacken verläuft. Ausläufer beider Nerven treffen im Gehirn zusammen. Kommt es Migräne-bedingt zu einer verstärkten Aktivität des Trigeminusnervs, können über die Verbindung auch Schmerzen im Nacken und Hinterkopf auftreten.

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Zervikogener Kopfschmerz

Kopfschmerzen, die von der Halswirbelsäule ausgehen (oder von benachbartem Gewebe) werden in der Fachsprache „zervikogene Kopfschmerzen“ genannt. Mit dem Ausdruck „zervikogene Kopfschmerzen“ werden Kopf- und Nackenschmerzen bezeichnet, die ihre Ursache in Veränderungen der Halswirbelsäule oder auch muskulären Verspannungen im Hals- und Nackenbereich haben. Er kann auch kombiniert mit den beiden erstgenannten Kopfschmerzarten auftreten.

Der zervikogene Kopfschmerz tritt in Form von meist einseitigen Attacken über mehrere Stunden auf, aber auch als Dauerschmerz von wechselnder Intensität. Die Drehbewegung des Kopfes ist durch eine Verspannung der Nackenmuskulatur und der oberen Halswirbelsegmente beeinträchtigt, von denen Schmerzen zum Hinterkopf, mitunter bis Stirn, Schläfe und Gesicht, gelegentlich bis zum Auge ausstrahlen. Die genannten Regionen werden von den Nervenbahnen aus den oberen Halswirbeln mitversorgt. Oft bewegt sich der Patient auch bereits in einer ausgeprägten Schonhaltung, zu einer Seite neigend. Nicht selten schmerzen auch Schultern und Arme. Die Symptome verstärken sich durch Druck auf die entsprechenden Muskeln und Dornfortsätze im Gebiet des zweiten und dritten Halswirbels.

Tastet man diesen Bereich mit den Fingern ab, während der Patient sich bewegt, so kann man sehr leicht Blockaden feststellen, denen Entzündungen zugrunde liegen. Zusätzlich gibt der Patient Schmerzen beim Drehen und Neigen des Kopfes nach rechts oder links sowie beim Bewegen nach vorne und nach hinten an.

Ursachen für Nackenverspannungen

Mehr als jede zweite Kopfschmerzattacke wird durch Nackenverspannungen verursacht. Kopfschmerzen durch Nackenverspannungen gehören zu den häufigsten Formen von Kopfschmerzen überhaupt. Kein Wunder, denn zwischen Nacken und Kopf befindet sich ein fein abgestimmtes Geflecht an Wirbeln, Muskeln, Sehnen, Bändern und Nerven, das täglich enormen Anforderungen ausgesetzt ist. Zum einen muss der schmale Hals den vergleichsweise schweren Kopf tragen. Die wenigsten von uns machen sich das im Alltag jedoch ausreichend bewusst. Entsprechend selten wird auf die Bedürfnisse der sensiblen Verbindung zwischen Kopf und Körper ausreichend Rücksicht genommen. Der Arzt spricht in diesem Zusammenhang auch vom sogenannten Halswirbelsäulen- oder kurz HWS-Syndrom. Die verdickte und verhärtete Muskulatur schmerzt dabei nicht nur selbst, sondern drückt auch auf die umliegenden Nervenbahnen.

Hier eine Auswahl an Ursachen, die besonders häufig zu Nackenverspannungen führen:

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  • Bewegungsmangel: In Deutschland, aber auch in allen anderen westlichen Industrienationen, bewegen sich die meisten Menschen insgesamt viel zu wenig. Durchschnittlich 9 Stunden der wachen Zeit verbringen die meisten von uns täglich im Sitzen. Der menschliche Körper aber ist nicht zum Dauersitzen gemacht. Ständiges Sitzen macht krank.
  • Fehlhaltungen am Arbeitsplatz: Ein schlecht eingerichteter Arbeitsplatz mit einem zu hoch oder zu niedrig eingestellten Bildschirm, einem fürs Home-Office zweckentfremdeten Küchenstuhl oder anderweitig unpassenden Bürostuhl, zu wenig Auflagefläche für die Arm zur Bedienung der Maus und ungenügender Ausleuchtung. Auf Dauer entstehen dadurch - neben Rückenschmerzen - auch ausgeprägte Hals-, Nacken- und Schulterverspannungen bzw.
  • Dauerbenutzung von Smartphones und Tablets: Ähnlich negativ auf die Halsmuskulatur wirkt sich auch die Dauerbenutzung des Smartphones oder Tablets aus. Denn beim Blick auf Handy oder Tablet wird der Kopf leicht nach vorne und unten gerichtet - und zwar oft über lange Zeit. Für die empfindliche Hals- und Nackenmuskulatur aber bedeutet diese Stellung Schwerstarbeit.
  • Stress und psychische Belastungen: Denn in druck- und angstbelasteten Situationen werden ausgleichende und gesundheitsfördernde Verhaltensweisen wie Sport- und Bewegungsprogramme oft vernachlässigt. Außerdem ziehen wir in solchen Situationen meist unbewusst die Schultern hoch und den Kopf ein.
  • Schiefhals: Eine besonders starke und schmerzhafte Verspannung der Nackenmuskulatur ist auch der sogenannte Schiefhals. Der Schiefhals oder auch steife Hals entsteht vermeintlich aus dem Nichts und tritt häufig direkt nach dem Aufwachen auf.
  • Degenerative Erkrankungen: Dasselbe gilt auch für andere degenerative, also verschleißbedingte Erkrankungen und Abnutzungserscheinungen der Halswirbel, wie Arthrose bzw. Bandscheibenvorfälle im Bereich der Hals- bzw. oberen Brustwirbelsäule. Dabei kommt es meist zu starken Schmerzen im Hals- und Nackenbereich, die in die Arme sowie in den Kopf ausstrahlen können.
  • Verletzungen: Auch Verletzungen im Hals-, Nacken-, Schulterbereich durch Stürze im Alltag, Unfälle, ruckartige Bewegungen sowie ein Schleudertrauma, z.B.

Migräne-Auslöser Wirbelsäule?

Unter Fachleuten wird zum Teil kontrovers diskutiert, ob in manchen Migränefällen eine Beteiligung der Halswirbelsäule vorliegt. Dieser Zusammenhang zwischen Migräne und möglichen Schäden an der Halswirbelsäule ist durchaus ein Streitfall in der Medizin und wird derzeit noch erforscht. Jedoch kann nicht gesichert davon ausgegangen, dass die meisten Kopfschmerzen und Migräneanfälle durch Schäden in der Halswirbelsäule ausgelöst werden. Die Experten sind sich sicher, dass bisher kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Migräne und Schäden an der Halswirbelsäule gestellt werden konnte.

HWS-Syndrom

Von der Halswirbelsäule ausgehende Beschwerden werden als HWS-Syndrom bezeichnet. HWS ist die Abkürzung für Halswirbelsäule. Alle von diesem Körperbereich ausgehenden Beschwerden werden als HWS Syndrom bzw. Zervikalsyndrom bezeichnet. Klassische Symptome sind Kopf-, Nacken- und Schulterschmerzen. Weiterhin treten häufig Schwindel, Benommenheit, Kribbeln und Taubheitsgefühle sowie Übelkeit, Tinnitus und sogar Atemproblemen auf.

Schleudertrauma und HWS-Syndrom werden oft als Synonym genutzt. Allerdings handelt es sich beim Schleudertrauma nach einem Unfall eigentlich um eine HWS-Distorsion, was eine Unterform des HWS-Syndroms darstellt. Eine HWS-Distorsion äußert sich in der Regel durch starke Kopf- und Nackenschmerzen, die bis zu acht Wochen anhalten können. Oft kommt es beim so einem Unfall zur einer schnellen Überstreckung der HWS. Häufig kombiniert mit der Gegenbewegung der HWS nach vorne.

Funktionsbeeinträchtigungen in der Halswirbelsäule können sich sowohl durch Schmerzen als auch durch Kribbeln oder Taubheitsgefühle bemerkbar machen. Diese Symptome können sowohl im Kopf- und Nackenbereich als auch an Armen und Händen auftreten. Sowohl Schwindel als auch Benommenheit können von der Halswirbelsäule her verursacht werden. Dies kann zum einen daran liegen, dass Verspannungen auf die Nerven drücken und so Signale nicht richtig übermittelt werden können, was Schmerzen und eine gewisse Benommenheit auslösen kann. Zum anderen können auch Blutgefäße durch dauerhaften Druck in Mitleidenschaft gezogen oder teilweise abgedrückt werden, was ebenfalls zu Benommenheit und Schwindel führen kann. HWS-Probleme bringen besonders häufig Kopf- und Nackenschmerzen sowie migräneartige Symptome mit sich (jedoch keine “echte” Migräne). Das fragile Gleichgewicht aus Knochen, Muskeln und Nerven im sehr engen Bereich der Halswirbelsäule kann durch Verspannungen gestört sein und somit nicht mehr einwandfrei funktionieren. Dies kann zu gravierenden Beschwerden führen. Falls die Schmerzen entlang der Nervenbahnen zum Kopf auftreten, spricht man von einer Zervikalneuralgie.

Falls Verspannungen im Halswirbelbereich entstehen, kann dies sowohl zu Schmerzen als auch zu Bewegungseinschränkungen führen, die bis in Schultern, Arme und Rücken reichen können. Daher ist es sinnvoll, bei Bewegungsproblemen auf das HWS-Syndrom hin zu untersuchen.

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Es ist häufig schwierig, die Ursachen für Schwindelgefühle herauszufinden. Das HWS Syndrom kann jedoch auf jeden Fall eine Ursache sein, dies wird bedauerlicherweise häufig nicht ausreichend beachtet. Falls also keine Störungen des Gleichgewichtsorgans, Gefäßprobleme oder Tumore vorliegen, ist die wahrscheinliche Ursache für derartige Symptome in der Regel ein HWS Syndrom.

Durch den relativ engen Bereich der Halswirbelsäule, zwischen den Wirbeln C1 - C7, laufen sämtliche Muskeln, Sehnen, Blut- und Nervenbahnen vom Rumpf zum Kopf. Kurz- oder langfristig auftretende Probleme, Verspannungen oder Schäden in diesem Bereich können daher sehr schnell das äußerst fragile Gleichgewicht stören und zu zahlreichen Beschwerden führen.

Verursacht werden Probleme in der Halswirbelsäule häufig durch Fehlhaltungen & Fehlbelastungen (zum Beispiel bei der Büroarbeit) oder psychische Belastungen sowie durch Verschleiß oder Unfälle. Dies alles löst Verspannungen und unter Umständen mangelnde Durchblutung sowie Signal-Übermittlungsfehler an den Nervenbahnen aus.

Schwindel, ausgelöst durch eine Bewegung im Bereich der Halswirbelsäule (HWS), wird zervikogener Schwindel genannt und fühlt sich an wie ein Schwankschwindel. Benommenheit, Schwierigkeiten bei der Orientierung sowie Gefühle von Instabilität und Gleichgewichtsstörungen sind die Folge.

Typisch für HWS Beschwerden ist ein vom Hinterkopf über den Schädel sich ausbreitender Kopfschmerz bis in die Stirn hinein. Es kann außerdem zu migräneartigen Symptomen kommen, die ebenfalls vom Nacken ausgehen. Ursache ist in der Regel eine Verspannung der Nerven im Nackenbereich sowie eine übermäßige Sensibilität der schmerzleitenden Nerven. Dies kann zu den beschriebenen Kopfschmerzen und darüber hinaus zu Sehstörungen, Übelkeit und vielen weiteren Beschwerden führen.

Differentialdiagnose: Spannungskopfschmerz vs. Migräne

Ob es sich bei Ihren Kopfschmerzen um Spannungskopfschmerzen oder um eine Migräne handelt, können Sie relativ leicht an der Art der Symptome erkennen. Spannungskopfschmerzen werden als dumpf, drückend, ziehend und über den ganzen Schädel verlaufend empfunden. Migräne-Kopfschmerzen treten dagegen meist pochend, pulsierend, klopfend und überwiegend einseitig auf. Körperliche Aktivität verschlimmert die Migräneschmerzen noch. Migräne tritt oft zusammen mit unangenehmen Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen, erhöhter Lärm- und Lichtempfindlichkeit, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen auf.

Behandlung von Migräne und Nackenverspannungen

Die Therapie der Migräne setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen.

Akuttherapie

„Für die Akuttherapie existieren wirkungsvolle Medikamente. Eine Migräneattacke mit leichten bis mittelgradigen Schmerzen kann mit rezeptfreien Wirkstoffen behandelt werden, wie Ibuprofen, ASS oder Paracetamol. Bei schweren Migräne-Attacken können so genannte Triptane angewendet werden“, berichtet Prof. Nelles. Schmerzmittel können nach Absprache mit dem Facharzt mit Arzneien gegen Übelkeit kombiniert werden, um solche häufigen Begleiterscheinungen der Migräne zu lindern. Triptane sollten pro Monat nicht öfter als 10 Mal angewendet werden.

Für die akute Behandlung von Spannungskopfschmerzen in Verbindung mit Hals-, Schulter- und Nackenbeschwerden hat sich Ibuprofen besonders gut bewährt. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) empfiehlt unter anderem eine Einzeldosis von 400 mg als Mittel der 1. Wahl. In Kombination mit medizinischem Coffein kann die bereits gute Wirksamkeit von Ibuprofen noch weiter gesteigert werden, wie eine klinischen Studie1 aus dem Jahr 2018 erwies. In der placebokontrollierten Doppelblindstudie mit 562 Patienten zeigte die Kombination aus 400 mg Ibuprofen und 100mg Coffein eine 40 Prozent stärkere schmerzlindernde Wirkung gegenüber dem Wirkstoff Ibuprofen alleine. In derselben Studie1 zeigte sich darüber hinaus, dass die Kombination aus Ibuprofen und Coffein auch bei der Wirkschnelligkeit Ibuprofen 400mg alleine überlegen ist. So konnte durch die Zugabe von Coffein eine Steigerung der Wirkschnelligkeit um 36 Prozent gegenüber seinem Einzelwirkstoff Ibuprofen alleine gemessen werden.

Prophylaxe

Für Menschen, die unter Migräne leiden, gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, den Kopfschmerzen auch ohne die Einnahme von Medikamenten vorzubeugen. Dabei spielt es eine große Rolle, die individuellen Auslöser (Trigger) der Kopfschmerz-Attacken zu kennen uns sie im Alltag soweit möglich zu meiden. „Auch bestimmte verhaltenstherapeutische Ansätze können das Auftreten und die Stärke von Migräne-Anfällen reduzieren. Diese Verfahren verbinden Entspannungstechniken mit Stress- und Reizverarbeitungstrainings und können Migräne abwenden, die durch Stress und Anspannung hervorgerufen wird“, rät der Nervenarzt. Auch regelmäßiges körperliches Training und Stressabbau können eine Migräne sehr positiv beeinflussen. „Falls mehr als drei Attacken im Monat auftreten oder die Attacken jeweils sehr lange dauern kann eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll sein“, ergänzt der Experte. Etabliert für die medikamentöse Migräneprophylaxe sind u.a. Betablocker und das Epilepsiemedikament Topiramat.

Behandlung von Nackenverspannungen

Um Spannungskopfschmerzen durch Nackenverspannungen effektiv behandeln zu können, ist es wichtig, die Gründe für die Nackenverspannungen zu beseitigen. Wenn das auch bei Ihnen der Fall ist und Sie nur gelegentlich leichte Kopfschmerzen verspüren, können Sie erstmal versuchen, die verspannte Nackenmuskulatur mithilfe von Hausmitteln zu lockern.

  • Wärmeanwendungen: Legen Sie sich dazu ein gewärmtes Kirschkernkissen oder eine Wärmflasche für einige Minuten auf den Nacken. Die Wärme wirkt durchblutungsfördernd und spannungslösend auf die verkrampfte Muskulatur, so dass auch die Kopfschmerzen meist schon nach kurzer Zeit nachlassen.
  • Massage: Auch eine sanfte Massage kann helfen, die verspannte Muskulatur im Nackenbereich zu lockern. Schließen Sie dazu, wenn möglich, die Augen und legen den Kopf auf einer Auflage ab, um die verkrampfte Hals-, Nacken- und Schultermuskulatur zu entlasten.
  • Dehnübungen: Kreisen Sie dazu z. B. Neigen Sie anschließend den Kopf sanft zur Seite Richtung Schulter. Wenn Sie möchten, können Sie diese Bewegung sanft mit der Hand unterstützen. Halten Sie die Dehnung für ca. 10 - 30 Sekunden, wie es Ihnen angenehm ist und kehren dann wieder in die Ausgangsposition zurück. Wiederhohlen Sie die Bewegung auch auf der anderen Seite. Um die Nackenrückseite zu dehnen, senken Sie den Kopf langsam Richtung Brust. Auch hier können Sie die Bewegung durch Auflegen beider Hände rechts und links am Nacken sanft unterstützen. Achten Sie auf fließende und ruckfreie Bewegungen und halten Sie die Dehnung für ca. 30 Sekunden bzw. solange es sich für Sie noch angenehm anfühlt. Kehren Sie anschließend wieder in die Ausgangsposition zurück.

Weitere Therapieansätze bei HWS-Syndrom

  • Wärme & Entspannung: Wärme kann verspannte Muskeln und Sehnen lösen. Daher sollten Sie zunächst versuchen, den Halswirbelbereich zu wärmen. Legen Sie dazu eine Wärmflasche oder ein Körnerkissen in den Nacken. Auch Dehnübungen oder sanfte Massagen können zur Linderung der Beschwerden beitragen.
  • Stoßwellentherapie: Die Behandlung mit Stoßwellen hat sich bei HWS Beschwerden als sehr erfolgversprechend erwiesen. Mit einer Stoßwellentherapie können Triggerpunkte für Schmerzempfindungen gezielt aufgelöst sowie Verspannungen und eventuelle Entzündungen reduziert werden. Dies führt zu einer raschen Linderung der Beschwerden.
  • Übungen: Gezielte Übungen, die am besten durch einen erfahrenen Physiotherapeuten erläutert werden, können helfen, HWS Beschwerden zu lindern.
  • Physiotherapie & Osteopathie: Eine manuelle Therapie als Teil einer physiotherapeutischen Behandlung besteht in erster Linie aus Massagen, die Blockaden mithilfe von Druck und Dehnung auflösen sollen. Verspannte Muskeln und Sehnen können so gedehnt und entspannt werden. Falls tiefergehende Zusammenhänge zwischen Organsystem und Bewegungsapparat behandelt werden sollen, kann dies auf Wunsch auch mithilfe der Osteopathie oder Akupunktur geschehen.
  • Injektionen: Bei besonders starken Schmerzen können Injektionen mit schmerzstillenden Mitteln angezeigt sein. Diese werden entweder direkt in die Wirbelgelenke oder an die aus dem Spinalkanal herausragenden Nerven gesetzt. Die Injektion erfolgt dabei aus Sicherheitsgründen unter Röntgen- oder CT-Kontrolle.
  • Operation: Eine Operation ist bei HWS Beschwerden nur selten notwendig. Falls sich jedoch mittel- bis hochgradige Lähmungserscheinungen zeigen, könnte es sich um einen zervikalen Bandscheibenvorfall handeln, der in manchen Fällen operativ behandelt werden muss. Lassen Sie sich diesbezüglich unbedingt umfassend von einem Facharzt beraten. In vielen Fällen kann eine Operation durch Stoßwellen- oder konservative Therapie vermieden werden.

Präventive Maßnahmen

Um Nackenschmerzen und damit verbundene Spannungskopfschmerzen schnell wieder loszuwerden bzw. gar nicht erst entstehen zu lassen, können Sie einiges tun:

  • Bewegung: Versuchen Sie sich insgesamt mehr zu bewegen. Benutzen Sie öfters mal die Treppe statt des Aufzugs oder auch mal das Fahrrad statt des Autos. Gehen Sie kurze Strecken öfters mal zu Fuß und treiben Sie regelmäßig Sport. Günstig sind sämtliche Ausdauersportarten wie Walken, Laufen, Schwimmen oder Fahrradfahren, aber auch Tanzen, Wandern oder Kraftsport sind geeignet, um die Muskulatur nachhaltig zu trainieren und damit Nackenverspannungen vorzubeugen. Wichtig ist die Regelmäßigkeit.
  • Ergonomie am Arbeitsplatz: Richten Sie Ihren Arbeitsplatz rückenfreundlich ein. Achten Sie dabei auf geeignete Tisch- und Sitzmöbel, die richtigen Abstände zum Bildschirm und eine gute Beleuchtung. Denken Sie dabei auch an Alternativen, wie etwa einen Steharbeitsplatz und sprechen Sie dazu auch Ihren Arbeitgeber an.
  • Stressmanagement: Versuchen Sie Stress abzubauen bzw. zu lernen, im Alltag besser mit belastenden Situationen umzugehen. Hier können Entspannungstechniken, wie Yoga, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training oder auch Thai Chi helfen. Lokale Anbieter, Sportvereine und Volkshochschulen bieten hier oft geeignete und wohnortnahe Kurse an. Daneben werden auch immer mehr Online-Kurse angeboten, die örtlich unabhängig und oft zeitlich besonders flexibel genutzt werden können. In vielen Fällen werden die Kosten oder zumindest ein Teil davon auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Fragen Sie einfach mal bei Ihrer Krankenkasse nach.

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