Ursachen für Taubheitsgefühl in der rechten Gesichtshälfte: Ein umfassender Überblick

Ein Taubheitsgefühl in der rechten Gesichtshälfte kann beunruhigend sein und verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig, die möglichen Gründe zu verstehen, um die richtige Diagnose und Behandlung zu erhalten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Diagnose und Therapie von Taubheitsgefühlen in der rechten Gesichtshälfte.

Einführung

Ein Taubheitsgefühl, medizinisch als Hypästhesie bezeichnet, entsteht durch eine verringerte Sensibilität der Haut. Dabei ist der Gefühlssinn gestört, sodass Informationen über äußere Reize wie Wärme, Kälte, Berührung, Druck, Schmerzen und Vibrationen nicht oder nur eingeschränkt an das Gehirn weitergeleitet werden können. Ein vollständiger Ausfall des Gefühlssinns wird als Anästhesie bezeichnet.

Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühl in der rechten Gesichtshälfte

Hinter einem Taubheitsgefühl im Gesicht können verschiedene Ursachen stecken. Einige davon sind harmlos, während andere auf eine ernsthafte Erkrankung hindeuten können.

1. Gesichtslähmung (Fazialisparese)

Eine der häufigsten Ursachen für einseitige Taubheitsgefühle im Gesicht ist die Gesichtslähmung oder Fazialisparese. Hierbei kommt es zu einer Schädigung des siebten Gesichtsnervs (Nervus facialis), was zu einer Schwäche oder Lähmung der Gesichtsmuskeln führt.

Arten der Fazialisparese

  • Periphere Fazialisparese: Bei dieser Form ist der Nerv in seinem Verlauf vom Hirnstamm zum Gesicht geschädigt, was zu einer Lähmung einer gesamten Gesichtshälfte führt. Der Patient kann die Stirn nicht mehr runzeln, und das Auge auf der betroffenen Seite kann nicht vollständig geschlossen werden. Beim Versuch, das Auge zu schließen, dreht sich der Augapfel nach oben (Bell-Phänomen).
  • Zentrale Fazialisparese: Hier ist die Verschaltung des Nervus Facialis im Gehirn gestört. Das Gesicht ist vom Auge bis zum Kinn einseitig gelähmt, während die Mimik im Bereich der Stirn erhalten bleibt, da beide Stirnseiten von Nervenfasern aus beiden Gehirnhälften versorgt werden.

Ursachen der Fazialisparese

Die Ursachen einer Fazialisparese können vielfältig sein:

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  • Idiopathische Fazialisparese: In den meisten Fällen lässt sich keine Ursache für die Gesichtslähmung finden.
  • Infektionen: Virusinfektionen wie Gürtelrose (Varizella-Zoster-Virus) oder bakterielle Infektionen wie Mittelohrentzündung können eine Fazialisparese auslösen. Es gibt deutliche Hinweise auf eine Herpes-simplex Typ 1 Infektion des Nervs.
  • Trauma: Knochenbrüche oder Wunden im Gesicht können den Gesichtsnerv schädigen.
  • Tumore: Tumore, die auf den Gesichtsnerv drücken, können ebenfalls eine Lähmung verursachen.
  • Autoimmun- und Stoffwechselerkrankungen: Auch Autoimmunerkrankungen oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes können eine Fazialisparese begünstigen.
  • Schlaganfall: Eine zentrale Fazialisparese kann als Folge eines Schlaganfalls auftreten.

Symptome der Fazialisparese

Die Symptome einer Fazialisparese entwickeln sich in der Regel innerhalb weniger Stunden und können folgende Anzeichen umfassen:

  • Erschlaffung der Gesichtsmuskeln
  • Absinken der Augenbraue
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Gesicht
  • Steifes Gefühl im Gesicht
  • Schmerzen im Ohr
  • Gestörter Geschmackssinn
  • Unfähigkeit, das Augenlid vollständig zu schließen
  • Hängender Mundwinkel
  • Trockener Mund und Augen
  • Erhöhte Geräuschempfindlichkeit
  • Schwierigkeiten beim Sprechen und Beeinträchtigung der Mimik

Therapie der Fazialisparese

Die Therapie der Fazialisparese richtet sich nach der Ursache. Bei einer idiopathischen Fazialisparese konzentriert sich die Behandlung auf die Linderung der Symptome.

  • Medikamente: Bei einer viralen oder bakteriellen Infektion werden Virustatika bzw. Antibiotika eingesetzt. In manchen Fällen werden auch Glukokortikoide (Kortison) verwendet.
  • Augenpflege: Augensalben und -tropfen lindern Beschwerden, die durch den unvollständigen Lidschluss entstehen. Ein Uhrglasverband kann das Auge nachts vor Austrocknung schützen.
  • Physiotherapie: Spezielle Fazialisparese-Übungen helfen, das Sprechen zu verbessern, leichter zu essen und trinken sowie Gesichtsausdrücke zu trainieren.
  • Nervenstimulation: In schweren Fällen kann eine transkutane Nervenstimulation eingesetzt werden, bei der leichte Stromwellen die betroffenen Nerven und Muskeln anregen.
  • Operation: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu entlasten oder die Mimik wiederherzustellen.

2. Migräne

Ein Kribbeln und/oder Taubheitsgefühl im Kopf oder im Gesicht kann ein Vorbote eines Migräneanfalls sein, insbesondere bei einer Migräne mit Aura. Die Missempfindungen treten häufig im Gesicht oder den Extremitäten auf und gehören zur sogenannten Aura-Phase, die der eigentlichen Kopfschmerzphase vorausgeht.

3. Multiple Sklerose (MS)

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die zu Gefühlsstörungen wie Taubheit im Gesicht, den Armen oder Beinen führen kann. Bei MS greift das körpereigene Immunsystem die Nervenfasern an, was zu einer gestörten Reizweiterleitung führt.

4. Schlaganfall

Ein Schlaganfall kann einseitige Taubheitsgefühle verursachen, wenn das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt wird. Typischerweise treten die Taubheitsgefühle einseitig auf und betreffen nur eine Hälfte des Gesichts oder den rechten oder linken Arm. Weitere Symptome eines Schlaganfalls sind:

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  • Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
  • Veränderungen des Sehvermögens
  • Gesichtslähmung
  • Armschwäche
  • Sprech- und Sprachschwierigkeiten
  • Starke Kopfschmerzen

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall sollte umgehend der Notruf (112) verständigt werden.

5. Tumore im Gehirn

Tumore im Gehirn können auf umliegende Nerven drücken und so Taubheitsgefühle im Gesicht verursachen.

6. Angst- oder Panikattacken

In manchen Fällen können Angst- oder Panikattacken ein Taubheitsgefühl im Gesicht auslösen. Dies ist in der Regel auf eine Hyperventilation zurückzuführen, die zu einer Veränderung des Säure-Basen-Haushalts im Körper führt.

7. Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung des fünften Hirnnervs (Nervus trigeminus), die zu starken, stechenden Schmerzen im Gesicht führen kann. In manchen Fällen kann auch ein Taubheitsgefühl auftreten.

8. Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

CMD bezieht sich auf Probleme mit der Kiefergelenkfunktion und den umliegenden Muskeln. Diese Dysfunktion kann zu Taubheitsgefühlen im Gesicht führen.

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9. Halswirbelsäulenprobleme (HWS)

Probleme mit der Halswirbelsäule, wie Verspannungen, Fehlhaltungen oder ein Bandscheibenvorfall, können Nerven einklemmen oder reizen und so zu Taubheitsgefühlen im Gesicht führen.

10. Infektionen

Bestimmte Virusinfektionen, wie das Herpes-Simplex-Virus, können Nerven im Gesicht beeinflussen und Taubheitsgefühle verursachen. Auch eine Mittelohrentzündung kann den Nervus facialis in Mitleidenschaft ziehen.

11. Vitamin-B12-Mangel

Ein Mangel an Vitamin B12 kann zu neurologischen Symptomen wie Taubheitsgefühlen führen.

12. Stress

Stress kann zu Verspannungen und Durchblutungsstörungen führen, die sich als Taubheitsgefühl im Gesicht äußern können.

13. Kälte

Erfrierungen können ebenfalls ein Taubheitsgefühl im Gesicht hervorrufen.

14. Medikamente

In seltenen Fällen können bestimmte Medikamente Missempfindungen wie ein taubes Gesicht oder taube Hände sowie ein Kribbeln auslösen. Dazu gehören unter anderem Statine, ACE-Hemmer oder Calcium-Antagonisten.

Diagnose von Taubheitsgefühlen in der rechten Gesichtshälfte

Bei der Diagnose ist es wichtig, dass der Arzt oder die Ärztin zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten führt, um die genauen Symptome, den zeitlichen Verlauf und mögliche Auslöser zu erfragen. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der die Reflexe, die Sensibilität und die Funktion der Gesichtsnerven überprüft werden.

Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein:

  • Neurologische Untersuchung: Um Nervenschädigungen festzustellen, werden die Reflexe sowie verschiedene Sinnesleistungen - beispielsweise das Gehör und das Sehen - geprüft.
  • Blutuntersuchungen: Um mögliche Ursachen wie Diabetes, Vitaminmangel oder Entzündungen zu identifizieren. Gemessen werden zum Beispiel der Blutzuckerspiegel, die Menge bestimmter Vitamine und Mineralstoffe sowie Entzündungswerte.
  • Bildgebende Verfahren: Eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) kann durchgeführt werden, um Ursachen im Gehirn oder an den Nerven auszuschließen. Bei Verdacht auf eine Fraktur (Längs- und Querfrakturen des Felsenbeins) oder Insult wäre die CT ratsam. Ein MRT mit Kontrastmittel kann bei der Bell-Parese eine Anreicherung im siebten Hirnnerv zeigen.
  • Lumbalpunktion: Zur Gewinnung von Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit, um Entzündungen oder Infektionen auszuschließen.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
  • HNO-ärztliche Untersuchung: Bei Verdacht auf eine Mittelohrentzündung.
  • Orthopädische Untersuchung: Bei Verdacht auf Probleme mit der Halswirbelsäule.

Therapie von Taubheitsgefühlen in der rechten Gesichtshälfte

Die Therapie von Taubheitsgefühlen in der rechten Gesichtshälfte richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Einige allgemeine Maßnahmen können jedoch helfen, die Symptome zu lindern:

  • Stressreduktion: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und Verspannungen zu lösen.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen ist wichtig für die Gesundheit der Nerven.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung und kann helfen, Verspannungen zu lösen.
  • Physiotherapie: Bei Problemen mit der Halswirbelsäule oder Verspannungen kann Physiotherapie helfen, die Muskulatur zu lockern und die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel eingenommen werden, um die Beschwerden zu lindern.
  • Spezifische Therapien: Je nach Ursache können spezifische Therapien erforderlich sein, wie z.B. Medikamente gegen Migräne, Antibiotika bei einer bakteriellen Infektion oder eine Operation bei einem Bandscheibenvorfall.

Vorbeugung von Taubheitsgefühlen in der rechten Gesichtshälfte

Einige Maßnahmen können helfen, Taubheitsgefühlen in der rechten Gesichtshälfte vorzubeugen:

  • Gesunde Lebensweise: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf sind wichtig für die Gesundheit der Nerven.
  • Stressmanagement: Stress sollte vermieden oder reduziert werden.
  • Ergonomie: Achten Sie auf eine gute Haltung und ergonomische Arbeitsbedingungen, um Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich zu vermeiden.
  • Vermeidung von Zugluft: Vermeiden Sie Zugluft im Gesicht, um Entzündungen des Gesichtsnervs vorzubeugen.
  • Impfungen: Lassen Sie sich gegen bestimmte Viruserkrankungen impfen, die eine Fazialisparese auslösen können.
  • Frühzeitige Behandlung von Grunderkrankungen: Lassen Sie Grunderkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck frühzeitig behandeln, um Nervenschädigungen vorzubeugen.

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