Apoplex: Definition, Ursachen, Symptome und Prävention

Ein Apoplex, auch Schlaganfall genannt, ist eine plötzlich auftretende Durchblutungsstörung im Gehirn, die zu einer Schädigung des Hirngewebes führt. Diese Schädigung kann durch einen Gefäßverschluss (ischämischer Insult) oder eine Hirnblutung (hämorrhagischer Insult) verursacht werden. Abhängig von der Lokalisation und dem Ausmaß des betroffenen Hirnareals kann es zu kognitiven, sensorischen und motorischen Funktionsstörungen kommen.

Einführung

Der Schlaganfall ist eine zeitkritische Erkrankung, die sofortiges Handeln erfordert. Jährlich erleiden in Deutschland etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall, was einer Inzidenzrate von 260-270 pro 100.000 Einwohnern entspricht. Die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden, steigt mit zunehmendem Alter, wobei fast 80 % aller Schlaganfälle auf die Altersgruppe ab 60 Jahre entfallen. Allerdings sind auch rund 30.000 Menschen unter 55 Jahren betroffen, selbst Kinder.

Ursachen und Formen des Apoplex

Grundsätzlich werden zwei Hauptformen des Schlaganfalls unterschieden:

  • Ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt): Hierbei kommt es zu einer Minderdurchblutung des Gehirns, meist durch ein Blutgerinnsel, das ein Blutgefäß verschließt. Gut 80-85 % aller Schlaganfallerkrankungen werden durch ein Blutgerinnsel oder Arterienverkalkung im Kopf (bzw. im Gehirn) verursacht.
  • Hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung): Bei dieser Form kommt es zu einer Blutung im Gehirn, die das umliegende Gewebe schädigt.

Ischämische Ursachen im Detail

Der ischämische Hirninfarkt, umgangssprachlich als „weißer Schlaganfall“ bezeichnet, entsteht in der Regel durch Stenosen oder Verschlüsse hirnversorgender Arterien. Folgende Situationen können eine ischämische Ursache bedingen:

  • Makroangiopathie: Hierbei sind die großen arteriellen Blutgefäße verengt oder obstruiert. Typischerweise bilden sich zunächst atherosklerotische Plaques. Ein erhöhtes Risiko dafür haben Menschen mit Hypertonie, Diabetes mellitus und Hyperlipidämien sowie Raucher und adipöse Personen. Rupturieren diese Plaques, lagern sich Blutgerinnsel an. Wird ein Thrombus mit dem Blutfluss mitgerissen und in Richtung Gehirn fortgeschwemmt, kann er die Hirnarterie vollständig verschließen.
  • Mikroangiopathie: Hierbei sind kleine arterielle Blutgefäße betroffen. Eine häufige erworbene Ursache ist die subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie (SAE). Andere Ursachen für Mikroangiopathien wie die Fabry-Krankheit oder das MELAS-Syndrom sind genetisch bedingt.
  • Kardiale Embolie: Hier entsteht der gefäßverschließende Embolus in der Regel durch Vorhofflimmern. Weitere Ursachen einer Kardioembolie sind Arrhythmien anderer Genese, Myokardinfarkt, Endokarditis, atriales Septum-Aneurysma, Herzvitien oder Klappenersatz.
  • Andere Erkrankungen: In sehr seltenen Fällen können auch Erkrankungen oder iatrogene Eingriffe eine Ischämie fördern, wie beispielsweise hämatologische Erkrankungen, Vaskulitiden, Gefäßkompressionen durch Tumore, Gefäßdissektionen, spezielle Infektionen, Arzneimittel, paradoxe Embolie bei Phlebothrombose, Migräne, iatrogene Interventionen oder Drogenkonsum.

Hämorrhagische Ursachen im Detail

Der hämorrhagische Schlaganfall, umgangssprachlich als „roter Infarkt“ bezeichnet, entsteht durch eine Einblutung ins Hirngewebe, meist aufgrund eines intrazerebralen Hämatoms. Ursache ist in der Regel ein rupturiertes Blutgefäß. Die Subarachnoidalblutung hat als extrazerebrales Hämatom eine Sonderstellung, bei der ein Gefäß im Subarachnoidalraum rupturiert und das Hirngewebe von außen komprimiert.

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Risikofaktoren für einen Apoplex

Generell gehen 87% der Schlaganfälle zu Lasten definierter Risikofaktoren. Es wird zwischen modifizierbaren und nicht beeinflussbaren Faktoren unterschieden.

Modifizierbare Risikofaktoren

Zu den wichtigsten modifizierbaren Risikofaktoren gehören:

  • Bluthochdruck: Er ist der Hauptrisikofaktor und für 55,5 % aller Schlaganfall-bedingten DALYs (disability-adjusted life-years) verantwortlich.
  • Erhöhter Body-Mass-Index (BMI) bzw. Übergewicht: Übergewicht ist ein bedeutender Risikofaktor für Schlaganfälle.
  • Diabetes: Diabetes mellitus erhöht das Schlaganfallrisiko erheblich.
  • Umwelt- bzw. Luftverschmutzung: Luftverschmutzung trägt signifikant zum Schlaganfallrisiko bei.
  • Rauchen: Rauchen schädigt die Blutgefäße und erhöht das Risiko für Blutgerinnsel.
  • Hoher Salzkonsum: Ein hoher Salzkonsum kann den Blutdruck erhöhen und somit das Schlaganfallrisiko steigern.
  • Bewegungsmangel: Mangelnde körperliche Aktivität erhöht das Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck und andere Risikofaktoren.
  • Hyperlipidämie: Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin, Triglyceride) fördern die Entstehung von Arteriosklerose.
  • Vorhofflimmern: Diese Herzrhythmusstörung erhöht das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln im Herzen, die ins Gehirn gelangen und einen Schlaganfall verursachen können.
  • Stress: Chronischer Stress kann den Blutdruck erhöhen und andere Risikofaktoren negativ beeinflussen.
  • Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholkonsum erhöht das Schlaganfallrisiko. Ein begrenzter Alkoholkonsum (Männer und Frauen: max. mind.
  • Arteriosklerose: Die Verkalkung der Blutgefäße ist ein wichtiger Risikofaktor für Schlaganfälle.
  • Karotisstenose: Eine Verengung der Halsschlagader (Karotisstenose) kann die Blutversorgung des Gehirns beeinträchtigen und das Schlaganfallrisiko erhöhen.
  • Ovulationshemmer: Die Einnahme von oralen Kontrazeptiva (Antibabypille) der neuen Generation steht mit einem erhöhten Risiko eines erstmaligen Hirninfarkts in Verbindung.
  • Polyglobulie: Eine Erhöhung der Anzahl roter Blutkörperchen (Polyglobulie) kann die Blutviskosität erhöhen und das Schlaganfallrisiko steigern.

Nicht modifizierbare Risikofaktoren

Zu den nicht beeinflussbaren Risikofaktoren gehören:

  • Alter: Das Schlaganfallrisiko steigt mit zunehmendem Alter.
  • Geschlecht: Frauen haben ein höheres Schlaganfallrisiko als Männer.
  • Genetische Prädisposition: Genetische Faktoren spielen eine Rolle bei der Entstehung von Schlaganfällen.

Symptome eines Apoplex

Die Symptome eines Schlaganfalls sind vielfältig und hängen von der Lokalisation und dem Ausmaß der Hirnschädigung ab. Typische Symptome sind:

  • Plötzlich einsetzende Lähmungen: Diese können eine Körperhälfte (Hemiparese) oder nur einzelne Körperteile betreffen.
  • Sprachstörungen: Schwierigkeiten beim Sprechen (Dysarthrie) oder beim Verstehen von Sprache (Aphasie).
  • Sehstörungen: Plötzliche Sehverschlechterung, Doppelbilder oder Gesichtsfeldausfälle.
  • Gleichgewichtsstörungen: Schwindel und Unsicherheit beim Gehen.
  • Sensibilitätsstörungen: Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Armen, Beinen oder im Gesicht.
  • Starke Kopfschmerzen: Plötzlich auftretende, heftige Kopfschmerzen, insbesondere in Verbindung mit anderen Symptomen.

Schlaganfall-Schnelltest (BE FAST)

Um einen Schlaganfall schnell zu erkennen, kann der BE FAST-Test angewendet werden:

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  • Balance: Schwindel oder Gangunsicherheit?
  • Eyes: Sehstörung, -verlust? Nystagmus?
  • Face: Facialisparese? Auffällige Mimik?
  • Arms: Extremität mit Motorik- / Sensibilitäts-Defizit?
  • Speech: Sprach- oder Sprechstörung?
  • Time: Zeitfenster? Wann zuletzt "normal"?

Diagnose eines Apoplex

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall ist eine schnelle Diagnose entscheidend. Folgende Untersuchungen werden in der Regel durchgeführt:

  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt prüft Reflexe, Koordination, Berührungsempfinden, Sehfähigkeit und Sprache des Patienten.
  • Bildgebung des Gehirns: Mittels Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) kann die Art und das Ausmaß der Hirnschädigung festgestellt werden.
  • Untersuchung der hirnversorgenden Gefäße: Eine Duplex- oder Dopplersonografie kann den Zustand der hirnversorgenden Gefäße überprüfen.
  • Elektrokardiografie (EKG): Das EKG dient zur Erkennung von Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern.
  • Blutuntersuchung: Eine umfassende Blutuntersuchung kann weitere Informationen liefern.

Therapie eines Apoplex

Die Therapie eines Schlaganfalls richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß der Hirnschädigung.

Therapie des ischämischen Schlaganfalls

  • Thrombolyse: Bei einem ischämischen Schlaganfall kann versucht werden, das Blutgerinnsel mit Medikamenten (Thrombolytika) aufzulösen. Die Lyse-Therapie sollte möglichst innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn erfolgen.
  • Thrombektomie: In bestimmten Fällen kann das Blutgerinnsel auch mechanisch mit einem Katheter entfernt werden.
  • Blutdruckmanagement: Der Blutdruck muss sorgfältig kontrolliert werden. Vor einer Thrombolyse sollte der systolische Blutdruck unter 185/110 mmHg liegen. Nach der Lyse oder Thrombektomie wird ein Zielwert von 120-160 mmHg angestrebt.
  • Weitere Maßnahmen: Dazu gehören die Behandlung von Begleiterkrankungen, die Überwachung der Vitalfunktionen und die Verhinderung von Komplikationen.

Therapie des hämorrhagischen Schlaganfalls

  • Blutdruckmanagement: Der Blutdruck muss gesenkt werden, um weitere Blutungen zu verhindern.
  • Operation: Bei größeren Hirnblutungen kann eine Operation erforderlich sein, um das Blut zu entfernen und den Druck auf das Gehirn zu entlasten.
  • Weitere Maßnahmen: Dazu gehören die Behandlung von Begleiterkrankungen, die Überwachung der Vitalfunktionen und die Verhinderung von Komplikationen.

Rehabilitation nach einem Apoplex

Nach einem Schlaganfall ist eine umfassende Rehabilitation wichtig, um die verlorengegangenen Fähigkeiten wiederzuerlangen und die Lebensqualität zu verbessern. Die Rehabilitation umfasst in der Regel:

  • Physiotherapie: Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Koordination.
  • Ergotherapie: Training von Alltagstätigkeiten, um die Selbstständigkeit im täglichen Leben zu fördern.
  • Logopädie: Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
  • Neuropsychologie: Behandlung von kognitiven Störungen, wie Gedächtnis- oder Aufmerksamkeitsstörungen.

Prävention eines Apoplex

Viele Schlaganfälle können durch eine gesunde Lebensweise und die Behandlung von Risikofaktoren verhindert werden. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:

  • Blutdruckkontrolle: Regelmäßige Blutdruckmessungen und die Behandlung von Bluthochdruck.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie wenig Salz, Zucker und gesättigten Fetten.
  • Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität hilft, das Gewicht zu kontrollieren, den Blutdruck zu senken und die Gefäße gesund zu halten.
  • Nichtrauchen: Rauchen schädigt die Blutgefäße und erhöht das Schlaganfallrisiko.
  • Mäßiger Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholkonsum erhöht das Schlaganfallrisiko.
  • Behandlung von Diabetes: Eine gute Blutzuckereinstellung bei Diabetes mellitus.
  • Behandlung von Vorhofflimmern: Die Einnahme von Gerinnungshemmern kann das Risiko für Schlaganfälle bei Vorhofflimmern deutlich senken.
  • Stressbewältigung: Techniken zur Stressbewältigung können helfen, den Blutdruck zu senken und das Schlaganfallrisiko zu reduzieren.

Medikamentöse Prävention

  • Thrombozytenaggregationshemmer: Bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für ischämische Schlaganfälle können Thrombozytenaggregationshemmer (z. B. Acetylsalicylsäure, ASS) eingesetzt werden, um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern.
  • Statine: Statine senken den Cholesterinspiegel und können das Risiko für Arteriosklerose und Schlaganfälle reduzieren.
  • Antihypertensiva: Medikamente zur Senkung des Blutdrucks.

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