Schmerzfreies Bohren am Zahn: Nerv vermeiden und Zahnerhalt sichern

Die moderne Zahnmedizin hat sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt, insbesondere im Bereich der Kariesbehandlung. Ziel ist es, Zähne möglichst lange zu erhalten und dabei den Zahnnerv zu schonen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Methoden, die zur Verfügung stehen, um das Bohren am Zahn so schonend wie möglich zu gestalten und den Nerv zu schützen.

Minimal-invasive Kariesentfernung: Ein Überblick

Früher war es üblich, Karies radikal mit dem Bohrer zu entfernen, was oft zu Schädigungen des Zahnnervs und somit zu einer Wurzelbehandlung führte. Heutzutage gibt es jedoch schonendere Alternativen, die eine minimal-invasive Kariesentfernung ermöglichen. Diese Methoden sind zwar zeitaufwändiger, können aber eine Wurzelbehandlung vermeiden und somit den Zahnerhalt sichern.

Methoden der schmerzfreien minimal-invasiven Kariesentfernung

Verschiedene Techniken und Instrumente kommen bei der schmerzfreien minimal-invasiven Kariesentfernung zum Einsatz:

  • Operationsmikroskop: Ermöglicht eine bessere Sicht als das bloße Auge oder eine Lupenbrille, was besonders bei heiklen Stellen von Vorteil ist. Jeder Zehntelmillimeter zählt.
  • Mikro-Ultraschall-Instrumente: Feinfühlige Instrumente, die den Zugang zur Karies ermöglichen, arbeiten mit kleinen, diamantierten Kugel-Instrumenten und entfernen die kariöse Zahnsubstanz schonend durch Rüttelbewegungen. Die gebogene Form ermöglicht das Arbeiten "um die Ecke".
  • Sandstrahler: Kleinste Kügelchen aus Aluminiumoxid werden durch eine feine Düse auf den Zahn geblasen, um die Karies berührungslos abzutragen.
  • Laser: Obwohl viele Patienten glauben, dass man mit einem Laser "bohren" kann, ist dies derzeit noch nicht der Fall.
  • Antibakterielle Medikamente und Ozon (HealOzone): Werden zur Desinfektion und zur Unterstützung der Heilung eingesetzt.

Kariesbehandlung im Frühstadium

Im Frühstadium der Karies, wenn nur der Zahnschmelz betroffen ist, ist eine zahnärztliche Behandlung nicht unbedingt erforderlich. Folgende Maßnahmen können helfen, die Karies selbst zu entfernen (unter regelmäßiger zahnärztlicher Kontrolle):

  • Zucker sparen: Reduzieren Sie den Konsum von zuckerhaltigen Speisen und Getränken, da Zucker die Ausbreitung der Karies fördert. Auch Fruchtzucker kann schädlich sein. Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe sind eine gute Alternative.
  • Mundhygiene: Putzen Sie Ihre Zähne nach jeder Mahlzeit mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta. Diese härtet den Zahnschmelz und macht ihn widerstandsfähiger gegen Karies. Verwenden Sie Zahnseide oder Interdentalbürsten zur Reinigung der Zahnzwischenräume. Kauen Sie zuckerfreien Kaugummi mit Xylit, um den pH-Wert im Mund zu neutralisieren und den Speichelfluss anzuregen. Eltern sollten die Zähne ihrer Kinder nachputzen.
  • Fluoridbehandlung: Regelmäßige professionelle Fluoridierungsmaßnahmen in der Zahnarztpraxis sind sinnvoll. Verwenden Sie fluoridhaltige Zahnpasta und Speisesalz. Besprechen Sie die Anwendung weiterer Fluoridprodukte mit Ihrem Zahnarzt.

Kariesbehandlung in fortgeschrittenen Stadien

Sobald die Karies tiefere Schichten des Zahnes betrifft, ist eine zahnärztliche Kariesbehandlung erforderlich. Die Art der Behandlung hängt von der Lage und dem Fortschritt der Schädigung ab.

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  • Bohren und Füllung: Der Zahnarzt entfernt die zerstörte Zahnsubstanz mit dem Bohrer und verschließt das Bohrloch mit einer Füllung. Auf Wunsch oder bei empfindlichen Zähnen kann die Behandlung unter örtlicher Betäubung erfolgen.
  • Zahnkrone: Bei großem Substanzverlust wird die Form des Zahnes mit einer künstlichen Zahnkrone wiederhergestellt.
  • Wurzelbehandlung: Wenn die Karies sehr nah am Zahnnerv liegt oder das Nervengewebe bereits beschädigt ist, ist eine Wurzelbehandlung erforderlich. Dabei wird das Nervengewebe entfernt und der Wurzelkanal mit einem Füllmaterial verschlossen.

Wurzelkanalbehandlung: Ziel ist der Zahnerhalt

Das Ziel einer Wurzelbehandlung ist die Erhaltung eines stark vorgeschädigten Zahnes. Dabei wird entzündliches oder abgestorbenes Gewebe sowie Bakterien restlos aus dem Wurzelkanal entfernt. Anschließend wird der Kanal desinfiziert und mit einem Füllmaterial dicht verschlossen. Eine Wurzelbehandlung kann sowohl bei einem lebenden, entzündeten als auch bei einem bereits abgestorbenen Zahnnerv durchgeführt werden.

Füllungsmaterialien: Eine Übersicht

Für Zahnfüllungen stehen verschiedene Materialien zur Auswahl, darunter:

  • Keramik
  • Komposit
  • Glasionomerzement und Kompomer
  • Metalllegierungen (z.B. Gold)
  • Amalgam

Die Wahl des Füllungsmaterials hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie den Materialeigenschaften, der Problemstellung am Zahn und den Kosten. Nicht alle Füllungen werden von den Krankenkassen bezahlt.

Plastische Füllungen vs. Einlagefüllungen (Inlays)

Plastische Füllungen werden in einem (zäh-)flüssigen Zustand in den Zahn eingebracht und passen sich so exakt an das Bohrloch an. Einlagefüllungen (Inlays) werden im Labor nach einem Modell des Lochs im Zahn angefertigt und sind teurer als plastische Füllungen.

Spezielle Füllungsmaterialien im Detail

  • Komposit: Besteht aus einer Kunststoffmatrix mit Füllstoffen aus Keramik und Quarz. Es ist temperaturunempfindlich, langlebig und ähnelt farblich den Zähnen.
  • Glasionomerzement und Kompomer:Relativ weiche, fluoridhaltige mineralische Zemente, die sich für Milchzähne, Zahnhälse und provisorische Füllungen eignen.
  • Amalgam: Metallgemisch aus Silber, Kupfer, Zinn und Quecksilber. Seit dem 01.01.2025 sind Amalgamfüllungen in der EU verboten, um die Quecksilberbelastung in der Umwelt zu verringern. Sie gehören zu den am besten erforschten Zahnfüllungen und müssen nicht entfernt werden, solange sie in einem guten Zustand sind.
  • Goldhämmerfüllung: Eine seltene und aufwendige Methode, bei der dünne Goldfolien auf den Zahn gelegt und in das Loch hineingeklopft werden. Sie ist sehr lange haltbar.

Neuere Methoden der Kariesbehandlung ohne Bohren

  • Lasertechnik: Kariesbakterien werden mit Laserstrahlen entfernt. Diese Methode ist weniger schmerzhaft als das Bohren, wird aber nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
  • Infiltration mit Kunststoff (Icon-Methode): Das Loch im Zahn wird nicht aufgebohrt, sondern von außen mit Kunststoff aufgefüllt, um die Bakterien einzuschließen und unschädlich zu machen. Diese Methode ist besonders für Kinder geeignet.

Nach der Kariesbehandlung: Was ist zu beachten?

Nach einer Kariesbehandlung ist eine gute Mundhygiene entscheidend, um das Risiko für erneute Karies zu verringern.

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  • Mundhygiene: Putzen Sie Ihre Zähne regelmäßig mit Zahnseide und fluoridhaltiger Zahnpasta.
  • Ernährung: Reduzieren Sie zuckerhaltige Lebensmittel und achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung.
  • Regelmäßige Zahnarztbesuche: Gehen Sie halbjährlich zur Kontrolle, um Veränderungen der Zahnsubstanz frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können.

Mögliche Beschwerden nach der Behandlung

  • Druckgefühl und Zahnschmerzen: In der ersten Zeit nach der Behandlung kann ein Druckgefühl auftreten. Nach tiefen Eingriffen können auch Zahnschmerzen bestehen, die aber nach zwei bis drei Tagen abklingen sollten.
  • Kauprobleme: Durch die lokale Betäubung kann es passieren, dass die Höhe der Füllung angepasst werden muss, wenn das Kauen sich komisch anfühlt.

Die Angst vor dem Bohren: Ursachen und Bewältigung

Die Angst vor dem Zahnarzt ist weit verbreitet und kann durch ein Gefühl des Kontrollverlusts, negative Erfahrungen in der Vergangenheit oder die Vorstellung von Schmerzen entstehen.

Strategien zur Bewältigung von Zahnarztangst

  • Offene Kommunikation: Sprechen Sie Ihre Ängste vor der Behandlung mit dem Zahnarzt an.
  • Einfühlsamer Zahnarzt: Wählen Sie einen Zahnarzt, der Verständnis für Angstpatienten hat.
  • Spezielle Programme für Angstpatienten: Einige Praxen bieten Entspannungsübungen oder Sedierung an.

Kosten einer Kariesbehandlung

Die Kosten einer Kariesbehandlung variieren je nach Art der Füllung und den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Gesetzlich krankenversicherte Patienten erhalten für Kariesbehandlungen eine Standardfüllung, die von den Krankenkassen vollständig abgedeckt wird. Für aufwendigere Füllungsverfahren müssen Patienten die Mehrkosten selbst tragen.

Warum wird beim Bohren Wasser verwendet?

Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz im menschlichen Körper. Beim Bohren entstehen Reibungshitze und mechanische Reibung. Das Kühlwasser verhindert eine Überhitzung des Zahns und schützt den Nerv. Eine wirksame Absaugvorrichtung ist wichtig, um den Schluckreflex zu vermeiden.

Der Ablauf des Bohrens beim Zahnarzt

  1. Vorbereitung und Betäubung: Reinigung des betroffenen Bereichs und Verabreichung einer lokalen Betäubung.
  2. Der eigentliche Bohrvorgang: Entfernung der zerstörten Zahnsubstanz mit dem Bohrer. Ein Wasser-Luft-Gemisch kühlt den Zahn und verbessert die Sicht.
  3. Nachsorge und Heilung: Anweisungen zur Nachsorge, um die Heilung zu fördern und Komplikationen zu vermeiden.

Zahnschmerzen nach der Behandlung

Leichte Schmerzen und Empfindlichkeit können einige Tage nach der Kariesbehandlung auftreten. Bei stärkeren Zahnschmerzen sollte der Zahnarzt konsultiert werden.

Die Rolle des Bohrers in der modernen Zahnmedizin

Obwohl es alternative Behandlungsmethoden gibt, ist das Bohren nach wie vor ein unverzichtbarer Schritt, um erkrankte Zahnbereiche zu entfernen und die Ausbreitung von Karies zu verhindern.

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Aufbau und Funktion des Bohrers

Der Bohrer besteht aus einem Schaft, einem Hals und einem Kopf, auf dem verschiedene Aufsätze platziert werden können. Der Bohrer rotiert mit hoher Geschwindigkeit und trägt so das geschädigte Zahnmaterial ab.

Warum empfindet man Bohrer als besonders laut?

Das Geräusch des Bohrers wird im Mundraum verstärkt und als unangenehm laut empfunden.

Kariesbehandlung Schritt für Schritt erklärt

  1. Diagnose: Der Zahnarzt erkennt die Karies bei der Untersuchung des Gebisses.
  2. Beratung: Das weitere Vorgehen und das Füllmaterial werden besprochen.
  3. Narkose: Eine lokale Betäubung des betroffenen Zahns erfolgt.
  4. Bohren: Der Zahnarzt trägt das betroffene Zahnmaterial mit dem Bohrer ab.
  5. Füllung: Der Zahn wird gesäubert und das Füllmaterial eingelegt.
  6. Anpassung: Die Füllung wird perfekt an den umgebenden Zahn angepasst.
  7. Schutzschicht: Eine Schutzschicht aus Fluorid wird aufgetragen.

Muss bei jeder Karies gebohrt werden?

Je nachdem, wie weit die Karies fortgeschritten ist, gibt es auch Möglichkeiten, Karies ohne Bohren zu behandeln.

Alternative Behandlungsmethoden bei Karies

  • Remineralisierung: Bei Initialkaries reicht eine Behandlung mit Fluoridlack oder Fluoridgel aus.
  • Kariesinfiltration (Icon-Methode): Die Karies wird versiegelt und die weitere Ausbreitung verhindert.
  • Lasertechnik: Der Karies wird mit einem Laser behandelt.

Wurzelspitzenresektion: Eine Möglichkeit zur Zahnerhaltung

Wenn ein Zahn und seine Wurzel stark beschädigt sind, kann eine Wurzelspitzenresektion den Zahn retten. Dabei wird der entzündete Teil der Wurzel gekappt und der Zahn von entzündlichem Gewebe sowie Bakterien befreit.

Trepanation: Die Öffnung des Zahns

Die Trepanation bezeichnet in der Zahnmedizin einen chirurgischen Eingriff mit dem Bohrer während einer Wurzelbehandlung. Dabei verschafft sich der Zahnarzt mithilfe des Bohrers Zugang zu Knochenhöhle, um an die erkrankte Wurzelspitze zu gelangen.

Das "Zahn Aufbohren" im Detail

Das Aufbohren eines Zahns ist ein wesentlicher Bestandteil der Wurzelbehandlung. Dabei wird ein Zugang zum Zahninneren geschaffen, um die Pulpa, die Nerven und das Gewebe im Wurzelkanal freizulegen.

Vorteile einer Wurzelbehandlung

  • Erhaltung des natürlichen Zahns
  • Vermeidung von Zahnersatz
  • Schmerzlinderung
  • Erhaltung der Kaueffizienz

Ursachen für Entzündungen im Zahninneren

  • Tiefe Karies
  • Zahnfrakturen oder -risse
  • Zahnabszess
  • Zahnverletzungen

Nachsorge nach einer Wurzelbehandlung

Die erfolgreiche Erholung nach einer Wurzelbehandlung hängt stark von der sorgfältigen Nachsorge ab.

Die Bedeutung der frühzeitigen Erkennung und Behandlung von Zahnentzündungen

Es ist von entscheidender Bedeutung, bei den ersten Anzeichen einer Entzündung im Zahnbereich umgehend einen Zahnarzt aufzusuchen.

Schmerzen nach der Entfernung des Nervs

Nach der Entfernung des Nervs kann der Zahn wieder zu schmerzen beginnen. Dies kann verschiedene Ursachen haben, wie z.B. postfüllungsbedingte Schmerzen, Fehler bei der Behandlung oder Entzündungen.

Mögliche Ursachen für Schmerzen im gefüllten Zahn

  • Kanäle werden nicht vollständig bis zur Wurzelspitze (Apex) gefüllt.
  • Das Füllmaterial wird über den Apex hinausgeführt.
  • Teile der Kanäle werden übersehen.
  • Perforation der Kanalwand
  • Teilweise Entfernung der Pulpa
  • Fehler bei der Wiederherstellung der Zahnkrone
  • Verbleib von Teilen des endodontischen Instruments im Wurzelsystem
  • Unzureichende Desinfektion
  • Schlechte Isolierung der Pulpakammer

Was tun bei Schmerzen nach der Nervenentfernung?

Bei anhaltenden oder neu auftretenden Schmerzen sollte eine Zahnklinik aufgesucht werden. Oft ist eine erneute Behandlung der Kanäle unter einem dentalen Mikroskop erforderlich.

Pflege von devitalisierten Zähnen

Die Pflege von depulpierten Zähnen unterscheidet sich im Allgemeinen nicht von der Pflege von lebenden Zähnen. Es ist jedoch wichtig, die Kaubelastung zu reduzieren, da Zähne ohne Pulpa anfälliger für mechanische Schäden sind.

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