Einleitung: Das Rückenmark als zentrale VerbindungsstelleDas Rückenmark ist ein wichtiger Teil des zentralen Nervensystems (ZNS) und dient als Hauptleitungsweg, der das Gehirn mit dem Körper verbindet. Es erstreckt sich vom Foramen magnum im Os occipitale bis zur Höhe des ersten oder zweiten Lendenwirbels. Das Rückenmark ermöglicht die Übertragung von Nervenimpulsen zwischen Gehirn und Körper und spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung motorischer und sensorischer Funktionen.
Liquoruntersuchung: Einblick in das Nervensystem
Eine Analyse des Liquors, der Gehirn und Rückenmark umgibt und schützt, kann genauere Diagnosen ermöglichen. Das Zellmuster in dieser Flüssigkeit ist bei vielen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen auf spezifische Art verändert. Die Immunzellen im Liquor müssen eingehend charakterisiert werden. Nur wenige akademische Zentren bieten entsprechende Analysen an, darunter die münstersche Uniklinik für Neurologie.
Identifizierung von Markern für Entzündungen
Eine Studie von Neurowissenschaftlern der Universität Münster hat fünf Marker gefunden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems hinweisen. Bei drei von vier untersuchten Patienten hätte allein die Liquorprobe ausgereicht, um die Nervenentzündung eindeutig zu diagnostizieren.
Differenzierung von Entzündungserkrankungen
Die Wissenschaftler können anhand der im Liquor gefundenen Zelltypen feststellen, ob junge Patienten an einer schubförmig-remittierenden Multiplen Sklerose, einer Neuromyelitis Optica oder an einem Susac-Syndrom leiden. Das Wissen um die genaue Ursache ist für die Therapie von großer Bedeutung, da die meisten neurologischen Erkrankungen ohne frühzeitige und korrekte Behandlung fortschreiten.
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Zerstörung von Nervenzellen
Die amyotrophe Lateralsklerose (ALS), auch bekannt als Lou-Gehrig-Syndrom, ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der Nerven von Rückenmark und Gehirn nach und nach zerstört werden. Betroffen sind ausschließlich motorische Nervenzellen, die Signale vom zentralen Nervensystem an die Muskeln senden.
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Symptome und Verlauf
Der Beginn der Erkrankung ist davon abhängig, welche Nervenzellen betroffen sind. Häufig macht sich zunächst ein Gefühl der Unbeholfenheit in einer Hand oder einem Unterarm bemerkbar. Im weiteren Verlauf breiten sich die Symptome auf größere Regionen aus, und die Betroffenen verlieren zunehmend die Fähigkeit, sich zu bewegen und Alltagsaktivitäten zu verrichten.
Diagnose und Therapie
Die Diagnose erfolgt meist durch die Erfassung der typischen Symptome und die körperliche Untersuchung. Eine Therapie, die die Krankheit heilt, gibt es derzeit nicht. Zur Behandlung von Muskelfunktionsstörungen ist ein Medikament namens Riluzol zugelassen, das das Fortschreiten der Beschwerden verlangsamen kann.
Rückenmarksentzündung (Myelitis): Vielfältige Ursachen und Symptome
Eine Rückenmarksentzündung (Myelitis) ist eine seltene Erkrankung, die vor allem im Alter von 10 bis 19 und von 30 bis 49 Jahren auftritt. Die Ursachen können vielfältig sein, darunter Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder Impfungen.
Symptome und Diagnose
Die Symptome der Myelitis umfassen Muskelschwäche bis hin zur Lähmung, Gefühlsstörungen, Fehlfunktionen der Harnblase und des Enddarms sowie sexuelle Störungen. Der Nachweis erfolgt mittels kernspintomographischer Bildgebung und Nervenwasseruntersuchung.
Behandlung und Prognose
Je nach Ursache erfolgt eine erregerspezifische Therapie oder eine hochdosierte Kortikoidtherapie. Die Prognose ist sehr variabel und hängt von der Ursache der Entzündung und dem Beginn der Behandlung ab.
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Transverse Myelitis (TM): Eine spezielle Form der Rückenmarksentzündung
Die transverse Myelitis (TM) ist eine seltene Erkrankung, bei der das Rückenmark entzündet ist. Der Begriff wird in der Fachliteratur nicht einheitlich verwendet, oft taucht er aber im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen wie Neuromyelitis optica auf.
Ursachen und Symptome
Oftmals lässt sich keine eindeutige Ursache für eine transverse Myelitis finden. Die Erkrankung kann aber auch im Rahmen anderer Erkrankungen auftreten, wie Autoimmunerkrankungen, Infektionen oder Impfungen. Die Symptome sind vielfältig und umfassen motorische, sensorische und vegetative Störungen.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose erfolgt durch eine neurologische Untersuchung, Bildgebung mittels MRT sowie Blut- und Liquoruntersuchungen. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Entzündung und umfasst unter anderem entzündungshemmende Medikamente, Antibiotika oder Virenhemmer.
Bandscheibenentzündung (Spondylodiszitis): Infektion der Wirbelsäule
Die Spondylodiszitis ist eine schmerzhafte Infektion der Wirbelsäule, die die Bandscheiben und die angrenzenden Wirbelkörper befällt. Meist handelt es sich um eine bakterielle Infektion, ausgelöst durch den Erreger Staphylococcus aureus.
Ursachen und Symptome
Die ursächlichen Bakterien können von Entzündungsherden an anderen Stellen im Körper über das Blut oder die Lymphe zu den Bandscheiben gestreut werden. Symptome sind starke Rückenschmerzen, die beim Vorbeugen und Aufrichten des Körpers besonders heftig auftreten.
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Diagnose und Therapie
Bei Verdacht auf eine Spondylodiszitis werden verschiedene diagnostische Verfahren herangezogen, darunter Anamnese, körperliche Untersuchung, Blutuntersuchung und Magnetresonanztomografie. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika.
Weitere Ursachen für abweichende Rückenmark Werte
Mechanische Ursachen
- Bandscheibenvorfall: Austritt der Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern, der Nervenbahnen reizen und im schweren Verlauf zu einem Querschnitt führen kann.
- Spinalkanalstenose: Verengung des Spinalkanals, die zu einer Schädigung des Rückenmarks führen kann.
- Abszesse: Ansammlungen von Eiter, die Druck auf das Rückenmark ausüben können.
- Rückenmarksverletzungen: Verletzungen des Rückenmarks durch Unfälle oder andere traumatische Ereignisse, die zu Querschnittssyndromen führen können.
- Tumore: Tumore im Bereich des Rückenmarks, die Druck auf das Rückenmark ausüben und neurologische Ausfälle verursachen können.
Entzündliche Ursachen
- Myelopathien: Reizungen und Entzündungen des Rückenmarks und rückenmarksnaher Strukturen, die durch Viren oder Bakterien verursacht werden können.
- Rückenmarksinfarkt: Plötzlich auftretende Unterversorgung des Rückenmarks mit Blut, die zu neurologischen Symptomen und Beschwerden führt.
Degenerative Ursachen
- Neuronale degenerative Erkrankungen: Erkrankungen, die zur Ausbildung von Herden im Gehirn führen und die neurologische Funktion stark einschränken können.
Diagnoseverfahren zur Beurteilung des Rückenmarks
Neurologische Untersuchung
- Beurteilung der Muskulatur im Hinblick auf Muskelschwund, Kraft und Faszikulationen.
- Beurteilung von Sprache, Schluckakt und Atemfunktion.
- Prüfung der Reflexe.
- Untersuchung anderer Funktionen des Nervensystems, die von der ALS üblicherweise nicht betroffen sind.
Elektromyographie (EMG)
- Nachweis des Befalls des unteren Motoneurons auch in klinisch noch normal erscheinenden Muskeln.
- Abgrenzung zu Erkrankungen der peripheren Nerven (Neuropathien).
Neuromuskulärer Ultraschall
- Schmerzfreie Erfassung von Faszikulationen und Muskelatrophien.
Blut- und Urinuntersuchungen
- Ausschluss immunologischer oder anderer entzündlicher Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und hormoneller Störungen.
Nervenwasseruntersuchung (Liquor)
- Untersuchung des Nervenwassers auf Entzündungszeichen, Erreger oder andere Auffälligkeiten.
Bildgebende Untersuchungen
- Kernspintomographie (MRT) des Kopfes und der Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule.
- Röntgenuntersuchungen des Brustkorbs oder der Wirbelsäule.
Therapieansätze bei Rückenmarkserkrankungen
Medikamentöse Therapie
- Riluzol: Medikament zur Behandlung von Muskelfunktionsstörungen bei ALS, das das Fortschreiten der Beschwerden verlangsamen kann.
- Antibiotika oder Virostatika: Medikamente zur Behandlung von Infektionen des Rückenmarks.
- Kortikoide: Medikamente zur Behandlung von Entzündungen des Rückenmarks, die immunsupprimierend wirken und den Entzündungsprozess hemmen.
- Immuntherapeutika: Medikamente zur Langzeittherapie von Autoimmunerkrankungen wie MS oder NMOSD, die das Risiko für weitere Schübe senken sollen.
Nicht-medikamentöse Therapie
- Physiotherapie und Ergotherapie: Maßnahmen zur Behandlung von Muskelschwäche, Spastizität und Koordinationsstörungen.
- Mechanische Hilfsmittel: Rollstühle, Rampen und Treppenlifte zur Erleichterung des Alltags.
- Kommunikationshilfsmittel: Elektronische Hilfsmittel zur Kommunikation bei nachlassender Sprechfähigkeit.
- Maschinelle Beatmung: Unterstützung der Atmung bei nachlassender Atemmuskelfunktion.
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