Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Viele Menschen mit Migräne haben häufiger Kopfschmerzen als schmerzfreie Tage und leiden an mindestens acht Tagen im Monat unter Migräne-Symptomen. Zu diesen Symptomen gehören starke, oft pulsierende Schmerzen, die auf einer Kopfseite lokalisiert sein können und sich bei Licht oder Lärm verstärken.
Die chronische Migräne wird von der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS) als eigenständiges Krankheitsbild geführt, weshalb der Begriff vielen noch unbekannt ist. Es ist wichtig zu erkennen, dass hinter den Beschwerden eine spezielle Form der Migräne stecken kann.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Sie unterscheidet sich von gewöhnlichen Kopfschmerzen durch ihre Intensität und begleitende Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit. Es gibt verschiedene Arten von Migräne, darunter die Migräne mit Aura, bei der neurologische Symptome wie Sehstörungen oder Taubheitsgefühle auftreten, und die Migräne ohne Aura.
Die Ursachen der Migräne sind vielfältig und können genetische Faktoren, hormonelle Schwankungen oder externe Auslöser wie Stress umfassen. Typische, verallgemeinerbare Trigger gibt es nicht, Migräne ist immer sehr individuell. Stress ist sicherlich ein sehr häufiger Auslöser. Schlafmangel kann Migräneattacken auslösen, aber auch zu viel Schlafen - das heißt, jedes Abweichen vom normalen Rhythmus kann das Auftreten von Migräneattacken begünstigen. Bei einigen Patienten können auch bestimmte Nahrungsmittel eine Migräneattacke auslösen. Glutamat wird immer als klassisches Beispiel genannt. Dazu gibt es aber eine Studie, die untersucht hat, wie viel Natriumglutamat man nehmen muss, um Kopfschmerzen auszulösen - und das sind recht hohe Dosen (2,5 Gramm), die selbst in einem sehr glutamatreichen Gericht nicht erreicht werden.
Botox® als Therapieoption bei chronischer Migräne
Botox®, ein Markenprodukt mit dem Wirkstoff Botulinumtoxin Typ A, ist seit 1989 zugelassen und wird unter anderem seit 2011 auch zur Behandlung chronischer Migräne eingesetzt. Es gibt verschiedene Medikamente mit dem Wirkstoff Botulinumtoxin Typ A. Das seit 1989 zugelassene Markenprodukt BOTOX® ist ausschließlich für die medizinische Behandlung zugelassen, unter anderem auch seit 2011 bei chronischer Migräne.
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BOTOX® kommt für Erwachsene infrage, bei denen vorbeugende Medikamente nicht ausreichend wirksam waren oder nicht vertragen wurden. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society) hat spezifische Kriterien für die Diagnose der chronischen Migräne festgelegt.
Wie wirkt BOTOX® gegen chronische Migräne?
BOTOX® wird bei Symptomen der chronischen Migräne eingesetzt. Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass eine Migräne entsteht, wenn der sogenannte Trigeminusnerv, der unter anderem für die sensorische Wahrnehmung im Gesicht verantwortlich ist, verschiedene Botenstoffe ausschüttet. Dadurch können Schmerzsignale erzeugt oder entzündliche Reaktionen in der Hirnhaut angeregt werden. Zu den beteiligten Botenstoffen gehören Glutamat, Substanz P und Calcitonin-Gene-Related-Peptid (CGRP).
BOTOX® mit dem Wirkstoff Botulinumtoxin Typ A kann dies reduzieren, indem es die Ausschüttung der Botenstoffe hemmt. Ohne diese Botenstoffe kann der Nerv nur eingeschränkt Schmerzsignale weiterleiten und auch die Erweiterung der Blutgefäße in der Hirnhaut und das dortige Entzündungsgeschehen werden gehemmt. Damit kann BOTOX® gegen Kopfschmerzen bei chronischer Migräne helfen.
Botulinumtoxin ist ein natürliches Eiweiß, dass die Übertragung von Nervenimpulsen zum Muskel hemmt, so dass der Muskel sich entspannt. Wie genau Botox® gegen Migräne wirkt, ist nicht abschließend geklärt. Botox® wird als Injektion in bestimmte Muskeln im Kopf- und Nackenbereich verabreicht.
Was kann BOTOX® gegen Migräne bewirken?
Studien zeigen, dass BOTOX® bei rund 7 von 10 Menschen mit chronischer Migräne die Anzahl der Tage mit Kopfschmerzen langfristig um mindestens die Hälfte reduzieren kann. Zudem ist es möglich, dass mit der Anwendung von BOTOX® auch die Stärke der Kopfschmerzen abnimmt, die Migräneattacken kontrollierbarer werden und die Einnahme von Schmerzmitteln verringert wird. Dadurch kann die Migränebehandlung insgesamt Ihre Lebensqualität verbessern.
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- Weniger Schlafstörung
- Steigerung der Produktivität
- Weniger Depression
- Verbesserung des Familienlebens
- Weniger Angst
Die Behandlung mit BOTOX® ist langfristig ausgerichtet. Ziel ist, dass die Migräneattacken seltener auftreten und milder verlaufen. BOTOX® dient nicht dazu, akute Beschwerden bei einer Migräneattacke zu lindern.
Wie lange dauert es, bis die Wirkung von BOTOX® spürbar ist?
Die erste Wirkung von BOTOX® kann bereits nach zwei bis drei Tagen spürbar sein, wobei sich die volle Wirkung in der Regel fünf bis sechs Wochen nach der ersten Behandlung entfaltet. Das kann jedoch individuell unterschiedlich sein. Bei manchen Menschen tritt die volle Wirkung erst nach der zweiten oder der dritten Behandlung ein. Daher ist es wichtig, von Beginn an drei Behandlungstermine einzuplanen, jeweils im Abstand von 12 Wochen, da die Wirkung mit der Zeit zunimmt.
Nach drei Behandlungszyklen lag die Ansprechrate der mit BOTOX® behandelten Patientinnen und Patienten bei 70,9 %. Ein Ansprechen war definiert als eine Verringerung der Kopfschmerztage um mehr als die Hälfte.
BOTOX®-Anwendung nach PREEMPT-Schema
Bei der Behandlung mit BOTOX® werden geringe Mengen Botulinumtoxin Typ A in bestimmte Punkte in den Muskeln Ihres Kopfes, Nackens und Schulterbereichs gespritzt. In der direkten Umgebung dieser Injektionsstellen liegen unter anderem der Gesichtsnerv und weitere Nerven, die an der Entstehung von Migräne beteiligt sind. Hier entfaltet BOTOX® gegen Migräne seine Wirkung.
Für die Anwendung gibt es ein spezielles Behandlungsschema, das sich PREEMPT-Schema nennt. Hierbei wird BOTOX® mit besonders dünnen Nadeln in 31 festgelegte Punkte injiziert. Die Behandlung selbst dauert meist nur wenige Minuten und kann im Sitzen oder Liegen durchgeführt werden. Je nach Schmerzmuster kann zusätzlich an weiteren Injektionsstellen eine Behandlung erfolgen. Somit sind bis zu 39 Punkte für die Injektion möglich. Insgesamt gibt es bei der Migränebehandlung durch Botox 31 Punkte an Stirn, Schläfe, Nacken und Schultern, an denen das Botox gespritzt werden kann, um die Migräneschmerzen zu lindern. Der behandelnde Arzt ermittelt im individuellen Beratungsgespräch die Schmerzpunkte der Migräne, um dort Botox zu injizieren.
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Die Wirkung von BOTOX® bei Migräne kann mit der Zeit nachlassen, deshalb ist nach 12 Wochen eine erneute Behandlung empfohlen. Bevor Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt den Therapieerfolg bewerten und über die Therapiefortführung entscheiden, sind drei Behandlungen vorgesehen. Ein Vergleich der Beschwerden der chronischen Migräne vorher und nachher ist also erst nach etwa sechs Monaten sinnvoll. Wenn die Therapie weitergeführt wird, sind pro Jahr vier Behandlungstermine einzuplanen.
Wann sollte eine Behandlung mit BOTOX® nicht erfolgen?
Eine Behandlung mit BOTOX® sollte nicht erfolgen, wenn Sie
- in der Vergangenheit eine Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen nicht gut vertragen haben, zum Beispiel aufgrund einer allergischen Reaktion.
- eine Infektion an den vorgesehenen Injektionsstellen haben.
- schwanger sind oder stillen.
- an einer Erkrankung leiden, die die neuromuskuläre Übertragung beeinflusst, wie z.B. die Myasthenia gravis oder wenn der Patient eine bekannte Unverträglichkeit gegenüber Botulinumtoxinen hat.
Wer führt die BOTOX®-Behandlung durch?
Nicht alle Ärztinnen und Ärzte, die eine Anwendung von BOTOX® gegen chronische Migräne verordnen, führen die Injektionen selbst durch. Eine BOTOX®-Behandlung sollten nur spezialisierte Ärztinnen und Ärzte aus den Bereichen der Neurologie oder Schmerztherapie durchführen, die über die nötige Erfahrung mit der Migränebehandlung verfügen und Sie umfassend beraten können.
Kostenübernahme durch die Krankenkasse
Damit die Krankenkasse die Kosten für eine Behandlung mit BOTOX® gegen chronische Migräne übernimmt, müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein:
- Es muss eine chronische Migräne diagnostiziert werden nach den Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society), das bedeutet: Seit 3 Monaten oder länger bestehende Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon 8 oder mehr Tage mit migränetypischen Symptomen.
- Eine in der Vergangenheit durchgeführte vorbeugende Behandlung der chronischen Migräne mit Medikamenten unter anderem aus der Gruppe der Blutdrucksenker, Antiepileptika, Antidepressiva oder CGRP-Antagonisten zeigten keine Wirkung oder wurden nicht vertragen.
Am besten ist es, Sie nehmen vor dem Beginn der Therapie mit BOTOX® gegen Migräne Kontakt zu Ihrer Krankenkasse auf und reichen dort einen Behandlungsplan ein, den Ihnen Ihre behandelnde Ärztin bzw. Ihr behandelnder Arzt erstellen und aushändigen kann. Die Kosten für eine Behandlung mit Botox® gegen Migräne hängen von der Menge der Injektionspunkte ab. Der behandelnde Arzt erstellt einen Kostenvoranschlag, den die Patienten bei ihrer Krankenkasse einreichen.
Was ist vor und nach der Behandlung zu beachten?
Vor der Behandlung können Sie einiges tun, damit die Injektion von BOTOX® so angenehm und erfolgreich wie möglich für Sie verläuft.
- Bei der Behandlung sollten Sie keine Schminke, wie etwa Make-up, tragen
- Falls Sie BOTOX® selbst zu dem Termin mitbringen, denken Sie daran, das Medikament gekühlt (bei maximal 2 - 8 °C) zu transportieren.
- Bitte teilen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit, wo die Schmerzen besonders stark sind, um falls nötig weitere Behandlungspunkte festzulegen.
- Wenn Sie zum Zeitpunkt eines Behandlungstermins eine akute Migräneattacke haben, sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen, ob der Termin verschoben werden sollte und ob es zeitnahe Alternativen gibt.
Direkt nach der Behandlung können Ihnen folgende Tipps helfen:
- Bleiben Sie noch ein paar Minuten in der Praxis, um sicherzugehen, dass Sie die Behandlung mit BOTOX® gut vertragen. Mögliche Schwellungen im behandelten Bereich bilden sich meist innerhalb von 30 Minuten von selbst wieder zurück.
- In den ersten 24 Stunden nach der Behandlung achten Sie bitte auf Folgendes:
- Vermeiden Sie es, den Bereich der Injektion zu reiben oder zu massieren.
- Wenden Sie keine Gesichtsmaske oder Peeling an.
- Lassen Sie keine Physiotherapie und Lymphdrainagen durchführen.
- Verzichten Sie auf einen Saunabesuch oder ein Sonnenbad.
Mit diesen Maßnahmen können Sie einer Verteilung von BOTOX® an andere Stellen vorbeugen bzw. eine mögliche Verringerung der Wirkung verhindern. Darüber hinaus empfehlen wir Ihnen:
- Vielleicht sind Sie im Anschluss an die Behandlung etwas erschöpft. Gönnen Sie sich nach einem Behandlungstermin etwas Ruhe.
- Führen Sie über die Zeit der Behandlung ein Migräne- und Kopfschmerztagebuch.
Weiterhin empfehlen wir, sich für 1 - 2 Tage körperlich zu schonen und auf Sonnenbäder, Sauna- und Solariumgänge zu verzichten. Die Behandlungsstellen sollten nicht massiert werden.
Mögliche Nebenwirkungen
BOTOX® ist im Allgemeinen gut verträglich. Wie bei jeder medikamentösen Behandlung ist es jedoch möglich, dass Nebenwirkungen auftreten. Meist sind diese nur leicht bis mittelschwer ausgeprägt und treten vorübergehend auf.
Zu den häufigsten Nebenwirkungen, die bei bis zu 1 von 10 behandelten Personen auftreten, zählen:
- Kopfschmerzen, Migräne und Verschlimmerung der Migräne
- Schwäche der Gesichtsmuskeln
- Herabhängen des Augenlids
- Hautausschlag, Juckreiz
- Nackenschmerzen, Muskelschmerzen
- Muskelkrämpfe, Muskelsteifheit
- Muskelverspannung, Muskelschwäche
- Schmerzen an der Injektionsstelle
Gelegentliche Nebenwirkungen, die bei bis zu 1 von 100 behandelten Personen auftreten, sind:
- Schluckbeschwerden
- Hautschmerzen
- Kieferschmerzen
Eine Nebenwirkung, deren Häufigkeit nicht bekannt ist, ist:
- seitliche Anhebung der Augenbrauen
Da das Medikament Muskeln lähmt, kann als Nebenwirkung auch der Muskel betroffen sein, der das Augenlid hebt - und dann hängt das Lid runter. Die Dosis, die zur Migräne-Prophylaxe in die Stirn injiziert wird, ist geringer als die Dosis, die zur kosmetischen Behandlung eingesetzt wird. Häufig beeinträchtigt die Botox-Therapie die Stirnmimik nicht wesentlich, einige Patienten haben jedoch tatsächlich anschließend eine glattere Stirn. Die Lidschwäche dagegen ist in den Zulassungs-Studien bei 3,3 Prozent der Patienten aufgetreten.
Migräne- und Kopfschmerztagebuch
Verwenden Sie ein Migräne- und Kopfschmerztagebuch, einen Migränekalender oder eine Migräne-App, um die Häufigkeit der Kopfschmerztage, die Dauer, die Intensität und mögliche Auslöser der Migräneattacken und der Kopfschmerzen zu dokumentieren. Das hilft Ihnen, den Überblick über Ihre Symptome und die Erkrankung zu bekommen, Ihre Erfahrungen zu sammeln und sich gut auf den nächsten ärztlichen Termin vorzubereiten.
Auch Ihre Ärztin bzw. Ihr Arzt profitiert von Ihrem Tagebuch. Indem Sie die Häufigkeit und Schwere Ihrer Symptome dokumentieren, erhalten Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wertvolle Informationen darüber, wie gut Sie auf die Behandlung ansprechen. Das ermöglicht es, die Behandlung optimal auf Ihre Bedürfnisse abzustimmen.
Weitere Informationen und Unterstützung
Es gibt zahlreiche Ressourcen, die Betroffenen von Migräne und chronischer Migräne zur Verfügung stehen. Die Kampagne „Migräne verstehen - bevor sie laut wird“ wurde gemeinsam mit Ärztinnen, Ärzten und Betroffenen entwickelt und vermittelt Ihnen fundiertes Wissen, teilt persönliche Erfahrungen und bietet eine unterstützende Community.