Hirntumoren stellen eine seltene, aber dennoch gefährliche Erkrankung dar, die etwa 2 % aller Krebserkrankungen ausmacht. Es gibt eine Vielzahl von Hirntumorarten, und die Behandlung hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter der Art des Tumors, seinem Wachstumsgrad und dem Alter des Patienten. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Bevacizumab (Avastin) bei Hirntumoren, insbesondere bei Kindern, und gibt einen Überblick über relevante Studien und Behandlungsansätze.
Hirntumoren im Überblick
Hirntumoren können gutartig (abgegrenzt, langsam wachsend) oder bösartig (infiltrierend, schnell wachsend) sein. Die Symptome variieren je nach Lage des Tumors. Eine Besonderheit von Hirntumoren ist, dass sie selten Metastasen in anderen Organen verursachen. Etwa 30 bis 40 Prozent aller Hirntumoren entstehen als Metastasen anderer Tumoren, wobei bei Männern Lungenkrebs und bei Frauen Brustkrebs die häufigsten Ursachen sind.
Die Ursachen von Hirntumoren sind weitgehend unbekannt. Weder Ernährung noch Rauchen, Alkoholkonsum oder Stress spielen eine wesentliche Rolle. Ein leicht erhöhtes Risiko besteht für Patienten, die aufgrund anderer Erkrankungen einer direkten radioaktiven Bestrahlung des Nervensystems ausgesetzt waren oder bestimmte Erbkrankheiten haben.
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT). Eine Gewebeprobe (Biopsie) ist erforderlich, um die genaue Art des Tumors und seinen WHO-Grad zu bestimmen. Der WHO-Grad gibt Auskunft über die Gut- oder Bösartigkeit des Tumors und seine Wachstumseigenschaften.
Behandlung von Hirntumoren
Die Behandlung von Hirntumoren umfasst in der Regel eine Operation zur Entfernung des Tumors, gefolgt von Strahlentherapie und/oder Chemotherapie. Bei der Chemotherapie wird häufig Temozolomid eingesetzt, da es besser verträglich ist als andere Zytostatika.
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Parallel zu den gängigen Therapieschemata werden neuere Ansätze in Studien getestet, darunter der monoklonale VEGF-Antikörper Bevacizumab.
Bevacizumab (Avastin): Ein Angiogenesehemmer
Bevacizumab ist ein Angiogenesehemmer, der die Neubildung von Blutgefäßen im Tumor unterdrücken soll. Da Tumoren für ihr Wachstum eine eigene Blutversorgung benötigen, soll Bevacizumab den Tumor quasi "aushungern".
Wirkungsweise von Bevacizumab
Bevacizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der sich gegen den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF) richtet. VEGF ist ein Botenstoff, der die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) fördert. Durch die Blockade von VEGF wird die Neubildung von Blutgefäßen gestoppt, wodurch das Tumorwachstum verlangsamt wird.
Anwendung von Bevacizumab
Bevacizumab wird bei verschiedenen Krebserkrankungen eingesetzt, darunter Darmkrebs, Brustkrebs, Lungenkrebs, Nierenkrebs und Gebärmutterhalskrebs. Außerhalb seiner zugelassenen Anwendungsgebiete wird Bevacizumab auch bei der altersbedingten feuchten Makuladegeneration eingesetzt.
Die Dosis von Bevacizumab wird individuell für jeden Patienten angepasst. Der Wirkstoff wird alle zwei bis drei Wochen in Form einer Infusion verabreicht. Üblicherweise wird Bevacizumab mit anderen Krebsmedikamenten kombiniert.
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Nebenwirkungen von Bevacizumab
Bevacizumab gilt allgemein als relativ gut verträglich. Häufige Nebenwirkungen sind Schmerzen an der Infusionsstelle, Müdigkeit, Schwäche, Durchfall, Bauchschmerzen und allergische Reaktionen. Seltener treten Magen-Darm-Blutungen, Blutgerinnsel, Bluthochdruck, Verstopfung und Hautveränderungen auf.
Bevacizumab bei Glioblastomen
Glioblastome sind die häufigsten und aggressivsten primären Hirntumoren bei Erwachsenen. Sie wachsen sehr rasch und invasiv in angrenzendes gesundes Gewebe und sind daher schwer zu operieren. Die Prognose der Patienten ist schlecht, und selbst unter intensiver Therapie führen Glioblastome meist innerhalb eines Jahres zum Tod.
Da Glioblastome VEGF-A überexprimieren, wurde Bevacizumab in der Erstlinientherapie zusätzlich zum Standard (Operation, Chemoradiotherapie mit Temozolomid und Bestrahlung) klinisch untersucht.
AVAglio-Studie
In der Phase-III-Studie AVAglio wurde die Wirksamkeit und Sicherheit von Bevacizumab in Kombination mit Strahlentherapie und Temozolomid nach einer Operation oder Biopsie geprüft. Die Patienten erhielten randomisiert Bevacizumab oder Placebo plus Strahlentherapie und Temozolomid. Die Ergebnisse zeigten, dass Patienten, die Bevacizumab erhielten, von einer signifikanten Verbesserung des progressionsfreien Überlebens profitierten. Das Gesamtüberleben wurde jedoch nicht signifikant verlängert.
Re-Bestrahlung und Bevacizumab bei Glioblastom-Rezidiven
Eine weitere Studie (NRG Oncology/RTOG1205) untersuchte, ob eine Re-Bestrahlung in Kombination mit Bevacizumab das Gesamtüberleben und/oder progressionsfreie Überleben von Patienten mit Glioblastom-Rezidiv gegenüber Bevacizumab alleine verbessert. Die Studie ergab, dass die Kombination aus Re-Bestrahlung und Bevacizumab das progressionsfreie Überleben signifikant verlängern konnte. Das Gesamtüberleben wurde jedoch nicht verbessert.
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Bevacizumab bei Hirntumoren im Kindesalter
Im Kindesalter treten insbesondere gutartige Gliome oder bösartige Medulloblastome des Kleinhirns auf. Eine klinische Studie untersucht derzeit die Wirksamkeit einer metronomischen und zielgerichteten anti-angiogenen Therapie bei Kindern mit bestimmten Arten von Hirntumoren, darunter Medulloblastom, Ependymom und atypischer teratoider/rhabdoider Tumor (ATRT). Die Behandlung umfasst mehrere Medikamente, darunter Cytarabin, Cyclophosphamid, Etoposid, Bevacizumab, Thalidomid und Celecoxib.
Weitere Behandlungsansätze und Studien
Neben Bevacizumab werden auch andere innovative Behandlungsansätze für Hirntumoren erforscht, darunter:
- Mistelextrakte: Studien am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) in Tübingen untersuchen die Wirkung von Mistelextrakten auf Gliomzellen. In Zellkulturen zeigten sich positive Effekte, wie eine verminderte Fähigkeit der Zellen zu wandern und eine bessere Immunreaktion.
- Adenoviren: Am HIH versucht man, speziell konstruierte Adenoviren im Kampf gegen Tumorzellen einzusetzen. Die Viren sollen die Krebszellen zerstören und sie zudem sensibler gegenüber der Chemotherapie machen.
- Impfung gegen Glioblastom: Versuche, gegen das Glioblastom zu impfen, zeigen vielversprechende Ergebnisse. Die Impfung wird nach der etablierten Behandlung eingesetzt und soll Rezidive verhindern.
- Sonodynamische Therapie (SDT): Die Sonodynamische Therapie (SDT) ist ein weiterer vielversprechender Ansatz zur Behandlung von Glioblastomen. Bei dieser Therapie werden Ultraschallwellen eingesetzt, um Medikamente gezielt in den Tumor einzubringen und dort zu aktivieren.
- Ozonide: Die Behandlung ungesättigter Öle mit Ozon (HOO-Ozonid-Kapseln) wird als eine weitere Option zur Bekämpfung von Hirntumoren untersucht. Es wird angenommen, dass Ozonide Sauerstoff (ROS) für die Zellschädigung erzeugen.
- Fluoreszenzgestützte Operationstechnik: Eine neue Operationsmethode bei Hirntumoren ergänzt das Behandlungsspektrum der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Jena.