Rund zehn Prozent der Bevölkerung leiden unter Migräne, einer neurologischen Erkrankung, die oft von starker Lichtempfindlichkeit begleitet wird. Spezielle Brillengläser, sogenannte Migränebrillen, können hier Abhilfe schaffen. Diese Gläser filtern bestimmte Lichtanteile, die als besonders unangenehm empfunden werden, und können so die Symptome der Migräne lindern.
Was ist Migräne?
Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, von der in Deutschland schätzungsweise acht Millionen Menschen betroffen sind. Die Auslöser (Trigger) für eine Migräneattacke sind sehr individuell und können Stress, Übermüdung, falsche Ernährung oder Wetterumschwünge sein. Auch die Symptome sind vielfältig. Während manche Betroffene "nur" Kopfschmerzen haben, leiden andere zusätzlich unter Übelkeit, Erbrechen oder Sehstörungen.
Lichtempfindlichkeit bei Migräne
Ein häufiges Begleitsymptom der Migräne ist die Lichtempfindlichkeit (Photophobie). Betroffene reagieren empfindlich auf helles Licht, insbesondere auf Kunstlicht, Neonlicht oder Leuchtstoffröhrenlicht. Viele ziehen sich während einer Migräneattacke in dunkle Räume zurück, um die Beschwerden zu lindern.
Wie wirken Migränebrillen?
Migränebrillen sind mit speziellen Gläsern ausgestattet, die bestimmte Wellenlängen des Lichts filtern. Insbesondere werden die Wellenlängen im Bereich um 484 Nanometer reduziert, der bei migränebedingter Photophobie als besonders unangenehm empfunden wird. Einige Hersteller, wie Schweizer, erweitern diesen Bereich sogar bis 530 Nanometer. Durch die Filterung dieser Lichtanteile können Migränebrillen die Belastung durch Licht- und Blendempfindlichkeit, Bildschirmlicht sowie Leuchtstoffröhrenlicht spürbar verringern.
Herkömmliche Sonnenbrillengläser dämpfen alle Lichtanteile gleichmäßig. Im Gegensatz dazu reduzieren die Komfortgläser von Acunis insbesondere die Transmission der für die Blendung verantwortlichen Anteile des Lichts. So kann vermieden werden, dass sich das Auge aufs „Dunkelsehen“ einstellt und die Blendung beim Absetzen der Brille noch verstärkt wird.
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Arten von Migränebrillen
Es gibt verschiedene Arten von Migränebrillen, die sich in ihrer Tönungsstärke und ihrem Anwendungsbereich unterscheiden:
- Leichte Tönung (ca. 25 % Absorption): Geeignet für den Einsatz in Innenräumen und bei leichter Lichtempfindlichkeit.
- Mittlere Tönung (ca. 50 % Absorption): Bietet eine stärkere Dämpfung des Lichts und ist sowohl für Innenräume als auch für den Außenbereich geeignet.
- Starke Tönung (ca. 75 % Absorption): Empfohlen für den Einsatz bei starker Sonneneinstrahlung und ausgeprägter Lichtempfindlichkeit. Kann als Ersatz für eine Sonnenbrille dienen.
Die Firma Schweizer-Optik bietet mit MIGRÄNE-Comfort zwei Tönungsstufen für seine Migräne-Brillen an: MIGRÄNE-Comfort 22 sowie MIGRÄNE-Comfort 37. Die Zahlen geben die Auskunft über die Absorption in Prozent des oben genannten Lichtspektrums an.
Farben und Filter
Neben der Tönungsstärke spielt auch die Farbe der Gläser eine Rolle. Häufig werden rosa- oder violettfarbene Gläser verwendet, da diese Farben bestimmte Wellenlängen des Lichts herausfiltern, die als besonders belastend empfunden werden. Kantfiltergläser mit ihrer speziellen Tönung (Gelb, Rot, Orange bis Braun) können ebenfalls helfen, das kurzwellige blaue Licht herauszufiltern, wodurch der Kontrast erhöht und das Streulicht reduziert wird.
Einige Studien zeigen, dass spezielle Filter wie der FL-41 bei Migräne und Blepharospasmus helfen können, die weniger häufig und mit geringerer Intensität auftreten. Im Vergleich zu normalen Sonnenbrillen, die bis zu 85 % des Lichts blockieren, blockieren Migränebrillen mit dem FL-41-Filter nur 50 % des Lichts.
Die richtige Migränebrille finden
Die Wahl der richtigen Migränebrille hängt von der individuellen Lichtempfindlichkeit und den persönlichen Vorlieben ab. Nicolà Streitt, Augenoptiker und Sehhilfen-Experte bei Eschenbach Optik, empfiehlt, in der Anamnese zu erfragen, ob der Kunde unter migränebedingter Lichtempfindlichkeit leidet. Grundsätzlich gilt: Je blendempfindlicher ein Kunde ist, desto stärker sollte die Tönung gewählt werden.
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Es ist ratsam, die Gläser vor dem Kauf ausgiebig zu testen, idealerweise in verschiedenen Alltagssituationen und bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen. Viele Optiker bieten Testboxen mit verschiedenen Filterstärken an, die man zu Hause ausprobieren kann.
Erfahrungen mit Migränebrillen
Die Erfahrungen mit Migränebrillen sind sehr individuell. Einige Anwender berichten von einer deutlichen Linderung ihrer Beschwerden, während andere keine oder nur geringe Auswirkungen feststellen.
Lisa Meinl, Augenoptikermeisterin und Migränepatientin, führte einen Selbsttest mit den Acunis-Gläsern von Eschenbach Optik durch. Sie stellte fest, dass die Gläser die Wahrnehmung während der Migräne, die von einer erhöhten Blendempfindlichkeit begleitet wurde, stärker veränderten als bei normalen Kopfschmerzen ohne Blendungsempfinden. Persönlich würde sie die 50-prozentige Tönung wählen, da diese das Licht stärker dämpft, die Umwelt in wärmeren Farbtönen erscheinen lässt und im Gegensatz zu den leichten Tönungen immer einen positiven Effekt während der Migräne lieferte.
Christopher Penzel, Augenoptiker und Geschäftsführer des Betriebs Optik Penzel, berichtet, dass er seinen Kunden nach der Anamnese meist die Acunis-Testbox mit nach Hause gibt, damit sie die verschiedenen Filterstärken in Ruhe im Alltag testen können.
Verkehrstauglichkeit
Nicht alle Migränebrillen sind für den Straßenverkehr geeignet. Die Gläser der Firma Schweizer mit der 22-prozentigen Tönung sind nachtfahrtauglich. Andere Gläser, wie das Migräne-Comfort-Glas 37 von Schweizer sowie die drei Acunis-Gläser von Eschenbach Optik in 25, 50 und 75 Prozent, dürfen ausschließlich bei Fahrten am Tag genutzt werden.
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Alternativen zu Migränebrillen
Neben Migränebrillen gibt es noch weitere Möglichkeiten, die Symptome der Migräne zu lindern:
- Medikamentöse Behandlung: Akutmedikamente (z.B. Triptane) können bei einer akuten Migräneattacke helfen. Prophylaktische Medikamente können die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken reduzieren.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und Migräneattacken vorzubeugen.
- Verhaltenstherapie: Eine Verhaltenstherapie kann helfen, den Umgang mit Migräne zu erlernen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann bei Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich helfen, die Migräneattacken auslösen können.
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei Migräne helfen kann.
Augenmigräne
Eine spezielle Form der Migräne ist die Augenmigräne (ophthalmische oder retinale Migräne). Sie ist durch vorübergehende Sehstörungen gekennzeichnet, die von Flimmern vor den Augen über Blitze im Auge bis hin zu vorübergehender Blindheit reichen können. Die Ursache ist häufig eine plötzliche Verengung der Blutgefäße, die das Blut zum Auge führen.
Was tun bei Augenmigräne?
- Ruhe: Suchen Sie einen ruhigen, abgedunkelten Raum auf und entspannen Sie sich.
- Auslöser vermeiden: Identifizieren Sie mögliche Auslöser (Stress, bestimmte Nahrungsmittel, etc.) und vermeiden Sie diese.
- Flüssigkeitszufuhr: Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
- Arzt aufsuchen: Wenn die Symptome häufig auftreten oder sehr stark sind, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um andere Ursachen auszuschließen.
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