Magnesium, Migräne und Durchfall: Ursachen und Zusammenhänge

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der etwa 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern betroffen sind. Magnesium spielt eine wichtige Rolle im Körper, unter anderem für den Energiestoffwechsel, die Muskelkontraktion und die Nervenfunktion. Ein Magnesiummangel kann sich in Form von Muskelkrämpfen, Kopfschmerzen oder Herzrhythmusstörungen äußern. In einigen Fällen wird Magnesium zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt. Allerdings kann eine übermäßige Einnahme von Magnesium zu unerwünschten Nebenwirkungen führen, darunter Durchfall. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Magnesium, Migräne und Durchfall, um ein besseres Verständnis dieser komplexen Wechselwirkungen zu ermöglichen.

Magnesium: Ein essentieller Mineralstoff

Magnesium ist ein lebensnotwendiger Mineralstoff, der vom Körper nicht selbst hergestellt werden kann und daher über die Nahrung aufgenommen werden muss. Es ist an über 300 Prozessen im Körper beteiligt und spielt eine Schlüsselrolle in der Energiegewinnung. Ohne Magnesium gibt es keine Energie im Körper! Besonders Organe mit hohem Energiebedarf wie Herz, Skelettmuskulatur, Gehirn, Leber und Nieren benötigen ausreichend Magnesium.

Aufgaben von Magnesium im Körper

  • Energiestoffwechsel: Magnesium aktiviert den zellulären Energieträger ATP (Adenosintriphosphat) und ist somit essentiell für die Energiebereitstellung im Körper.
  • Aktivierung von Botenstoffen: Magnesium wird benötigt, um Vitamin D in seine wirksame Form (Calcitriol) umzuwandeln und Serotonin, das "Glückshormon", zu bilden. Es beeinflusst auch die Melatonin-Bildung, das körpereigene Schlafhormon.
  • Hormone und Nervenbotenstoffe: Die Freisetzung von Hormonen wie Insulin und des Nervenbotenstoffs Dopamin ist von Magnesium abhängig.
  • Reizweiterleitung und Muskelkontraktion: Magnesium steuert die Muskelkontraktion und sorgt für die Entspannung der Muskulatur. Es ist auch an der Reizweiterleitung in Nerven- und Muskelzellen beteiligt und trägt so zu einem normalen Herzschlag bei.
  • Knochenmineralisation: Magnesium dient als "Kittsubstanz" für die Knochen und ist daher besonders im Wachstum wichtig.
  • Proteinsynthese: Die körpereigene Proteinsynthese, die für den Muskelaufbau notwendig ist, ist abhängig von Magnesium.
  • Herz-Kreislauf-System: Magnesium beeinflusst die Entstehung des Aktionspotentials in den Herzmuskelzellen und erweitert die Gefäßmuskulatur, was sich positiv auf den Blutdruck auswirkt.

Täglicher Magnesiumbedarf

Der tägliche Magnesiumbedarf liegt für Erwachsene zwischen 300 und 400 mg. Leistungssportler, Diabetiker, Migränepatienten, Personen mit chronischem Stress, Kinder und Jugendliche im Wachstum sowie schwangere und stillende Frauen haben einen erhöhten Bedarf.

Magnesiumreiche Lebensmittel

Magnesium ist vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten, insbesondere in grünem Blattgemüse, Nüssen, Hülsenfrüchten, Kernen und Samen. Kürbiskerne, Weizenkleie, Sonnenblumenkerne, Cashewnüsse, Sojabohnen, Mandeln, Erdnüsse und Spinat sind besonders reich an Magnesium.

Aufnahme von Magnesium im Körper

Magnesium wird im Dünndarm aufgenommen. Die Aufnahme kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden:

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  • Verbesserte Aufnahme: Bei einem niedrigen Magnesiumspiegel im Körper wird mehr Magnesium aus der Nahrung aufgenommen und weniger über die Niere ausgeschieden. Die Aufnahme wird auch verbessert, wenn Magnesium über den Tag verteilt in mehreren kleinen Dosen eingenommen wird und bei einer höheren Proteinaufnahme.
  • Verminderte Aufnahme: Bei einer guten Magnesiumversorgung nimmt der Körper nur so viel Magnesium auf, wie er benötigt. Im höheren Lebensalter und bei Darmerkrankungen kann die Magnesiumaufnahme beeinträchtigt sein. Auch Calcium, hohe Phosphatmengen (in Softdrinks, Milchprodukten und Hülsenfrüchten) sowie Phytate (in Hülsenfrüchten und Getreide) und Oxalate (in Rhabarber) können die Magnesiumaufnahme verringern.

Magnesiummangel: Ursachen und Symptome

Ein Magnesiummangel kann verschiedene Ursachen haben:

  • Allgemeine Faktoren: Ungesunde Ernährung, Stress, Alkoholmissbrauch
  • Bestehende Erkrankungen: Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), Diabetes, chronische Nierenerkrankungen
  • Einnahme bestimmter Medikamente: Abführmittel, Diuretika, hormonelle Verhütungsmittel, Cortison, Protonenpumpenhemmer, Antibiotika, Osteoporose-Medikamente

Symptome eines Magnesiummangels können unspezifisch sein:

  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Schwindel
  • Schlafstörungen
  • Reizbarkeit
  • Nervosität
  • Reduzierte Stresstoleranz
  • Verstopfung
  • Häufige Wadenkrämpfe
  • Verringerte Gedächtnisleistung
  • Bluthochdruck und Herzschwäche

Diagnose eines Magnesiummangels

In der Praxis werden meist die Magnesium-Blutserum-Werte bestimmt. Diese Werte geben jedoch nur bedingt Auskunft über den tatsächlichen Magnesiumspiegel im Körper, da der Körper den Magnesiumspiegel im Blut konstant halten möchte und bei Bedarf Magnesium aus den Speichern (Knochen, Muskeln) freisetzt. Aussagekräftiger ist der Magnesium-Loading-Test, bei dem nach intravenöser Gabe von Magnesium der Urin über 24-48 Stunden gesammelt wird.

Magnesium und Migräne

Migräne ist eine chronisch-rezidivierende Kopfschmerzerkrankung, von der etwa 7 % der Männer und 13 % der Frauen betroffen sind. Viele Migränepatienten leiden an einem Magnesiummangel. Studien deuten darauf hin, dass Magnesium bei der Vorbeugung von Migräne helfen kann.

Wirkung von Magnesium bei Migräne

Magnesium spielt eine zentrale Rolle für den Energiestoffwechsel und die Aktivierung zahlreicher Enzyme. Zudem ist der Mineralstoff an der Reizübertragung von Nerven auf Muskeln sowie der Muskelkontraktion beteiligt. Magnesium trägt außerdem zu einer normalen Funktion des Nervensystems wie auch zur Erhaltung von Knochen und Zähnen bei. Eine Unterversorgung zeigt sich in Form von Zittern, Krämpfen, Verwirrtheit oder Herzrhythmusstörungen.

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Ein Defizit an Magnesium kann unter Umständen zu Muskelkrämpfen und -verspannungen oder Kopfschmerzen führen. Schlafmangel, Stress, hormonelle Veränderungen sowie stark histamin- oder tyraminhaltige Lebensmittel (Käse, Sauerkraut, Wein) zählen ebenfalls zu den Auslösern von Kopfschmerzen und Migräne.

Studienlage zur Migräneprophylaxe mit Magnesium

Die Studiendaten zur Migräneprophylaxe mit Magnesium sind nicht völlig schlüssig. Einige Studien zeigen eine Reduktion der Migräneattacken durch Magnesium, während andere keine Wirksamkeit feststellen konnten. Die methodischen Unstimmigkeiten der Studien, wie die Applikation verschiedener Magnesiumsalze in unterschiedlichen Darreichungsformen und Konzentrationen, erschweren die Bewertung der Ergebnisse.

Eine Studie von 1996 ergab, dass die Migräneattacken unter 600 mg Magnesium für 3 Monate eine Reduktion der Häufigkeit um 41,6 % ergaben, unter Placebo hingegen nur 15,8 %. Andere Studien konnten diese Ergebnisse nicht bestätigen.

Eine Meta-Analyse, die Ergebnisse aus vielen einzelnen Studien zusammenfasste, konnte eine signifikante Verbesserung der Frequenz und Intensität der Migräneattacken nachweisen.

Insgesamt gilt Magnesium als Prophylaktikum mit geringer wissenschaftlicher Evidenz. Aufgrund der geringen Nebenwirkungen wird Magnesium jedoch relativ häufig als zusätzliches Prophylaktikum eingesetzt.

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Anwendung von Magnesium bei Migräne

Magnesium ist in Form von Nahrungsergänzungsmitteln rezeptfrei erhältlich. Die häufigsten Formen sind Magnesiumoxid, Magnesiumcarbonat und Magnesiumcitrat. Magnesiumoxid wird langsam und gleichmäßig aufgenommen und eignet sich gut zum Auffüllen der Speicher. Magnesiumcitrat wird schnell vom Körper aufgenommen und kann bei akuten Beschwerden eingesetzt werden.

Die empfohlene Tageshöchstdosis in Nahrungsergänzungsmitteln beträgt laut Bundesinstitut für Risikobewertung 250 mg. Schon ab 300 mg pro Tag kann es zu Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden kommen.

Es ist ratsam, vor der Einnahme von Magnesium zur Migräneprophylaxe Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker zu halten.

Ernährung bei Migräne

Neben der Einnahme von Magnesiumpräparaten kann eine magnesiumreiche Ernährung zur Migräneprophylaxe beitragen. Magnesium ist vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten, wie Kernen und Samen (Mandeln, Kürbiskerne, Leinsamen, Sesam), Vollkornprodukten, grünem Blattgemüse (Mangold, Spinat) und Hülsenfrüchten (Linsen, Bohnen, Erbsen).

Neuere Studien zeigen, dass auch ein niedrig stabiler Blutzucker Migräne effektiv reduzieren kann. Starke Blutzuckerschwankungen können bei der Entstehung von Migräneattacken eine Rolle spielen. Daher ist eine niedrig-glykämische Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig und stabil hält, von großer Bedeutung.

Magnesium und Durchfall

Eine häufige Nebenwirkung der Einnahme von Magnesium ist Durchfall. Dies tritt vor allem bei höheren Dosierungen auf.

Ursachen von Durchfall durch Magnesium

Magnesium kann in hohen Dosen zu einer Aufweichung des Stuhls bzw. osmotisch-bedingtem Durchfall führen. Grund dafür ist, dass nicht-resorbiertes Magnesium im Dickdarm Wasser anzieht und dadurch leichten Durchfall auslösen kann.

Behandlung von Durchfall durch Magnesium

Der durch Magnesium ausgelöste Durchfall hat in der Regel keinen Krankheitswert. Sobald die tägliche Aufnahmemenge reduziert wird, lassen die Symptome nach. Es ist ratsam, die Tagesdosis auf mehrere Portionen zu verteilen und Magnesium zu den Mahlzeiten einzunehmen.

Magnesiumüberdosierung

Eine Magnesiumüberdosierung ist bei gesunden Menschen mit normaler Nierenfunktion selten, da überschüssiges Magnesium über die Nieren ausgeschieden wird. Bei einer Niereninsuffizienz kann es jedoch zu einer Hypermagnesiämie (Magnesiumüberschuss) kommen.

Symptome einer Magnesiumüberdosierung können sein:

  • Bewusstseinsstörungen
  • Muskelschwäche
  • Veränderungen im Elektrokardiogramm
  • Übelkeit
  • Empfindungsstörungen im Gesicht
  • Im Extremfall: Herzstillstand

Bei Verdacht auf eine Magnesiumüberdosierung sollte sofort medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.

Migräne und Verdauungsbeschwerden

Migräne geht häufig mit Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen und Durchfall einher. Es wird vermutet, dass die Darm-Hirn-Achse, die Verbindung zwischen Gehirn und Darm, eine Rolle bei diesen Zusammenhängen spielt.

Die Darm-Hirn-Achse

Gehirn und Darm kommunizieren permanent miteinander über die Darm-Hirn-Achse. Entzündungen im Magen-Darm-Bereich können bei manchen Menschen zu Kopfschmerzen führen und Migräne begünstigen. Auch die Zusammensetzung der Darmflora scheint die Schmerzwahrnehmung beeinflussen zu können.

Probiotika gegen Migräne?

Studien deuten darauf hin, dass die Einnahme von Probiotika, die lebende Mikroorganismen enthalten, die die Darmfunktion unterstützen, Migräne-Anfälle reduzieren könnte. Probiotika sind beispielsweise in Joghurt, Quark und fermentierten Lebensmitteln wie Sauerkraut enthalten.

Ernährung bei Migräne und Verdauungsbeschwerden

Eine ausgewogene Ernährung kann sich positiv auf die Darmflora und somit möglicherweise auch auf Migräne auswirken. Es ist ratsam, auf eine ausreichende Zufuhr von Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen zu achten und stark verarbeitete Lebensmittel zu meiden.

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