Neurotransmitter-Dysbalance: Ein Blick auf Zusammenhänge zwischen Schizophrenie, Parkinson und Botenstoffen

Die komplexe Wechselwirkung von Neurotransmittern im Gehirn spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen wie Schizophrenie und Morbus Parkinson. Ein Ungleichgewicht in diesen Botenstoffen kann tiefgreifende Auswirkungen auf Denken, Fühlen, Bewegung und Verhalten haben.

Die Entdeckung der Neurotransmission

Bis ins frühe 20. Jahrhundert glaubte man, dass die Kommunikation zwischen Nervenzellen ausschließlich über elektrische Impulse erfolgt. Der Durchbruch gelang dem Mediziner Otto Loewi im Jahr 1921, der die Existenz chemischer Botenstoffe nachweisen konnte. Sein berühmtes Froschherz-Experiment zeigte, dass ein von einem stimulierten Nerv freigesetzter Stoff die Herzfrequenz eines zweiten Froschherzens beeinflussen konnte. Dieser Stoff, später als Acetylcholin (ACh) identifiziert, war der erste entdeckte Neurotransmitter. Henry Hallett Dale und Otto Loewi erhielten zusammen 1936 für ihre Entdeckungen bei der chemischen Übertragung der Nervenimpulse den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Die Rolle von Neurotransmittern

Neurotransmitter sind Botenstoffe von Nervenzellen. Sie wandeln ein elektrisches Signal von einem Neuron in ein chemisches Signal um, das dann in der nächsten Zelle wieder ein elektrisches Signal auslösen kann. Acetylcholin ist einer der wichtigsten Neurotransmitter und an vielen unterschiedlichen Prozessen beteiligt. Es findet sich im zentralen Nervensystem, also im Gehirn und Rückenmark, aber auch im peripheren Nervensystem.

Das Verständnis von Neurotransmittern im Gehirn nutzen wir heute bei Therapien von neurodegenerativen Erkrankungen. Bei der Alzheimer Krankheit liegt beispielsweise ein Acetylcholinmangel vor, da bei den Betroffenen auch Acetylcholin produzierende Nervenzellen absterben.

Morbus Parkinson: Dopaminmangel und Acetylcholin-Überschuss

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die hauptsächlich durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra, einem Bereich im Mittelhirn, gekennzeichnet ist. Diese Zellen sind an der Steuerung von willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungen sowie Gedächtnisfunktionen beteiligt. Der Dopaminmangel führt zu den klassischen Symptomen der Parkinson-Trias:

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  • Tremor: Zittern, typischerweise im Ruhezustand.
  • Rigor: Muskelsteifheit.
  • Akinese/Bradykinese: Bewegungsverlangsamung oder -armut.

Neben dem Dopaminmangel spielt auch ein Ungleichgewicht anderer Neurotransmitter eine Rolle, insbesondere ein relativer Überschuss an Acetylcholin. Dieses Ungleichgewicht beeinflusst die Motorik und kann das Muskelzittern bei Morbus Parkinson erklären.

Therapieansätze bei Parkinson

Die Behandlung von Morbus Parkinson zielt darauf ab, den Dopaminmangel auszugleichen und das Gleichgewicht der Neurotransmitter wiederherzustellen. Zu den wichtigsten Therapieansätzen gehören:

  • Levodopa (L-Dopa): Eine Vorstufe von Dopamin, die im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird. Es ist derzeit die wirksamste medikamentöse Standardtherapie, die eine Linderung der Symptome bringt.
  • Dopaminagonisten: Substanzen, die an Dopaminrezeptoren binden und diese aktivieren.
  • MAO-B-Hemmer und COMT-Hemmer: Medikamente, die den Abbau von Dopamin im Gehirn verlangsamen.

Diese Therapieprinzipien beruhen auf einem Anheben der dopaminergen Neurotransmission oder einem Wiederherstellen des Gleichgewichts der Neurotransmitter.

Umweltfaktoren und Parkinson

Obwohl die Parkinson-Erkrankung in etwa 10 % der Fälle genetisch bedingt ist, spielen Umweltfaktoren eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Krankheit. Die Identifizierung von Substanzen in der Umwelt, die ein neurodegeneratives Potential aufweisen, ist daher von großer Bedeutung.

Ein Beispiel ist Mangan: Eine berufliche oder ernährungsbedingte Überversorgung mit dem Spurenelement Mangan kann zu toxischen Effekten auf das Nervensystem führen, die eine Reihe von Symptomen auslösen können, wie beispielsweise Gangänderungen, Koordinationsstörungen, Halluzinationen oder mentale Reizbarkeit. Diese führen letztendlich zu einem irreversiblen Krankheitsbild, welches als Manganismus bezeichnet wird. Dieses weist mit der Präsenz von motorischen und kognitiven Beeinträchtigungen eine ähnliche Neuropathologie auf wie die Parkinson`sche Krankheit.

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Schizophrenie: Dopamin-Hypothese und andere Neurotransmitter

Schizophrenie ist eine komplexe psychische Erkrankung, die das Denken, Fühlen und die Wahrnehmung einer Person tiefgreifend beeinflussen kann. Zu den Kernsymptomen gehören:

  • Halluzinationen: Sinnestäuschungen, meist in Form von Stimmenhören.
  • Wahnvorstellungen: Feste,Realitätsferne Überzeugungen.
  • Denkstörungen: Schwierigkeiten, logisch zu denken und zusammenhängend zu sprechen.
  • Affektive Störungen: Veränderungen der Stimmung und des emotionalen Ausdrucks.

Eine der bekanntesten Hypothesen zur Entstehung der Schizophrenie ist die Dopamin-Hypothese. Sie besagt, dass eine Überaktivität des Dopaminsystems in bestimmten Hirnregionen, insbesondere im mesolimbischen System, eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Positivsymptome der Schizophrenie spielt.

Neurotransmitter und Schizophrenie

Neben Dopamin werden auch andere Neurotransmitter mit der Schizophrenie in Verbindung gebracht, darunter Serotonin, Glutamat und GABA. Veränderungen in diesen Neurotransmittersystemen können zu den vielfältigen Symptomen der Erkrankung beitragen.

Therapieansätze bei Schizophrenie

Die Behandlung der Schizophrenie umfasst in der Regel eine Kombination aus Medikamenten und psychosozialen Therapien. Antipsychotika, die in die Dopamin- und Serotonin-Signalwege eingreifen, werden häufig eingesetzt, um die Symptome zu reduzieren.

Dopamin: Mehr als nur ein "Glückshormon"

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der für die Regulation von Bewegung, Motivation und Belohnung zuständig ist. Es ist an der Steuerung des Belohnungssystems, der Motorik, des Brechzentrums und der Prolaktinbildung beteiligt. Dopamin ist auch an der Steuerung des Belohnungssystems, der Motorik, des Brechzentrums und der Prolaktinbildung beteiligt. Es gehört auch zu der Gruppe der Monoamine und wird aus der Aminosäure Tyrosin gebildet.

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Dopaminbahnen im Gehirn

Es gibt vier dopaminerge Bahnen im Gehirn:

  • Nigrostriatales System: Steuerung der Motorik.
  • Mesolimbisches System: Belohnung, Motivation und Sucht.
  • Mesokortikales System: Kognitive Funktionen, Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis.
  • Tuberoinfundibuläres System: Regulation der Prolaktinsekretion.

Dopamin-Rezeptoren

Das System der Dopamin-Rezeptoren umfasst fünf verschiedene Rezeptoren, die in die D1- und die D2-Familie unterteilt werden. Der D1-Rezeptor ist von allen Dopamin-Rezeptoren am stärksten verbreitet.

Dopamin-Dysbalance und Erkrankungen

Ein Ungleichgewicht im Dopaminsystem kann zu verschiedenen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen führen:

  • Morbus Parkinson: Dopaminmangel im nigrostriatalen System.
  • Schizophrenie: Überaktivität des Dopaminsystems im mesolimbischen System.
  • Sucht: Dopamin spielt als Belohnungs-Botenstoff eine wichtige Rolle bei der Suchtentstehung.
  • Depression: Niedrige Dopaminspiegel können Müdigkeit, Apathie und Anhedonie (Unfähigkeit, Freude zu empfinden) auslösen.

Dopaminwerte im Labor

Dopaminwerte lassen sich im Blut (Plasma) und im Urin (24-Stunden-Sammelurin) bestimmen. Oft werden dabei auch andere Katecholamine wie Adrenalin gemessen. Bei Blut- und Urinuntersuchungen wird peripheres Dopamin gemessen. Diese Messwerte spiegeln nicht immer die zentralen Dopaminwerte oder die Aktivität von Dopamin im Gehirn genau wider!

Serotonin: Stimmung, Schlaf und mehr

Serotonin ist ein weiterer wichtiger Neurotransmitter, der eine Vielzahl von Funktionen im Gehirn und Körper beeinflusst. Es ist an der Regulation von Stimmung, Schlaf-Wach-Rhythmus, Schmerzempfinden, Appetit und sozialem Verhalten beteiligt.

Serotonin-Mangel und Depression

Ein Serotoninmangel wird mit Depressionen, Angstzuständen und Schlafstörungen in Verbindung gebracht. Viele Antidepressiva, sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), erhöhen die Menge verfügbaren Serotonins im Gehirn.

Serotonin und Ernährung

Serotonin ist in vielen Nahrungsmitteln enthalten, kann aber nicht von der Blutbahn ins Gehirn gelangen. Vielmehr wird es dort aus der Aminosäure Tryptophan erzeugt. Allerdings lässt sich die Serotoninmenge im Gehirn über den Tryptophanspiegel beeinflussen - und dieser sich wiederum über die Ernährung.

Acetylcholin: Gedächtnis, Bewegung und Aufmerksamkeit

Acetylcholin (ACh) war der erste entdeckte Neurotransmitter und spielt eine entscheidende Rolle im vegetativen Nervensystem sowie an der Schnittstelle zwischen motorischen Nerven und Skelettmuskulatur. Aber auch im Gehirn finden sich cholinerge Neuronen.

Acetylcholin und Alzheimer

Die wichtigsten cholinergen Neuronen lassen sich zu zwei diffusen Modulationssystemen zusammenfassen. Das eine System innerviert von der Basis des Großhirns aus (zwischen und unter den Basalganglien) Hippocampus, Neocortex und Riechkolben. Diese Zellen gehören zu den ersten, die bei der Alzheimer-Krankheit absterben. Unter den zugelassenen Alzheimer-Medikamenten, die den Verlust geistiger Fähigkeiten zumindest verzögern sollen, befinden sich aber Wirkstoffe, die den Acetylcholin-Abbau im Gehirn verlangsamen.

Acetylcholin und Aufmerksamkeit

Das zweite System besteht aus Zellen im Pons und im Tegmentum des Mittelhirns. Es wirkt vor allem in den Thalamus hinein, darüber aber auch stark ins Großhirn. Beteiligt sind die cholinergen Neuronen etwa an der Steuerung von Aufmerksamkeit und der Erregbarkeit des Gehirns während Schlaf- und Wachrhythmus.

Glutamat und GABA: Das Gleichgewicht der Erregung und Hemmung

Glutamat ist der wichtigste erregende Neurotransmitter im Gehirn, während GABA (Gamma-Aminobuttersäure) der wichtigste hemmende Neurotransmitter ist. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Glutamat und GABA ist entscheidend für eine normale Gehirnfunktion. Störungen in diesem Gleichgewicht können zu neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen führen.

Die Bedeutung der Forschung

Die Erforschung der komplexen Zusammenhänge zwischen Neurotransmittern und neurologischen/psychiatrischen Erkrankungen ist von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung neuer und wirksamerer Therapieansätze. Durch ein besseres Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen können gezieltere Interventionen entwickelt werden, die das Gleichgewicht der Neurotransmitter wiederherstellen und die Symptome lindern.

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