Migräne ist nach Spannungskopfschmerzen die zweithäufigste Kopfschmerzart und kann den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Ein möglicher Therapieansatz ist die Einnahme von Magnesium. Studien deuten darauf hin, dass ein Magnesiummangel bei Migränepatienten häufig vorkommt und zur Entstehung von Kopfschmerzen und Migräne beitragen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Magnesium bei Migräne, die empfohlene Dosierung von 300 mg, Anwendungshinweise sowie weitere wichtige Aspekte.
Der Zusammenhang zwischen Magnesium und Migräne
Bluttests bei Migränepatienten zeigen häufig einen deutlichen Magnesiummangel. Es wird vermutet, dass dieser Mangel zur Entstehung von Kopfschmerzen und Migräne beiträgt. Magnesium ist ein wichtiger Biofaktor und Mineralstoff, der für die Funktion der Nerven erforderlich ist. Ein zentraler Mechanismus ist die Modulation der NMDA-Rezeptoren im Nervensystem, die unter anderem für die Schmerzübertragung zuständig sind.
Die Rolle von Magnesium im Körper
Magnesium ist an zahlreichen Prozessen im Körper beteiligt, darunter:
- Nervenfunktion: Magnesium kontrolliert die Erregungsweiterleitung von Nerven- auf Muskelzellen und trägt so zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei.
- Muskelfunktion: Ein Magnesiummangel kann zu Übererregbarkeit der Nerven- und Muskelfasern führen, was Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich zur Folge haben kann.
- Blutgefäße: Magnesiummangel kann eine Verengung der Blutgefäße im Gehirn verursachen, was wiederum Migräneattacken auslösen kann.
- Schmerzmodulation: Magnesium blockiert die NMDA-Rezeptoren und dämpft so die Schmerzwahrnehmung. Darüber hinaus reduziert Magnesium die Freisetzung proinflammatorischer Substanzen, die bei der Schmerzentstehung eine Rolle spielen.
- Vitamin D-Stoffwechsel: Magnesium wird benötigt, um Vitamin D in seinen aktiven Metaboliten, das Calcitriol, umzuwandeln. Umgekehrt fördert Vitamin D die intestinale Magnesiumresorption. Es gibt einen Synergismus zwischen Magnesium und Vitamin D. Ohne ausreichend Magnesium kann diese Umwandlung gestört sein, so dass weniger Calcitriol für den Stoffwechsel zur Verfügung steht.
Magnesiummangel als Migräne-Trigger
Nach neuesten Erkenntnissen liegt Migräne eine Überaktivität von Nervenzellen im Hirnstamm zugrunde. Ein Magnesiummangel löst zwar keine gesteigerte Reizbarkeit der Nerven aus, kann sie aber verstärken. Eine Migräneattacke kann verschiedene Auslöser (Trigger) haben, die sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. Zu den geläufigsten Triggern gehören Stress, Änderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus. Häufig weisen Migränepatienten einen geringen Magnesiumgehalt im Blut auf. Kein Wunder, denn ein Magnesiummangel kann zur Verengung der Gefäße im Gehirn führen, was zu einem Migräneanfall beitragen kann. Mittels einer speziellen Untersuchungsmethode (Magnetresonanzspektroskopie) konnte bei Migräne-Patienten eine verringerte Magnesiumkonzentration im Gehirn festgestellt werden.
Magnesium 300 mg: Dosierung und Anwendung zur Migräneprophylaxe
Eine Zufuhr von 300 - 600 mg zusätzlichem Magnesium kann eine vorbeugende Maßnahme bei einer Migräneerkrankung sein. Um eine wirksame Migräneprophylaxe zu erreichen, liegt die Verzehrsempfehlung meist bei 2 mal täglich 300 mg Magnesium. Dabei setzen viele Hersteller auf Magnesiumcitrat, das besonders gut verträglich sein soll.
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Wann ist eine Magnesium-Prophylaxe sinnvoll?
Eine Prophylaxe mit Magnesium kann für verschiedene Migräniker in Frage kommen. Das gilt vor allem, wenn die Patienten besonders stark unter den Kopfschmerzen leiden und die Lebensqualität erheblich verringert wird. Auch die Gefahr eines Übergebrauchs von Schmerzmitteln oder Triptanen kann ein guter Grund sein. Laut aktueller Leitlinie sollten Betroffene über eine solche Migräneprophylaxe nachdenken, wenn die Anfälle länger als 72 Stunden anhalten, pro Monat mindestens drei schwere Anfälle auftreten, die Häufigkeit der Anfälle zunimmt, von Auren begleitet sind und/oder eine Akuttherapie mit Triptane oder Analgetika nicht wirksam bzw. verträglich ist.
Grundsätzlich kommt eine medikamentöse Migräneprophylaxe für Personen infrage, die an mindestens drei Migräneattacken pro Monat über mehrere Monate leiden oder Migräneattacken haben, die länger als 72 Stunden dauern oder die nicht auf die Akutmedikation ansprechen.
Einnahmeempfehlung und Dauer der Anwendung
Das Magnesiumpräparat soll etwa 6 Monate lang eingenommen werden. Erst nach drei Monaten können erste Effekte beurteilt werden. Es ist ratsam, ein Migränetagebuch zu führen, um festzuhalten, wann die Migräneanfälle auftreten und die Wirksamkeit der Magnesiumeinnahme zu dokumentieren.
Auswahl des richtigen Magnesiumpräparats
Magnesium ist in verschiedenen Formen erhältlich. Viele Hersteller setzen auf Magnesiumcitrat, da es besonders gut verträglich sein soll. In Apotheken und Online-Apotheken sind verschiedene Magnesiumpräparate erhältlich. Es empfiehlt sich, die Produkte in Ruhe zu vergleichen und die Packungsbeilage zu beachten.
Mögliche Nebenwirkungen und Risiken
Wenn Sie eine zu hohe Dosis Magnesium einnehmen, kann es zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Krämpfen und Durchfall kommen. Meist wird die überschüssige Menge aber ohne Probleme wieder ausgeschieden.
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Weitere Maßnahmen zur Migräneprophylaxe
Neben Magnesium gibt es noch weitere Prophylaktika gegen Migräne. Auch eine gesunde Lebensweise und Ernährung können hilfreich sein.
Medikamentöse Prophylaxe
Neben Magnesium werden als Migräneprophylaxe oft Medikamente verabreicht, die ursprünglich für andere Krankheiten entwickelt wurden, in Studien aber ihre prophylaktische Wirkung gegen Migräne unter Beweis gestellt haben. Dazu gehören Betablocker, Antidepressiva oder auch Blutdruckmedikamente, die jedoch verschreibungspflichtig sind.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
- Gesunde Lebensweise: Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, Stressmanagement und ausreichend Bewegung können helfen, Migräneanfälle zu reduzieren.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse sowie regelmäßigen Mahlzeiten kann ebenfalls zur Migräneprophylaxe beitragen. Einige Menschen reagieren empfindlich auf bestimmte Nahrungsmittel wie Käse, Rotwein oder Schokolade, die dann gemieden werden sollten.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und Migräneanfälle zu reduzieren.
- Pflanzliche Mittel: Mutterkraut hat sich als effektive natürliche Prophylaxe bei Migräne bewährt. Der enthaltene Wirkstoff Parthenolid hemmt die Freisetzung von entzündungsfördernden Substanzen im Gehirn und reduziert so die Gefäßerweiterungen, die Migräneanfälle auslösen.
Die Rolle der Akuttherapie
Mit der Einführung der Triptane zur Attackentherapie hat sich der Stellenwert der medikamentösen Migräneprophylaxe verändert. Steht einem Migränepatienten eine verträgliche und effektive Akutmedikation zur Verfügung, wird er einer vorbeugenden Behandlung - die mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit mit Nebenwirkungen einhergeht und deren Wirkung auch noch unsicher ist - eher ablehnend gegenüber stehen.
Als wichtigste Grundregel in der Migräneakuttherapie gilt, dass die Einnahme von Kopfschmerzakutmedikation (Triptane wie Schmerzmittel) maximal an zehn Tagen pro Monat erfolgen sollte. Bestehen Migränebeschwerden an einem 11., 12. oder 13. Tag im Monat, gilt die Regel, dass der Patient diese Beschwerden ohne Akutmedikation durchstehen sollte, will er nicht das Risiko der Entstehung eines MÜK (Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerzes) eingehen. Folglich liegt das primäre Ziel der medikamentösen Migräneprophylaxe heute in der Reduktion der Tage, an denen Migränebeschwerden auftreten und damit die Einnahmehäufigkeit von Akutmedikamenten zu senken. Denn das übergeordnete Ziel muss es sein, die Entstehung eines MÜK zu verhindern.
Individuelle Auswahl der Migräneprophylaxe
Die individuelle Auswahl eines Medikaments zur Migräneprophylaxe sollte nicht nach einem vorgegebenen Stufenschema vorgenommen werden. Vielmehr sollte sich die Auswahl an den individuellen Bedürfnissen der Patienten orientieren.
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Wichtige Hinweise und Empfehlungen
- Ärztliche Beratung: Vor Beginn einer Magnesium-Prophylaxe sollte immer ein Arzt konsultiert werden, um die Ursache der Migräne abzuklären und andere mögliche Behandlungen zu besprechen.
- Migränetagebuch: Das Führen eines Migränetagebuchs ist hilfreich, um die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräneanfälle zu dokumentieren und die Wirksamkeit der Behandlung zu beurteilen.
- Geduld: Die Wirkung einer Magnesium-Prophylaxe tritt nicht sofort ein. Es kann mehrere Wochen oder Monate dauern, bis eine Besserung eintritt.
- Kombination mit anderen Maßnahmen: Eine Magnesium-Prophylaxe sollte idealerweise mit anderen Maßnahmen wie einer gesunden Lebensweise, Stressmanagement und Entspannungstechniken kombiniert werden.
- Individuelle Anpassung: Die Dosierung und Art der Magnesiumeinnahme sollten individuell angepasst werden, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen und Nebenwirkungen zu minimieren.